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KAPITEL 3: FASSUNGSLOS

last update Petsa ng paglalathala: 2026-09-04 01:26:18

ESTEBAN

Ich saß auf der anderen Seite des Raumes, das Whiskyglas fest in der Hand, und beobachtete, wie meine Mutter mit übertriebener Fürsorge um Eliana herumscharwenzelte. Eliana schien jedoch die Nase gestrichen voll zu haben—sowohl von meiner Mutter als auch von Scotts spießiger Kontrollsucht. Es lag definitiv etwas Verändertes an Memo– oder Scott, wie er lieber genannt werden wollte– etwas Verändertes im positiven Sinne.

„Ihr wisst beide, dass es mir absolut blendend geht, oder?“, sagte sie und gähnte herzhaft. „Entschuldigung…“

Sie sprang von der Couch auf, während ihr Blick fasziniert über die hohen Wände glitt. Sie schien sichtlich angetan zu sein—fasziniert von der Architektur und den kunstvollen Verzierungen.

„Hey, großer Meister!“, rief sie mir dröhnend zu.

Ich zwang mir ein charmantes Lächeln auf die Lippen und begegnete ihrem Blick. „Ja?“

„Du hast mir ja gar nicht erzählt, dass du ein Händchen für Kunst hast. Dein Anwesen ist wirklich wunderschön.“

Ich zuckte unbeeindruckt mit den Schultern bei diesem Kompliment.

„Ich glaube kaum, dass mein Cousin dieser Meinung ist“, ich fixierte Scott mit einem scharfen Blick und grinste dreckig. „Oder etwa doch, Cousin?“

Er würdigte mich keines einzigen Blickes, geschweige denn einer Antwort. Ich konnte es ihm nicht einmal verübeln. Wenn es nach ihm ginge, wären die beiden niemals hier aufgetaucht. Genau deshalb hatte ich den Umweg über seine Frau Eliana nehmen müssen. Der vermeintlich „skrupellose CEO“ brachte es schlichtweg nicht übers Herz, seiner geliebten Eliana auch nur einen einzigen Wunsch abzuschlagen—was mir die perfekte Gelegenheit verschaffte, ihn zurück nach Hause zu holen.

Sie waren erst vor wenigen Minuten angekommen, aber Scott brannte bereits lichterloh darauf, so schnell wie möglich wieder zur Tür hinaus und weit weg von hier zu sein.

„Schön, dich wiederzusehen, Cousin.“ Meine Stimme klang tief, rau und vollkommen ernst. Ich meinte jedes einzelne Wort genau so.

„Ich wünschte, ich könnte dasselbe behaupten“, schoss er eiskalt zurück, während sich seine Stirnfalten noch weiter vertieften.

Er wollte um keinen Preis irgendetwas mit der Mafia zu tun haben—und das schloss uns, seine eigenen Verwandten in der Organisation, nahtlos ein. Erst recht nach den verhängnisvollen Ereignissen vor ein paar Monaten. Aber ich dachte gar nicht daran, mich dafür zu entschuldigen, dass ich nach Blut und Rache lechzte.

„Ich kann es kaum erwarten, Sinaloa zu erkunden!“, seufzte Eliana voller Vorfreude.

„Wir sind ausschließlich wegen der Feier hier, Liebling“, beruhigte Scott sie mit sanfter Stimme.

In ihrem Zustand war an große Erkundungstouren ohnehin nicht zu denken. Dennoch lieferten sich die beiden deswegen eine kleine, amüsante Diskussion. Ich erhob mich aus meinem Sesseln und verließ stumm den Raum—ich ließ das Ehepaar und meine überglückliche Mutter allein.

Memo hatte wenigstens eine Sache in seinem Leben verdammt richtig gemacht: Er hatte Eliana geheiratet. Und genau dadurch hatte er uns allen etwas gegeben, das wir unendlich dringend brauchten. Meiner Mutter schenkte er mehr Familie; einen weiteren Menschen, den sie über alles lieben konnte—und bald sogar zwei, wenn das Baby erst auf der Welt war. Mir schenkte er eine weitere Person, die mir gehörig auf die Nerven gehen konnte, aber auch jemanden, auf den ich bedingungslos aufpassen würde. Und Memo selbst? Dem gab er die Chance, endlich zu erfahren, was echte Liebe überhaupt bedeutete.

Gustavo stand wie angewurzelt direkt vor der Tür meines Arbeitszimmers.

„Was gibt’s?“, fragte ich ungeduldig.

„Da steht ein Name auf der Gästeliste…“

„Gustavo… komm verdammt noch mal auf den Punkt.“

„Ja, Don.“ Er räusperte sich kurz und fuhr fort: „Da steht eine gewisse Caitlin Stevens auf der Liste. Die Begleitung von Caspian Zuri.“ Er hielt inne.

