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KAPITEL 2: VERFÜHRE DEN TEUFEL

last update publish date: 2026-09-04 01:22:37

CAITLIN

Verpiss dich. Die Worte hallten wieder und wieder in meinem Kopf nach. Ich stand einfach nur da, die Augen weit aufgerissen, und konnte beim besten Willen nicht fassen, dass das wirklich Colton war.

„Colton, du–“

„Was stehst du hier eigentlich noch dumm herum? Welchen Teil von ‚Verpiss dich‘ hast du verdammt noch mal nicht kapiert, Caitlin?“ Er starrte mich an, die Nasenflügel wütend gebläht, als wäre ich der letzte Abschaum, ein lästiges Stück Scheiße.

Ich öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch mehr als ein brüchiges, zittriges Ausatmen brachte ich nicht zustande. Ich schlang die Arme fest um meinen eigenen Körper und versuchte verzweifelt, irgendwo den Mut herzunehmen, von dem ich wusste, dass ich ihn längst nicht mehr besaß.

„Es ist aus zwischen uns, Colton“, brachte ich schließlich mit erstickter Stimme hervor. Ich hielt den Kopf trotzig erhoben; ich war fest entschlossen, mir von dieser Drecksaktion nicht das Rückgrat brechen zu lassen.

„Als hätte er jemals wirklich Bock auf eine fette, pleitegegangene Schlampe wie dich gehabt“, ätzte die Frau, Bella.

Mein Blick wanderte sofort zu Colton hinüber. Trotz des verfluchten Verrats hatte ich idiotischerweise irgendwie erwartet, dass er etwas zu meiner Verteidigung sagen würde. Aber nein. Er lag einfach nur da und grinste dreckig, während in seinen Augen etwas aufloderte, das ich absolut nicht einordnen konnte. Es jagte mir eine eiskalte Gänsehaut über den Rücken. Ich ballte die Hände an meinen Seiten zu Fäusten, um mich mit aller Gewalt zu beherrschen.

„Es war also alles nur eine verdammt schlechte Lüge?“

Du hast dich nie auch nur einen Scheißdreck um mich gesorgt, oder? Ich sprach diese Worte nicht laut aus, denn das musste ich auch gar nicht. Seine Augen verdunkelten sich augenblicklich, und seine Augenbrauen zogen sich finster zusammen—ein Anblick, den ich an ihm noch nie gesehen hatte, erst recht nicht mir gegenüber.

Colton schwang sich aus dem Bett, griff nach seiner Hose und zog sie sich hastig über. Ich versuchte krampfhaft, zurückzuweichen, aber meine Knie fühlten sich an wie weicher Wackelpudding. Mit wenigen, weiten Schritten hatte er die Distanz zwischen uns überbrückt. Seine Finger gruben sich schmerzhaft wie Schraubstöcke in meine Oberarme, während er mich brutal aus dem Schlafzimmer, den Flur hinunter und auf die Haustür zuzerrte.

„Lass mich verdammt noch mal los!“, schrie ich ihn an und versuchte mit aller Kraft, seine Hand von mir abzuschütteln. „Ich kann verdammt noch mal alleine laufen!“

„Ich habe dir genug Zeit gegeben, von alleine zu verschwinden! Hast du es getan?!“

Er hatte recht.

Doch genau in dem Moment, bevor er die Tür auf riss, stellte ich ihm die eine Frage, die mir unbarmherzig auf der Seele brannte: „Warum?“, meine Stimme klang leise und gebrochen—völlig kraftlos, als wäre jede verbliebene Lebensenergie aus mir gewichen.

Er hielt kurz inne. Sein harter Blick wurde für den Bruchteil einer Sekunde weicher, ehe sich ein dreckiges, gehässiges Grinsen auf seinen Lippen ausbreitete.

„Weil du absolut keinen Nutzen mehr für mich hast.“

Nutzen? Ich kapiere es nicht.

