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Die Vereinbarung

last update publish date: 2026-09-06 22:46:46

Zareths Sichtweise

Ich wachte mit pochenden Kopfschmerzen und der beunruhigenden Ahnung auf, dass etwas ganz und gar nicht stimmte.

Ich blieb einige Sekunden lang regungslos unter den dicken Decken liegen und starrte an die Decke über mir, die ich nicht kannte, und Bilder der vergangenen Nacht tauchten nacheinander auf.

Der Club. Die private Suite. Silberne Augen. Seine Hände… Das Partnerzeichen…

Ich musste mich schnell aufsetzen und bereute es sofort, als ein stechender Schmerz durch meinen Körper fuhr. Jeder Muskel schmerzte. Meine Beine zitterten, und mein Kopf schwankte so stark, dass ich mich am Bettrand festhalten musste, um nicht umzufallen.

„Oh, Göttin…“

Mein Kleid von gestern Abend lag neben meiner Seite des Sofas, meine anderen Kleider lagen verstreut auf dem Boden, und mein Gesicht brannte sofort.

Ich sah mich hastig in der Suite um. Sie war leer. Der Fremde war gegangen.

Nach dieser Erkenntnis hätte Erleichterung eintreten müssen, doch das tat sie nicht. Im Gegenteil, das Schweigen verschlimmerte alles nur noch.

Ich stand vorsichtig auf, ohne an die wirren Erinnerungen in meinem Kopf zu denken. Seine tiefe Stimme in meinem Ohr. Seine Lippen an meinem Hals. Das Gefühl, völlig die Kontrolle verloren zu haben.

Ich stolperte in Richtung Badezimmer.

Als ich mich im Spiegel erblickte, erstarrte ich. Da war ein dunkler Bissabdruck, direkt über meinem Schlüsselbein. Frisch. Sichtbar. Furchterregend. Ich berührte ihn leicht, meine Finger zitterten.

"NEIN…"

Der Begriff kam kaum über die Lippen.

Ich sah mir die Markierung an und konnte es nicht fassen. Mit jeder Sekunde wuchs meine Panik. Nur Partner wurden von Wölfen markiert. Mein Atem ging unregelmäßig. Das durfte nicht wahr sein.

Ich kannte ihn gar nicht. Ich kann mich nur an die Hälfte der Nacht erinnern. Wie konnte ein Mann, den ich nie zuvor getroffen hatte, mich als seine Eigentum beanspruchen?

Und noch schlimmer…

Warum hatte ich es hereingelassen?

Ich klammerte mich ans Waschbecken, als mir eine weitere Erinnerung in den Sinn kam. Seine Lippen an meinem Hals. Seine Hand umfasste meine Taille, und seine Stimme war rau und nah an meinem Ohr.

Meins.

Angesichts der Angst schoss mir die Hitze ins Gesicht.

„Nein, nein, nein…“

Ich wiederholte den Vorgang, den Wasserhahn aufzudrehen und mir immer wieder kaltes Wasser über den Körper zu spritzen, in der Hoffnung, es so irgendwie loszuwerden.

Das tat es nicht. Das Mal blieb. Hell. Deutlich. Real.

Ich versuchte, ruhig zu bleiben, um klar denken zu können. Ein Streit im Badezimmer würde nichts bringen. Ich musste verschwinden, bevor mich jemand sehen konnte. Wenn Maevyn es herausfände, würde sie Fragen stellen, die ich nicht beantworten konnte.

Fragen, auf die ich selbst keine Antwort wusste.

Ich schaute in das elegante Badezimmer und fand etwas Make-up auf dem Waschtisch. Wahrscheinlich für Gäste zurückgelassen. Möge die Göttin die Reichen und ihre Eitelkeit segnen.

Ich habe die Bisswunde vorsichtig mit Make-up abgedeckt, sodass sie nicht mehr zu sehen war, aber noch unter meinem Kragen lag. Dann habe ich die Kleidung vom Vorabend angezogen und meine Haare zum zusätzlichen Schutz um den Nacken gebunden.

Trotz alledem plagte mich ein schlechtes Gewissen.

Ich sah ruiniert aus.

Ich warf noch einen letzten entsetzten Blick in den Spiegel und eilte aus der Suite.

Draußen vor dem Flur standen nur zwei Wachmänner am Aufzug. Doch keiner von ihnen hielt mich an, und einer musterte kurz meinen Hals, bevor er den Blick schnell abwandte.

Ich wurde im Nu gedemütigt.

