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Die Leere

Author: Tabbie Quinn
last update publish date: 2026-08-27 23:38:42

Meine Welt fühlte sich an, als würde sie ein abruptes Ende finden. Alles, woran ich in diesem verheerenden Zustand denken konnte, war mein Baby. Addie muss davon erfahren. Irgendwie. Auf irgendeine Weise. Was mich betrifft, will Xavier mich nie wieder sehen, ich frage mich, was er fühlen würde, wenn er von dem Unfall hört. Wahrscheinlich Freude. Ich hoffe, dieses Arschloch verrottet in der Hölle.

Ich hörte schwebende Stimmen über mir. Durch mich hindurch. Um mich herum.

„Ihr Blutdruck fällt. Mögliche innere Verletzungen.“ hörte ich Marcus sagen. „Wie weit sagte sie, war sie?“ fragte eine andere Stimme. Alles schien sich in Zeitlupe zu bewegen.

Die Tür des Krankenwagens öffnete sich. Ich spürte, wie ich in den hinteren Teil des Fahrzeugs schwebte. Rotes und kräftiges weißes Licht schien auf mein Gesicht. Marcus' Gesicht war über mir und sagte Worte, die ich im Rauschen in meinen Ohren nicht recht hören konnte. Meine Sicht verschwamm erneut.

Ich spürte einen scharfen Stich in meinem Arm, und Kälte strömte durch meine Adern. Das hochfrequente Sirenengeheul begann erneut. Diesmal nah… so nah, dass es in meinen Knochen vibrierte. Der Infusionsbeutel schwankte. „Selene, wir sind fast da. Halten Sie durch für uns.“ Ich beobachtete, wie die klare Flüssigkeit den Schlauch hinabtropfte, hinein in meinen Arm. Die Tür des Krankenwagens flog auf. Licht. Helles Neonlicht. Überall Hände, die mich berührten. Der Geruch von Desinfektionsmittel erfüllte die Luft.

„Selene Adrian, 28-jährige Frau. Autounfall, dreizehnte Schwangerschaftswoche, Bauchtrauma.“

Ein Gesicht erschien über mir. Eine Frau im weißen Kittel. „Selene, ich bin Doktor Jay. Sie sind im Velmont-Privatkrankenhaus. Bitte bleiben Sie bei mir. Wir werden Ihnen und Ihrem Baby helfen.“ Die Worte hallten in meinem Kopf nach. Ich versuchte, ihre Hand zu fassen… „Mein Baby. Bitte retten Sie mein Baby.“ „Wir werden alles tun, was wir können, Ma'am.“

********

Meine Hände bewegten sich instinktiv zu meinem Bauch. Die leichte Wölbung war noch da, aber etwas fühlte sich falsch an. Furchtbar falsch. Jeder Teil meines Körpers schmerzte mit einem tiefen, pochenden Schmerz. Panik krallte sich in meine Brust. Ich versuchte mich aufzusetzen, aber ein Schmerz schoss durch meine Rippen und zwang mich mit keuchenden Atemzügen zurück.

„Ruhig… ruhig.“ Eine Krankenschwester erschien an meinem Bett. Ihr Gesicht, sanft und professionell.

„Versuchen Sie nicht, sich so schnell zu bewegen, Sie haben Schlimmes durchgemacht.“ Mrs. Adrian. Der Name fühlte sich jetzt fremd an. Er fühlte sich nicht mehr wie meiner an. Er fühlte sich an wie der von jemand anderem, wie von jemandem, dessen Leben nicht so zerstört worden war.

„Schwester, mein Baby… bitte… tun Sie irgendetwas. Irgendetwas.“ Die Worte kamen verzerrt heraus. Der Gesichtsausdruck der Krankenschwester veränderte sich. Mitgefühl überflutete ihre Züge.

„Ich hole die Ärztin,“ sagte sie und bewegte sich bereits zur Tür. „Nein. Nein. Nein. Verdammt, nein. Gott, bitte.“ schrie ich, Tränen liefen mir über die Schläfen. „Sagen Sie es mir jetzt, bitte.“

Eine Frau Anfang fünfzig betrat den Raum. „Hallo, Mrs. Selene, ich bin Doktor Jay. Ich habe Ihre Behandlung geleitet, seit Sie eingeliefert wurden.“

„Mein Baby“, krächzte meine Stimme.