„Was zur Hölle soll das bedeuten?“

„Ist das denn nicht völlig offensichtlich, liebe Caitlin?“, schnitt Bellas süßholzraspelnde Stimme durch die Luft. Man konnte ihre leisen, geschmeidigen Schritte hören, wie sie, nur in knappe rote Reizwäsche gehüllt, die Treppe hinunterstieg.

„Du bist verdammt gut darin, dich für andere abzurackern, das muss man dir lassen“, sagte sie und blieb direkt vor mir stehen. „Danke übrigens, dass du ihm geholfen hast, bis hierher durchzuhalten.“

Ich starrte Colton ununterbrochen direkt in die Augen. In meinem Kopf explodierten die Erinnerungen an all die großen Versprechen, die er mir gemacht hatte, während ich mein letztes Hemd geopfert hatte, um sicherzustellen, dass er es im Leben zu etwas brachte. Und jetzt, wo er genug hatte, warf er mich eiskalt auf die Straße—für genau die Frau, die ihn damals ohne zu zögern im Stich gelassen hatte, als er ganz unten war.

Für ihn war ich nie etwas anderes gewesen als eine liebeblind geformte Idiotenschlampe, die sich den Arsch aufriss, um einen Mann zu halten, der sie niemals gewollt hatte. Was für eine verfickte Art, die Wahrheit herauszufinden.

„Nach all dem, was ich verdammt noch mal für dich getan habe, Colton…“, flüsterte ich und unterdrückte gewaltsam ein lautes Schluchzen. „Ich hoffe von ganzem Herzen, dass du das hier noch bitterböse bereuen wirst.“

„Was soll ich denn bereuen? Dass ich keinen aufgedunsenen Holzklotz mehr in meinem Bett liegen habe?“, zog er das Wort dehnend ins Lächerliche.

Diese Worte trafen mich wie ein heftiger Peitschenhieb mitten ins Gesicht.

„Mach dir keine Sorgen, ich habe gerade erst einen verdammt guten Deal abgeschlossen. Ich werde dir jeden verdammten Cent zurückzahlen–“

„Kümmer dich lieber erst mal um deine eigenen verdammten Schulden!“, schoss ich zurück, während meine Brust vor rasender Wut bebte.

Mit einer einzigen, kräftigen Bewegung stieß er mich mit voller Wucht durch die offene Tür. Ich verlor völlig das Gleichgewicht und knallte ungebremst mit dem Hintern voran auf den harten Betonboden.

„Du kannst dir nicht mal die Miete leisten und willst hier in meinem eigenen Haus das Maul aufreißen?!“

Ohne auch nur eine Sekunde auf eine Antwort zu warten, knallte er die schwere Holztür mit einem dröhnenden Schlag zu. Ich blieb einfach auf dem kalten Boden sitzen—völlig alleine, gebrochen, mit einer brennenden Wunde im Herzen und Schmerzen am gesamten Körper.

Es wurde zusehends dunkler, und ich hatte immer noch keinen blassen Schimmer, wohin ich mich überhaupt wenden sollte. Die Eiskälte der Nacht kroch mir langsam durch Mark und Bein. Ich schleppte meine tauben Beine voran und lief völlig ziellos durch die Straßen—ohne die geringste Ahnung, wo ich am Ende landen würde.

Ein schwarzer Geländewagen fuhr langsam an mir vorbei und hielt wenige Meter weiter am Straßenrand. Ich dachte mir absolut nichts dabei. Tief in meinen düsteren Gedanken versunken, ging ich einfach weiter an dem Fahrzeug vorbei. Plötzlich riss die Beifahrertür auf; noch bevor ich mich überhaupt herumdrehen konnte, wurde mir von hinten ein feuchtes, weißes Tuch gewaltsam auf Mund und Nase gepresst. Binnen Sekunden schwand mir das Bewusstsein, und alles versank in tiefster Dunkelheit.