„Und weiter?“, hakte ich nach und fragte mich, worauf diese Scheiße eigentlich hinauslaufen sollte.

„Wir wissen absolut gar nichts über sie. Sie gehört zu keiner bekannten–“

„Hast du eine umfassende Hintergrundüberprüfung durchführen lassen?“

Ich hatte die Schnauze gestrichen voll von diesem sinnlose Geschwätz. Ja, ich hatte persönlich dafür gesorgt, dass die Sicherheitsvorkehrungen noch strenger als sonst waren. Ich konnte es mir unter keinen Umständen erlauben, dass auf der Feier meiner Mutter irgendetwas schiefging. Erst recht nicht, wenn Memo und seine schwangere Frau anwesend waren. Aber das hier war reine Zeitverschwendung.

„Ja, Don. Ihre Akte ist absolut sauber, aber–“

„¡Dios!, Gustavo! Die Leute bringen laufend Begleitungen mit—verdammt viele sogar. Wir kennen die Gesichter vielleicht, aber wir blicken den Leuten nicht in die Köpfe. Behalt diesen Zuri-Jungen und seine Kleine einfach scharf im Auge.“

Ich drehte den Türknauf herum und betrat mein Arbeitszimmer. Die schwere Tür knallte hinter mir ins Schloss, noch bevor sein unterwürfiges „Ja, Don“ verhallen konnte.

**Einige Stunden später**

Ein leises Klopfen an der Holztür riss mich schlagartig aus dem Schlaf. Ich war mit der brennenden Zigarette in der Hand über einem Stapel unangetasteter Dokumente eingenickt.

„Gustavo–“

„Memo.“

Dieses eine einzige Wort, diese vertraute Stimme—es traf mich wie ein Schlag. Es raubte mir für den Bruchteil einer Sekunde den Atem. Ein unverbesserlicher Teil von mir hatte auf das Unmögliche gehofft.

„Komm rein.“

Die Tür knarrte leise, als sie aufgeschoben wurde. Seine hohe, dunkle Gestalt trat ein, ehe er die Tür hinter sich schloss, ohne auch nur ein weiteres Wort zu verlieren. Sein Blick blieb für einen kurzen Augenblick an dem riesigen Ölgemälde an meiner Wand hängen.

„Tsk, tsk, tsk… du kannst es immer noch nicht ruhen lassen.“ Er starrte mich mit einem undurchdringlichen Gesichtsausdruck an.

„Bist du etwa hierhergekommen, um mir das unter die Nase zu reiben?“, fragte ich eiskalt, ohne auch nur eine Spur des Humors zu zeigen, den ich noch vor wenigen Stunden an den Tag gelegt hatte.

„Wie ich sehe, ist es also doch eine Maskerade“, sagte Scott mit gewohnt ruhiger Stimme.

„Selbstverständlich. Ich habe absolut nicht vor, dich mit Gewalt in eine Welt zu zerren, von der du um keinen Preis ein Teil sein willst.“ Ich führte die Zigarette an meine Lippen und zog einen tiefen Zug des bitteren Rauschs ein. Ein schiefes Grinsen stahl sich auf meine Züge, als ich bemerkte, wie intensiv er mich—oder vielmehr die Zigarette—beobachtete. „Bist du also hier, um dich bei mir zu bedanken?“

„Warum zur Hölle sollte ich das tun? Wenn deine verdammten Spielchen nicht gewesen wären, wären wir gar nicht erst an diesem verfluchten Ort.“

Stimmt allerdings.

„Bist du also hier, um dich aufrichtig zu entschuldigen?“, grinste ich provokant.

Er bedachte mich mit einem Blick, als hätte ich vollkommen den Verstand verloren.

Er ließ sich langsam auf einen Sessel sinken, starrte auf die glimmende Zigarette in meiner Hand und schüttelte leicht den Kopf, als wollte er einen ungewollten Gedanken mit aller Macht verscheuchen.

„Hier“, ich hielt ihm die Packung und eine Zigarette hin.

„Nein, danke. Es ist verdammt verlockend, aber nein.“

Seine gierigen Augen sprachen eine völlig andere Sprache.

„Warum?“

Er schüttelte nur schweigend den Kopf, aber ich kannte die Antwort bereits zu gut.

„Wie sicher ist diese verdammte Feier für Eliana?“

*Typisch Scott Blackwell.*

„Absolut sicher. Ich habe persönlich dafür garantiert. Ich bin ganz sicher nicht so verdammt blöd, meine schwangere kleine Cousine und meinen ungeborenen Neffen in Gefahr zu bringen.“

Er nickte stumm und merklich erleichtert, stand auf und steuerte direkt auf die Tür zu.

