LOGIN„Der Blutpreis ist fällig.“Die Stimme kam aus meinem Mund.Aber sie gehörte nicht mir.Meine Finger krallten sich in die Tischkante. Unter meiner Haut zogen sich die schwarzen Linien bis zum Ellbogen, dünn wie Risse in zerbrochenem Glas. Jeder Atemzug brannte. Ich wollte den Mund schließen, wollte schreien, wollte irgendetwas tun, um diese fremde Stimme aus meinem Körper zu vertreiben.Nichts funktionierte.Kael stand zwischen mir und der Tür. Seine Augen waren blutrot, die dunkle Magie kroch über seinen Hals und verschwand unter dem Kragen seines Hemdes.„Elena.“Er sagte meinen Namen, als wäre er ein Befehl.Die Stimme in mir lachte.„Du hast sie zurückgewiesen. Du hast geglaubt, damit wäre die Schuld bezahlt.“Kaels Gesicht veränderte sich.Nur für einen Augenblick. Ein kaum sichtbares Zucken an seinem Kiefer. Aber ich sah es.Er kannte diese Stimme.„Halt de
Die schwarzen Adern unter meiner Haut wurden dunkler.Ich starrte auf meine Finger. Eben waren es nur feine Linien gewesen. Jetzt krochen sie über meinen Handrücken, als würde etwas unter meiner Haut nach einem Weg suchen.„Kael.“Er stand mitten im Zimmer, die Hände zu Fäusten geballt. Seine Krallen waren verschwunden, doch das machte ihn nicht weniger gefährlich. Dunkle Magie flackerte über seine Arme. Sein zerrissenes Hemd klebte an seiner blutigen Brust.„Was ist das?“ Ich hielt ihm meine Hand entgegen.Sein Blick fiel darauf. Zum ersten Mal, seit ich ihn kannte, schien ihm die passende Antwort zu fehlen.„Ich weiß es nicht.“„Du weißt nicht, was mit meinem Körper geschieht, nachdem ich deine Magie berührt habe?“Sein Kiefer spannte sich an.„Ich habe so etwas noch nie gesehen.“„Wie beruhigend.“Ich wollte, dass er mich anlog. Dass er mir sagte, es sei harmlos, die dunklen Linien würden bald verschwinden und ich bezahlte nicht gerade den Preis für etwas, das ich nicht einmal vers
Der Ring war kalt an meinem Finger.Ich drehte das schmale Silberband, während ich neben Kael die breite Treppe hinunterging. Vor wenigen Minuten hatte er Seraphina vor allen Leuten erklärt, dass ich seine Luna werden würde. Jetzt sollte offenbar das gesamte Rudel erfahren, dass er es ernst meinte.Ich hatte einer Vertragsehe zugestimmt. Nicht einer echten Hochzeit. Nicht seiner Kontrolle über mein Leben.Und ganz sicher nicht seiner Vergebung.Unten warteten die Ältesten. Dutzende Rudelmitglieder standen im Foyer und flüsterten miteinander. Als Kael erschien, verstummten sie. Ihre Blicke glitten über ihn und blieben an mir hängen.Ich erkannte einige Gesichter wieder. Menschen, die mich vor fünf Jahren mitleidig angesehen hatten, während ihr Alpha mich zurückwies. Andere hatten damals gelacht.Heute lachte niemand.Kael legte eine Hand an meinen Rücken. Die Geste sah beschützend aus. Für mich fühlte sie sich wie eine Warnung an.„Das ist Elena Hart“, verkündete er. „Sie wird meine Lu
Die Tür fiel hinter mir ins Schloss.Ich zuckte nicht zusammen. Zumindest ließ ich Kael das nicht sehen.Seine Krallen schwebten noch immer gefährlich nah an meinem Hals. Vor wenigen Sekunden hatte seine dunkle Magie das gesamte Büro verwüstet. Jetzt war sie verschwunden, als hätte jemand eine unsichtbare Klinge durch sie gezogen.Meine Hand lag noch auf seiner Brust.Unter meiner Handfläche hämmerte sein Herz.„Nimm deine Hand weg“, sagte er.Ich hob eine Augenbraue. „Du könntest zuerst deine Krallen einziehen.“Sein Blick veränderte sich. Für einen kurzen Moment schien er nicht zu wissen, ob er mich erwürgen oder aus dem Raum werfen sollte.Dann zog er seine Hand zurück.Ich tat dasselbe und trat einen Schritt zur Seite. Meine Knie fühlten sich noch immer schwach an. Die Berührung hatte mich mehr Kraft gekostet, als ich zugeben wollte. Ein stechender Schmerz saß hinter meinen Augen, und meine Finger zitterten leicht.Ich schloss sie zur Faust.Kael bemerkte es trotzdem.„Was hast du
„Wenn Sie das Elixier nicht finden, wird Ihr Bruder die nächsten Tage nicht überleben.“Der Arzt sagte es, während er auf seinen Bildschirm starrte. Nicht einmal dabei sah er mich an.Meine Finger krallten sich um die Kante seines Schreibtisches.„Dann finden Sie es.“Er hob endlich den Blick. „Elena, wir haben bereits alles versucht. Die Krankheit reagiert auf keine bekannte Behandlung. Es ist, als würde etwas seine Lebensenergie von innen auffressen.“„Und Sie wollen mir sagen, dass Sie nichts tun können?“„Ich sage Ihnen, dass wir nicht wissen, wie wir ihm helfen sollen.“Ich starrte ihn an. Hinter ihm tickte eine billige Wanduhr. Der Sekundenzeiger blieb bei jeder vollen Runde kurz hängen. Tick. Tick. Tick.Mein Bruder lag zwei Türen weiter auf einer Intensivstation, und dieser Mann erklärte mir, dass die Medizin keine Antwort hatte.Ich verließ das Büro, bevor ich etwas tat, das ich später bereuen würde.Im Krankenzimmer roch es nach Desinfektionsmittel und abgestandenem Kaffee.
An meinem achtzehnten Geburtstag wies mein Schicksalsgefährte mich vor dem gesamten Rudel zurück.Und das Schlimmste daran? Ich liebte ihn bereits, bevor er überhaupt meinen Namen aussprach.Der Platz vor dem Rudelhaus war voller Menschen. Wölfe aus allen Teilen des Black Rock Rudels waren gekommen, um die Zeremonie mitzuerleben. Einige lächelten mir aufmunternd zu. Andere musterten mich neugierig, als wäre ich ein Geschenk, das der Mondgöttin persönlich gehörte.Ich versuchte, nicht auf meine zitternden Hände zu achten.Heute würde ich endlich erfahren, wer mein Schicksalsgefährte war.Seit meiner ersten Verwandlung hatte ich mir diesen Moment ausgemalt. Ich hatte mir vorgestellt, wie sich unsere Blicke begegneten, wie das Band zwischen uns erwachte und wie er mich zu sich zog, als hätte er sein ganzes Leben auf mich gewartet.Ein dummer Traum vielleicht.Aber heute war ich achtzehn. Heute durfte ich hoffen.Dann veränderte sich die Luft.Der Geruch von Kiefernholz und Regen erreicht







