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Kapitel 2

Penulis: DDream
Amys Perspektive

Ich seufzte und ging zu meinem Fahrrad. Es brachte nichts, darüber nachzugrübeln, wie alles hätte sein können, wenn wir entweder alle Menschen oder alle Werwölfe gewesen wären. Liam machte sich zwar nie die Mühe, mich absichtlich schlecht zu behandeln. Aber er hielt auch niemanden davon ab, und mit mir sprach er schon lange nicht mehr. Er war jetzt ein Werwolf und hielt sich offenbar für zu gut für mich.

Ich stieg auf mein Fahrrad und fuhr zur Schule. Der Weg dauerte ungefähr fünfzehn Minuten. Nachdem ich mein Fahrrad abgeschlossen hatte, ging ich hinein und bereitete mich innerlich auf einen weiteren wundervollen Tag voller Lernen vor. Selbst über meine eigenen Gedanken konnte ich nur die Augen verdrehen.

Ich atmete tief durch und ging den Flur entlang. Fast hatte ich mein Klassenzimmer erreicht, da rammte mich einer der Footballspieler mit voller Wucht gegen die Schließfächer. Ich stöhnte auf, rutschte daran hinunter und landete unsanft auf meinem Hintern. Sofort brach um mich herum Gelächter aus.

Man sollte meinen, dass Schüler an einer Highschool voller Werwölfe wenigstens ein bisschen Rücksicht auf den einzigen Menschen nahmen, der ihnen körperlich hoffnungslos unterlegen war. Aber offenbar galt es hier als echte Meisterleistung, mich durch den Flur zu schleudern. Was soll's. Für mich war das nichts Neues. Diesmal würde ich allerdings garantiert ein paar ordentliche blaue Flecken davontragen.

Ich blickte auf und sah Clara mit Olive und Kylie dastehen. Alle drei lachten. Kein Zweifel. Das war wieder einer von Claras Angriffen, bei denen sie sich selbst nicht die Hände schmutzig machte. Hinter ihnen entdeckte ich Liam. Er lehnte auf der anderen Seite des Flurs an den Schließfächern und beobachtete mich. Er lachte nicht. Er starrte mich nur an. In seinen Augen lag blanker Hass. Bis heute wusste ich nicht, was ich ihm eigentlich angetan hatte. Vielleicht hasste er mich tatsächlich nur deshalb, weil ich ein Mensch war. Wahrscheinlich würde ich es ohnehin nie erfahren. Also brachte es nichts, weiter darüber nachzudenken. Liam legte einen Arm um Claras Schultern und führte sie davon. Sie lachte noch immer, als hätte sie gerade den lustigsten Moment ihres Lebens erlebt.

Ich stand auf, hob meine Tasche vom Boden auf und ging ins Klassenzimmer. Ich weinte nicht. Nicht mehr. Das schien sie ohnehin nur noch mehr anzuspornen. Von anderen erwartete ich schon lange keine Hilfe mehr. Ich hatte früh genug gelernt, dass ich auf mich allein gestellt war. Mia konnte diese Probleme nicht lösen. Mama genauso wenig. Ich versuchte ohnehin, sie mit solchen Dingen nicht zu belasten. Schließlich war auch sie nur ein Mensch. Gegen Werwölfe konnte sie genauso wenig ausrichten wie ich.

Meine erste Stunde an diesem Tag war Calculus für Abschlussklässler. Ich hasste es, mit all den Älteren in einem Kurs zu sitzen. Die meisten hielten sich für etwas Besseres als mich. In vielen Dingen waren sie das vermutlich sogar. Aber ich war klug. Wenn man außer Mia keine Freunde hatte, fiel es ziemlich leicht, sich auf die Schule zu konzentrieren. Und wenn mir gute Noten dabei halfen, früher als geplant von hier zu verschwinden, umso besser. In fast jeder Stunde musste ich mir geflüsterte Kommentare darüber anhören, dass ich hier nicht hingehörte. Nicht in die Leistungskurse. Und erst recht nicht ins Rudel.

Ich wollte ihnen ja nur ungern die Überraschung verderben, aber mir war sehr wohl bewusst, dass ich hier nicht hingehörte. Und sobald ich die Gelegenheit dazu bekam, war ich weg.

Der Vormittag zog sich endlos hin. Nach der dritten Stunde war endlich Mittagspause. Endlich sah ich Mia! Wir hatten nur die Mittagspause und Kunst in der sechsten Stunde zusammen. Leider hatten Liam, Clara und ihre Bande zur gleichen Zeit Pause.

Na toll ...

