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Hinein in die Wildlande

Author: Jules
last update Petsa ng paglalathala: 2026-08-15 16:37:36

Lyras Sicht

Dem Wald ist es egal, dass mein Herz zerbricht.

Ich breche durch die Bäume, als würde mich etwas jagen, obwohl das Einzige hinter mir das Bild von Dereks Zähnen in Ivys Hals ist. Mein silbernes Kleid verfängt sich an Ästen und reißt, aber ich renne weiter. Schuhe? Die habe ich vor Meilen abgestreift. Scharfe Steine schneiden in meine nackten Füße. Kalte Luft brennt in meinem Gesicht. Äste peitschen über meine Arme und hinterlassen rote Striemen. Nichts davon zählt. Der Schmerz in meiner Brust ist so viel schlimmer, dass er alles andere übertönt.

Fünf Jahre. Wie konnte ich es nicht sehen? All die Nächte, in denen Derek mich hielt und flüsterte, ich sei genug. Die Art, wie er mich vor meinem Vater anlächelte, als wäre er stolz. War irgendetwas davon echt? Oder war ich nur praktisch, bis seine wahre Gefährtin auftauchte? Ich bin so eine Idiotin. Die größte Närrin in Crescent Hollow. Alle wussten, dass etwas nicht stimmte. Sie bemitleideten mich jahrelang, während ich eine Zukunft plante, die es nie gegeben hat.

Tränen verschwimmen alles. Ich stolpere über eine Wurzel und falle hart hin, schürfe mir die Knie auf, aber ich rappele mich auf und mache weiter. Das Kleid reißt am Saum. Ich halte nicht an, um es zu richten. Ich will nur verschwinden. Die Bäume werden hier dichter. Mir wird klar, dass ich die Grenze zu den Wildlanden überschritten habe. Neutrales Gebiet. Streuner. Gefährliche Wölfe, die keinem Rudel unterstehen. Normalerweise würde mich dieser Gedanke zu Tode ängstigen. Gerade jetzt fühlt es sich an, als gehöre ich genau hierher. Soll doch etwas hier draußen diesem Albtraum ein Ende setzen.

Meine Lungen brennen. Meine Beine zittern. Aber ich strenge mich noch mehr an, als könnte die Demütigung mir nicht folgen, wenn ich nur weit genug renne. Die Gesichter des Rudels blitzen in meinem Kopf auf. Das Getuschel. Die Art, wie sie sich um diese Tür drängten, um zuzusehen, wie mein ganzes Leben zerbrach. Mein eigener Vater sagte mir, ich solle verschwinden, als wäre ich diejenige, die etwas falsch gemacht hätte. Helenas gespieltes Mitleid. Ivys Lächeln. All das treibt mich vorwärts, bis mein Körper endlich aufgibt.

Ich breche an einem uralten Baum zusammen, die Rinde rau an meinem Rücken. Meine Beine geben unter mir nach. Das Schluchzen kommt zuerst, leise und gebrochen. Dann lauter. Ich schreie in die Nacht hinein, roh und hässlich, bis mir der Hals schmerzt. Wut mischt sich mit der Trauer, bis ich sie nicht mehr auseinanderhalten kann. Ich schlage mit den Fäusten auf den Boden, Erde gräbt sich unter meine Nägel. Warum hat er mir das angetan? Warum hat er mich fünf Jahre lang glauben lassen, wir hätten etwas Echtes?

Erinnerungen fluten gnadenlos herein. Derek versprach mir, wir würden gemeinsam ein Zuhause aufbauen. Die Art, wie er nach langen Tagen im Heilerbau meine Stirn küsste. All das schmeckt jetzt nach Gift. Er wusste es. Er musste gewusst haben, dass Ivy seine Schicksalsgefährtin war. Trotzdem entschied er sich, bei mir zu bleiben. Benutzte mich. Und das Schlimmste? Das ganze Rudel sah zu, wie es geschah. Sie beobachteten, wie ich erstarrt auf der Tanzfläche stand, während er davonging, als wäre ich nichts. Beschädigte Ware. Törichtes Mädchen. Fünf Jahre verschwendet an einen Mann, der mich nie wirklich wollte.

Ich krümme mich enger an den Baum, zitternd. Körperliche Erschöpfung überwältigt mich mit einem Mal. Meine Muskeln brennen. Meine Füße pochen. Ich habe keine Ahnung mehr, wo ich bin. Die Bäume sehen in jede Richtung gleich aus. Die Nacht bricht schnell herein. Die Temperatur sinkt, und mein Atem kommt in kleinen Wölkchen heraus. Ich sollte zurückgehen. Ich weiß, dass ich sollte. Meinem Vater gegenübertreten. Dem Rudel gegenübertreten. Versuchen zu überleben, was auch immer als Nächstes kommt.

Aber der Gedanke, zurück in diese Halle zu gehen, in all diese starrenden Augen, lässt mich wünschen, hier und jetzt zu sterben. Ich kann es nicht. Ich kann ihnen nicht gegenübertreten.

Eine seltsame Wärme beginnt sich durch meinen Körper auszubreiten. Zuerst dachte ich, es käme vom Rennen, aber sie wurde heißer. Sie wandert von meiner Brust hinunter zu meinem Bauch, dann tiefer. Meine Haut fühlt sich eng an. Empfindlich. Ich presse meine Hände an meine Wangen. Sie brennen.

Was passiert hier? Das ist nicht normal.