*Hätte dieser verdammte Tag eigentlich noch beschissener werden können?*

Gefühlte Minuten später spürte ich, wie mir eine eiskalte Flüssigkeit mitten ins Gesicht geschüttet wurde. Das kalte Wasser ließ mich keuchend aus der Bewusstlosigkeit hochschrecken. Ich schlug die Augen auf und blickte mich in einem düsteren Raum um, der nur von einer einzigen, schwachen Lampe in der Mitte spärlich erhellt wurde. Ich konnte das Geräusch von sich entfernenden Schritten hören. Meine Sicht war noch völlig verschwommen. Ich schloss kurz die Augen und riss sie wieder auf, um gegen die bleierne Entführungscocktail-Müdigkeit anzukämpfen. Als mir schlagartig wieder einfiel, was geschehen war—die Entführung—wusste ich sofort, dass ich in gewaltiger Scheiße steckte. Ich versuchte krampfhaft, mich zu bewegen, doch meine Handgelenke waren felsenfest an die Armlehnen des Stuhls gebunden, auf dem ich saß.

„Wo zur Hölle bin ich?“, fragte ich mich laut laut und zerrte mit aller Macht an den Fesseln, bis das raue Seil schmerzhaft in meine Haut schnitt. Die Seile fraßen sich regelrecht in mein Fleisch.

„Das ist eine völlig irrelevante Frage“, hallte eine tiefe, raue Stimme aus der dunkelsten Ecke des Raumes entgegen. Sie klang in meinem dröhnenden Kopf zwar leicht gedämpft, aber Dennoch seltsam vertraut. „Was du dich viel eher fragen solltest, ist das *Warum*. Warum bist du hier und wie zur Hölle kommst du hier wieder lebend raus?“

„Warum– warum habt ihr mich hierher verschleppt?!“, stotterte ich panisch.

„Nun ja, ich habe dich nicht exakt hierher gebracht… ich habe bloß meine Leute angewiesen, dich einzusammeln.“

*Was zur Hölle macht das für einen verdammten Unterschied?!*

Ich konnte das gleichmäßige Klacken seiner Schritte hören, während er langsam näher kam. Mein Herz begann so laut gegen meine Rippen zu hämmern, dass ich glaubte, es müsse gleich zerspringen. Seine Worte *„wie kommst du hier wieder lebend raus“* klangen wie eine eiskalte Morddrohung. Dieser Typ war hochgefährlich—das konnte ich bis in die letzte Faser meines Körpers spüren. Aber warum ausgerechnet ich?

Plötzlich tauchte sein Gesicht direkt vor mir aus dem Schatten auf—die untere Hälfte war von einer dunklen Maske verdeckt. Mein Herz rutschte mir augenblicklich in den Hals. Das Einzige, was ich tun konnte, war aus vollem Hals zu schreien.

„Halt dein verdammtes Maul!“

Es war ein glasklarer Befehl—und ich tat verdammt gut daran, ihm auf der Stelle zu gehorchen. Ich presste die Lippen krampfhaft zusammen und drückte die aufsteigenden Schreie zurück. Ich wollte immer noch aus Leibeskräften nach Hilfe schreien, aber wie hoch war schon die Wahrscheinlichkeit, dass mich hier draußen irgendjemand hörte?

„Verzeih meine fehlenden Manieren“, murmelte er überraschend sanft. Seine in schwarzes Leder gehüllten Finger strachen mir über die Wange und schoben mir eine vorspringende Haarsträhne hinter das Ohr. Ein ekelhaftes, mulmiges Gefühl breitete sich ganz tief in meinem Magen aus, aber ich wagte es nicht einmal, mich auch nur einen Millimeter zu rühren. Seine Lippen verzogen sich unter der Maske zu einem schmalen Lächeln. „Perfekt.“

„Was zur Hölle wollt ihr von mir?“, flüsterte ich kaum hörbar und schloss die Augen, aus Angst, meine Frage könnte sofortige Konsequenzen haben.

Er trat einen Schritt zurück. „Ich habe einen Job für dich.“

„Einen… einen Job?“

„Du wirst jemanden für mich verführen.“

Ich starrte ihn lange und ungläubig an. Ohne mich auch nur im Ansatz beherrschen zu können, platzt plötzlich ein hysterisches Lachen aus mir heraus—meine eigene Sicherheit völlig vergessend. Aber im Ernst: Ich?! Verführen?! Mein Lachen wurde immer heftiger; ich rang nach Luft, während mir unwillkürlich Tränen aus den Augenwinkeln liefen.