Wussten sie es?

Haben sie gerochen, was geschehen war?

Ich senkte den Kopf und rannte aus dem Gebäude.

Kaum war ich draußen, schlug mir die kalte Luft ins Gesicht. Der frühe Morgennebel hatte sich über die Straßen gelegt, und ein paar einsame Wölfe streiften durch die Stille. Mein Kopf pochte noch immer, als ich zum nahegelegenen Bahnhof rannte.

Je weiter ich ging, desto mehr erfüllte sich mein Herz mit Furcht.

Was hatte ich getan?

Als ich ins Black Hollow-Gebiet zurückkam, dämmerte es gerade erst über den Bergen.

Die Packplätze waren sehr trostlos.

Die Bediensteten bewegten sich leise, packten das Gepäck und verschlossen die Kartons, ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen. Die Luft war zum Schneiden dick!

Die Nachricht hatte die Gegend bereits erreicht.

Uns allen war bewusst, dass der Alpha uns verbannt hatte.

Ich schlich leise durch die Seitentür hinein und hoffte, dass niemand mein zerlumptes Aussehen bemerken würde.

Leider bemerkte Maevyn es sofort.

Ich war im Flur, und sie sagte: „Da bist du ja!“ Ich fragte mich schon, ob du entführt worden warst.

Ich zuckte leicht zusammen.

Maevyn verzog das Gesicht. „Alles in Ordnung?“

Ich antwortete zu früh: „In Ordnung.“

Sie warf ihm einen misstrauischen Blick zu. „Du warst gestern Abend stundenlang unterwegs.“

„Oben bin ich eingeschlafen.“

Nicht wirklich eine Lüge, aber...

Maevyn musterte mich einige Sekunden lang, bevor sie dramatisch Luft holte. „Also, wenn du das nächste Mal betrunken einfach verschwinden willst, sag mir wenigstens Bescheid. Ich hätte beinahe eine Schlägerei mit einem der Barkeeper angefangen.“

Ich schaffte es trotzdem, schwach zu lächeln.

Meine Schwester kam näher, bevor sie die Stimme senkte. „Du siehst wirklich schrecklich aus.“

Das lag daran, dass ich mit einem Fremden geschlafen hatte und dafür wie ein Idiot abgestempelt wurde.

Aber das konnte ich natürlich nicht sagen.

„Ich bin einfach nur müde.“

"Fair genug."

Zum Glück hat sie ihr verziehen.

Wenige Minuten später kam Mama mit einigen Papieren in der Hand aus dem Arbeitszimmer. Selene war nicht so gut drauf wie Maevyn, sie sah völlig erschöpft aus. Dunkle Ringe lagen unter ihren Augen, und ihr sonst so ruhiger Gesichtsausdruck wirkte heute Morgen zerbrechlich.

Sie sagte leise: „Das Frühstück ist fertig.“ Lasst uns in einer Stunde aufbrechen.

Diese Worte lasteten schwer auf mir, und ich wusste, was sie bedeuteten.

Verlassen.

Permanent.

Ich ließ mir Zeit, das Haus langsam zu betrachten. Es war hier nie wirklich warm, aber es war mein Zuhause. Jeder Flur war voller Erinnerungen. Jedes Zimmer barg einen Teil meiner Kindheit, auch die schmerzhaften.

Wir entfernten uns nun völlig von allem.

Es dauerte fast einen ganzen Tag, bis wir das Gebiet von Ashbourne erreichten.

Die Reise verlief größtenteils in Stille.

Maevyn versuchte, die Stimmung aufzulockern, indem sie ein paar Dinge erzählte, an die sie sich von Kindheitsbesuchen bei unseren Großeltern erinnerte, aber schließlich war auch sie zu erschöpft.

Ich meinerseits verbrachte den größten Teil der Fahrt damit, aus dem Fenster des Waggons zu starren, als ob ich nicht an den Fremden aus dem Club denken würde.

Mein Verstand wollte aber nicht mitspielen.

Hin und wieder tauchten Erinnerungen an die vergangene Nacht auf, wie aus dem Nichts. Silberne Augen musterten mich. Starke Hände in meinem Rücken. Seine Lippen an meinem Hals.

Jedes Mal, wenn ich in den Spiegel trat, brannte mein Gesicht.

Ich habe versehentlich mein verstecktes Partnerzeichen unter meinem Kragen berührt.

Was für ein Mann markiert eine Frau, die er gar nicht kennt?

Warum konnte ich nicht aufhören, an ihn zu denken?

