MasukKapitel 2
„Schön! Dann lassen wir uns scheiden, und nimm deine drei nutzlosen Töchter gleich mit!“, Damians Stimme hallte im Raum wider, kalt und herzlos.
Elena stand aufrecht da und starrte Damian an, ohne eine einzige Träne auf den Wangen. Dann nickte sie langsam und wandte sich ohne ein weiteres Wort ab. Es hatte keinen Sinn, ein Gespräch mit einem Mann zu verlängern, der nicht einmal sein eigenes Fleisch und Blut zu schätzen wusste.
Mit schnellen Schritten ging sie die Treppe hinauf, direkt zu den Zimmern ihrer Kinder. Olivia, ihre älteste, achtjährige Tochter, las auf dem Bett ein Buch. Die sechsjährige Katty spielte mit einer Puppe, während Delya, die Jüngste mit ihren gerade einmal drei Jahren, tief und fest schlief und die Finger noch immer den Rand ihrer Decke umklammerten.
„Mama?“, Olivia sah ihre Mutter verwirrt an. „Warum siehst du so wütend aus?“
Elena holte tief Luft und versuchte, ihre Emotionen zu beruhigen, bevor sie sprach. „Mein Schatz, wir müssen hier sofort weg.“
Katty drehte den Kopf, ihre Augen weiteten sich. „Weggehen? Wohin denn, Mama?“
„An einen besseren Ort.“ Elena lächelte sanft, obwohl es ihr das Herz förmlich zerriss.
Olivia runzelte die Stirn, stellte aber keine weiteren Fragen. Sie war alt genug, um zu verstehen, dass etwas Schlimmes passiert sein musste.
Hektisch begann Elena, ihre Sachen zu packen. Sie griff nach einem Koffer aus dem Schrank und stopfte die Kleidung ihrer Kinder so schnell wie möglich hinein. Ihre Hände zitterten, aber sie durfte jetzt nicht zögern.
Katty half dabei, ihre Lieblingspuppe in ihre kleine Tasche zu stecken. „Papa kommt doch auch mit, oder?“, fragte sie ahnungslos.
Elena lächelte, obwohl sich ihr Herz anfühlte, als wäre es von einem Hammer getroffen worden. „Papa kommt später nach, mein Schatz.“
Sie konnte ihnen nicht die Wahrheit sagen. Nicht jetzt.
Als Elena die noch schlaftrunkene Delya auf den Arm nahm, rieb sich das kleine Mädchen die Augen und blickte zur Tür. „Papa ...“, murmelte sie schwach.
Ohne länger zu warten, ging Elena mit ihren drei Töchtern nach unten ins Wohnzimmer.
Damian stand immer noch da und nippte beiläufig an seinem Wein, als wäre nichts geschehen. Lady Margaret und Lord Charles saßen hochmütig da, während Isabella neben Damian stand und zufrieden lächelte.
Plötzlich streckte Delya, die gerade erst aufgewacht war, ihre Arme nach Damian aus. „Papa!“, rief sie erfreut und lief auf ihren kleinen Beinchen auf ihn zu.
Elena stockte der Atem. „Delya, mein Schatz, nein –“
Doch es war bereits zu spät.
Delya hatte Damian schon erreicht und hob die Arme, um auf den Arm genommen zu werden. Doch was als Nächstes geschah, ließ Elenas Herz stillstehen.
Damian machte einen Schritt zurück und stieß Delyas kleine Hand grob weg. „Fass mich nicht an“, sagte er kalt. „Ich bin nicht mehr dein Papa.“
Die Atmosphäre war auf einen Schlag mucksstill.
Delya stand wie angewurzelt da, die Augen weit geöffnet vor Verwirrung. Olivia und Katty rannten sofort herbei und nahmen ihre Schwester schützend in die Arme.
„Delya!“, Olivia rüttelte an ihrer gestürzten Schwester und sah Damian mit einem wütenden Blick an. „Warum sagst du so etwas, Papa?“
Katty brach in Tränen aus und blickte Damian völlig aufgelöst an. „Aber Papa ist doch unser Papa ...“
Elena konnte ihre Wut nicht länger zügeln. Sie umklammerte den Koffer fest und hielt sich mühsam zurück, nicht vor ihren Kindern loszuschreien. „Du bist wirklich ein verdammtes Arschloch, Damian.“
Damian schnaubte nur. „Schaff sie fort, bevor ich es mir anders überlege und euch auf noch üblere Weise rauswerfe.“
Elena ballte die Fäuste und holte tief Luft. Sie musste stark bleiben, nicht für sich selbst, sondern für ihre Kinder.
