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Getragen

Author: Elight
last update publish date: 2026-10-07 19:43:44

Eine Weile rührte sich niemand. Draußen vor dem Felsüberhang wich der Frost in dunklen Streifen aus dem Gras, wo die Sonne es erreichte, und der Wolf lag mit dem Kinn auf seinen Vorderpfoten und den Augen auf sie gerichtet, stetig wie eine Lampe.

„Ich bin Ariana“, sagte sie, weil es jemand sagen musste. „Das ist Elias. Du musst uns deinen nicht verraten. Wir haben vereinbart, nicht zu raten.“

Das Ohr des Wolfs bewegte sich, jenes kleine Zucken, das Elias seit zwei Wochen als Zuneigung deutete,
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  • Die Feuerprobe der ungesehenen Luna   Ein Stuhl mit dem Rücken zur Wand

    Garrick zählte Dinge. Es war eine schlechte Gewohnheit, wie Ysolde ihm etwa einmal am Tag sagte, aber ein Mann, der eine Nachhut durch zwei Winter geführt hat, lernt zu wissen, wie viel von allem ihm noch bleibt.Türen in der Halle: vier. Menschen am langen Tisch: zweiundsechzig. Brennende Fackeln: achtzehn. Kinder: sechs bis vor einer Woche, jetzt sieben, und das siebte war bei seiner dritten Schüssel Eintopf angelangt und erklärte Bram, der nicht darum gebeten hatte, wie sich ein Auerhahn anhört, wenn man sich an ihn heranschleicht. Wie oft die Frau seit ihrem Hinsetzen zur Tür gesehen hatte: elfmal, in der Zeit, die Garrick gebraucht hatte, um seine eigene Schüssel leer zu essen.Sie hatte sich den Platz nicht ausgesucht. Tamsin hatte das getan, weil er der Küche am nächsten lag, und Tamsin war eine Frau, die das Problem anpackte, das gerade vor ihr lag, und sich darüber keine weiteren Gedanken machte. Das brachte die Mondgeborene auf die Hälfte der linken Seite des Tisches, mit de

  • Die Feuerprobe der ungesehenen Luna   Windwärts

    Am sechsten Morgen konnte Ariana einen Raum durchqueren, ohne dass der Boden schwankte, und sie hatte eine Liste.Sie hatte am zweiten Tag im Kopf damit begonnen, weil niemand daran gedacht hatte, ihr eine Schreibfeder dazulassen. Ausgänge: drei, von denen sie wusste, einer, den sie vermutete. Personen: einundsechzig, die sie gesehen hatte, wahrscheinlich mehr in den Nebengebäuden. Waffen: die Waffenkammer am Hof, deren Schloss laut Tamsin im Jahr der Flut verloren gegangen war. Dinge, die sie nicht wusste: Darius’ anderer Name, falls er einen hatte; wer ihm diesen tiefen Schnitt in der Seite zugefügt hatte; woher die Wache ihr Salz bezog; was sie tun würde, wenn der Schnee kam und sie noch immer hier war. Letzteres behielt sie ganz unten, wo man es von oben nicht sehen konnte.Vor dem Morgengrauen ging sie hinauf auf die Mauer. Sie hatte den Ort noch nicht von außen gesehen, und es war die Stunde, bevor alle anderen aufstanden.Die Wache war auf die Kuppe eines schwarzen Felsrückens

  • Die Feuerprobe der ungesehenen Luna   Huckepack

    Die Regel im Kriegsraum besagte, dass niemand Hale unterbrach, während er die Grenzberichte vorlas. Sie hatte neun Jahre lang Bestand gehabt, zwei Überschwemmungen und einen Kaminbrand überdauert, und sie wurde an einem Donnerstagnachmittag gebrochen, als ein Sechsjähriger hereinspazierte, der seine Stiefel an den falschen Füßen trug.Ysolde spürte ihn, bevor sie ihn sah. Ein Druck legte sich auf ihren Nacken, als hätte sie einen Raum betreten, in dem gerade jemand ihren Namen gesagt hatte. Die Haare auf beiden Armen stellten sich auf. Ihr Wolf, ein vernünftiges Tier, das sie vierzig Jahre und zwei Brüder lang am Leben erhalten hatte, rollte sich auf den Rücken und präsentierte seinen Bauch.Sie hatte sich schon halb aus ihrem Stuhl erhoben. Sie konnte sich nicht erinnern, das entschieden zu haben. Sie setzte sich wieder, hart, und starrte den Tisch böse an, als trüge er die Schuld.Der Kriegsraum lag über dem Torhaus, eine lange, kalte Kammer, in der die alten Kommandanten der Wache

