Se connecterHeather Meine Augen wanderten über den Brief, der von zu Hause geschickt worden war. Es war kein Brief mit Höflichkeitsfloskeln, sondern ein düsterer Bericht darüber, was zu Hause vor sich ging. Die Dinge liefen nicht gut, und sie brauchten mich – meine Macht als Prinzessin, um ihnen zu helfen. Es war meine Pflicht, diese Macht einzusetzen, um ihnen zu helfen, denn ich gehörte zur Familie. Als ich mit dem Lesen fertig war, glitt mir der Brief langsam aus der Hand. Keine einzige Zeile, in der gefragt wurde, ob es mir gut ginge, ob ich mich an das Leben am Hof gewöhnt hätte, ob ich glücklich wäre. Nur das, was sie wollten, zählte. Ich fragte mich oft, ob es genauso gewesen wäre, wenn Debra mit Prinz Keith verheiratet gewesen wäre – natürlich hätten sie alles getan, um sicherzustellen, dass es ihr gut ging, und sie hätten sie niemals leiden lassen. Plötzlich überkam mich eine Welle der Übelkeit, und ich setzte mich langsam hin und atmete tief aus. Ich hob den Brief vom Boden auf und f
Heather Ich stand draußen, von der kühlen Nachtluft umweht, aber ich brachte es nicht über mich, wieder hineinzugehen. Ich stand völlig regungslos da, den Geschmack von ihm noch immer auf den Lippen. Der Gedanke kam mir fremd vor, so unwirklich. In einem Moment wurde ich in einen schwindelerregenden, atemraubenden Kuss hineingezogen, der mir jede Spur von Vorsicht raubte, und im nächsten stand ich allein da, während Stille in meinen Ohren hallte.Er hatte mich geküsst. Kein höfliches Streifen der Lippen, kein formeller Kuss auf die Wange, sondern ein tiefer, alles verzehrender Kuss, der mir den Atem geraubt und meine Gedanken durcheinandergebracht hatte. Die Logik flog aus dem Fenster, ersetzt von einer verwirrenden Welle aus etwas Warmem und erschreckend Süßem. Meine Gefühle, die ich verzweifelt zu leugnen versucht hatte, waren plötzlich aufgeflammt und hatten mich für alles außer diesem Moment blind gemacht.Und dann löste er sich von mir. Abrupt. Als wäre ihm gerade ein schwerwieg
Prinz KeithDie Bergluft sollte reinigend wirken und die unerbittlichen Forderungen meines Geistes besänftigen. Ich hatte ihre Rauheit gesucht, mit dem konkreten Ziel, zu vergessen. Oder zumindest das Bild von Heather aus meinem Bewusstsein zu verdrängen.Doch es war ein kläglicher Misserfolg.Jeder Atemzug in meinen Lungen schien die Erinnerung an sie in meinem Kopf nur noch zu schärfen. Der Berg bot mir nicht das, was ich wollte; stattdessen war mein Geist ein Sturm, der um sie tobte. Ich sah ihr Gesicht, wenn ich die Augen schloss, hörte das Echo ihrer Stimme im Wind – all das fühlte sich wie körperlicher Schmerz an, wie eine verzweifelte, unlogische Sehnsucht, sie in meiner Nähe zu haben. Ich sehnte mich sogar nach den Streitereien, nach irgendetwas. Einfach irgendetwas, um sie in meiner Nähe zu sehen. Es ergab keinen Sinn. Warum sie? Ich kannte Nyles schon seit Jahren, sie war eine beständige, verlässliche Präsenz in meinem Leben, doch ihre Abwesenheit hatte noch nie diesen beun
HeatherIch rannte auf den Palast zu, ohne auf Molly zu warten. Ich wollte Prinz Keith unbedingt sehen, sodass mir alles andere, worüber wir gesprochen hatten, völlig aus dem Kopf flog. Mollys Rufe „Heather! Warte!“ verstummten hinter mir, und ich ignorierte sie. Meine Brust fühlte sich eng an, es war ein Knoten aus Angst und Frustration … so fest, dass ich kaum atmen konnte. Ich war immer noch völlig überwältigt von der Tatsache, dass er zurück war, nachdem er wie ein Geist verschwunden war, ohne ein einziges Wort zu sagen. Ich wurde erst langsamer, als ich die Tür zu unseren Gemächern erreichte. Ohne zu zögern, ohne auch nur einen Atemzug zur Vorbereitung, riss ich die schwere Tür auf.Der Anblick, der mir begegnete, raubte mir den Atem – doch nur für eine Sekunde, bevor die Wut zurückkehrte und die Leere füllte. Prinz Keith stand neben dem großen Spiegel in seinem Zimmer, ein weißes Handtuch in der Hand. Er war ohne Hemd, Wassertropfen hingen noch an der Haut seiner Schultern, und
Heather Es sind nun schon fünf Tage vergangen, fünf quälend lange Tage, seit ich Prinz Keith das letzte Mal gesehen habe. Die große Luna hatte gesagt, er würde in drei Tagen zurück sein, aber heute ist bereits der fünfte Tag, und er ist immer noch nicht zurück. Ich lief unruhig in meinem Zimmer auf und ab. Bedeutete meine Abwesenheit in seinem Leben ihm etwa nichts? Ich dachte an den Abend zurück, an dem er diese Worte gesagt hatte; ich hatte geglaubt, er meine sie ernst, aber jetzt wusste ich, dass er nur gepokert hatte. All das Gerede darüber, was ich seinem Herzen angetan hatte, darüber, wie sehr ich ihn verunsichert hatte … nein, das war doch nur Gerede, oder? Wie könnte er sich wohl fünf Tage lang in meiner Abwesenheit wohlfühlen, wenn irgendetwas davon wahr wäre? Ich hatte törichterweise, irrationalerweise gehofft, dass er mir eine Notiz, eine Nachricht oder irgendetwas schicken würde, um mir zu sagen, ich solle mir keine Sorgen machen, er würde bald zurück sein, aber ich bek
Prinz KeithIch sah, wie Heathers Augen sich weiteten, sobald mir die Worte über die Lippen kamen; sie wirkte verängstigt. Ich schien den Impuls nicht zügeln zu können, der mich überhaupt erst dazu getrieben hatte, eine solche Aussage zu machen. Ich fluchte innerlich. Es war zum Verrücktwerden: Egal, wie sehr ich mich bemühte, Mauern um mein Herz zu errichten, egal, wie rücksichtslos ich versuchte, ihre Anwesenheit in meinen Gedanken zu ignorieren – ich konnte sie nicht vollständig leugnen. Heather hatte ihren Weg in mein Leben gefunden, ob es mir gefiel oder nicht. Die Art, wie ich mir Sorgen um sie machte, war mir völlig fremd. Ich hatte geglaubt, das zärtlichste Gefühl, das man jemals für jemanden empfinden kann, sei das, was ich für Nyles empfand, aber ich hatte mich geirrt. Ich wusste immer, dass meine Zuneigung zu Nyles auf einer Schuld beruhte, auf den Diensten, die sie mir erwiesen hatte, auf der Tatsache, dass sie da gewesen war, als niemand sonst da war – es war nur natürli







