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Kapitel 1
Aus Ferdinands Sicht
Ich parkte meinen Range Rover in der Garage meiner Mutter, der noch warme Motor grollte wie eine Warnung in der Stille des Hauses. Die Reise war lang und anstrengend gewesen, und doch galt mein erster Gedanke, wie immer, ihr. Béthanie. Mein einziger Anker, mein Halt in dieser Welt, die ich verachten gelernt hatte.
Dreißig Jahre. Drei Jahrzehnte voller Eroberungen, Macht, Einsamkeit und Verletzungen. Ich war nicht nur Milliardär, gefürchtet in all meinen Geschäftsfeldern weltweit, ich trug die eisige Maske eines unantastbaren, grausamen und unerbittlichen Mannes. Frauen fielen mir zu Füßen, fasziniert von meinem Charisma und meinem athletischen Körper, aber hinter dieser Fassade des Playboys gab es nur Narben. Narben, die ich mich weigerte, wieder aufzureißen. Seit meinem fünften Lebensjahr vaterlos, hatte ich gelernt, durch Kälte und Kontrolle zu überleben. Liebe… Familie… das war alles nur Schwäche und Schmerz. Und ich weigerte mich, wieder in diese Falle zu tappen.
Ich bin Amerikaner und lebe in Los Angeles.
Als ich die Tür zum Wohnzimmer öffnete, sah ich sie. Béthanie, meine Mutter. Stets makellos, strahlend trotz der Jahre, mit diesem sanften, beruhigenden Duft, der sie umgab. Sie legte ihre Hände auf meine Wangen und zog mich an sich. Ihre Umarmung ließ mich erschauern. Trotz aller meiner Abwehrmechanismen, trotz meines eisigen Herzens, gab es noch einen Teil in mir, der unter ihrer Berührung zitterte.
— Mein Sohn… du bist endlich zurück… flüsterte sie mit glänzenden Augen.
— Ja… erwiderte ich knapp und trocken, unfähig, mein Herz so zu öffnen, wie sie es sich wünschte.
Sie trat einen Schritt zurück und las in meinen verschlossenen Zügen, meinen angespannten Kiefermuskeln. Wie immer sah sie hinter meine Maske, hinter meine Stille. Sie wusste, dass sich hinter dem Ruf des grausamen Playboys ein zerbrochener Junge verbarg, verloren in seinen Verletzungen.
— Ferdinand… sagte sie mit sanfter, aber fester Stimme, es ist Zeit, dass du Verantwortung übernimmst. Es ist Zeit, dass du heiratest, dass du daran denkst, eine Familie zu gründen… mir Enkelkinder zu schenken.
Ein Schauer aus Wut und Anspannung durchfuhr meinen Körper. Ihre Worte waren Dolchstöße, die ich nicht akzeptieren wollte. Nein. Niemals. Die Vergangenheit hatte mich bereits zerbrochen. Ich wollte keine Liebe mehr, keine Bindung, keine Kinder. Ich ballte die Fäuste und atmete tief durch, um den aufsteigenden Zornausbruch zu unterdrücken.
— Mama… sagte ich mit eisiger, schneidender Stimme. Ich werde nicht heiraten. Ich will keine Kinder. Nie wieder.
Ich sah, wie ihre Augen sich verdunkelten, aber sie sagte nichts. Sie wusste, dass ich aufrichtig sprach. Mit Schmerz. Mit dieser Eismauer, die ich mir seit Jahren auferlegt hatte.
— Du… murmelte sie zögernd.
— Schon gut… unterbrach ich sie, mein harter Blick in ihren verankert. Ich werde meine Meinung nicht ändern. Ich weigere mich.
Sie atmete langsam ein und versuchte, die Spannung im Raum zu lösen. Dann hauchte sie mit einem fragilen Lächeln einen Kuss auf meine Wange.
— Komm zum Abendessen… ich habe dein Lieblingsgericht gekocht, flüsterte sie.
Ich antwortete nicht und ließ mein Schweigen für mich sprechen. Sie kannte mein Schweigen. Sie kannte meine Verletzungen. Sie wusste, dass sich hinter meiner Weigerung jener einst fröhliche Junge verbarg, zerstört von der Vergangenheit, der sich noch immer hinter dieser Fassade des unerbittlichen Mannes versteckte.
