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ER HAT MICH BETROGEN

Author: Tabbie Quinn
last update publish date: 2026-08-21 17:28:56

Selene

Meine Tasche glitt mir aus den Händen.

Nicht sanft. Nicht langsam.

Sie zerschellte auf dem Marmorboden, das Geräusch scharf und hässlich, hallte durch das Büro.

Meine Handtasche öffnete sich, mein Lippenstift rollte auf den Schreibtisch zu, an dem mein Mann seit fünf Jahren mit einer anderen Frau auf dem Schoß saß.

Ich bewegte mich nicht. Es schien, als hätte mein Körper vergessen, wie das geht.

Das Geräusch erschreckte die beiden. Xaviers Kopf ruckte zu mir herum, sein Gesicht verlor jegliche Farbe.

Er rutschte hastig von ihr weg. Für eine Sekunde sah ich etwas über sein Gesicht zucken – Scham, vielleicht Panik. Aber dann hielt er mitten in der Bewegung inne. Er warf mir einen Blick zu und lehnte sich zurück. Eine beunruhigende Ruhe legte sich über ihn.

Ich trat vor, wollte gerade sprechen, als ich endlich die Frau sah, die hinter seinen Armen verborgen gewesen war und jetzt sichtbar wurde.

Aurora.

Nein! Das konnte nicht sein.

Mein Puls stockte. Nein, nicht sie.

Aurora tritt vollständig ins Sichtfeld, ganz in rotem Satin und selbstgefälliger Nostalgie, ihr Haar offen und fließend, als wäre sie in einer Parfümwerbung. Ihr Parfüm erfüllt die Luft wie Gift. Aufdringlich und erstickend.

Sie war seine erste Liebe. Das eine, von dem ich mir eingeredet hatte, es sei keine Bedrohung.

Meine Augen weiteten sich, als mir die Erkenntnis traf – er hatte sie nie überwunden. Ich fuhr mir mit der Hand durchs Haar, voller aufgewühlter Gedanken, ich wandte mich zu Xavier, wollte gerade sprechen, als seine Worte von früher in meinem Kopf widerhallten. „Ich werde niemand anderen lieben außer dir oder ihr.“

Ich taumelte rückwärts, die Worte trafen mich wie eine Tonne Ziegelsteine. Ich hatte gedacht, es sei nur ein Fehler gewesen. Er hatte sie immer zuerst gewählt. Ich wollte es nur nicht wahrhaben.

Ich öffnete den Mund, um zu sprechen, zu schreien, eine Erklärung zu verlangen, was um alles in der Welt hier vor sich ging, aber die Worte verhedderten sich in meiner Kehle, schwer und nutzlos. Xavier hatte sie immer mehr geliebt als mich, ich hatte es gesehen, aber ich hatte es verdrängt. Warum hatte ich gedacht, er würde jetzt für mich einstehen?

Xavier öffnete den Mund, um zu sprechen, aber ich hob eine Hand, um ihm zu bedeuten, dass es keinen Sinn hatte. Ich wandte mich ab, bevor ich vor ihnen zusammenbrechen konnte. Bevor ich ihnen diese Genugtuung verschaffte.

Das Büro verschwamm um mich herum, während ich mich an starrenden Gesichtern vorbeidrängte. Seine Assistentin wollte mir nicht in die Augen sehen, und die anderen fanden plötzlich ihre Computer faszinierend.

Sie hatten es gewusst.

Alle.

Meine Hände rutschten am Griff meines Autos ab, mein zitternder Körper konnte ihn nicht festhalten. Ich atmete tief durch, versuchte es erneut, und diesmal klappte es. Ich sammelte die letzte Kraft, die mir geblieben war, steckte den Autoschlüssel hinein und fuhr los. Ich konnte keine Minute länger hierbleiben.

Meine Hände umklammerten das Lenkrad noch fester, so fest, dass meine Knöchel weiß wurden. Auroras Gesicht blitzte vor meinem inneren Auge auf, und ich schlug hart mit der Hand auf das Lenkrad, sodass der Fahrer neben mir zusammenzuckte.

Ich hielt an, bevor ich noch jemanden umbrachte, und legte meine Stirn gegen das Lenkrad, während mein Atem unregelmäßig wurde.

Warum jetzt?

Xaviers Verrat spielte sich immer wieder in meinem Kopf ab, und die Einzigen, zu denen ich für Trost hätte gehen können, hatten mich zurückgewiesen.

Meine Hände ruhten schützend auf meinem noch flachen Bauch.

