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Die Mitteilung

Autor: Eniola
last update Data de publicação: 2026-06-29 06:03:28

(Isabellas Perspektive)

Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht.

Ich bemerkte es in dem Moment, als ich das Wohnheim betrat.

Normalerweise war der Flur abends laut. Mädchen unterhielten sich, aus irgendeinem Zimmer spielte Musik, Leute lachten oder stritten sich über irgendeine Kleinigkeit.

Aber heute fühlte sich alles anders an.

Die Mädchen bewegten sich mit besorgten Gesichtern durch den Flur. Einige flüsterten miteinander. Andere standen in kleinen Gruppen zusammen und starrten auf ihre Handys.

Ein paar Leute redeten hastig miteinander, aber ihre Stimmen waren leise.

Mein Herz setzte einen Schlag aus.

Etwas war passiert.

Ich ging weiter hinein und versuchte herauszufinden, was los war.

Ich tippte einer der Mädchen auf die Schulter, die ich aus meiner Etage kannte.

„Hey… was ist los?“, fragte ich.

Sie drehte sich mit großen Augen zu mir um.

„Du hast es noch nicht gehört?“

Gehört? Was denn?

Ich wollte gerade nachfragen, als mir etwas an der Wand auffiel.

Ein Blatt Papier.

Eine Gruppe von Mädchen hatte sich davor versammelt.

Einige von ihnen wirkten schockiert. Andere sahen wütend aus.

Mir wurde flau im Magen, als ich näher trat.

Für einen Moment wollte ich es gar nicht lesen.

Aber ich zwang mich dazu.

Ich ließ meinen Blick über die fettgedruckte Überschrift schweifen.

WICHTIGE MITTEILUNG: ALLE STUDIERENDEN IM LETZTEN STUDIENJAHR MÜSSEN DAS WOHNHEIM INNERHALB VON ZWEI WOCHEN AUFGRUND VON RENOVIERUNGSARBEITEN VERLASSEN.

Was?

Ich las den Satz noch einmal.

Zwei Wochen.

Zwei Wochen?

Mein Verstand versuchte zu begreifen, was dort stand.

Zwei Wochen waren nicht genug Zeit.

Nicht einmal annähernd.

Wie konnten sie uns das antun?

Dies war unser letztes Studienjahr. Die meisten von uns hatten sich bereits an ihren Alltag gewöhnt. Vorlesungen, Jobs, Projekte. Manche von uns lebten schon seit Jahren hier.

Und jetzt mussten wir gehen.

Einfach so.

Mein Tag war bis eben noch so gut verlaufen.

Und jetzt das.

„Ich kann das nicht glauben“, sagte Jennifer neben mir.

Ich hatte gar nicht bemerkt, wann sie zu mir gekommen war.

Sie verschränkte die Arme und starrte auf die Mitteilung.

„Das ist so unfair“, fuhr sie fort. „Zwei Wochen sind gar nichts.“

Ich nickte langsam.

Aber ich hatte keine Energie, mich zu beschweren.

Meine Gedanken waren schon einen Schritt weiter.

Was sollte ich jetzt tun?

Jennifer redete weiter.

„Sie hätten uns viel früher Bescheid sagen müssen“, sagte sie. „Die Leute haben hier Jobs. Manche haben nicht einmal Familie in der Nähe.“

Ihre Worte ließen meinen Magen sich zusammenziehen.

Genau das war mein Problem.

Ich hatte keine Familie in New York.

Meine Eltern lebten in Georgia.

Nach Hause zu gehen war keine Option.

Mein Leben war hier.

Meine Universität.

Mein Job.

Alles.

Langsam entfernte ich mich von der Menschenmenge.

Meine Gedanken waren völlig durcheinander.

Wohnungen in New York waren teuer.

Sehr teuer.

Selbst wenn ich sie mit jemandem teilen würde, wäre es immer noch schwierig.

Mein Gehalt und mein Trinkgeld reichten jetzt schon kaum aus, um meine Ausgaben zu decken.

Miete würde alles nur noch schlimmer machen.

Es fühlte sich an, als würde mir jemand gegen die Brust schlagen.

Zum ersten Mal, seit ich mit dem College begonnen hatte, hatte ich keine Ahnung, was ich tun sollte.

Mein Handy klingelte.

Victoria.

Ich starrte einen Moment auf den Bildschirm, bevor ich den Anruf entgegennahm.

„Hallo“, sagte ich leise.

„Du hast die Mitteilung gesehen“, sagte sie sofort.

Es war nicht einmal eine Frage.

Ich konnte die Sorge in ihrer Stimme hören.

„Ja.“

„Es tut mir so leid, Isabella“, sagte sie. „Das ist einfach nicht richtig. Was wirst du jetzt tun?“

Ich lehnte mich gegen die Wand.

„Ich weiß es ehrlich gesagt nicht“, gab ich zu. „Das kommt alles so unerwartet.“

Die Studenten gingen weiterhin an mir auf dem Flur vorbei, aber alles fühlte sich weit entfernt an.

Zum ersten Mal, seit ich das College betreten hatte, fühlte ich mich völlig festgefahren.