— Du irrst dich… hauchte ich, um sie nicht weiter insistieren zu hören. Ich werde nie heiraten. Ich werde keine Kinder haben.
Sie sah auf, lächelte trotz allem und drückte einen weiteren Kuss auf meine Wange.
— Du wirst schon sehen… eines Tages, Anton, wirst du mir recht geben.
Ich runzelte die Stirn und starrte sie kalt an. Heute, niemals würde ich nachgeben. Aber irgendwo, tief vergraben, flüsterte noch ein altes Echo, eine Erinnerung an Licht, in meinem Herzen…
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Aus Béthanies Sicht
Ich hatte ihn länger als nötig in den Armen gehalten, unfähig, meine Tränen zurückzuhalten. Mein Sohn… Anton, mein einziges Kind, mein Ein und Alles. Seit seinem fünften Lebensjahr, seit diesem tragischen Unfall, der mir seinen Vater entrissen und mein Leben zerstört hatte, lebte ich nur für ihn. Und heute sah ich ihn vor mir stehen, kalt, hart, vereist… eine Mauer, die nichts zu durchbrechen schien.
Ich bin Béthanie Carryton, 45 Jahre alt, ich bin schön trotz meines Alters, ich arbeite in der Inneneinrichtung und bin sehr angesehen, ich bin von Natur aus verständnisvoll, ehrlich und habe ein wundervolles Herz, und ich gedenke nicht, mich zu ändern. Niemals.
Mein Sohn hatte sich verändert seit jener teuflischen Frau, die ihn vor fünf Jahren zerstört hatte. Anton, einst fröhlich, respektvoll, verständnisvoll, war zu diesem grausamen Playboy geworden, gefürchtet in all seinen Unternehmen, ein Herz aus Stahl, das nichts berührte. Und doch… trotz allem blieb er mein Sohn, mein Fleisch und Blut, mein zerbrochener Engel.
— Ferdinand… flüsterte ich und umfasste seine Schultern fester. Ich weiß, dass du dich weigerst, dich dem Glück zu öffnen, aber ich werde weiterhin für dich hoffen. Auch wenn du es nicht siehst, ich bete jeden Tag, dass ein Engel an deine Tür klopft und dieses Eis um dich herum zum Schmelzen bringt.
Er runzelte die Stirn und sah mich an, als hielte er mich für verrückt. Aber ich konnte in seinen Augen lesen. Es gab noch Funken, Bruchstücke des Kindes, das er gewesen war, vergraben unter Schmerz und Wut.
— Mama… ich… hauchte er zögernd.
Ich lächelte, trotz meiner zurückgehaltenen Tränen. Mein Anton. Mein Junge. Selbst zerstört, selbst kalt, faszinierte er mich. Er faszinierte mich, weil er brillant, gefährlich, aber immer noch zutiefst menschlich war.
— Du weißt, dass ich dich liebe, Anton. Auch wenn du das Glück ablehnst, auch wenn du glaubst, alles sei vorbei… ich glaube an dich. Und ich weiß, dass du es eines Tages begreifen wirst.
Er wandte den Blick ab und presste den Kiefer zusammen. Ich wusste, dass er gegen seine eigenen Dämonen kämpfte, dass er sich weigerte, der Emotion nachzugeben, dass er sich eine Rüstung gegen die Welt aufgebaut hatte. Und doch spürte ich diese Anspannung in seinem Körper, diesen inneren Kampf, wie ein Feuer, das er nicht zugeben wollte.
— Komm zum Abendessen, ich habe dein Lieblingsgericht gekocht, wiederholte ich sanft, in der Hoffnung, die Atmosphäre ein wenig zu entspannen.
Er seufzte, setzte sich aber schließlich an den Tisch. Die Züge immer noch verschlossen, der Blick immer noch hart, aber er war da, lebendig, in Fleisch und Blut. Und für mich war das schon ein Sieg.
Ich stellte die Teller vor ihn hin, meine Hände zitterten vor Emotion. Ich erinnerte mich an jeden Augenblick seiner Kindheit, an jedes Lachen, das dieses Haus erfüllt hatte, an jeden väterlichen Arm, den wir viel zu früh verloren hatten. Und selbst wenn heute alles düster schien, wusste ich, dass es noch Hoffnung gab. Mein Sohn würde irgendwann sein Glück finden. Ich spürte es. Ich wusste es.
