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Kapitel 5

Penulis: Anatory
last update Tanggal publikasi: 2026-08-04 02:04:03

Sofia legte ihr Handy weg und ging ins angrenzende Badezimmer. Sie schaltete das grelle Licht über dem Spiegel ein und musterte ihr Spiegelbild. Ihr schwarzes Haar wellte sich noch ein wenig von der Autofahrt; sie bürstete es schnell durch und ließ es offen auf ihre Schultern fallen. Make-up: ein Lidstrich, um ihre dunklen Augen zu betonen, etwas Mascara und ein nudes Lippenstift, der ihren vollen Mund zur Geltung brachte, ohne zu übertreiben. Sie wollte sich schön fühlen, begehrenswert  nicht für Ellie, nicht für die Freunde, sondern für dieses innere Gefühl, das seit ihrer Ankunft in ihr brodelte. Für Pedro vielleicht, auch wenn sie sich weigerte, es laut zuzugeben.

Für das Outfit entschied sie sich für ein enges schwarzes Kleid, kurz über den Oberschenkeln, mit einem dezenten, aber schmeichelhaften Ausschnitt. Sie hatte es spontan an der Uni gekauft, für eine Studentenparty, die sie dann doch geschwänzt hatte. Sie drehte sich vor dem Spiegel: Das Kleid umschmeichelte ihre Kurven ohne Vulgarität, aber genug, dass sie sich wie eine Frau fühlte. Sie zog flache Sandalen an praktisch, falls sie auf den Sand musste  und griff sich eine leichte Jeansjacke, für alle Fälle.

Als sie hinunterging, wartete Ellie unten an der Treppe, an die Wand gelehnt, das Handy in der Hand. Er trug eine enge Jeans und ein weißes T-Shirt, das seine Schultern von früheren Schwimmzeiten in der Highschool  betonte. Er blickte auf und sein Gesicht hellte sich auf.

— Wow, Sofia … du bist … äh, umwerfend.

Sie lachte leise, während sie die letzten Stufen hinunterkam.

— Danke, Ellie. Du siehst auch nicht schlecht aus. Bereit?

Doch bevor sie sich bewegen konnten, tauchten Pedro und Javier aus dem Wohnzimmer auf, wo sie noch ein letztes Bier tranken und ein Fußballspiel im Fernsehen sahen. Pedro stellte seine Flasche auf dem Couchtisch ab, seine Augen glitten mit einer Intensität über Sofia, die sie erschauern ließ. Er verschränkte die Arme, eine Augenbraue hochgezogen.

— Ist das nicht ein bisschen zu kurz? sagte er mit ruhiger Stimme, aber mit einem Unterton von Autorität, der fast väterlich klang fast.

Javier neben ihm schüttelte lachend den Kopf.

— Lass sie in Ruhe, compadre. Sie ist neunzehn, nicht zwölf. Sofia weiß, was sie tut.

Sofia spürte, wie ihre Wangen rot wurden, aber sie hob trotzig das Kinn.

— Schon gut, Pedro. So kurz ist es gar nicht. Und ich habe eine Jacke, schau.

Sie zeigte sie ihm, ließ sie wie einen Umhang über ihre Schulter baumeln.

Pedro lächelte nicht sofort. Seine Augen blieben eine Sekunde zu lang auf ihr ruhen, wanderten ihre nackten Beine hinunter, bevor sie wieder nach oben kehrten. Dann nickte er langsam.

— In Ordnung. Aber pass auf dich auf.

Javier mischte sich ein, leichter.

— Ellie, du behältst sie im Auge, ja? Und ihr geht ans Telefon, wenn wir anrufen. Kommt nicht zu spät zurück spätestens Mitternacht, okay?

Ellie brüstete sich, stolz auf seine Mission.

— Versprochen, Onkel Javier. Ich beschütze sie wie eine Prinzessin.

Sofia verdrehte innerlich die Augen, aber lächelte der Form halber. Endlich gingen sie hinaus, Ellie lief ein wenig zu nah an ihr auf dem Weg zur Straße. Jonathans Villa war nur fünfzehn Gehminuten entfernt, an der Küste entlang, unter den Sternen, die langsam den schwarzen Himmel durchbrachen.

