LOGINBRONWYNWas folgte, war die intensivste Zeit meines Lebens. Bronwyn arbeitete härter, als ich es je bei jemandem erlebt hatte; das medizinische Team bewegte sich um sie herum, und Dr. Martinez erklärte mir jeden Schritt. Dann, um 16:47 Uhr, veränderte sich die Atmosphäre im Raum.Ein Geräusch erfüllte den Raum – und alles war plötzlich anders.Unsere Tochter kam mit einem kräftigen Schrei auf die Welt. Das medizinische Team kümmerte sich sofort um sie; kurz darauf erschien ein kleines, in Tücher gehülltes Bündel in den Armen einer Krankenschwester. Ich brachte kein Wort heraus.Ich sah zu Bronwyn hinüber. Sie weinte lautlos, war völlig erschöpft und beobachtete die Krankenschwestern, die sich um unsere Tochter kümmerten.„Sie ist wunderschön“, sagte die Krankenschwester. „Starke Lungen.“Dann änderte sich die Stimmung im Raum erneut; alle konzentrierten sich wieder auf das Geschehen. Sechs Minuten später kam unser Sohn zur Welt. Sein Schrei klang anders als der seiner Schwester – fast
BRONWYNDer Konferenzraum im vierzehnten Stock des Hauptsitzes in Boston verfügte über raumhohe Fenster mit Blick auf die Stadt, einen langen Mahagonitisch, an dem zwanzig Personen Platz fanden, und eine hervorragende Akustik für Präsentationen.All diese Details spielten für mich keine Rolle mehr, als ich den warmen Schwall von Flüssigkeit spürte – ein Ereignis, das sich selbst mit größter beruflicher Fassung beim besten Willen nicht anders deuten ließ, als es tatsächlich war.Mitten in meiner Präsentation für die Thompson-Kampagne – bei Folie sieben von zweiundzwanzig – war meine Fruchtblase geplatzt.Zwölf Personen befanden sich im Raum. Ich stand vorne, einen Laserpointer in der Hand.Für etwa drei Sekunden verharrte ich völlig regungslos und stellte eine schnelle Berechnung an: Ich wusste, dass das nächste Krankenhaus vier Meilen entfernt lag.„Entschuldigt mich“, sagte ich – mit einer Ruhe, die ich im Nachhinein selbst bemerkenswert fand. „Ich brauche Marcus.“Marcus Webb war be
TRENTONIch sah meine Tochter am Küchentisch an und dachte darüber nach, was sie in diesem Jahr alles durchlebt hatte. Ihre Trauer um Isolde, ihre Wut auf Bronwyn, der lange Weg zur Akzeptanz und nun ihre aufrichtige Freude auf die Zwillinge.Sie war zu einem außergewöhnlichen Menschen herangereift – ohne dass ich wirklich bemerkt hätte, wann das geschehen war.„Deine Mutter hätte dich so gemocht, wie du jetzt bist“, sagte ich.„Ich habe von ihr gelernt.“ Sie nahm ihren Kaffee zur Hand. „Hör auf, die Jahre zu zählen, Dad. Sei einfach da. Das ist eigentlich schon alles.“Am Montag rief ich Brilliana in mein Büro und machte offiziell, was sich schon seit Monaten schleichend angebahnt hatte.„COO“, sagte ich und schob ihr die Unterlagen über den Schreibtisch. „Du hast die volle Verantwortung für das Tagesgeschäft. Du berichtest zwar an mich, aber du leitest das Unternehmen.“Sie sah auf die Papiere und dann zu mir auf. „Bist du sicher?“„Schon eine ganze Weile“, antwortete ich und lehnte
TRENTONIch bin wieder einmal um drei Uhr morgens aufgewacht – meine Kissen waren schweißnass, meine Gedanken kreisten unaufhörlich, und ich musste mich aufsetzen, um überhaupt atmen zu können. Es war schon wieder ein Albtraum – sie häuften sich in letzter Zeit –, und ich wollte meiner Frau nichts davon erzählen. Ich wollte sie nicht beunruhigen.In diesen schlimmen Träumen starb ich, noch bevor ich meine Zwillinge aufwachsen sehen konnte. Wenn ich dann aufwachte, lag ich wach und stellte alle möglichen Berechnungen an: Wenn die Zwillinge jetzt zur Welt kämen, wäre ich achtundvierzig. Wenn sie in die Schule kämen, wäre ich dreiundfünfzig. Wenn sie Autofahren lernten, wäre ich dreiundsechzig. Wenn sie ihren Schulabschluss machten, wäre ich sechsundsechzig.Sechsundsechzig Jahre alt – mit achtzehnjährigen Kindern.Mein Vater war mit zweiundsechzig gestorben.Ich wusste, dass diese Rechnerei zerstörerisch war. Bronwyn würde mir sagen, ich solle damit aufhören – wenn sie meine Gedanken hö
BRONWYNAm Samstagnachmittag saßen wir auf dem Boden des noch nicht ganz fertigen Kinderzimmers und aßen Essen vom Italiener, während Trenton und Eleri im Nebenraum die Kinderbettchen aufbauten. Hin und wieder drangen Stimmen durch die Wand – sie schienen sich beim Lesen der Aufbauanleitung nicht ganz einig zu sein.„Ich möchte dabei sein, wenn sie geboren werden“, sagte Eudora. „Ich habe schon Urlaub beantragt.“Ich sah sie an. „Eudora …“„Ich weiß, das ist viel verlangt. Es ist euer Moment – deiner und Trentons –, und ich möchte mich nicht aufdrängen.“ Sie stocherte in ihrem Essen herum. „Aber es sind meine Geschwister, und ich möchte dabei sein. Wenn das in Ordnung ist.“„Natürlich ist das in Ordnung.“ Ich griff nach ihrer Hand und drückte sie. „Es ist mehr als in Ordnung.“Sie nickte zufrieden. „Eleri möchte sie auch kennenlernen. Er recherchiert schon alles über die kindliche Entwicklung – völlig unnötig, da ich ja Ärztin bin, aber ich lasse ihm den Spaß.“„Das ist sehr großmüt
BRONWYNDrei Monate nach der Hochzeit sah ich endlich schwanger aus.Nein, nicht nur irgendwie aufgebläht oder verdächtig satt nach dem Abendessen – sondern wirklich, unverkennbar schwanger. Mein Bauch kam mir in jeden Raum voraus und zauberte Fremden im Supermarkt ein Lächeln ins Gesicht.Eine Zwillingsschwangerschaft lässt sich offenbar keine Zeit.Die Morgenübelkeit hatte glücklicherweise um die sechzehnte Woche herum nachgelassen. An ihre Stelle trat ein Appetit, der mich täglich aufs Neue verblüffte, sowie ein Energieniveau, das unvorhersehbar zwischen „unaufhaltsam“ und „völlig erschöpft“ schwankte – ohne irgendetwas dazwischen.Ich lernte, damit umzugehen.Dienstag und Mittwoch in Boston waren meine produktivsten Tage; da legte ich Kundenpräsentationen und Vorstandssitzungen fest. Donnerstag und Freitag in Pinehaven waren für das dortige Büro und die Arbeit aus der Ferne reserviert – das war deutlich entspannter, falls ich nachmittags mal eine Stunde die Füße hochlegen musste.







