MasukDerek Am nächsten Morgen wachte ich langsam auf. Ich wusste nicht, wo ich war. Dann spürte ich die raue Decke unter mir und hörte eine leise Stimme in meiner Nähe. „Malia?“ Ich öffnete die Augen. Lydia saß neben dem Bett und beobachtete mich. „Wie lange habe ich geschlafen?“ Meine Stimme klang schwach. Sie lächelte. „Die ganze Nacht.“ Ich richtete mich verlegen auf. „So lange?“ „Das hast du gebraucht.“ Ich sah mich um. Mara saß in der Nähe des Feuers und hielt mein Baby an ihre Brust gedrückt. Sie hatte ihn in ein warmes Tuch gewickelt. Mein Herz wurde weich. „Er ist wach.“ Mara blickte herüber und lächelte. „Er ist schon eine ganze Weile wach.“ Ich starrte meinen Sohn an. „Hat er geweint?“ „Nur, wenn er hungrig war.“ „Ich hätte mich um ihn kümmern sollen.“ Lydia schüttelte den Kopf. „Du hast gerade erst entbunden, Malia. Gestern bist du beinahe zusammengebrochen. Hör auf, dich schuldig zu fühlen, nur weil du dich ausruhst.“ „Ich sollte stark sein.“ „Du warst stark“,
Die Fremde vor der Tür Im Unterschlupf. Die Schritte kamen näher. Ich umklammerte das Messer fester und drückte mein Baby an meine Brust. Mein Körper war von der Geburt noch immer schwach. Jeder Muskel schmerzte, jede Bewegung ließ mich eine dumpfe Warnung spüren, doch die Angst gab mir genug Kraft, um aufzustehen. Draußen knackte ein weiterer Ast. Jemand kam näher. Ich hielt den Atem an. Die Tür öffnete sich. Ich hob das Messer. „Bleib zurück!“ Eine Frau erstarrte in der Türöffnung. Für einen schrecklichen Moment dachte ich, Blackridge hätte mich gefunden. Dann sah ich ihr Gesicht. „Lydia?“ Ihre Augen weiteten sich. „Malia?“ Das Messer glitt mir aus der Hand und fiel klappernd zu Boden. Lydia eilte herein und schlang ihre Arme um mich. Ich wäre beinahe zusammengebrochen. Sie fing mich auf und hielt mich fest. „Oh, Malia.“ Ihre Stimme brach. „Ich dachte, ich würde dich niemals finden.“ Ich schloss die Augen. Monatelang hatte ich mir vorgestellt, wieder ein vertrautes Gesic
Die Feier Der große Saal brach plötzlich in Jubel aus, als Aria den Raum betrat. Musik erfüllte den Raum, und die Gespräche verstummten, als sich jeder Gast zu ihr umdrehte. Alle Augen folgten ihr, während sie neben Deucalion entlangging. Aria hob ihr Kinn. Das war es, wovon sie immer geträumt hatte. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Deucalion griff nach ihrer Hand und führte sie zu dem Platz neben seinem. „Vorsichtig“, flüsterte er. „Lass dir Zeit.“ „Mir geht es gut“, erwiderte sie mit einem Lächeln. „Das weiß ich. Trotzdem möchte ich vorsichtig sein.“ Arias Herz wurde warm. Sie setzte sich neben ihn und legte eine Hand auf ihren Bauch. Der Saal erwachte wieder zum Leben. Ein männlicher Vertreter eines der benachbarten Rudel trat auf sie zu. „Alpha Deucalion, herzlichen Glückwunsch.“ Deucalion nickte. „Danke, dass du gekommen bist.“ Der Mann sah Aria an. „Und dir ebenfalls herzlichen Glückwunsch, Luna. Sechs Monate sind eine unglaubliche Leistung.“ Aria lächelt
Sechs Monate Die nächsten Wochen vergingen ruhig innerhalb von Blackridge. Arias Schwangerschaft verlief ohne weitere ernsthafte Probleme. Die Heiler untersuchten sie jeden Morgen und jeden Abend. Sie achteten darauf, was sie aß, überprüften ihren Puls, hörten nach dem Baby und stellten sicher, dass sie jedes Medikament einnahm, das ihr gegeben wurde. Die Luna erlaubte niemandem, Risiken einzugehen. „Lasst nicht zu, dass sie sich überanstrengt“, sagte sie eines Morgens zu den Dienstmädchen. „Sie verlässt kaum ihr Zimmer“, erwiderte eine der Mägde. „Dann sorgt dafür, dass sie eine Weile spazieren geht. Zu viel Ruhe ist ebenfalls nicht gut.“ „Ja, Luna.“ Aria hörte sie von ihrem Bett aus und lächelte. Zum ersten Mal wurde sie wie jemand Wichtiges behandelt. Inzwischen kümmerten sich vier Dienstmädchen um sie. Ihre Mahlzeiten wurden separat zubereitet, und die Heiler brachten ihr bessere Medikamente. Sogar die Art, wie die Menschen mit ihr sprachen, hatte sich verändert. Früher
Der Verlust Zurück bei der Familie Blackridge. Elena erwachte an einem weiteren Morgen mit Schmerzen, die sich durch ihren Bauch zogen. Langsam öffnete sie die Augen und starrte an die Decke. In den letzten Wochen hatte sich ihr Leben völlig verändert. Sie wurde nicht mehr wie ein gewöhnliches Dienstmädchen behandelt. Jeden Morgen kamen Heilerinnen zu ihr. Sie bekam besondere Mahlzeiten, Medikamente und strenge Anweisungen darüber, was sie tun durfte und was nicht. Aber nichts davon gab ihr ein Gefühl der Sicherheit. Sie erinnerte sich an die Warnung der Luna. „Vielleicht überlebst du die Schwangerschaft nicht.“ Elena legte zitternd eine Hand auf ihren Bauch. „Bitte“, flüsterte sie. „Lass mein Baby leben.“ Die Tür öffnete sich. Eine Heilerin trat ein, zwei Assistentinnen hinter ihr. „Wie fühlst du dich heute?“, fragte die Heilerin. „Ich bin müde.“ „Hast du Schmerzen?“ „Ein bisschen.“ Die Heilerin runzelte die Stirn. „Wo?“ „Hier.“ Elena zeigte auf ihren Unterbauch. Die
Die Geburt Meine Wehen hatten begonnen. Und ich war vollkommen allein. Eine weitere Wehe durchfuhr mich, bevor ich überhaupt nachdenken konnte. Ich klammerte mich an den Rand des Unterschlupfs und schloss fest die Augen. „Bitte“, flüsterte ich. „Bitte, lass mich das schaffen.“ Der Schmerz wurde nur noch stärker. Ich griff nach dem Stück Stoff, das ich vorbereitet hatte, und klemmte es zwischen meine Zähne. Ich konnte nicht schreien. Nicht hier. Nicht, während sich irgendwo jenseits der Bäume unbekannte Wölfe aufhielten, die mich hören und zu mir kommen könnten. Ich biss auf den Stoff, als die nächste Wehe kam. Tränen liefen mir über das Gesicht. Mein ganzer Körper zitterte. „Komm schon, Malia“, flüsterte ich mit zusammengebissenen Zähnen. „Du schaffst das.“ Der Schmerz ließ für einen Moment nach. Ich atmete langsam und versuchte, genug Kraft für die nächste Wehe zu sammeln. Es gab niemanden, der meine Hand hielt. Niemanden, der mir sagte, was ich tun sollte. Keine Heilerin.







