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Einleben

Author: Eniola
last update publish date: 2026-07-05 22:28:21

(Isabellas Perspektive)

Ich starrte aus dem Fenster, während Victorias Auto langsam durch das große Tor fuhr. Die eisernen Torflügel glitten lautlos auseinander, und wir fuhren die lange Auffahrt hinauf, die zum Haus der Familie Briggs führte.

Obwohl ich schon einmal hier gewesen war, machte mich dieser Ort immer noch ein wenig nervös.

Das Haus der Familie Briggs erhob sich groß und still am Ende der Auffahrt. Es wirkte gleichzeitig elegant und einschüchternd. Die Wände waren hell, die Fenster groß und der Garten davor war perfekt gepflegt.

Alles sah ordentlich aus.

Alles sah teuer aus.

Ich war ziemlich nervös.

Dieses Mal war ich nicht nur zu Besuch.

Ich würde hier wohnen.

Hier leben.

Auch wenn es nur vorübergehend war.

Victoria parkte das Auto vor dem Haus und stellte den Motor ab.

„Wir sind da“, sagte sie fröhlich.

Ich nickte und stieg aus.

Die Abendluft war kühl, und das Haus wirkte noch größer, als ich direkt davor stand. Ich ging um das Auto herum und griff nach meinen Taschen auf der Rückbank.

„Mach dir keine Sorgen“, sagte Victoria schnell.

Sie schloss die Autotür und winkte ab.

„Benjamin bringt sie hoch. Sie sind sowieso ziemlich schwer.“

Ich lachte leise.

„Es fühlt sich trotzdem irgendwie seltsam an“, gab ich zu.

Sie sah mich mit einem kleinen Lächeln an.

„Mach dir nicht so viele Gedanken“, sagte sie. „Du bist hier willkommen.“

Sie stieß mich sanft mit dem Ellbogen an.

„Mum hat schon auf dich gewartet. Komm, wir gehen rein.“

Gemeinsam gingen wir zur Haustür. Die hohen Holztüren öffneten sich mühelos, als Victoria sie aufstieß.

„Mum, wir sind da!“, rief sie.

Ein paar Sekunden später erschien Mrs. Briggs.

Sie sah wie immer elegant aus. Ihr Haar war sorgfältig frisiert, und sie strahlte Selbstbewusstsein aus.

„Isabella“, sagte sie herzlich.

Sie kam auf mich zu und schloss mich in die Arme.

Ich war einen Moment überrascht, erwiderte die Umarmung jedoch höflich.

„Guten Abend, Ma’am“, sagte ich.

„Victoria hat mir alles erzählt“, sagte sie freundlich. „Es tut mir sehr leid wegen der Situation im Wohnheim.“

Ich nickte leicht.

„Schon gut, Ma’am.“

„Du kannst so lange hier bleiben, wie du möchtest“, fuhr sie fort. „Das Gästezimmer wurde bereits für dich vorbereitet.“

Erleichterung durchströmte mich.

„Vielen Dank, Ma’am“, sagte ich schnell. „Ich verspreche, ich werde niemandem zur Last fallen.“

Sie lächelte sanft.

„Du bist in diesem Haus keine Fremde.“

Dann wandte sie sich an Victoria.

„Victoria, zeig ihr ihr Zimmer.“

„Natürlich“, sagte Victoria.

Sie nahm meine Hand und zog mich zur Treppe.

„Komm.“

Gemeinsam gingen wir nach oben.

Der Flur im Obergeschoss war lang und ruhig. An den Wänden hingen gerahmte Bilder.

Während wir an den Türen vorbeigingen, bemerkte ich zuerst Victorias Zimmer.

Dann kamen wir an Alexanders Zimmer vorbei.

Ich versuchte, nicht zu genau auf die Tür zu schauen.

Aber ich konnte mich nicht davon abhalten, an das erste Mal zu denken, als ich hier gewesen war.

Ich hatte mich auf der Suche nach der Toilette verlaufen.

Stattdessen war ich direkt in Alexanders Zimmer gegangen.

Er hatte dort gestanden, mit nacktem Oberkörper.

Der Ausdruck auf seinem Gesicht war pures Entsetzen gewesen.

Und der Streit, der darauf folgte, hatte den ganzen Abend angedauert.

Noch immer wurde mir peinlich, wenn ich daran dachte.

Victoria blieb plötzlich stehen.

„Das ist dein Zimmer“, sagte sie.

Sie öffnete die Tür.

Langsam trat ich ein.

Das Zimmer war wunderschön.

Viel größer als mein Zimmer im Wohnheim.

Mitten im Raum stand ordentlich ein Queensize-Bett, bedeckt mit weichen Decken und flauschigen Kissen. Die Vorhänge waren hell und elegant, und das ganze Zimmer roch sauber und frisch.

Einen Moment lang wusste ich nicht, was ich sagen sollte.

„Es ist perfekt“, murmelte ich.

Victoria lächelte stolz.

„Natürlich ist es das“, sagte sie. „Ich möchte, dass du dich hier wie zu Hause fühlst.“

„Danke“, sagte ich leise.