„Danke.“

Diese Worte gelangen Memo nur so schwer über die Lippen, als hätte man sie ihm mit Gewalt aus der Brust pressen müssen.

„Warte, was?! Sag das noch mal, ich habe nicht–“

Die Tür knallte ihm ins Schloss, noch bevor ich den Satz zu Ende sprechen konnte.

Die ersten Gäste waren bereits auf dem Anwesen eingetroffen. Ich verließ mein Arbeitszimmer und ging hinüber in meine privaten Räumlichkeiten, um eine dringend benötigte, eiskalte Dusche zu nehmen und mir frische Kleidung anzuziehen.

Bevor ich mich hinunter in den großen Festsaal begab, ging ich die Sicherheitsdetails noch ein letztes Mal akribisch mit meinem Einsatzteam durch.

„Sie sind da“, berichtete Gustavo knapp.

Ich musste gar nicht erst nachfragen, wen er meinte. Ich wusste sofort, dass es Zuri war. Wegen Gustavos übertriebener Skepsis erhielten die beiden jetzt besondere Aufmerksamkeit von den Kameras. Ich hatte persönlich dafür gesorgt. Die Kamera zoome nah an die beiden heran. Die Frau war eine prachtvolle Blonde, gehüllt in ein smaragdgrünes Samtkleid, das verdammt viel nackte Haut offenbarte, kombiniert mit einer eleganten, kleinen schwarzen Maske. Caspian Zuri schien ihr irgendetwas ins Ohr zu flüstern, während seine Hand besitzergreifend und fest auf ihrem unteren Rücken ruhte.

Sie blickte auf—direkt in die Linse der Kamera—und enthüllte dabei zwei atemberaubende, grün schimmernde Augen. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund kamen sie mir seltsam bekannt vor.

*Du bist verdammt noch mal hier, um die Sicherheit zu überprüfen, und nicht, um eine Frau anzustarren, die nicht einmal ahnt, dass du sie beobachtest.*

„Weitermachen.“

Mit diesen Worten machte ich mich auf den Weg in den Saal. Wer könnte schließlich besser auf meine Cousins aufpassen als ich selbst? Sie zu beschützen bedeutete, in ihrer unmittelbaren Nähe zu sein—also so lange auf dieser verdammten Feier zu bleiben, wie sie es taten. Der dröhnende Klang von Musik, lautes Lachen und das Klirren von Champagnergläsern erfüllten den Raum. Memo und seine Frau standen im Mittelpunkt des Saals und tanzten. Sie schienen mühelos die Blicke der gesamten Gesellschaft auf sich zu ziehen. Insbesondere die Blicke der Blonden an Zuris Seite.

Ich erwischte mich immer wieder dabei, wie ich heimlich Blicke zu ihr hinüberwarf—und redete mir stur ein, dass es reinen Sicherheitsgründen diente. Verammte Sicherheit… diese Frau hatte irgendetwas an sich. Sie fing meinen Blick ein und schenkte mir ein zartes Lächeln. Ich zwang mich gewaltsam dazu, wegzusehen.

*Fuck, ich brauche dringend einen verdammten Drink.*

Ich gab einem Kellner ein Zeichen, mir sofort etwas zu trinken zu bringen. Ich griff nach einem Glas Champagner vom Tablett und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen, um meine Mutter zu suchen. Ich entdeckte sie mitten unter den Klatschweibern der Stadt—wie nicht anders zu erwarten.

„Ich habe Sie eigentlich für einen Mann gehalten, der eher harte Sachen bevorzugt. Vorzugsweise exzellenten Whisky… schätze ich jedenfalls.“

Die Stimme kam direkt von hinten. Ich wirbelte herum und blickte in Caspians sanft lächelndes Gesicht; der Arm der Blonden war fest in seinen eingehängt.

„Sie sollten allerdings auch wissen, dass ich es absolut nicht ausstehen kann, wenn man hinter meinem Rücken über mich redet—geschweige denn, wenn man sich von hinten an mich heranschleicht“, sagte ich mit einem erzwungenen Lächeln, während meine Augen eine Sprache sprachen, die deutlich gefährlicher war als meine Worte.

„Mein aufrichtiges Bedauern, Don. Die Sache ist die: Ich habe etwas für Sie mitgebracht—etwas, von dem ich ganz genau weiß, dass es Ihr Interesse wecken wird. Ich konnte schlichtweg nicht auf den perfekten Moment warten, da dieser nur schwer vorherzusehen ist“, sagte Caspian und neigte leicht ehrerbietig den Kopf.