— Du wirst schon sehen, Anton… flüsterte ich erneut und streichelte zärtlich seine Hand. Auch wenn du jetzt nicht auf mich hören willst… eines Tages… wirst du verstehen.
Er sah zu mir auf, hart wie Stahl, aber etwas in seinem Blick verriet einen Schauer von Nostalgie, von Schmerz, vielleicht sogar von Sehnsucht nach Trost. Mein Herz zog sich zusammen, aber ich ließ meine Tränen nicht zeigen. Meine Aufgabe war es, ihn zu beschützen, an ihn zu glauben und weiterhin zu hoffen.
Ich wusste, dass der Weg lang sein würde. Dass seine Verletzungen tief saßen, dass sein Playboy-Herz nur eine Fassade war. Aber ich würde weiter beten, lieben, hoffen, bis eines Tages ein Wunder, oder ein Mensch, käme, um ihn endlich von seinen inneren Ketten zu befreien.
Und während er schweigend aß, wusste ich, dass dieser Moment, so einfach er auch war, ein fragiler Lichtstrahl in der Dunkelheit war, die unser Leben erfasst hatte. Ich wusste, dass mein Sohn früher oder später seinen Weg zum Glück finden würde… und vielleicht, trotz sich selbst, zur Liebe.
**Kapitel 20****Elenies Sicht**Ich saß hinter meinem Schreibtisch, die Stirn gegen die Schläfe gelehnt, die Akten vor mir aufgestapelt wie Berge, die es zu erklimmen galt. Nächste Woche würde mein Vater operiert werden. Allein der Gedanke daran hinterließ diesen metallischen Geschmack in meinem Mund.Die ganze Nacht hatte ich die Checkliste durchgesehen, mir den Weg zum Krankenhaus immer wieder eingeprägt, die Unterlagen kontrolliert. Vor ihm lächelte ich, sagte ihm, dass alles gut gehen würde, dass die Ärzte wussten, was sie taten. Ich tat, was ich tun musste: beruhigen.Aber in meiner Brust spielte eine ganz andere Melodie. Ein unaufhörliches Pochen.*Und wenn…?*Und wenn ein Dokument fehlte?Und wenn die Narkose nicht wirkte?Und wenn ich danach alles allein tragen musste?Diese Gedanken ließen mich nachts nicht schlafen.Ich versuchte, mich auf die Akten zu konzentrieren. Neben meinem Telefon stand die Schachtel mit den Blätterteigtaschen, die ich für Béthanie gemacht hatte. Ihr
**Kapitel 19****Ferdinands Sicht**Ich wusste nicht, was plötzlich in mich gefahren war, aber seit einigen Minuten starrte ich nur noch auf den Bildschirm meines Telefons. Mein Blick war auf einen einfachen WhatsApp-Status gerichtet… den meiner Mutter.Doch es war nicht sie, die meine Aufmerksamkeit fesselte.Es war **sie**.**Elenie.**In dem kurzen Video lachten sie beide, vertraut, als würden sie sich schon ewig kennen. Meine Mutter hatte sie in den Arm genommen, und das helle, kristallklare Lachen der jungen Frau war sogar durch den Lautsprecher meines Telefons zu hören. Eine seltsame Wärme stieg in mir auf – eine Mischung aus Gereiztheit und Verwirrung.Seit wann standen sie sich so nahe?Und vor allem… warum störte mich das so sehr?Ich zoomte in das Video hinein und betrachtete sie genauer. Sie trug einen Jeansrock und eine helle Bluse, leicht am Kragen geöffnet. Ihr geflochtenes Haar fiel locker über ihre Schulter. Schlicht, natürlich, und doch… unglaublich anziehend. Ich has
**Kapitel 18****Elenies Sicht**Der Samstagmorgen versprach hell und friedlich zu werden. Kaum war ich aufgestanden, machte ich mich reflexartig daran, das Frühstück für meinen Vater vorzubereiten. Die Küche war bereits erfüllt vom Duft frisch gemahlenen Kaffees, von geröstetem Brot, auf dem die Butter langsam schmolz. Sorgfältig stellte ich die Teller auf den Tisch, ergänzte alles mit Orangensaft und ein paar frischen Früchten.Zu sehen, wie mein Vater diese kleinen Aufmerksamkeiten