„Ich lasse dich erst einmal in Ruhe ankommen“, fuhr sie fort. „Komm nach unten, wenn du fertig bist.“

Sie nickte in Richtung Tür.

„Benjamin hat deine Taschen schon nach oben gebracht.“

Ich drehte mich um und bemerkte meine Koffer, die ordentlich neben der Tür standen.

Er musste sie hochgebracht haben, während ich mit Mrs. Briggs gesprochen hatte.

Victoria lächelte noch einmal, bevor sie das Zimmer verließ.

Die Tür schloss sich leise hinter ihr.

Ich blieb einen Moment stehen und sah mich um.

Das Zimmer fühlte sich friedlich an.

Ganz anders als das Wohnheim.

Ich ging zu meinen Koffern und öffnete den ersten.

Langsam begann ich auszupacken.

Ich legte meine Kleidung ordentlich in den Kleiderschrank. Dann stellte ich meine wenigen Paar Schuhe auf das unterste Regal.

Meine Bücher kamen auf den Schreibtisch am Fenster.

Ein Buch legte ich neben das Bett.

Nur für den Fall, dass ich später noch lesen wollte.

Als schließlich alles eingeräumt war, setzte ich mich an den Schreibtisch.

Das Fenster bot einen Blick auf den Garten.

Der Rasen war sauber gemäht, und einige Bäume bewegten sich sanft im Abendwind.

Draußen wirkte alles ruhig.

Aber mein Kopf war es nicht.

Ich mochte es nicht, von anderen abhängig zu sein.

Ich hatte immer versucht, selbst für mich zu sorgen.

Arbeiten.

Lernen.

Alles allein zu schaffen.

Aber dieses Mal hatte ich keine Wahl.

Die Situation mit dem Wohnheim hatte mich dazu gezwungen.

Ich erinnerte mich daran, dass das nur vorübergehend war.

Nur bis zu meinem Abschluss.

Nur noch ein paar Monate.

Ich holte tief Luft und stand auf.

Ich war lange genug oben gewesen.

Ich wollte mich nicht den ganzen Abend in meinem Zimmer verstecken.

Also verließ ich das Zimmer und ging nach unten.

Als ich die Küche betrat, war dort bereits das Licht an.

Victoria stand an der Arbeitsplatte und aß etwas.

„Endlich“, sagte sie, als sie mich sah.

„Ich dachte schon, du würdest dich dort oben einschließen.“

Sie hielt mir einen Keks hin.

„Mum hat sie gebacken.“

Ich nahm ihn.

„Danke.“

Ich biss hinein.

Der Keks war warm und süß.

Sofort fühlte ich mich ein wenig entspannter.

Ich hatte selbstgemachte Kekse schon immer geliebt.

Victoria lehnte sich gegen die Arbeitsplatte.

„Also“, sagte sie. „Wie findest du dein Zimmer?“

„Es ist wirklich schön“, gab ich zu.

„Hab ich dir doch gesagt.“

Dann hörte ich Schritte hinter mir.

Ich musste mich nicht einmal umdrehen.

Alexander kam in die Küche.

Er trug ein schwarzes Sweatshirt und eine Jogginghose und wirkte groß und muskulös.

Er blieb stehen, als er mich sah.

Sofort lag Spannung in der Luft.

„Alex“, sagte Victoria vorsichtig, „Isabella wird eine Zeit lang hier wohnen.“

Zuerst sagte er nichts.

Er sah mich einfach einen Moment lang an.

Dann ging er an mir vorbei zum Kühlschrank.

Er öffnete ihn und nahm eine Flasche Wasser heraus.

Als er sich wieder umdrehte, war sein Gesichtsausdruck nicht zu deuten.

„Du weißt hoffentlich“, sagte er kühl, „dass das hier kein Hotel ist.“

Victoria runzelte sofort die Stirn.

„Alex“, fuhr sie ihn an, „sprich nicht so mit meiner Freundin.“

„Ich sage nur die Wahrheit“, erwiderte er ruhig.

Seine Stimme war leise, aber seine Worte waren scharf.

Ich spürte, wie Ärger in mir aufstieg.

Doch ich weigerte mich, es ihn sehen zu lassen.

„Das weiß ich“, sagte ich.

„Das ist nur vorübergehend. Bis zu meinem Abschluss dauert es nicht mehr lange, und dann bin ich dir nicht länger im Weg.“

Seine Augen verengten sich leicht.

„Wenn du hier wohnen wirst“, sagte er langsam, „dann geh mir aus dem Weg.“

Ich verschränkte die Arme.

„Ich habe nichts mit dir zu schaffen.“

Ein kleines Grinsen erschien auf seinem Gesicht.

„Das werden wir ja sehen.“

Dann verließ er die Küche.

Victoria stöhnte laut auf.

„Ignorier ihn einfach.“

„Das habe ich vor“, sagte ich.

Doch während ich dort stand, war mir eines völlig klar.

In diesem Haus zu leben würde nicht einfach werden.

Nicht mit Alexander und mir unter demselben Dach.

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