Mag-log inKimberly Lawson kam an die Epihigh University, um sich selbst neu aufzubauen diesmal ohne Fehler. Dann traf sie Andrew Raymond brillant, mächtig und völlig unantastbar. Er ist der Sohn des Mannes, der ihre Familie zerstört und ruiniert hat. Der Wettbewerb mit ihm im Unterricht sollte eigentlich genug sein ein Beweis dafür, dass sie über ihm stehen kann. Doch als sie gezwungen werden, gemeinsam an Projekten zu arbeiten, die über ihre Zukunft entscheiden könnten, wird der Hass unausweichlich, und alles beginnt kompliziert zu werden. Denn Andrew ist nicht so einfach, wie sie dachte. Und je näher sie ihm kommt, desto schwerer wird es, die Wahrheit zu ignorieren. Als schließlich die Wahrheit über seine Familie ans Licht kommt und Kimberly öffentlich in den Schmutz gezogen wird, muss Andrew sich zwischen Loyalität und Macht entscheiden. Doch was er wählt, zerstört nicht nur ihr Vertrauen sondern lässt Kimberly mit einem Schmerz zurück, den sie nicht so leicht überwinden kann.
view moreKAPITEL 1: DIE RÜCKKEHR VON IHM
Kimberly Lawson hatte gelernt, mit Erinnerungen zu leben, die sich weigerten zu sterben, doch nichts in ihrer Vorbereitung hatte sie darauf vorbereitet, Andrew Raymond wieder vor dem Tor des Epih Colleges zu sehen, als wäre er nie aus ihrer Welt verschwunden. Für einen Moment versuchte sie sich einzureden, dass sie sich irrte. Menschen veränderten sich mit der Zeit. Gesichter verschwammen. Jahre hatten die Fähigkeit, selbst scharfe Erinnerungen weich zu zeichnen. Doch es gab Menschen, die das Gehirn nie falsch einordnete, egal wie sehr man es versuchte zu vergessen, egal wie tief man sie begraben wollte. Andrew war einer von ihnen. Er stand ein paar Schritte vom Eingang entfernt, die Hände lässig in den Taschen seiner dunklen Hose vergraben, seine Haltung entspannt auf eine Weise, die gleichzeitig mühelos und kontrolliert wirkte, als hätte er gelernt, Raum einzunehmen, ohne darum zu bitten. Das Morgenlicht fiel über seine Gesichtszüge und betonte die Reife, die vorher nicht da gewesen war: die klarere Kieferlinie, die ruhige Schärfe in seinem Ausdruck, die Gelassenheit, die fast so tat, als wäre er schon immer so gewesen. Fast. Denn Kimberly wusste es besser. Sie blieb stehen, ohne es zu planen. Ihr Körper reagierte, bevor ihr Verstand zustimmen konnte. Studenten liefen an ihr vorbei, Stimmen und Lachen füllten die Luft, doch alles um sie herum wurde dumpf, unwichtig, weit entfernt. Alles, was sie sehen konnte, war er. Andrew Raymond. Der Junge, den sie einst so sehr zu hassen geschworen hatte, dass selbst sein Name keine Bedeutung mehr in ihrem Leben haben sollte. Und doch stand er jetzt genau dort, wo sie sich ein Leben ohne ihn aufgebaut hatte. Ihr Griff um den Riemen ihrer Tasche wurde fester. Sie sagte sich, sie solle weitergehen. Wegsehen. So tun, als hätte sie ihn nicht bemerkt. Doch ihre Füße bewegten sich nicht. Als hätte ihr Körper sie verraten, bevor ihre Gedanken es konnten. Dann hob er den Blick. Langsam. Ruhig. Als hätte er sie längst gespürt, bevor er sie sah. Und in dem Moment, als seine Augen ihre trafen, veränderte sich die Atmosphäre. Nicht laut. Nicht sichtbar für andere. Aber eindeutig. Für einige Sekunden bewegten sie sich beide nicht. Kein Lächeln. Kein Gruß. Kein Erstaunen. Nur Wiedererkennen. Zu viel davon. Andrew veränderte seinen Gesichtsausdruck nicht, doch in seinen Augen lag etwas, das sie sofort erkannte: Kontrolle. Aufmerksamkeit. Als würde er eine Linie durch die Zeit ziehen und genau dort ankommen, wo er sie erwartet hatte. „Kimberly Lawson“, sagte er schließlich. Ihr Name in seiner Stimme klang nicht wie eine Begrüßung. Sondern wie eine Erinnerung, die in die Gegenwart gezwungen wurde. Kimberly zwang sich zu ruhigem Atmen, bevor sie antwortete, obwohl nichts an ihr ruhig war. „Ich erinnere mich nicht daran, dich gebeten zu haben, meinen Namen zu sagen.