Wenigstens saßen Mia und ich immer so weit von ihnen entfernt wie möglich. Sie besetzten jeden Tag denselben Tisch. Deshalb war es nicht besonders schwer, irgendwo am anderen Ende der Cafeteria zwei freie Plätze zu finden.

Kaum entdeckte Mia mich, kam sie auf mich zugerannt und zog mich in eine feste Umarmung. Als sie mich wieder losließ, musterte sie mich sofort von oben bis unten. „Der Mondgöttin sei Dank, dir geht's gut! Ich hab gehört, dass sie dich heute verprügelt haben.“

Ich lachte nur, schüttelte den Kopf und ging weiter zur Essensausgabe. „Nichts Neues. Ich hatte nur mal wieder ziemlich engen Kontakt mit den Schließfächern“, sagte ich mit einem kleinen Lachen.

Mias Miene verfinsterte sich sofort. Sie hasste es, wenn ich Witze über die Prügel machte, die ich kassierte. Aber was sollte ich sonst tun? Mich hinsetzen und heulen?

Hinter uns lachte jemand. Wir warfen beide einen schnellen Blick zurück und sahen Dallas, Liams zukünftigen Gamma. Er war ungefähr 1,91 Meter groß, hatte kurze schwarze Haare, braune Augen und gebräunte Haut. Ich ignorierte ihn und ging einfach weiter. Mia dagegen konnte natürlich nicht den Mund halten.

„Ist irgendwas lustig, Dallas?“, fragte sie scharf.

Damit brachte sie gleich die ganze Schlange zum Stehen. Ich murmelte leise ein paar Flüche vor mich hin. Natürlich musste sie mal wieder unbedingt für mich eintreten. Das brachte doch nur noch mehr Ärger.

„Lass es, Mia. Komm schon“, sagte ich streng. Doch Dallas antwortete trotzdem.

„Hey, beruhig dich. Ich fand ihren Witz einfach lustig. Ich hab mich nicht über sie lustig gemacht.“

Mia sah ihn völlig verwirrt an.

Was hatte er da gerade gesagt? Ich wusste selbst nicht, was ich davon halten sollte.

„Mia, komm schon! Du hältst die ganze Schlange auf“, zischte ich ihr leise zu.

Ich packte sie am Arm und zog sie von Dallas weg. Noch immer völlig verwirrt folgte sie mir. Inzwischen war mir der Appetit vergangen. Also verließ ich einfach die Schlange. Mia schnappte sich noch ein paar Snacks und kam mit zu einem Tisch, der so weit von Clara entfernt lag, wie es nur ging.

Ich setzte mich, verschränkte die Arme auf dem Tisch und ließ den Kopf darauf sinken.

„Warum? ... Einfach warum? Mia, du weißt doch, dass du damit nur noch mehr Probleme verursachst“, jammerte ich.

Sie legte mir eine Hand auf den Arm. „Amy, du weißt genauso gut, dass es immer so weitergeht, wenn du dich nie wehrst“, sagte sie sanft. In ihren Augen loderte allerdings alles andere als Sanftmut.

„Es würde sowieso nichts ändern. Das weißt du genauso gut wie ich. Ist doch egal. Bald bin ich hier weg. Dann liegt das alles hinter mir“, erwiderte ich trocken.

Dieses Gespräch hatten wir schon unzählige Male geführt. Keine von uns würde jemals nachgeben.

Plötzlich wurde Mia still. Bei ihr war das alles andere als normal. Dann verengten sich ihre Augen, und sie starrte finster über meine Schulter. Sofort drehte ich mich um. Wenn der nächste Angriff kam, wollte ich wenigstens vorbereitet sein. Doch dort stand nur Dallas.

Als er Mias Blick bemerkte, hob er beschwichtigend beide Hände.

„Hey, ganz ruhig. Ich wollte euch nur das hier geben.“

Er legte mehrere Snacks vor mir auf den Tisch.

Verwirrt sah ich zu ihm auf.

„Ehrlich, ich fand deinen Witz einfach lustig. Ich wollte dir nicht den Appetit verderben. Ich hab ein paar verschiedene Sachen genommen, weil ich keine Ahnung hab, was du magst. Ist nur ein Friedensangebot.“

Seine Stimme klang tatsächlich freundlich.

Dann drehte er sich um und ging zurück zum Tisch seiner Freunde. Ich sah ihm hinterher. Anschließend wanderte mein Blick zu seinem Tisch. Sie starrten alle zu mir herüber. Einige sahen verwirrt aus. Andere voller Hass. Was zum Teufel richtete Dallas da gerade an? Ich wusste nur eines. Ich war erledigt.

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