Am anderen Ende der Leitung herrschte einen Moment lang Stille.

Dann sprach Victoria wieder.

„Du kannst bei mir wohnen.“

Ich erstarrte.

Für einen Moment dachte ich, ich hätte sie falsch verstanden.

„Victoria…“

„Ich meine es ernst“, sagte sie schnell. „Du musst dir um nichts Sorgen machen.“

Mein Kopf war sofort voller Zweifel.

„Ich möchte mich nicht aufdrängen“, sagte ich leise. „Und was ist mit deiner Familie? Du kannst diese Entscheidung doch nicht allein treffen.“

„Das ist kein Problem“, erwiderte sie.

„Mein Dad ist kaum zu Hause“, fuhr sie fort. „Und meine Mum liebt dich.“

Sie machte eine kurze Pause.

„Und Alex… um ihn musst du dir keine Sorgen machen.“

Da war ich mir nicht so sicher.

Alexander Briggs war der letzte Mensch, mit dem ich zusammenleben wollte.

Allein der Gedanke daran machte mich unwohl.

„Bitte, Isabella“, sagte Victoria sanft. „Ich weiß, dass du nicht gern Hilfe annimmst, aber das hier ist etwas anderes. Lass mich für dich da sein.“

Ich schloss die Augen.

Meine Möglichkeiten waren sehr begrenzt.

Ich könnte versuchen, eine Wohnung zu finden.

Aber ich hatte nicht genug Geld.

Und zwei Wochen waren dafür sowieso nicht genug Zeit.

Victorias Angebot war die einzige wirkliche Lösung.

Auch wenn das bedeutete, mit Alexander unter einem Dach zu leben.

Ich holte tief Luft.

„Okay“, sagte ich schließlich. „Ich werde bei euch wohnen.“

Erleichterung lag sofort in ihrer Stimme.

„Gut!“

„Ich komme gleich vorbei, damit wir deine Sachen packen können.“

„Danke, Vicky“, flüsterte ich.

Meine Augen brannten leicht.

„Du bist meine Rettung.“

„Du musst mir nicht danken“, sagte sie herzlich. „Dafür sind beste Freundinnen doch da. Ich bin bald bei dir.“

Das Gespräch endete.

Ich blieb noch einen Moment auf dem Flur stehen.

Alles fühlte sich immer noch unwirklich an.

Zwei Wochen.

Das war alles, was uns blieb.

Ich flüsterte leise vor mich hin.

„Danke, Gott.“

Dann machte ich mich auf den Weg zu meinem Zimmer.

Als ich die Tür öffnete, fühlte sich der vertraute Raum plötzlich anders an.

So viele Erinnerungen hatte ich in diesem Zimmer gesammelt.

Und jetzt musste ich ihn zurücklassen.

Ich setzte mich auf mein Bett und ließ den Blick langsam durch das Zimmer schweifen.

Eine seltsame Traurigkeit legte sich auf meine Brust.

Ein paar Minuten später klopfte es an der Tür.

Victoria.

Sie kam schnell herein und zog mich in eine feste Umarmung.

„Es wird alles gut werden“, sagte sie.

„Ich bin für dich da.“

Ich lächelte schwach.

„Ich weiß.“

Sie trat einen Schritt zurück und sah sich im Zimmer um.

Plötzlich leuchteten ihre Augen vor Begeisterung.

„Das wird tatsächlich Spaß machen“, sagte sie.

Ich hob eine Augenbraue.

„Spaß?“

„Ja“, sagte sie fröhlich. „Nächtliche Gespräche. Filme. Snacks. Einfach alles.“

Ich lachte leise.

„Du bist unglaublich.“

Sie grinste.

„Aber im Ernst“, sagte ich und sah sie an. „Danke.“

Sie lächelte warm.

„Das Einzige, was ich dafür möchte, ist, dich jeden Tag zu sehen.“

„Das klingt nach einem gefährlichen Deal“, scherzte ich.

Sie lachte.

Gemeinsam begannen wir, meine Sachen zu packen.

Victoria redete die ganze Zeit, während wir arbeiteten.

Ich faltete meine Kleidung und legte sie in Kartons.

Die Bücher kamen in Taschen.

Die Schuhe in einen anderen Karton.

Es fühlte sich seltsam an, alles so plötzlich einzupacken.

Als würde mein Leben hier viel zu schnell zu Ende gehen.

Später kam meine Mitbewohnerin herein und sah überrascht aus.

„Du ziehst schon aus?“

„Ja“, sagte ich. „Sieht ganz so aus.“

Sie umarmte mich zum Abschied.

„Viel Glück“, sagte sie.

„Danke, dir auch.“

Schon bald war alles eingepackt.

Ich warf noch einen letzten Blick durch das Zimmer.

Dann hob ich meine Tasche auf.

Victoria nahm einen der Kartons.

„Bereit?“, fragte sie.

Ich nickte.

Und einfach so verließ ich mein Wohnheim.

Ich wusste es damals noch nicht.

Aber diese Entscheidung würde alles verändern.

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