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Der Verbotene Omega der Zwillings-Alphas
Der Verbotene Omega der Zwillings-Alphas
Author: Poppy R. Lane

Kapitel 1

Author: Poppy R. Lane
last update publish date: 2026-05-26 19:02:11

Riley

Der Schlamm an meinen maßgefertigten Lederstiefeln, die mehr kosteten als die Monatsmiete für dieses trostlose Studentenwohnheim, in dem ich eigentlich wohnen sollte, ließ mich am liebsten schreien.

Ich starrte auf den Dreck, der an meiner Ferse klebte, und presste die Zähne so fest zusammen, dass sie mir richtig weh taten.

Greenville Academy.

Schon der verdammte Name klang wie ein Witz.

Ein kranker, grausamer Scherz, gespielt von einem Vater, dem seine Aktienkurse viel wichtiger waren als sein eigener Sohn.

Ich holte tief Luft und zwang meine Schultern, sich zu entspannen, während ich den Kragen meines schweren Designermantels zurechtzupfte. Ich musste mich beruhigen. Ich griff in meine Tasche, meine Finger streiften das kalte Plastik meines Hemmer-Etuis.

Ich hatte heute Morgen drei Tabletten genommen. Ich hatte die Dosis verdoppelt, nur um ganz sicherzugehen. Auf keinen Fall würde ich zulassen, dass irgendjemand in diesem ländlichen Drecksloch auch nur einen Hauch von mir roch.

 Für alle hier sollte ich eine unberührte, unantastbare Mauer sein. Sie mussten nichts von dem absoluten Desaster wissen, das ich hinter mir gelassen hatte. Sie mussten nichts von dem Elite-Campus wissen, von dem ich geflogen war, von den heftigen Streitereien mit meinem Vater oder von dem Skandal, der mein Leben in einer einzigen Nacht komplett zerstört hatte.

„Halt dich bedeckt oder verlier alles.“

Das war das Ultimatum. Es hallte in meinem Kopf wider, eine ständige Erinnerung daran, dass ich gerade in der Hölle gefangen war.

„Na gut“, murmelte ich vor mich hin und warf einen Blick auf mein Spiegelbild im dunklen Display meines Handys. „Ich kann Bescheidenheit vortäuschen. Ich kann mich unauffällig verhalten. Aber ich lasse mich von diesem Ort nicht unterkriegen.“

Ich strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, griff nach dem Riemen meiner Designer-Reisetasche und trat in den Innenhof.

Ich hatte ihn gar nicht kommen sehen. Im einen Moment suchte ich noch nach einem Weg, im nächsten prallte ich mit voller Wucht gegen eine Brust, die sich wie eine massive Backsteinmauer anfühlte.

Der Aufprall raubte mir den Atem. Ich taumelte rückwärts, meine Stiefel rutschten auf dem glatten Gras aus, und meine Reisetasche glitt mir aus der Hand und landete mit einem widerlichen dumpfen Schlag im nassen Dreck.

„Hey! Pass auf, wo du hinläufst, Stadtjunge.“

Die Stimme war tief und rau. Ich riss den Kopf hoch, eine scharfe Antwort lag mir schon auf der Zunge, doch die Worte blieben mir einen Augenblick lang im Hals stecken.

Der Typ vor mir war massig. Er trug eine abgewetzte schwarze Lederjacke über einem verwaschenen T-Shirt, sein dunkles Haar war zerzaust und völlig ungestylt. Aber es war sein Gesicht, das mich erstarren ließ.

Er wirkte aggressiv. Sein Kiefer war massig, und seine dunklen Augen fixierten mich mit einem sofortigen, tiefsitzenden Ekel. Ein Alpha. Ein sehr lauter, sehr ungeschliffener Alpha.

Sein Gesichtsausdruck ließ mich beinahe aufwimmern und mein Gesicht an seine Brust vergraben, in der Hoffnung, von ihm getröstet zu werden. Doch ich riss mich schnell zusammen.

Ich richtete mich auf, verschränkte die Arme vor der Brust und kanalisierte all die reiche, hochmütige Ader des Omegas, zu dem mich mein Vater erzogen hatte.

„Du bist derjenige, der mich angerempelt hat“, sagte ich mit eisiger Verachtung in der Stimme. „Ich rate dir, das nächste Mal die Augen zu öffnen, wenn du wie ein hirnloses Tier herumstampfst.“

Der Kerl stieß ein kurzes, scharfes Lachen aus. Er schien kein bisschen Reue zu empfinden. Im Gegenteil, er sah aus, als wolle er mich am liebsten würgen. Er musterte mich von oben bis unten, sein Blick verweilte auf meinem teuren Mantel, meinem ordentlichen Haar und dem makellosen Leder meiner Stiefel. Ein höhnisches Grinsen umspielte seine Oberlippe.

„Hirnloses Tier?“, spottete er und legte den Kopf schief. „Das ist ja süß von so einem zierlichen Kerl, der aussieht, als hätte er sich auf dem Weg zu einer Modenschau verlaufen. Was ist denn los? Hat dich der Privatjet im falschen Postleitzahlengebiet abgesetzt?“

„Du wünschst dir wohl, du könntest dir den Sprit für einen Privatjet leisten“, fauchte ich zurück, und meine Wut kochte hoch. „Jetzt geh beiseite! Du versperrst mir die Sicht, und ehrlich gesagt, riechst du nach billigem Benzin und dummen Entscheidungen.“

Statt Platz zu machen, trat der Typ einen Schritt vor. Er hob seinen schweren Stiefel und trat ihn direkt auf meine heruntergefallene Reisetasche, sodass der teure Stoff in den nassen Schlamm gepresst wurde. Das Geräusch des sich dehnenden Materials ließ mir das Herz in die Hose rutschen.