„Mrs. Selene, es tut uns so leid“, flüsterte sie. „Das Trauma. Es hatte zu große Auswirkungen. Das Baby konnte es nicht überleben.“ Sie kam an mein Bett und hielt sanft meine Hände. „Es tut uns wirklich leid, Ma'am. Es ist schwer, aber Sie müssen wirklich vorsichtig mit sich selbst umgehen.“

Die Welt blieb stehen. Das Piepen des Herzmonitors schien langsamer zu werden. Jeder Schlag hallte in meinen Ohren nach wie eine Totenglocke.

Mein Körper ist ein Verräter. Ein Friedhof, ein Haus, das seinen einzigen Bewohner nicht beschützen konnte. Die Worte der Ärztin wiederholten sich in meiner Erinnerung wie eine kaputte Schallplatte. „Es tut mir leid“, als könnte „leid“ irgendetwas heilen. Als könnte „leid“ das Leben wieder zusammennähen, das in mir zerrissen war. Als könnte „leid“ den plötzlich hohlen Raum unter meinen Rippen füllen.

Ein Laut riss sich aus meiner Kehle. Roh und animalisch. Es klang nicht menschlich… ich fühlte mich nicht menschlich. Ich fühlte mich hohl, ausgehöhlt, absolut nichts als eine Hülle aus Schmerz und Verlust.

„Mrs. Selene, bitte, Sie müssen… ruhig bleiben. Ihre Verletzungen.“

Ich konnte nicht ruhig sein. Wie konnte irgendjemand erwarten, dass ich ruhig blieb? Ich hatte alles verloren. Meine Ehe, meine Familie, meine Karriere stand auf dem Spiel, und gerade als ich dachte, das Einzige, was mir am wichtigsten war, würde bleiben, ging es. Mein Baby. Ich hatte fünf verdammte Jahre auf dieses Wunder gewartet, und jetzt ist es fort. Schluchzen erschütterte meinen Körper, jedes Mal sandte es eine neue Schmerzwelle durch mich. Es war mir egal. Körperlicher Schmerz bedeutete nichts im Vergleich zu dieser Qual und diesem Leid, das durch meine Seele brannte. Die Trauer sitzt in meiner Kehle wie Glas. Ich blute eine Zukunft aus, und die Welt dreht sich weiter.

Doktor Jay versuchte, professionell zu bleiben, aber ich konnte direkt durch sie hindurchsehen. Auch sie schluchzte. Sie nickte und zog sich zurück, ließ mich allein mit meiner Trauer und dem Piepen der Überwachungsmaschine, die ihre einzige Aufgabe nicht erfüllt hatte. Dumm!

Morgen würden sie den Eingriff vornehmen. Sie würden entfernen, was noch in mir übrig war. Mich leer machen im Körper, auf dieselbe Weise, wie ich schon leer in der Seele gewesen war.

So fühlte sich Verlust an.

Ich kämpfte mich zu meinem Handy auf dem Nachttisch durch. Der Bildschirm war vom Unfall stark zersprungen, aber immer noch funktionsfähig. Ich scrollte mechanisch durch mein Handy. Fünfundsiebzig verpasste Anrufe, über hundert Textnachrichten von Xavier, meiner Mutter, ein paar unbekannten Nummern und meinem alten Mentor aus dem Krankenhaus, in dem ich arbeitete.

Ich öffnete Xaviers Nachrichten. „Selene, bitte antworte, wir müssen reden. Es tut mir leid, alles. Bitte.“

Fick dich, murmelte ich vor mich hin und löschte die Nachrichten. Alle.

Ich öffnete meine E-Mails. Die oberste Nachricht ließ die letzte Wärme in meinem Blut erstarren.

Betreff: Anhörung zur Überprüfung der Approbation

„Dr. Hart, aufgrund kürzlicher Vorwürfe ärztlichen Fehlverhaltens hat die Ärztekammer eine Notfallanhörung zur Überprüfung Ihrer Approbation angesetzt. Sie haben 30 Tage Zeit, um sich auf Ihre Verteidigung vorzubereiten. Nichterscheinen führt zum automatischen Entzug der Approbation.“

„Was zur Hölle.“

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