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Der Fluch des Vollmonds
Der Fluch des Vollmonds
Penulis: DDream

Kapitel 1

Penulis: DDream
Amys Perspektive

Meine Geschichte begann mit einem Jungen. Liam wohnte schon mein ganzes Leben lang im Haus gegenüber. Inzwischen war er gut 1,98 Meter groß, hatte kurze braune Haare und die leuchtendsten grünen Augen, die ich je gesehen hatte.

Er war der zukünftige Alpha unseres Rudels. Doch lange bevor wir überhaupt verstanden, was das bedeutete, war er einfach nur mein bester Freund. Mit ihm streifte ich durch den Wald und ging zum Bach hinter seinem Haus. Wir sprangen gemeinsam in Schlammpfützen und fingen Kröten. Wenn mich jemand ärgerte, beschützte er mich. Wenn ich hinfiel, klebte er mir Pflaster auf die aufgeschlagenen Knie.

Ich dachte an die Zeit zurück, in der wir noch Freunde gewesen waren. „Liam! Sie kommen!“, rief ich ihm über den Bach hinweg zu, während er gegen unsichtbare Monster kämpfte. Sofort rannte Liam zu mir und sprang an einer schmalen Stelle über den Bach. Ich rutschte absichtlich an dem schlammigen Hang aus, ließ mich zu Boden fallen und tat so, als stürzte ich in die Tiefe. Liam packte mich an den Armen und zog mich hoch. Dann stellte er sich schützend vor mich und wandte sich den heranstürmenden Monstern entgegen. „Keine Angst, Amy. Ich lasse niemals zu, dass dir jemand wehtut“, sagte er und sah mir fest in die Augen. Dann drehte er sich wieder um und stürzte sich in den Kampf. Mitten im Gefecht verlor er seinen Stock. Besorgt sah er zu mir zurück. „Lauf!“, schrie er. Ich starrte ihn erschrocken an. Nicht, weil ich Angst um mich hatte, sondern um ihn. Also rannte ich zwischen die Bäume, suchte einen neuen Stock und eilte damit zurück. „Liam!“, rief ich und warf ihn ihm zu. Er fing ihn auf, schenkte mir sein unwiderstehliches Lächeln und machte sich wieder über die restlichen Monster her. Schließlich ließ er den Stock fallen und kam schwer atmend zu mir. „Wir haben es geschafft, Amy. Wir haben sie alle erledigt.“ Ich strahlte zu ihm hoch. Liam legte einen Arm um meine Schultern und zog mich an seine Seite. „Liam! Amy!“, rief seine Mutter vom Haus aus. Wir sahen uns an, brachen in Gelächter aus und liefen zurück, um Mittag zu essen. Seine Mutter war ganz bestimmt nicht begeistert, wenn sie uns von Kopf bis Fuß voller Schlamm sah.

Damals waren wir einfach zwei unbeschwerte Kinder. Wir machten uns über nichts Gedanken. Das änderte sich, als Liam zwölf wurde und seine Ausbildung zum zukünftigen Alpha begann. Unsere Eltern führten getrennte Gespräche mit uns. Meine Mutter erklärte mir damals, dass wir mitten in einem Wolfsrudel lebten, obwohl wir selbst Menschen waren. Jedes Mal, wenn ich sie fragte, warum wir überhaupt hier lebten, wich sie mir aus. Irgendwann ließ sich nicht mehr verbergen, dass ich anders war. Einer nach dem anderen bekam seinen Wolf. Nur bei mir geschah nichts. Außerdem konnten die anderen riechen, dass ich ein Mensch war.

Am Ende blieb mir nur Mia. Sie war die Einzige, die trotz all der Schikanen und Prügel weiterhin an meiner Seite stand. Es tat weh, all meine anderen Freunde zu verlieren. Aber ich musste nur noch die letzten beiden Schuljahre überstehen. Danach verschwand ich von hier. Am liebsten hätte ich meine Mutter mitgenommen. Doch nachdem sie all die Jahre freiwillig hiergeblieben war, bezweifelte ich, dass sie dieses Rudel jemals verlassen wollte.