„Oh, Entschuldigung“, sagte er, ohne jede Spur von Reue. „Ich habe deine kleine Handtasche da unten nicht gesehen.“

„Du absolutes Drecksloch!“, schrie ich und vergaß völlig meinen Plan, mich unauffällig zu verhalten. Meine Hände ballten sich zu Fäusten. „Hast du überhaupt eine Ahnung, wie viel diese Tasche kostet? Sie ist mehr wert als dein ganzes Leben. Nimm sofort deinen dreckigen Fuß von meinen Sachen!“

Der Typ rührte sich nicht. Im Gegenteil, er stemmte sich dagegen und verlagerte so noch mehr Gewicht auf die Tasche. Seine Augen verdunkelten sich, ihr trübes Braun nahm einen gefährlichen, räuberischen Bernsteinton an, der förmlich Gefahr schrie.

Mir stellten sich die Nackenhaare auf. Mein Körper schrie mich an, zurückzuweichen, mich zu ergeben, vor der gewaltigen Bedrohung vor mir zu fliehen, aber mein Stolz verbot mir, mich auch nur einen Zentimeter zu bewegen.

„Hör mir gut zu“, sagte er und senkte die Stimme zu einem tiefen, vibrierenden Knurren, das mir durch Mark und Bein ging. „Mir ist egal, wer dein Vater ist, und mir ist auch egal, wie viel Geld du in deinem kleinen Treuhandfonds hast. Hier draußen bedeuten deine schicken Marken gar nichts. Du bist jetzt in meinem Revier.“

Ich holte tief und zitternd Luft und kämpfte gegen den plötzlichen Drang an zu zittern. Ich zwang mir ein grausames Lächeln auf und starrte ihm direkt in seine bernsteinfarbenen Augen.

 „Dein Freiraum? Bitte“, schnaubte ich und verschränkte die Arme fester. „Diese ganze Stadt sieht aus wie ein Friedhof für gescheiterte Träume. Wenn du glaubst, deine Macho-Attitüde würde mich einschüchtern, dann irrst du dich gewaltig. Ich kenne echte Alphas. Du bist nur ein lauter Köter mit einer großen Klappe.“

Die Luft zwischen uns stand still. Ich spürte die unsichtbare Last seiner Pheromone, die mich niederdrücken, mich in die Knie zwingen wollten, aber meine Hemmungen hielten stand. Kein Duft drang nach außen, und keiner drang ein. Es war pure, unverfälschte psychologische Kriegsführung.

Er machte einen weiteren Schritt und verringerte den Abstand zwischen uns, bis er sich deutlich über mich beugte. Ich spürte die Hitze, die von seinem Körper ausging. Sein Kiefer war so fest angespannt, dass ich dachte, er würde brechen.

„Riley Weston?“

Die scharfe, nasale Stimme einer Frau zerriss die Stille wie ein Schuss.

Wir erstarrten beide. Ich blickte über die breite Schulter des Mannes und sah eine Frau mittleren Alters in einem grauen Bleistiftrock, die vom Hauptgebäude auf uns zukam. Sie hielt ein Klemmbrett an ihre Brust und sah sichtlich genervt aus – wer weiß, worüber.

„Riley Weston? Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit für Ihre Anmeldung!“, rief sie, ihre Stimme hallte über den Hof.

Ich sah den Riesen vor mir an und schluckte den Kloß der Angst in meinem Hals hinunter. Mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, trat ich ihm den Fuß von meiner Tasche weg, packte den schlammigen Riemen und warf sie mir über die Schulter.

Mir war der Dreck auf meinem Mantel egal. Ich musste einfach nur weg von ihm, bevor mir das Herz aus der Brust sprang.

„Das Gespräch ist noch nicht vorbei“, murmelte ich und versuchte, selbstsicherer zu klingen, als ich mich fühlte.

 Der Typ beobachtete mich. Seine bernsteinfarbenen Augen verfärbten sich langsam wieder dunkelbraun, doch sein Blick blieb unerbittlich. Er stieß ein leises, höhnisches Kichern aus, das mir einen Schauer über den Rücken jagte.

„Geh zu deiner Nanny, Stadtjunge“, murmelte er und drehte mir den Rücken zu, als er einen Schritt zurücktrat. „Aber denk dran, was ich gesagt habe. In Greenville gehen zerbrechliche Dinge kaputt. Und du siehst aus, als wärst du aus Glas.“

Ich sah ihm nach, wie er mit seinen schweren Stiefeln, die sorglos durch den Schlamm stapften, davonging.

Meine Hände zitterten so stark, dass ich sie tief in meine Manteltaschen stecken musste, damit der Verwaltungsangestellte es nicht bemerkte.

Zerbrechlich? Glas? Er wusste nichts über mich. Er wusste nicht, was ich schon alles durchgemacht hatte, um hierher zu gelangen.

„Bist du nicht Riley? Kommst du jetzt oder nicht?“, fuhr mich die Frau an und wedelte ungeduldig mit ihrem Klemmbrett herum, als ich endlich die Treppe erreichte. 

„Ja, ich komme“, sagte ich mit belegter Stimme.

Ich wischte mir mit dem Handrücken einen Schlammfleck von der Wange und ging auf das Backsteingebäude zu. In den ersten fünf Minuten auf dem Campus hatte ich es schon geschafft, mir einen psychotischen lokalen Alpha zum Feind zu machen.

Dieses Semester würde ein absoluter Albtraum werden, aber ich würde es überleben. Ich musste einfach.

Denn die Alternative wäre gewesen, auf Knien zu meinem Vater zurückzukehren, und lieber würde ich im Schlamm von Greenville sterben, als jemals so etwas zu tun.

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