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Kapitel 7

last update Tanggal publikasi: 2026-03-19 12:36:22

Kapitel 7

Aus Elenies Sicht

Der Wecker klingelte früher als sonst, aber geschlafen hatte ich ohnehin kaum. Zu viele Gedanken schwirrten mir im Kopf herum, zu viele Fragen, zu viel Angst auch. Doch als ich meine Füße auf den kalten Boden meines Zimmers stellte, durchströmte mich eine neue Energie. Heute war ein entscheidender Tag: mein erster Tag in der Maison Bellaflorence.

Ich brauchte über eine Stunde, um mich fertig zu machen, was gar nicht meine Art war. Normalerweise griff ich mir das erstbeste saubere Kleidungsstück, das mir in die Hände fiel. Aber nicht heute. Heute hatte ich das Kostüm hervorgeholt, das ich mit dem Geld meines Vaters gekauft hatte. Ein figurbetonter Rock, eine perfekt gebügelte weiße Bluse und eine taillierte schwarze Jacke, die sich meinen Schultern anschmiegte. Dazu hatte ich mir diese lackroten Pumps angezogen, die ich noch nie getragen hatte. Ihr Glanz kontrastierte mit der Schlichtheit meines Outfits, und ein neues Gefühl von Stolz erfüllte meine Brust.

Meine Haare, die ich in den Spitzen gelockt trug, fielen als gepflegte Kaskade auf meine Schultern. Ich hatte mich leicht geschminkt, gerade genug, um meine Müdigkeit zu überspielen und meinen Blick zu betonen. Als ich mich ein letztes Mal in dem zersprungenen Spiegel meines Zimmers betrachtete, blieb ich für einige Sekunden wie erstarrt stehen. Zum ersten Mal seit langer Zeit fand ich mich… schön.

Meine schwarze Handtasche in der Hand, verließ ich das Haus, gab meinem Vater einen Kuss auf die Stirn und nahm den Bus, der mich ins Stadtzentrum brachte. Mein Herz raste und meine Finger spielten unentwegt mit dem Verschluss meiner Tasche.

Als ich die imposante Halle der Maison Bellaflorence betrat, richteten sich alle Blicke auf mich. Dutzende Augen, erst neugierig, dann fassungslos. Ich spürte, wie die Gespräche verstummten, wie das Geflüster sich wie ein Lauffeuer ausbreitete.

Die Frauen musterten mich mit einer Mischung aus Erstaunen und kaum verhohlener Eifersucht. Die Männer hingegen schienen… hypnotisiert. Ihre Augen verschlangen mich hemmungslos, und das ließ mich unwillkürlich erröten. Ich, Elenie, die man wegen ihrer abgetragenen Kleidung oft verachtet, die man als gewöhnliches, unsichtbares Mädchen abgetan hatte… an diesem Morgen war ich zum Mittelpunkt geworden.

Ich atmete tief durch. Zum ersten Mal senkte ich nicht den Blick. Zum ersten Mal ging ich mit Selbstbewusstsein, spürte, wie meine Absätze mit unerwarteter Eleganz auf dem Marmorboden klackten. Innerlich dankte ich meinem Vater. Ohne ihn hätte ich niemals den Mut gehabt, diesen Schritt zu wagen.

An der Rezeption angekommen, lächelte ich der Sekretärin höflich zu, die mich mit offenem Mund anstarrte.

— Guten Morgen, sagte ich mit einer Stimme, die ich selbstbewusst klingen lassen wollte. Ich bin Elenie, die neue Sekretariatsassistentin von Herrn Ferdinand Anton.

Sie blinzelte, sichtlich verwirrt. Ich dachte, sie hätte nicht verstanden, also wiederholte ich leise:

— Elenie.

Bei diesem Namen wurden ihre Augen noch größer. Ich unterdrückte ein kleines Lachen, als ich sie so sah. Auch sie war am Tag des Vorstellungsgesprächs dabeigewesen, und ich erinnerte mich genau an ihren spöttischen Ton, als sie angedeutet hatte, dass diese Stelle nichts für mich sei. Sie heute so schockiert zu sehen, gab mir ein seltsames Gefühl stiller Genugtuung.

— S-Sie sind… Elenie?, stammelte sie ungläubig.

Ich schenkte ihr ein amüsiertes Lächeln.

— Ja, leibhaftig.

Sie wandte verlegen den Blick ab, und ich musste mir fast ein Lachen verkneifen. Dieser kleine Sieg gab mir neues Selbstvertrauen.

— Könnten Sie mir sagen, wo mein Büro ist?, fragte ich ruhig.

Sie zögerte noch einen Moment, dann, leicht stotternd:

— D-dreizehnter Stock. Der Personalleiter erwartet Sie dort.

— Danke.

Ich verabschiedete mich mit einem offenen Lächeln und ging zum Aufzug. Als ich den Knopf drückte, zog sich mein Herz zusammen. Es war erst der Anfang, das wusste ich. Hier zu arbeiten würde nicht einfach werden. Ich hatte gestern schon gesehen, wie viel Furcht und Respekt dieser Ort einflößte. Und ich wusste tief in mir, dass der Mann mit den eisigen Augen nicht so einfach aus meinem Leben verschwinden würde.

