Die Tochter des Mondes

Die Tochter des Mondes

last updateLast Updated : 2026-10-06
By:  SaphiraCompleted
Language: Deutsch
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Lena hat ihr ganzes Leben gelernt, dass sie nicht genug ist. Mit zwanzig Jahren hat sie sich noch immer nicht verwandelt – und in einem Rudel, in dem Stärke über alles entscheidet, gilt sie deshalb als schwach. Von ihrer Familie gedemütigt und von den anderen Wölfen verachtet, glaubt Lena längst, dass sie niemals ihren eigenen Platz finden wird. Bis in der Nacht ihrer Verwandlung etwas erwacht, das niemand für möglich gehalten hat. Ein mächtiger Wolf mit silbernen Augen. Eine vergessene Blutlinie. Und eine Wahrheit über ihre Herkunft, die ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellt. Während Lena versucht, ihre neu erwachten Kräfte zu verstehen, steht ihr ausgerechnet Cassian zur Seite – der geheimnisvolle Beta, der mehr über ihre Vergangenheit weiß, als er zunächst zugibt. Zwischen Misstrauen, Gefahren und einer Liebe, die langsam und unerwartet wächst, entdeckt Lena, dass sie nicht die Schwache ist, für die alle sie gehalten haben. Doch je mehr sie über ihre Herkunft erfährt, desto größer wird die Gefahr. Denn der Schatten, der einst die Mondwölfe beinahe vernichtete, ist zurück. Und Lena muss sich entscheiden: Wird sie zulassen, dass die Vergangenheit ihre Zukunft bestimmt? Oder wird sie den Mut finden, ihren eigenen Weg zu gehen – selbst wenn dafür die gesamte Welt der Wölfe verändert werden muss? Eine Geschichte über Liebe, Familie, Verrat und die Kraft, sich selbst zu finden.

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Chapter 1

1. Die Tochter des Alphas

Lena wusste schon als Kind, dass sie anders war.

Nicht auf die gute Art. In ihrem Rudel bedeutete anders nichts geheimnisvolles oder besonderes. Es bedeutete lediglich, dass mit einem etwas nicht stimmte.

Die anderen Kinder des Rudels hatten ihre erste Verwandlung meistens zwischen dem sechzehnten und siebzehnten Lebensjahr. Manche etwas früher, manche etwas später. Aber sie verwandelten sich.

Lena war inzwischen zwanzig und hatte es noch immer nicht geschafft, sich zu verwandeln.

Sie stand im Innehof des Rudelhauses und sah ihren älteren Bruder Jaro dabei zu, wie er einen jungen Wolf nach dem anderen zu Boden brachte.

Jaro war zweiundzwanzig, groß, stark und schnell. Und seit seinem achtzehnten Lebensjahr der unangefochtene Favorit ihres Vaters.

"Noch einmal!", rief Jaro.

Der junge Wolf vor ihm knurrte und sprang auf Jaro zu. Er jedoch wich spielerisch leicht aus. 

Ein Dreh. Ein Griff.

Der Andere landete im Schnee und Gelächter ertönte.

Lena stand am Rand des Trainingsplatzes und zog die Ärmel ihres Pullovers über ihre Hände.

Sie wusste, das sie nicht hier sein sollte. Nicht wirklich.

Aber sie hatte gehofft, dass heute vielleicht niemand etwas sagen würde. 

Sie hätte es besser wissen müssen.

"Was machst du hier?", erklang eine vertraute Stimme von hinten.

Lena drehte sich um. Hinter ihr stand ihre Schwester Mara.

Mara war neunzehn und hatte ihre Verwandlung bereits mit sechzehn geschafft. Sie war eine wunderschöne Wölfin mit silbergrauem Fell und galt als eine der vielversprechendsten jungen Frauen des Rudels.

Sie sah Lena an, als wäre diese etwas, das man versehnetlich unter einem Schuh gefunden hatte.