Bei Einbruch der Dunkelheit hatte die Kutsche schließlich das Gebiet um Ashbourne erreicht.

Black Hollow und Ashbourne waren sofort zu unterscheiden.

Die Wachen am Tor hießen uns willkommen, anstatt uns zu bemitleiden. Sobald wir das Anwesen erreichten, kamen die Bediensteten herbei, um uns beim Ausladen unseres Gepäcks zu helfen. Niemand beschwerte sich, dass ich kein Wolf sei. Niemand ekelte sich vor meiner bloßen Anwesenheit.

Es fühlte sich seltsam an.

Fast unwirklich.

Das Anwesen von Ashbourne war riesig, umgeben von schneebedeckten Wäldern und hohen silbernen Toren. In den Fenstern des Herrenhauses brannten Lichter, und aus einigen Schornsteinen stieg Rauch in den Abendhimmel.

Als wir gerade aus dem Waggon aussteigen wollten, öffneten sich die Vordertüren.

„Selene.“

Die Stimme meines Großvaters hallte durch den Hof.

Als ich sieben Jahre alt war, wurde meine Mutter von einem Mann namens Alpha Torin Ashbourne, der viel älter war als ich, die Treppe vor dem Haus heruntergeeilt und in eine feste Umarmung gezogen. Schließlich brach meine Mutter in seinen Armen zusammen.

„Du hättest schon vor Jahren zu Hause sein sollen“, flüsterte Torin.

Meine Großmutter Lyra Ashbourne stand neben ihm, und sobald ich zu ihr kam, umfasste sie sanft mein Gesicht mit ihrer Hand.

„Du wirst zu dünn“, sagte sie missbilligend, bevor sie mich fest umarmte.

Ich wurde in einem unerwarteten Moment von meinen Gefühlen überwältigt.

Das sollte eigentlich die Art von Familie sein.

Keine Angst.

Keine Scham.

Wärme.

Es hat mir fast das Herz gebrochen, als ich es begriff.

Wir aßen alle an diesem Abend im großen Speisesaal zu Abend. Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit protestierte niemand. Niemand beleidigte mich. Niemand gab mir das Gefühl, nicht willkommen zu sein, nur weil ich zufällig da war.

Während meine Mutter Torin all die Dinge erklärte, die Garrick getan hatte, hörte er aufmerksam zu.

Am Ende dieser Geschichte war mein Großvater außer sich vor Wut.

„Der Mann war nicht gut für dich“, sagte der Mann meiner Mutter unverblümt zu ihr. „Das habe ich dir schon vor zwanzig Jahren gesagt.“

Selene lächelte müde. „Ich hatte gehofft, dass er sich ändern würde.“

„Nein“, sagte Lyra entschieden, „das wird er nicht.“ „Männer wie Garrick lieben nur die Macht.“

Maevyn ergriff die Hand unserer Mutter und drückte sie leicht. „Es wird wieder aufgebaut werden“, sagte sie leise. „Alles, was er zerstören wollte.“

Torin nickte langsam.

„Tatsächlich“, sagte er ruhig, „habe ich mich bereits darum gekümmert.“

Am Tisch herrschte Stille.

Ich runzelte leicht die Stirn. „Womit?“

„Ein neues Bündnis.“

Maevyn blickte ihn ausdruckslos an. „Großvater?“

Torin faltete die Hände. „Eine Kraft, die stark genug ist, um den Namen Ashbourne zu seinem vollen Glanz zurückzuführen.“

Sein Tonfall beunruhigte mich plötzlich.

Dann richtete er seinen Blick auf Maevyn.

„Nun, ich habe ein Paarungsbündnis mit dem Königreich des Halbmondschleiers geschlossen.“

Der Schock durchfuhr den Tisch in einem Augenblick.

Maevyn hätte beinahe ihr Getränk verschüttet. „Was?“

„Die königliche Blutlinie der Lykaner hat zugestimmt“, fuhr Torin ruhig fort. „Insbesondere der jüngste Lykanerprinz.“

Mein Magen verkrampfte sich auf eine Weise, die er nicht hätte verkrampfen sollen.

Maevyn wirkte fassungslos. Und nervös.

„Morgen Abend“, erwiderte Torin leise, „werden Sie dem offiziellen Bankett vorgestellt.“

Es herrschte Stille im Raum.

Dann überkam mich aus irgendeinem Grund, den ich mir nicht erklären konnte, plötzlich ein Gefühl der Angst.

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