Liam und ich hatten uns längst auseinandergelebt, doch unsere Mütter waren noch immer unzertrennlich. Sie sagten ständig zu uns: „Ihr zwei findet schon wieder zueinander, wenn ihr älter seid.“ Ich hielt sie beide für verrückt. Luna Julia, Liams Mutter, behandelte mich trotz allem wie ihre eigene Tochter. Trotzdem ging ich inzwischen kaum noch zu ihnen. Eigentlich kam ich nur einmal im Jahr vorbei, an meinem Geburtstag. Dann lud Julia mich zum Essen ein und bestand darauf, mit mir zu feiern. Liam zu sehen erinnerte mich jedes Mal an alles, was ich verloren hatte, deshalb lehnte ich ihre anderen Einladungen meistens ab. Bei meinem Geburtstagsessen tauchte Liam ohnehin nie auf. So ließ sich dieser eine Abend im Jahr normalerweise ganz gut ertragen. Trotzdem sorgte Julia immer dafür, dass ich eines nie vergaß: Sie und Alpha John liebten mich, und ich war ihnen wichtig.

Als Mensch mitten in einem Wolfsrudel zu leben, war alles andere als angenehm. Eigentlich war selbst das noch viel zu harmlos ausgedrückt. Sobald Clara und ihre beiden Anhängsel Olive und Kylie herausfanden, dass ich ein Mensch war, begann für mich die Hölle. Wegen dieser Teufelsweiber hatte ich schon unzählige Verletzungen davongetragen. Manchmal legten sie selbst Hand an mich, manchmal sorgten ihre Intrigen dafür, dass jemand anderes es tat. Mia und ich nannten sie jedenfalls nur die Teufelsweiber. Auch Mia bekam einiges ab, nur weil sie weiterhin mit mir befreundet war. Trotzdem besaß sie die erstaunliche Fähigkeit, mit fast jedem Menschen auszukommen und freundlich zu bleiben. Mit jedem außer den Teufelsweibern.

Mehr als einmal hatte ich versucht, sie dazu zu bringen, Abstand von mir zu halten. Mia weigerte sich jedes Mal. „Wir stecken da gemeinsam drin“, sagte sie immer. Neben meiner Mutter war sie mein größter Halt. Meine Mutter war für mich da, seit ich denken konnte. Mein Vater dagegen spielte nie eine Rolle in meinem Leben. Das war nur eines von vielen Themen, über die meine Mutter beharrlich schwieg. Nach sechzehn Jahren ohne einen einzigen Anruf, ohne einen Besuch und nicht einmal eine Geburtstagskarte war er mir inzwischen völlig egal. Offensichtlich bedeutete ich ihm nichts. Also sah ich auch keinen Grund, warum er mir etwas bedeuten sollte.

Ich stieg aus der Dusche und machte mich hastig fertig, weil ich an diesem Morgen spät dran war. Nachdem ich mein schwarzes Crop-Top und meine Jeans angezogen hatte, schnappte ich meine Sachen und stürmte aus dem Haus. Kaum war ich draußen, blieb ich abrupt stehen.

Liam kam gerade aus seinem Haus und ging zu seinem Auto.

Was auch immer zwischen uns passiert war, eines konnte wirklich niemand bestreiten: Er sah verdammt gut aus. Er war schon früher hübsch gewesen, aber inzwischen war aus dem Jungen von damals ein echter Blickfang geworden. Er war nicht nur größer, sondern auch deutlich kräftiger. Unter seinem Shirt zeichneten sich breite Schultern und feste Muskeln ab. Inzwischen sah man ihm auf den ersten Blick an, dass er eines Tages Alpha sein sollte.

Ich beobachtete, wie er völlig unbekümmert in sein Auto stieg. Sein ganzes Leben lag bereits klar vor ihm. Sobald sein Vater zurücktreten würde, würde Liam als nächster Alpha die Führung des Rudels übernehmen. Er hatte eine wunderschöne Freundin. Na ja. Seine Freundin war Clara, also war „perfekt“ vielleicht doch nicht das richtige Wort.

Clara jedenfalls verkündete bei jeder Gelegenheit, dass sie und Liam füreinander bestimmt wären. Natürlich würden sie Gefährten und lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Zumindest wenn man Clara fragte.

Außerdem hatte Liam mehr Freunde, als er zählen konnte. Jeder wollte mit dem zukünftigen Alpha befreundet sein. Einige seiner engsten Freunde gehörten ohnehin schon zu seiner künftigen Führungsriege. Walker war sein zukünftiger Beta, Cole sein zukünftiger Delta und Dallas sein zukünftiger Gamma.

Oder sollte ich besser sagen: Claras zukünftiger Gamma?

Die vier waren schon miteinander befreundet gewesen, lange bevor sie zwölf wurden. Seit sie ihre Wölfe bekommen hatten, war ihre Bindung nur noch enger geworden.

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