— Du siehst wirklich schön aus heute Abend, Sof, murmelte Ellie auf dem Weg, seine Stimme ein wenig zögerlich.

Er schob eine Hand in seine Tasche, die andere streifte versehentlich oder absichtlich Sofias Arm.

— Ich meine … du hast dich verändert seit letztem Jahr. Mehr … Frau, halt.

Sie sah ihn von der Seite an, amüsiert trotz allem. Sein Flirt war so unbeholfen, so offensichtlich – wie damals, als er ihr mit vierzehn Muscheln schenkte.

— Danke, Ellie. Das ist nett. Aber wir sind nur Freunde, okay? Wie immer.

Er errötete, stammelte ein „Ja, klar“ und wechselte das Thema zur Musik, die sie auf der Party hören würden. Sofia fühlte sich ein wenig schuldig  er war süß, wirklich  aber ihre Gedanken waren woanders, bei Pedros Blick, bei dieser Spannung, die sie in der Luft gespürt hatte, als er ihr Kleid kommentierte.

Jonathans Villa tauchte am Ende des Weges auf: ein modernes Ungetüm aus Glas und Beton, erleuchtet wie ein Weihnachtsbaum, mit Bässen, die bereits in die Nacht pulsierten. Überall auf dem Rasen waren Autos wild geparkt, und Gelächter drang vom Pool am Ende des Gartens herüber. Jonathan empfing sie an der Tür, ein Glas in der Hand, nackter Oberkörper und schon etwas betrunken.

— Ellie! Sofia! Kommt rein, die Leute sind an der Bar!

Drinnen herrschte organisiertes Chaos: Elektromusik, die die Wände zum Beben brachte, Stroboskoplichter, die über die Gesichter tanzten, und eine Menge junger Leute, die sich um die improvisierte Bar oder die Tanzfläche im Wohnzimmer drängten. Sofia entdeckte Mia fast sofort  ihre beste Freundin, mit pink gefärbten Haaren und ansteckender Energie. Mia kreischte, als sie sie sah, und warf sich in ihre Arme.

— Sof! Endlich! Du hast die letzte Party verpasst, es war der Wahnsinn! Komm, ich stell dich allen vor ach, warte, du kennst sie ja schon. Carlos! Lena! Eden! Mike! Schaut mal, wer da ist!

Die Umarmungen prasselten herein. Carlos, der Clown der Gruppe, mit seinem ewigen Lächeln und seinen schlechten Witzen, klatschte ihr ab.

— Sofia, die Legende! Bereit, bis zum Morgengrauen zu tanzen?

Lena, zurückhaltender, aber immer scharfsinnig, drückte ihr ein Glas Punsch in die Hand.

— Vorsicht, das ist stark. Und erzähl mir alles über die Uni  hast du einen Freund?

Eden und Mike, unzertrennlich wie Zwillinge, zogen sie auf die Tanzfläche.

— Wir tanzen! Keine Ausreden!

Der Abend nahm schnell Fahrt auf. Sofia ließ sich vom Rhythmus mitreißen: Sie tanzte mit Mia zu einem Reggaeton-Remix, lachte Tränen, als Carlos Jonathan beim Flirten mit einem Mädchen nachahmte, und nippte an ihrem Punsch, während Lena sich über ihren Ex-Freund beklagte. Ellie blieb in ihrer Nähe, beschützend wie versprochen, aber ein wenig aufdringlich er versuchte, mit ihr zu tanzen, seine Hände auf ihren Hüften etwas zu aufdringlich, und sie schob ihn sanft weg.

— Entspann dich, Ellie, wir haben Spaß!

Mitten in der Menge fühlte sich Sofia lebendig, frei. Aber hin und wieder vibrierte ihr Handy in der Tasche – eine Nachricht von Javier: „Alles okay?“ Sie antwortete schnell: „Ja, wir haben eine tolle Zeit. Küsschen.“ Dann eine weitere, von Pedro: „Nicht zu spät, mija.“ Sie starrte eine Sekunde auf den Bildschirm, das Herz zusammengeschnürt. Mija. Dieses Wort, das so unschuldig klang und jetzt so tabu war.

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