“ Eine kurze Pause folgte. Nicht unangenehm. Nicht nervös. Kontrolliert. Andrew neigte leicht den Kopf und musterte sie, so wie früher, wenn jeder Streit zwischen ihnen sich wie ein Spiel anfühlte, das keiner verlieren wollte. „Du reagierst immer noch so“, sagte er leise. „Wie?“ „Als wärst du immer nur einen Satz davon entfernt, einen Krieg zu beginnen.“ Das hätte sie fast getroffen. Fast. Doch sie schluckte es herunter, bevor es nach außen dringen konnte. Sie würde ihm nichts geben, was Nähe oder Vertrautheit bedeutete. „Das liegt daran, dass ich meine Lektion gelernt habe“, sagte sie kühl. „Manche Menschen sind keine friedlichen Gespräche wert.“ Ein kaum sichtbarer Ausdruck flackerte in seinen Augen auf. Zu kurz, als dass andere es bemerkt hätten. Aber nicht zu kurz für sie. „Hältst du immer noch an dieser Version von mir fest?“ fragte Andrew. Kimberly atmete leise aus, ohne Humor. „Ich muss keine Version von dir festhalten“, sagte sie. „Ich habe abgeschlossen.“ Die Worte sollten endgültig klingen. Klar. Unmissverständlich. Doch etwas in ihr widersprach ihnen leise. Andrew antwortete nicht sofort. Sein Blick blieb länger auf ihr, als nötig gewesen wäre, als würde er auf einen Riss in ihrer Fassade warten. Als er schließlich sprach, war seine Stimme leiser. „Du warst schon immer besser im Vorspielen als im Loslassen.“ Diese Worte trafen präzise. Nicht laut. Nicht dramatisch. Einfach genau. Kimberly spürte, wie sich ihre Brust für einen Moment anspannte, bevor sie wieder Kontrolle über sich gewann. Sie sagte nichts. Stattdessen drehte sie sich um. Nicht weil sie fertig mit ihm war. Sondern weil sie wusste, dass sie sonst zu lange bleiben würde. Und sie hatte sich geschworen, dass er keinen Einfluss mehr auf sie haben würde. Der Campus des Epih Colleges war genauso vertraut wie er erdrückend war. Hohe Gebäude mit Glasfassaden spiegelten das Morgenlicht wider, während Studenten in Gruppen vorbeigingen, als würde die Vergangenheit in dieser Welt keine Rolle spielen. Kimberly ging schneller, als nötig war, ihr Kopf versuchte, sich wieder zu ordnen. Sie war nicht hierhergekommen, um Erinnerungen zu verlieren. Sie war hier, um zu gewinnen. Epih war bekannt für seine Eliteprogramme, besonders in Jura und Politikwissenschaften, wo nur die Besten überlebten. Niemand kam hier durch Zufall. Man überlebte nur durch Disziplin, Härte und emotionale Distanz. Kimberly hatte sich genau dafür geformt. Und doch hatte eine einzige Begegnung gereicht, um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Als sie den Hörsaal erreichte, setzte sie sich in die mittleren Reihen und legte ihr Notizbuch vor sich ab. Sie zwang ihre Gedanken zur Ruhe, während sich der Raum langsam füllte. Gespräche stiegen an und fielen wieder ab, Stühle scharrten über den Boden, der gewohnte Rhythmus eines neuen Semesters begann. Bis sich etwas veränderte. Nicht laut. Nicht angekündigt. Aber spürbar. Sie wusste es, bevor sie es sah. Und als sie aufblickte, wusste sie es bereits. Andrew betrat den Raum. Doch diesmal gehörte er nicht mehr dem Eingang. Diesmal gehörte er dem Raum. Etwas an seiner Art, sich zu bewegen, ließ Menschen automatisch hinsehen. Keine Arroganz. Keine Show. Nur Selbstverständnis, als hätte er längst entschieden, dass er überall hingehörte, wo er stehen wollte. Der Dozent stellte ihn vor, als besten Transferstudenten von der Kingsford University. Ein Name, der leises Murmeln durch den Raum zog. Doch Kimberly hörte kaum zu. Denn nichts davon war wichtig. Wichtig war nur die Richtung, in die er ging. Direkt auf sie zu. Und dann setzte er sich ohne Zögern auf den Platz neben ihr. Der Stuhl scharrte leise über den Boden, als er sich setzte, ruhig und unbeeindruckt, sein Notizbuch auf den Tisch legend, als hätte er jedes Recht der Welt, dort zu sein. Als würde ihr persönlicher Raum keine Bedeutung haben. Kimberly sah ihn nicht an. Doch sie spürte ihn. „Du hättest dich nicht hierhin setzen müssen“, sagte sie leise, den Blick nach vorne gerichtet. Andrew öffnete langsam sein Heft. „Ich weiß“, antwortete er. Pause. Dann, ruhig: „Ich habe mich dafür entschieden.