Mit zitternden Händen nahm sie ihre drei Töchter an der Hand und ging auf die Tür zu. Delya schluchzte immer noch, während Olivia krampfhaft versuchte, ihre Tränen zu unterdrücken.
Als ihre Hand den Türknauf berührte, hielt Elena einen Moment inne und blickte zurück. „Damian, eines Tages wirst du das bereuen.“
Damian lachte nur leise. „Das werden wir ja sehen.“
„Lass sie doch, Schatz. Morgen kommt sie schon wieder angekrochen und bettelnd zurück“, sagte Isabella.
„Es stimmt, was Isabella sagt. Elena hat doch gar nichts! Wie sollte sie ohne dein Geld überleben, Damian!“, fuhr die Mutter fort.
„Kein Problem! Sie und ihre drei Kinder können meinetwegen hier bleiben – aber als Dienstboten!“, sagte Damian, ohne sich im Geringsten für die Gefühle von Elena und ihren drei Töchtern zu interessieren.
Elena sagte nichts weiter. Sie öffnete die Tür und trat hinaus; sie ließ das Haus, das sie einst ihr Heim genannt hatte, und den Mann, der es nicht länger verdiente, ihr Ehemann genannt zu werden, hinter sich.
Kapitel 60„Warum sind die Überwachungskameras plötzlich ausgefallen?!“, Elenas Stimme hallte durch das stille Lehrerzimmer.Ein IT-Mitarbeiter der Schule blickte nervös zu Boden. „Ich weiß es auch nicht, Frau Elena. Heute Morgen hat noch alles ganz normal funktioniert. Aber heute Nachmittag war das Material vom Schultor plötzlich nicht mehr lesbar. Es scheint ein Systemfehler zu sein.“„Ein Systemfehler?“, Elena seufzte frustriert. „Die einzige Spur dazu, wer mein Kind mitgenommen hat, ist also weg?“Alvas Lehrerin versuchte Elena zu beruhigen: „Es tut uns wirklich aufrichtig leid, Frau Elena. Aber wir dachten, der Mann sei von Ihnen geschickt worden, um Alva abzuholen.“„Vergessen Sie das!“, schnauzte Elena sie an, während ihre Augen rot anzulaufen begannen. „Tun Sie das nie wieder! Ich bin sicher, dass das eine Entführung ist! EINE ENTFÜHRUNG!“Mit blassem Gesicht rannte Elena aus dem Lehrerzimmer. Ihre Hände zitterten, als sie ihr Handy aus der Tasche zog. Elena wählte sofort Tama
Kapitel 59Elenas Auto bahnte sich langsam seinen Weg durch den Abendverkehr. Ein klassisches Lied erklang leise aus den Autolautsprechern und beruhigte ihren Verstand, während sie sich Alvas Gesicht vorstellte. Heute hatte Elena versprochen, ihren Sohn persönlich abzuholen – etwas, das sie in letzter Zeit wegen ihres vollen Terminkalenders in der Boutique nur noch selten tat.„Alva wird sich so freuen, von mir abgeholt zu werden“, flüsterte Elena mit einem Lächeln.Elena warf einen Blick auf die Uhr auf dem Armaturenbrett. Es verblieben noch zehn Minuten, bis die Schulglocke läutete. Elena beschleunigte das Auto leicht und versuchte, nicht zu spät zu kommen.Plötzlich überquerte von der Seite des Bürgersteigs eine alte Frau mit Plastikeinkaufstüten die Straße, ohne nach links oder rechts zu schauen. Elena trat reflexartig voll auf die Bremse.Quieeetsch!Das Auto kam nur wenige Zentimeter vor dem Körper der alten Frau zum Stehen.„Um Himmels willen!“, Elena öffnete die Tür und stieg
Kapitel 58Isabella warf ihre Sonnenbrille auf den Boden des Zimmers, woraufhin das Glas zersprang. Ihr Atem ging unregelmäßig, ihr Gesicht war rot vor Zorn, der noch immer nicht verflogen war.„Wie kann Damian es wagen, mich zu ohrfeigen! Noch dazu vor dieser Schlampe!“, murmelte sie durch zusammengebissene Zähne.Sie ging im Zimmer auf und ab und zerzauste ihr halb fertig gestyltes Haar. Scham, Zorn und Verletztheit vermischten sich in ihrer Brust. Damians Stimme hallte in ihrem Kopf nach, wie er sie verteidigt hatte ... aber nicht für sie. Für Elena.„Er zieht diese Frau vor ... nur weil Elena den Lancaster-Erben geboren hat?!“Isabella hielt die Tränen zurück, die aufzusteigen drohten, als ihr Blick plötzlich auf den Bildschirm ihres Handys auf dem Tisch fiel. Sie hob es rasch auf, öffnete die Kontakte und drückte auf einen Namen, den sie schon lange nicht mehr angerufen hatte.Die Verbindung stand.„Ja?“, antwortete die schwere Stimme am anderen Ende.„Ich habe einen Auftrag für