Es gab noch nichts zu spüren. Nichts, das bewies, dass es real war, aber die Last davon drückte mich trotzdem nieder.

Das könnte alles verändern, und das könnte auch alles ruinieren.

Was für eine Mutter bindet ihr Baby an einen Mann, der ohne zu zögern eine andere Frau gewählt hat?

Ich sollte die Klinik anrufen. Einen Termin ausmachen und das hier beenden, bevor es real wird.

Der Gedanke kam so leicht, und er erschreckte mich.

                                                       ******

Meine Hände blieben fest ineinander verkrampft. Ich hob langsam den Kopf, um nach der Uhrzeit zu sehen, und mein Herz setzte einen Schlag aus, als ich die Zeit sah – 2 Uhr morgens.

Ich saß schon seit Stunden hier, kam er wirklich nicht zurück? Bedeutete sie ihm so viel, dass er mir nicht einmal eine Chance geben würde?

Ich fuhr mir mit der Hand durchs Haar, starrte fest auf die Tür, als würde ich auf ein Wunder warten, und tatsächlich geschah es.

Ich hörte ein Klicken an der Tür und erhob mich sofort, zwang mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich richtete das Essen ein wenig, versuchte, es appetitlicher wirken zu lassen.

„Du bist zurück.“ sagte ich, achtete darauf, meine Stimme leicht und unbekümmert klingen zu lassen. Er war überrascht, mich dort zu sehen, aber ich lächelte nur und trat vor.

„Ich habe dir etwas zu essen gemacht. Dusch dich und komm runter zum Essen.“ sagte ich und verdrängte die Erinnerung an seine Untreue vollständig, aber Xavier verbarg seine Gefühle nicht.

Er starrte mich mit hochgezogener Augenbraue an, bevor er schließlich den Kopf schüttelte. „Nein, danke. Ich habe keinen Hunger.“

Er wandte sich ab, wollte nach oben gehen, aber ich stellte mich vor ihn, meine Hände ausgestreckt, um ihn am Weitergehen zu hindern.

„Okay, aber ich würde gerne etwas mit dir besprechen.“ sagte ich, mein Lächeln blieb unerschütterlich, aber als er mein Gesicht sah, wich er nicht zurück, sondern schüttelte mit gesenktem Kopf den Kopf.

„Ich wollte das eigentlich noch nicht tun, aber…“ er hielt inne, stellte die Tasche ab, die er gerade fallen gelassen hatte, und zog ein paar Unterlagen heraus.

„Lass uns scheiden.“ sagte er und streckte mir die Papiere entgegen. Ich senkte den Kopf und las die in fetter Schrift geschriebenen Worte – SCHEIDUNGSVEREINBARUNG.

Ich erstarrte, meine Hände hingen in der Luft, während ich versuchte, sein Verhalten zu verarbeiten. Er hatte sich nicht nur nicht entschuldigt, sondern wollte auch noch eine Scheidung?

Er hatte sich für sie entschieden. Ich wandte mechanisch den Kopf zu ihm, meine Lippen zitterten, als ich sprach. „Du würdest mir nicht einmal eine Chance geben?“

Ich hielt mir sofort die Lippen zu, als ich die Worte hörte, die mir herausgerutscht waren, aber als ich aufsah, blickte Xavier mich an, ohne auch nur einen Funken Schuldgefühl in seinen Augen.

„Du hast gesagt, du liebst mich.“ schrie ich, sein leerer Gesichtsausdruck brachte mich endgültig zum Zusammenbrechen. „Du hast mir für immer versprochen, aber jetzt kannst du es kaum erwarten zu gehen? Du konntest nicht einmal versuchen, uns zu retten?“

Ich fragte, aber ich konnte immer noch keine Gefühlsregung in ihm hervorrufen. Er schüttelte langsam den Kopf, bevor er sprach. „Ich habe dich angelogen. Es tut mir leid. Ich kann niemanden anderen lieben als sie.“

Der Raum drehte sich leicht. Meine Sicht verschwamm sofort, und ich spürte, wie meine Knie nachgaben. Ich fiel zu Boden.

„Unterschreib einfach die Papiere. Du wirst eine gute Abfindung bekommen.“ „Du kannst das gesamte Anwesen haben, das mir gehört, wenn dich das besser fühlen lässt.“

Wut stieg in mir auf, scharf und überwältigend.

Ich hörte seine sich entfernenden Schritte und ohne einen weiteren Geda

nken platzte es aus mir heraus. „Ich bin schwanger.“

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