Aber ich war bereit, die Herausforderung anzunehmen. Egal, wie sehr die Angst an mir nagte. Egal, wie grausam die Erinnerungen waren, die sein Blick geweckt hatte. Ich war hier, um zu bestehen, um meinem Vater eine Zukunft zu bieten. Und das schwor ich mir im Stillen: Nichts und niemand würde mich davon abbringen.

---

Aus Ferdinands Sicht

Von meinem Büro aus, stehend vor der Glasfront, konnte ich den Haupteingang meines Imperiums überblicken. Wie jeden Morgen liebte ich es, meine Angestellten dabei zu beobachten, wie sie sich drängten, wimmelten, arbeiteten, um die Maschinerie von Bellaflorence am Laufen zu halten. Es war mein Königreich, und ich regierte mit eiserner Hand.

Aber heute störte etwas diese Routine.

Sie.

Ich sah sie durch die Tür treten, und es traf mich wie ein Schlag in die Brust. Mir stockte der Atem. Meine Augen blieben an ihr haften, unfähig, sich abzuwenden.

Gestern war sie noch eine unbeholfene Gestalt gewesen, eine verunsicherte junge Frau, die Papiere aufsammelte und sich entschuldigte. Heute… war sie verwandelt. Ihr gelocktes Haar glänzte im Licht, ihr Gang war selbstbewusst, ihre Absätze klackten mit einer fast frechen Sinnlichkeit. Und dieses Kostüm… dieses Kostüm, das sich mit raffinierter Eleganz an ihre Formen schmiegte.

Ich ballte die Fäuste in meinen Hosentaschen. Eine dumpfe Wut stieg in mir auf, brennend, unkontrollierbar.

Warum? Warum musste sie noch schöner sein als Élise? Warum mussten mich ihre blauen Augen, ihr zögerndes Lächeln an alles erinnern, was ich verloren hatte?

Und schlimmer noch… warum mussten die Blicke meiner Angestellten so gierig auf ihr ruhen, so hungrig, als ob sie sie mit den Augen ausziehen würden?

Mein Kiefer mahlte, meine Zähne knirschten fast. Nein, das konnte ich nicht ertragen. Nicht in meinem Unternehmen. Nicht unter meinem Dach.

Ich drückte auf die Taste meines Telefons.

— Schicken Sie mir den Personalleiter. Sofort.

Einige Minuten später kam der Mann herein, leicht außer Atem.

— Monsieur?

Ich drehte mich langsam zu ihm um, meinen eisigen Blick in den seinen gebohrt.

— Die Neue, Elenie Woldof. Setzen Sie sie in das Büro neben meinem.

Der Personalleiter riss die Augen auf, überrascht.

— In… in Ihrem privaten Flügel, Monsieur? Aber… normalerweise…

Ich hob eine Hand und unterbrach sein Zögern scharf.

— Ich frage nicht nach Ihrer Meinung. Ich gebe Ihnen einen Befehl.

Er senkte sofort den Kopf.

— Ja, Monsieur.

Ich trat einen Schritt näher an ihn heran, langsam, aber schwer von Drohung.

— Und hören Sie mir gut zu: Sie wird für mich arbeiten. Direkt. Sie muss zu jeder Tages- und Nachtzeit verfügbar sein. Keine Verspätungen, keine Fehler. Ist das klar?

— K-klar, Monsieur.

Ich fixierte ihn noch ein paar Sekunden, dann gab ich ihm ein Zeichen zu gehen. Kaum hatte er den Raum verlassen, ließ ich mich in meinen Ledersessel fallen, den Rücken zur Tür.

Mein Herz war nicht ruhig. Ich verstand diesen unwiderstehlichen Drang nicht, sie in meiner Nähe zu haben. War es, um sie zu überwachen? Um sie zu vernichten, bevor sie mich verraten konnte? Oder aus einem dunkleren, gefährlicheren Grund… einer Anziehung, die ich nicht zugeben wollte?

Einige Minuten später klopfte es an der Tür.

Ich drückte auf den Knopf, der die automatische Tür öffnete. Sie glitt mit einem leisen Zischen zur Seite.

Sie trat ein.

Eine Sekunde lang setzte mein Atem aus. Aus der Nähe war sie noch schöner. Aber hinter dem Glanz ihrer Kleidung und dem leichten Make-up erahnte ich einen Schatten in ihren Augen. Eine Traurigkeit, die sie zu verbergen suchte.

Ich hielt mich damit nicht auf. Es war nicht meine Aufgabe, Mitgefühl zu zeigen. Meine Aufgabe war es, zu dominieren, zu kontrollieren.

— Guten Morgen, sagte sie mit höflicher Stimme.

Ich drehte langsam meinen Sessel, um ihr gegenüberzutreten. Unsere Blicke trafen sich.

Ich sah, wie ihr Körper sich versteifte, wie ihre Lippen sich vor Schreck öffneten. Ihre Augen weiteten sich, als ob sie gerade das Unfassbare begriff: der eiskalte Mann vom Vortag… das war ihr Chef.

Ein grausames Lächeln umspielte meine Lippen. Ein Lächeln ohne Wärme, scharf wie eine Klinge.

Bingo.

— Herzlich willkommen, Mademoiselle Woldof.

Ich genoss das Schaudern, das dieser einfache Satz in ihr auslöste.

Das Spiel hatte gerade erst begonnen.

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