„Entschuldige die Frage, aber bist du eigentlich komplett blind auf den Augen?!“

Er konnte doch unmöglich ernsthaft glauben, dass ich ausgerechnet die Richtige für so eine verdammte Männersache war.

„Ich sehe verdammt scharf. Und genau deshalb habe ich dich ausgewählt.“ Seine Stimme klang rau, heiser und gefährlich. Im selben Moment dämmerte es mir schlagartig, woher ich diese dunkle Stimme bereits kannte. „Du bist es… nicht wahr? Der Typ aus dem Krankenhaus.“

„Gutes Gedächtnis. Genau das, was ich brauche.“ Er räusperte sich kurz und fuhr fort: „Glaub mir, du bist exakt sein Typ. Er hat eine verdammt große Vorliebe für kurvige, blonde Frauen.“

Er grinste dreckig. Irgendetwas an seinen Augen, an der Art und Weise, wie er diese Worte aussprach, verriet mir, dass er entweder eiskalt log oder mir ganz bewusst die Hälfte der Wahrheit verschwieg.

Ich sagte kein einziges Wort. Weder eine Absage noch ein Zugeständnis kam über meine Lippen. Er deutete mein Schweigen jedoch sofort als echtes Interesse.

„Alles, was du tun musst, ist, ihn zu verführen. Schleich dich nah genug an ihn heran, um ausreichend Informationen zu sammeln, und berichte mir alles. Als Belohnung winken dir glatte zwei Millionen Dollar.“

Zwei verfickte Millionen?!

Nein. Das klang viel zu verdammt gut, um wahr zu sein.

„Wer zur Hölle ist dieser ‚Er‘, von dem du ständig redest?“, fragte ich, während ich sein Gesicht scharf fixierte und versuchte, jede noch so kleine Regung darin aufzusaugen.

„Don Diablo“, sagte er mit einem breiten Lächeln.

Beim bloßen Klang dieses Namens erstarrte mein gesamter Körper zur Eissäule. Ich verdrehte wild meine Handgelenke und versuchte mit aller Gewalt, mich aus den Seilen zu befreien.

„Wenn du mich umbringen willst, dann mach es gefälligst jetzt gleich, hier und verdammt noch mal schnell!“

Er lachte tief auf und stützte seine Arme links und rechts auf die Lehnen meines Stuhls.

„Wenn du annimmst, hast du eine verdammt hohe Chance, erfolgreich zu sein, dich von einem Mafia-Don nach Strich und Faden verwöhnen zu lassen und am Ende neben den 200.000 Dollar Vorschuss noch satte 2 Millionen von mir zu kassieren. Aber…“

Er glitt mit einer Hand tief in seine Hosentasche, zog eine schwere, schwarze Pistole heraus und fuhr mit dem eiskalten Stahl langsam meine Wangenlinie entlang. Ich hielt blitzschnell den Atem an, zu Tode erschrocken, mich auch nur zu rühren; mein Herz dröhnte wie ein Presslufthammer in meinen Ohren.

„Wenn du ablehnst, Caitlin, gibt es nur ein einziges Ergebnis: den Tod. Hilf mir, den Don zu vernichten—oder verrecke hier auf der Stelle. Du hast die Wahl.“

Ich wusste längst ganz genau, wie meine Wahl aussehen würde. Und er wusste es verdammt noch mal auch. Seine Augen leuchteten gefährlich auf. Plötzlich wich die lähmende Angst ganz langsam aus meinen Gliedern. Der Feind von Diablo war schließlich mein Freund—zumindest theoretisch.

Ich blickte ihn an, ein leichtes Lächeln stahl sich auf meine Lippen, und ich nickte ihm langsam zu. Schien so, als stünde das verfluchte Universum heute doch noch auf meiner Seite. Ich würde diesen verfickten Don Diablo vernichten—oder beim Versuch verrecken.

„Braves Mädchen.“

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