genoss, wärmte mein Herz. Auch wenn ich mich manchmal von meinem eigenen Leben überfordert fühlte, erinnerten mich diese Momente der familiären Nähe daran, was wirklich wichtig war.Neben mir, auf der Arbeitsfläche, lag eine kleine Schachtel mit Blätterteiggebäck, das ich für Béthanie zubereitet hatte. Der warme, süße Duft zauberte mir bereits ein Lächeln ins Gesicht. Heute wollte ich sie in ihrem Unternehmen besuchen. Ich wollte sie überraschen, Zeit mit ihr verbringen und vor allem sehen, wie es ihr gi
**Kapitel 17****Ferdinands Sicht**Der Konferenzraum hallte vom Rascheln der Papiere und dem leisen Klicken der Stifte auf den Notizblöcken wider. Die Glaswände ließen ein kaltes, weißes Licht herein, das die Strenge des Ortes noch verstärkte.Ich saß am Kopf des Tisches, wie immer, der absolute Herr dieses Territoriums, in dem niemand es wagte, zu laut zu atmen ohne meine Zustimmung.Doch heute Morgen lief etwas schief.Alle Blicke… waren nicht auf mich gerichtet.Sie galten ihr.Elenie.Meiner Sekretärin. Diese Frau, die eigentlich nur ein Schatten an meiner Seite sein sollte, eine Verlängerung meines Willens, war plötzlich zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit meiner Geschäftspartner und Mitarbeiter geworden. Sie stellten ihr Fragen, suchten ihren Rat, hingen an ihren Lippen, als wäre sie die Chefin.Jedes Lächeln, das sie schenkte, jede klare und präzise Antwort, jede elegante Bewegung ihrer Hand, wenn sie eine Seite umblätterte… all das ging mir auf die Nerven.Die Wut stieg in mir
Kapitel 16Aus Elenies SichtIch hatte mich in meinem ganzen Leben noch nie so unwohl gefühlt. Auf der Rückbank von Ferdinands Auto sitzend, drückte ich die Akte an mich und war unfähig, etwas anderes anzusehen als die nächtliche Landschaft, die in rasender Geschwindigkeit vorbeizog. Mein Herz raste und meine Hände waren feucht. Jede Sekunde in seiner Nähe erschien mir wie eine Prüfung. Ich wollte nur, dass er mich nach Hause brachte und wieder fuhr. Kein Wort, kein Blick, nichts. Die Stille zwischen uns war schwer, fast erdrückend.Ich versuchte mir einzureden, dass es nur eine kurze Fahrt war, nur um dieses Dokument abzugeben. Aber mein Geist weigerte sich, zur Ruhe zu kommen. Ich sah mich wieder gestern in seinem Salon, wie ich erstarrte, als seine Augen mich durchbohrten. Die Erinnerung an seine perfekten Züge, seinen muskulösen Oberkörper und seinen betörenden Duft ließ mich unwillkürlich erschauern. Ich hasste dieses Gefühl.Ein paar Minuten später hielt das Auto an. Instinktiv
Kapitel 15Aus Elenies SichtDas Taxi hielt mit quietschenden Reifen vor einem riesigen Duplex, so groß und imposant, dass mir der Mund offen stehen blieb. Meine Lippen öffneten sich in einem erstickten Laut des Staunens, und langsam hob ich den Blick zur Fassade, als würde ich ein modernes Schloss betrachten.Noch nie hatte ich ein solches Haus gesehen, außer vielleicht in den Luxusmagazinen, durch die ich manchmal im Wartezimmer des Arztes blätterte. Meine Beine begannen von selbst zu zittern, unfähig, das Gewicht meiner Angst zu tragen.Ich drückte die Akte an meine Brust, wie einen zerbrechlichen Schutzschild, und ging langsam auf das Tor zu. Eine Kamera überragte mich, ich fühlte mich beäugt, beurteilt, analysiert. Ich räusperte mich, meine Stimme kam erstickt heraus:— Ähm… ich bin Elenie… die Assistentin von Monsieur Ferdinand.Ein metallisches Klicken ertönte, und das Tor öffnete sich vor mir. Mein Herz setzte fast aus. Ich wollte umkehren, weglaufen, aber meine Beine trieben