Ich erkenne die Symptome aus meiner Ausbildung im Heilerbau. Hitze. Paarungshitze. Aber sie sollte mich nicht so treffen. Nicht hier draußen. Nicht allein. Hitze kommt normalerweise in der Nähe des Gefährten oder bei extremem Stress. Das Trauma muss sie ausgelöst haben. Mein Körper war verzweifelt nach Trost, nachdem alles zerbrochen war. Es ist ihm egal, dass ich gebrochen bin. Er will nur die Leere auf die einzige Art füllen, die er kennt.

Panik krallt sich meine Kehle hinauf. "Nicht jetzt", flüstere ich. "Nicht hier. Nicht allein."

Die Hitze baut sich schnell auf. Sie wird schmerzhaft. Ein pochendes Verlangen, das meine Schenkel zusammenpressen lässt. Meine Wölfin, sonst still in mir, regt sich unruhig. Ich versuche dagegen anzukämpfen. Ich atme tief und langsam, so wie man es uns beigebracht hat. Es hilft nicht. Das Feuer breitet sich aus. Mein Kleid fühlt sich an, als würde es mich ersticken. Zu rau auf meiner Haut.

Ich zerre an dem zerrissenen Stoff. Meine Finger zittern, als ich es vollständig abstreife und zur Seite werfe. Die kalte Nachtluft sollte helfen, tut es aber nicht. Meine Haut brennt weiter. Ich krümme mich auf dem Waldboden zusammen, Arme um meine Knie geschlungen, wimmernd. Jede kleine Bewegung schickt Funken durch mich hindurch. Ich weiß, wie verletzlich ich gerade bin. Ein einsames Weibchen in Hitze in den Wildlanden. Jeder Streuner könnte mich finden. Mir wehtun. Aber mein Verstand kann nicht klar denken. Das Verlangen ist zu laut.

Ich wiege mich vor und zurück, versuche mich zusammenzuhalten. Tränen fallen weiter. Ich fühle mich so dumm. So schwach. Nach allem, was heute Nacht geschehen ist, verrät mich jetzt auch noch mein eigener Körper.

Dann spüre ich es. Augen auf mir. Ich bin nicht allein.

Ich hebe langsam den Kopf. Ein gewaltiger Wolf tritt aus den Schatten zwischen den Bäumen hervor. Größer als jeder Wolf, den ich je gesehen habe. Schwarzes Fell mit silbernen Spitzen, die das Mondlicht einfangen. Seine rotgoldenen Augen leuchten, als sie sich auf mich richten. Macht strömt in Wellen von ihm aus. Ich sollte entsetzt sein. Ich sollte rennen oder schreien oder mich verwandeln, um mich zu verteidigen. Aber die Hitze verdreht alles. Statt Angst flutet Verzweiflung durch mich. Mein Körper reagiert auf ihn, bevor mein Verstand nachkommen kann.

Der Wolf verwandelt sich. Knochen knacken und formen sich neu. Er erhebt sich in eine halbmenschliche Gestalt, noch teilweise verwandelt, bleibt tief in den Schatten. Ich kann sein Gesicht nicht klar erkennen. Nur eine gewaltige, muskulöse Silhouette. Breite Schultern. Gefährliche Größe. Krallen und Fangzähne sind im Dunkeln noch sichtbar.

"Du solltest nicht hier sein", kommt seine Stimme tief und rau heraus, wie Kies.

Ich wimmere erneut, die Hitze schießt bei seiner Stimme in die Höhe. Meine Wölfin drängt so stark nach vorne, dass es mich überrascht. Sie war noch nie so laut. "Bitte", bringe ich hervor, meine Stimme bricht. "Ich brauche... ich kann nicht..."

Er bewegt sich zunächst nicht näher. Die Spannung zieht sich stramm zwischen uns. Er könnte mich töten. Er könnte mich hier zurücklassen, um zu leiden. Er könnte alles tun. Ich bin ihm völlig ausgeliefert, und es ist mir nicht mehr wichtig. Der Stolz ist verschwunden. Nur das rohe Verlangen und der Schmerz bleiben.

Er tritt einen Schritt näher. Sein Duft trifft mich dann. Kiefer. Rauch. Nachtluft. Etwas Wildes und Männliches, das mir den Kopf verdreht. Meine Wölfin flüstert in mir, klar und sicher. Meiner.

Ich strecke ihm mit zitternden Händen die Arme entgegen. Keine Scham mehr übrig. Nur dieser verzweifelte Sog. Ich brauche ihn, um mich zu berühren. Um den Schmerz zu stoppen, und sei es nur für eine kleine Weile.

Seine Beherrschung bricht sichtbar. Ich sehe, wie sich seine gewaltigen Schultern anspannen, wie sich sein Atem verändert. "Du weißt nicht, worum du bittest."

"Es ist mir egal", flüstere ich zurück, meine Stimme bricht. "Bitte lass mich nicht allein."

In dem Moment, als seine Hand meinen Arm berührt, schießt Elektrizität durch mich. Mein Atem stockt. Seine Finger sind trotz ihrer Größe und der Krallen an den Spitzen überraschend vorsichtig. Wir beide scheinen jetzt darin verloren. Der Sog zwischen uns fühlt sich größer an als der Wald, größer als mein gebrochenes Herz, größer als alles, was ich je gefühlt habe.

Sein Mund stürzte auf meinen, und die Welt entflammte.

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