Kapitel 57„Nathan, bist du vorhin nicht nach Hause gefahren?“, fragte Elena leise, immer noch in den Armen des Mannes. Ihre Stimme war kaum hörbar, geborgen zwischen den Schlägen eines Herzens, das viel zu schnell schlug.Nathan seufzte, löste langsam seine Umarmung und sah Elena sanft an. „Doch. Aber du hast dein Handy in meinem Auto vergessen“, sagte er und deutete auf das Mobiltelefon, das Elena auf dem Beifahrersitz liegen gelassen hatte. „Und irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl.“Elena nickte leicht und griff dann mit zitternden Händen nach ihrem Handy. „Ich danke dir.“Sie sahen sich an. Ein Augenblick fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Die Zeit fror ein.Nathan saß neben ihr und hielt immer noch Abstand. Doch da war etwas in der Luft, das immer dichter wurde – Anspannung, unerträgliche Emotionen und Gefühle, die sie so lange verschwiegen hatten.„Elena ...“, rief Nathan mit tiefer Stimme, fast ein Flüstern. „Weißt du was? Ich kann einfach nicht aufhören, an dich zu denken.“E
Kapitel 56Der Himmel verdunkelte sich bereits, als die Uhr sieben Uhr abends schlug. Die Lichter der Stadt gingen langsam an, und die kühle Nachtluft kroch durch die Fensterspalten herein. Elena hatte gerade Alva gefüttert, während Delya geschäftig mit einem Spielzeug auf dem Boden spielte. Die Türbell klingelte.Elena runzelte die Stirn; sie erwartete um diese Zeit der Nacht keinen Besuch mehr. Sie ging schnell zur Tür und öffnete sie. Nathans Gestalt stand dort – ordentlich, schneidig in einem dunklen Anzug, der seinen Körper perfekt umrahmte.„Hallo“, begrüßte Nathan sie mit jenem charakteristischen Lächeln, das es irgendwie immer schaffte, Elenas Herz schneller schlagen zu lassen.„Nathan?“, Elena war ein wenig überrascht. „Was ist los? Du hast gar nicht gesagt, dass du vorbeikommst.“Nathan hob eine kleine Schachtel hinter seinem Rücken hervor – zusammen mit einem Strauß Lilien und weißer Rosen.„Ich wollte dich zum Abendessen ausführen“, sagte er hoffnungsvoll. „Ich habe bereit
Kapitel 55Elena schwieg noch immer. Ihr Gesicht war tiefrot angelaufen – nicht nur von dem Kuss auf ihre Lippen, sondern auch von dem darauffolgenden Kuss, den Nathan soeben auf ihren Hals gesetzt hatte; heiß, tief und überraschend.„Aahh ...“, der Seufzer entfloh ihren Lippen und entlockte Nathan ein leises Lächeln. Es war das Lächeln eines Mannes, der genau wusste, dass er etwas berührt hatte, das sich nicht mehr leugnen ließ.„Elena“, Nathans Stimme klang heiser, fast wie ein Flüstern. „Ich habe dir ein Liebesmal am Hals hinterlassen. Du gehörst mir, Elena.“Elena drehte rasch den Kopf herum, ihre Augen weiteten sich leicht. „Nathan ...“„Du musst jetzt nicht antworten“, sagte Nathan sanft. „Aber sag mir nicht, dass du es nicht fühlst.“In Elenas Körper stieg eine plötzliche Hitze auf. Ihr Herz schlug so schnell, und ihre Gedanken gerieten völlig in Aufruhr. Die eine Hälfte von ihr wollte erwidern, wollte Nathans Gesicht berühren und mit ihren Lippen seinen Hals nachfahren.Doch E