"Ich wollte nur zuschauen.", antwortete Lena vorsichtig.

Mara lachte. "Zuschauen?"

"Ja."

"Warum solltest du zuschauen?", fragte Mara.

Lena schwieg, während Mara näher trat.

"Du weißt doch, dass das hier nichts für dich ist."

"Ich weiß.", antwortete Lena mit leiser Stimme.

"Dann geh.", sagte Mara mit einer gewissen Schärfe in ihrer Stimme.

Lena senkte den Blick und fing an zu reden: "Ich wollte nur -"

"Nur, was?", sprach Mara während sie ihre Arme verschränkte.

"Hoffen, dass du plötzlich doch ein Wolf wirst?"

Ein paar der anderen jungen Werwölfe hatten bereits angefangen zuzuhören.

Lena spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde.

Auf einmal verteidigte jemand sie.

"Lass sie in Ruhe!"

Lena blickte auf. Es war Noah. 

Noah war einer der wenigen, die manchmal freundlich zu ihr waren.

Mara verdrehte daraufhin nur ihre Augen und sprach "Ich sage nur die Wahrheit.".

Sie schaute einmal von Noah zu Lena, drehte sich um ging.

Lena blieb einige Sekunden stehen.

Dann drehte sie sich um und ging ebenfalls. Sie wusste nicht warum ihre Augen brannten.

Obwohl, eigentlich wusste sie es sehr genau, aber sie wollte es sich nicht eingestehen.

*****************************************

Das Haus ihrer Familie stand etwas oberhalb des Dorfes.

Es war groß, viel größer als die Häuser der anderen Rudelmitglieder.

Der Alpha lebte dort mit seiner Familie.

Lenas Vater, Marcus, war seit zwölf Jahren der Alpha des Rudels von Falkenmond.

Seine Stimme konnte den ganzen Hof zum schweigen bringen.

Ein Blick von ihm genügte um selbst erfahrene Krieger vorsichtig werden zu lassen.

Lena hatte als Kind geglaubt, ihr Vater sei der stärkste Mann der Welt.

Sie hatte geglaubt, nichts könne ihr passieren, solange er da war.

Das war, bis sie älter geworden war.

Bis sie verstanden hatte, dass er sie nicht beschützte.

Er schämte sich für sie.

Als Lena die Küche betrat, saß ihre Mutter am Tisch.

"Wo warst du?", sie schaute nicht auf, als sie zu Lena sprach. 

Lena zuckte mit den Schultern. "Ich wollte bloß zuschauen."

Ihre Mutter seufzte. "Lena." Nur ihr name, aber darin lag bereits alles.

Enttäuschung. Erschöpfung. Ärger.

"Was?", fragte Lena ihre Mutter.

"Du solltest aufhören, dich mit deinen Geschwistern zu vergleichen."

Lena sah sie an und sprach: "Ich vergleiche mich nicht mit ihnen."

Ihre Mutter schwieg.

Lena wusste, dass sie log. Natürlich verglich sie sich.

Jeden einzelnen Tag tat sie es.

Sie hatte schließlich zwei Geschwister die alles konnten und sie hatte nichts.

Keine Verwandlung, keine besondere Kraft, keine Zukunft, ja nicht einmal einen Wolf.

Denn jeder Werwolf truf tief in seinem Inneren eine zweite Seele. Seinen Wolf.

Man konnte ihn spüren, mit ihm sprechen und seine Gefühle wahrnehmen.

Lena hatte noch nie etwas gespürt. Weder einen Wolf noch eine Stimme. Nichts. Als wäre in ihr nur eine Leere.

"Dein Vater möchte dich nachher sehen.", sagte ihre Mutter.

Lena erstarrte.

"Warum?", fragte sie mich leiser Stimme.

"Das weiß ich nicht.", antwortete ihre Mutter.

Doch ihr Tonfall verriet Lena, dass sie es sehr wohl wusste.

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