  • Die Feuerprobe der ungesehenen Luna   Getragen

    Eine Weile rührte sich niemand. Draußen vor dem Felsüberhang wich der Frost in dunklen Streifen aus dem Gras, wo die Sonne es erreichte, und der Wolf lag mit dem Kinn auf seinen Vorderpfoten und den Augen auf sie gerichtet, stetig wie eine Lampe.„Ich bin Ariana“, sagte sie, weil es jemand sagen musste. „Das ist Elias. Du musst uns deinen nicht verraten. Wir haben vereinbart, nicht zu raten.“Das Ohr des Wolfs bewegte sich, jenes kleine Zucken, das Elias seit zwei Wochen als Zuneigung deutete, und zum ersten Mal dachte sie, dass er recht haben könnte.„Die Vögel haben aufgehört“, sagte Elias.Das hatten sie. Die Eichelhäher in den Lärchen hatten sich seit dem Morgengrauen gezankt, und jetzt gab es nur noch den Bach und das Feuer und eine dünne, kalte Stille, die sie aus sechs Jahren Leben darin kannte. Der Kopf des Wolfs hob sich, die Ohren zur Baumgrenze gedreht.„Hinter das Gestell, Elias. Sofort.“Er ging. Sie hatte es ihm so früh beigebracht, dass es ein Reflex war. Sie hatte das

  • Die Feuerprobe der ungesehenen Luna   Der Bestienkönig öffnet seine Augen

    Der Morgen kam klar und kalt, der erste echte Frost der Saison überzog das Gras draußen vor dem Felsvorsprung mit einer silbernen Schicht. Ariana wachte noch vor der Dämmerung mit derselben wortlosen Gewissheit auf, die Elias zwei Tage zuvor geäußert hatte – ein Gefühl im Mark ihrer Knochen, dass dieser Tag anders sein würde.Sie schürte das Feuer. Sie sah nach seinen Wunden, rein aus Gewohnheit, obwohl diese längst zu sauberen, heilenden Linien verheilt waren. Sie ließ sich an dem Platz nieder, den sie sich in den letzten drei Wochen zu eigen gemacht hatte: nah genug, um ihn richtig zu beobachten, und weit genug entfernt, um ihm Raum zu geben, falls das vollständige Erwachen sich als ebenso verwirrend erweisen sollte wie diese erste halbklare Nacht.Drei Wochen. Sie wog die Zahl im Geist ab, während sie wartete, noch immer fast ungläubig. Drei Wochen eines Lebens, das sich um die Genesung einer Kreatur herum neu geordnet hatte, die sie zu Beginn nur als eine Form gekannt hatte, die i

  • Die Feuerprobe der ungesehenen Luna   An der Grenze des Wachtuns

    Die klaren Phasen wurden länger, auch wenn sie nach wie vor brüchig blieben und jedes Mal, wenn sich seine Augen öffneten, mehr von Instinkt als von klarem Denken zeugten.Ariana hatte gelernt, den Unterschied zwischen den beiden Zuständen fast so gut zu lesen wie das Wetter. Der unbewusste, heilsame Schlaf beanspruchte noch immer die meiste Zeit, tief und meist ungestört. Doch inzwischen webte sich mehrmals täglich etwas hindurch: Seine Augen öffneten sich klar statt wild, sein Blick folgte ihr über den Felsvorsprung mit etwas, das immer mehr nach echtem Bewusstsein aussah anstelle der Panik aus den ersten Momenten des Erwachens.Sie fing an, diese Phasen zu markieren, so wie sie einst Kerben in einen Pfosten geritzt hatte – nicht, weil sie die Anzahl brauchte, sondern weil das Zählen für sie immer das Mittel gewesen war, um etwas Angstmachendes in etwas Handhabbares zu verwandeln. Drei klare Phasen am zwölften Tag. Fünf am dreizehnten, jede länger als die vorherige, wobei seine Auge

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