Die zarten Finger der Blonden krallten sich spürbar fester in seinen Arm. Gut. Sie hatte verdammte Angst. Ich starrte sie unbarmherzig an und hielt meinen Gesichtsausdruck so düster und bedrohlich wie möglich. Aus irgendeinem perversen Grund genoss ich es, wie sehr sie vor mir zitterte.

„Was zur Hölle ist dieses ‚Etwas‘, von dem Sie sprechen?“, murmelte ich, ohne auch nur die geringste Spur von Interesse zu zeigen.

Aus dem Augenwinkel sah ich Gustavo in einer schummrigen Ecke lauern. Seine Augen waren uneingeschränkt auf mich gerichtet—oder vielmehr auf meine Gäste: Caspian und seine Begleitung. Ich konnte es ihm nicht verübeln. Auch ich hatte ein verdammt beschissenes Gefühl bei den beiden.

„Hätten Sie etwas dagegen, wenn wir das unter vier Augen besprechen? Oder zumindest an einem Ort, der etwas ruhiger ist?“, raunte Caspian leise und beugte sich ein Stück vor.

Ich trat einen Schritt zurück und starrte ihn mit eiskaltem Blick an. „Das sollte verdammt noch mal gut sein.“

Egal ob ein mieser Trick oder ein krummes Geschäft: Es sollte für sein eigenes Überleben verdammt gut sein. Ich hasse nichts mehr, als meine kostbare Zeit zu verschwenden.

„Folgt mir“, befahl ich eiskalt.

Ich steuerte auf den Ausgang zu, während die beiden mir auf dem Fuße folgten. Gustavo schloss sich uns lautlos an. Ich führte sie auf direktem Weg in das Empfangszimmer.

„Sprecht.“

Ich ließ mich in einen Sesseln fallen und griff nach der Zigarettenschachtel in meiner Sakko-Tasche. Die Dame fuhr vor Schreck zusammen und krallte sich noch fest an Caspians Arm.

„Ihre Dame scheint sich in meiner Gegenwart nicht besonders wohlzufühlen, Zuri“, ich bedachte sie mit einem schiefen, kalten Lächeln. „Entspannen Sie sich. Ich beiße nicht.“

Sie schien sich tatsächlich ein kleines bisschen zu beruhigen. Caspian tätschelte sanft ihre feinen Finger.

„Ich morde nur—Kugel, Klinge… ganz nach Tagesform und Laune.“

Die eben noch eingekehrte Ruhe löste sich schlagartig in Luft auf. Jede Spur von Farbe wich augenblicklich aus ihrem Gesicht.

Caspian räusperte sich, straffte die Schultern, nahm die Hand der Blonden in seine Handfläche und hob sie langsam an. „Ich habe Ihnen etwas mitgebracht—ein Geschenk, das Sie garantiert lieben werden.“

Ich lächelte—ein Lächeln, das meine eiskalten Augen nicht einmal ansatzweise erreichte. Ich wusste haargenau, wohin diese Scheiße führen sollte.

„Wo ist dieses besagte Geschenk?“, meine Stimme klang tief, bedrohlich und durch und durch einschüchternd.

„Sie ist das Geschenk, Don“, lächelte er, als böte er mir das kostbarste Juwel der Welt an.

In einer blitzschnellen Bewegung zog ich meine schwere Pistole und richtete sie ohne zu zögern direkt auf seinen Kopf—mein Lächeln wackelte nicht eine Millisekunde. Das musste ohne Zweifel die dümmste Aktion sein, die jemals ein verdammter Idiot gewagt hatte. Ja, ich liebe Frauen. Aber nein, ich bin kein billiger Schürzenjäger und gehe erst recht keine verdammten Deals ein, bei denen Frauen die Währung oder die Beute sind.

„Don, bitte, schießen Sie nicht! Werfen Sie zumindest einen einzigen Blick auf sie, ich flehe Sie an!“, er hatte die Augen fest zusammengekniffen, seine Stimme zitterte vor nackter Todesangst. „Zieh diese verdammte Maske ab!“, herrschte er die Blonde plötzlich an.

Die Frau zuckte erschrocken zusammen; ihre Hände griffen augenblicklich nach dem Seidenband der Maske. In dem Moment, als die Maske von ihrem Gesicht glitt und auf den Boden fiel, erstarrte ich zur Eissäule. Die gesamte Welt um mich herum schien auf einen Schlag stillzustehen.

„Unmöglich…“, flüsterte ich und senkte die Waffe ganz langsam.

Das kann nicht sein—wie zur Hölle? Laura?

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