“ Und damit begann alles wieder zu leben, was sie begraben geglaubt hatte.Kimberly sah ihren Vater an.Daniel sagte nichts.Kein Dementi. Keine Erklärung. Nicht einmal ein Versuch, sie davon abzuhalten, weiterzufragen.Nur dieses verdammte Schweigen.„Du wusstest es“, flüsterte Kimberly.Andrew stand neben ihr. Seine Hand lag noch immer in ihrer, doch Kimberly bemerkte es kaum.„Kimberly“, sagte Daniel schließlich.„Nein.“Ihre Stimme zitterte.„Sag meinen Namen nicht. Sag mir einfach die Wahrheit.“Daniel sah zur Seite.Und genau das war ihre Antwort.Kimberly schluckte schwer.„Du hast sie eingesperrt.“„Es ist nicht so einfach.“„Dann mach es einfach!“Ihre Stimme hallte durch den Flur.Andrew trat einen Schritt näher zu ihr.„Kim„Nein, Andrew.“Sie zog ihre Hand zurück.„Ich muss das hören.“Daniel atmete tief ein.„Deine Mutter hat Dinge getan, von denen du nichts weißt.“Kimberly lachte bitter.„Und deshalb hast du sie eingesperrt?“„Ich wollte dich beschützen.“„Vor meiner eigenen Mutter?“Daniel antwortete nicht.Plötzlich vibrierte Kimberlys Handy
Kimberly konnte Elena nicht ansehen.Nicht, ohne an ihre letzten Worte zu denken.Ich war diejenige, die deine Mutter damals eingesperrt hat.Aber ich war nicht diejenige, die die Tür abgeschlossen hat.„Was soll das bedeuten?“, fragte Kimberly.Elena schwieg.„Du hast meine Mutter eingesperrt.“„Ja.“„Und du erwartest, dass ich dir jetzt vertraue?“„Nein.“Kimberly lachte bitter.„Wenigstens bist du ehrlich.“Andrew stand noch immer neben ihr. Er hatte sich seit Elenas Geständnis nicht bewegt.„Elena“, sagte er schließlich. „Du solltest das nicht tun.“Sie sah ihn an.„Was? Ihr endlich die Wahrheit sagen?“„Nicht so.“„Es gibt keinen richtigen Weg, Kimberly zu erzählen, dass ihre Mutter jahrelang in einem Keller festgehalten wurde.“Kimberly schloss die Augen.Jahrelang.Das Wort ließ sie nicht los.„Wie lange?“, fragte sie.Elena sah sie an.„Was?“„Wie lange war meine Mutter dort?“„Ich weiß es nicht genau.“„Du hast sie eingesperrt, aber du weißt nicht, wie lange?“„Ich habe sie n
Kimberly konnte den Blick nicht von Daniel lösen.„Du weißt etwas“, sagte sie erneut.Daniel sah auf ihr Handy.Die Nachricht leuchtete noch immer auf dem Bildschirm.Aber du solltest lieber herausfinden, warum dein Vater sie eingesperrt hat.„Woher hast du das?“, fragte er.„Das habe ich dich bereits gefragt.“„Kimberly, ich meine es ernst.“„Und ich auch.“Andrew stand neben ihr. Er sagte nichts, aber Kimberly spürte, dass er jede Bewegung von Daniel beobachtete.Daniel gab ihr das Handy zurück.„Du solltest nach Hause gehen.“Kimberly lachte kurz auf.„Ist das dein Ernst?“„Ich will nur, dass du dich da raushältst.“„Woraus? Aus meiner eigenen Familie?“Daniel schloss für einen Moment die Augen.Und genau da wusste Kimberly, dass sie recht hatte.„Du kennst meinen Vater“, sagte sie. „Du weißt, was mit meiner Mutter passiert ist.“„Ich weiß nicht alles.“„Aber du weißt etwas.“Daniel sah zu Andrew.„Können wir kurz reden?“Kimberly verschränkte die Arme.„Nein. Wenn du etwas zu sage
Kimberly blieb vor Daniel stehen.„Du kennst meinen Vater.“Daniel sagte nichts.Sein Blick wanderte kurz zu Andrew, dann zurück zu Kimberly.„Woher weißt du das?“Kimberly zog ihr Handy aus der Tasche und zeigte ihm die Nachricht.„Das habe ich bekommen.“Daniel las sie.Sein Gesicht veränderte sich sofort.Nur für einen Moment.Aber Kimberly bemerkte es.„Du weißt etwas“, sagte sie.„Kimberly„Nein.“Ihre Stimme wurde fester.„Ich habe genug davon, dass alle mir irgendetwas verschweigen.“Andrew trat neben sie.„Sie hat recht.“Daniel sah ihn an.„Du solltest dich da nicht einmischen.“Andrew verzog keine Miene.„Zu spät.“Daniel atmete tief durch.Dann sah er sich auf dem Flur um.„Nicht hier.“„Warum?“„Weil manche Dinge nicht für die Ohren anderer bestimmt sind.“Kimberly verschränkte die Arme.„Dann sag es mir.“Daniel schwieg einige Sekunden.Schließlich deutete er auf eine leere Treppe am Ende des Flurs.Sie gingen dorthin.Andrew blieb dicht hinter Kimberly.Als sie außer Hör











