LOGINKapitel 3
Armani zog sich nur einen Zentimeter zurück. Beide atmeten schwer, ihre Lippen berührten sich noch immer, während sie dieselbe dampfende Luft atmeten. Er lehnte seine Stirn gegen ihre, die Augen geschlossen. „Du gehst nirgendwohin, Zena“, flüsterte er gegen ihren Mund, während sein Griff um ihre Taille schützend fester wurde. „Ich sperre dich in dieses Haus ein, bevor ich zulasse, dass du von mir gehst.“ Bevor sie auch nur ein einziges Wort des Protests formen konnte, stürzte sich sein Mund wieder auf ihren und löschte jegliche Fähigkeit zu denken vollkommen aus. Er gab ihr keine Chance zu atmen. Seine Hände glitten ihren nassen Rücken hinunter, griffen ihre Oberschenkel und hoben sie mühelos gegen die glatten Duschfliesen. Zena schnappte nach Luft, ihre Beine schlangen sich instinktiv um seine Taille, um sich zu stabilisieren. Er war so verzweifelt, so vollkommen vereinnahmend. Sie bemerkte einen schwachen Unterschied in seinem Duft – das gewohnte frische Kiefernharz wurde von einer schweren, dunklen Zeder und wildem Moschus überlagert –, aber ihr Verstand war zu sehr von Verlangen benebelt, um es zu verarbeiten. Sie dachte, ihr Ehemann würde sie endlich für sich beanspruchen, sie endlich sehen. „Mein“, knurrte er, seine Stimme tiefer, rauer, als sie sie in Erinnerung hatte. „Nur mein.“ Das heiße Wasser prasselte auf sie nieder, während er sie direkt dort gegen das Glas nahm. Es war hektisch, leidenschaftlich und gefährlich intensiv. Jede Berührung fühlte sich an wie ein Brenneisen, das ihre Seele beanspruchte. Zena grub ihre Nägel in seine breiten Schultern und schluchzte seinen Namen, während die aufgestaute Anspannung der letzten zwölf Monate in tausend Stücke zerbrach. Als er sie schließlich ins Bett trug, war Zena völlig erschöpft. Sie fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf, fest umschlungen von seinen starken Armen. --- Am nächsten Morgen wachte Zena in einem kalten, leeren Bett auf. Die Stelle neben ihr war ordentlich, die Laken bereits abgekühlt. Sie setzte sich langsam auf und zuckte zusammen, als ein dumpfer Schmerz von ihrer Operationsnarbe ausstrahlte, obwohl das nichts im Vergleich zum Muskelkater zwischen ihren Oberschenkeln war. Ein Erröten stieg ihr in den Nacken, als sie sich an die rohe Intensität der letzten Nacht erinnerte. „Er liebt mich immer noch“, murmelte sie mit einem kleinen, zerbrechlichen Lächeln auf den Lippen. „Er will die Annullierung nicht. Er will mich.“ Sie wickelte sich fest in einen Morgenmantel, verließ das Schlafzimmer und machte sich auf den Weg in die Küche, um einen Kaffee zu holen. Das Rudelhaus war ungewöhnlich still, bis sie das Ende der Treppe erreichte. Wütende Stimmen hallten aus dem Hauptwohnzimmer. Zena hielt inne, ihre Hand schwebte über dem Treppengeländer. Es war Armanis Stimme, vor Wut erhoben. Doch dann antwortete ihm eine andere Stimme. Eine Stimme, die exakt wie seine klang, nur dunkler. Belustigter. Die Stirn runzelnd band Zena ihren Morgenmantel enger und ging auf die Türen des Wohnzimmers zu. Sie trat ein und erstarrte vollkommen. Am Kamin stand Armani, sein Gesicht blass vor Zorn, seine Fäuste so fest geballt, dass seine Knöchel bluteten. Und nahe dem Sofa stand lässig ein Mann mit einem Glas Bourbon in der Hand, der exakt wie er aussah. Dieselbe Größe, dasselbe dunkle Haar, dieselbe scharfe Kieferpartie. Der einzige Unterschied war ein kleines, bösartiges Tattoo, das sich über den Hals des Fremden zog, und ein Blick, der absolut keine Gnade kannte. Zenas Kaffeetasse entglitt ihren zitternden Fingern und zersplitterte auf dem Boden. Beide Männer rissen die Köpfe zu ihr herum. „Was... was passiert hier?“, stammelte Zena, ihr Herz rutschte in die Hose, während sie zwischen beiden hin und her blickte. „Armani... gibt es zwei von euch?“ „Spiel nicht die Dumme bei mir, du krankes, verdorbenes Miststück!“, brüllte Armani und machte einen erschreckenden Schritt auf sie zu. „Armani, warte!“, schluchzte Chloe laut aus einer Ecke des Raumes. Zena hatte sie gar nicht bemerkt. Chloe saß auf dem Sofa, das Gesicht in den Händen vergraben, und weinte hysterisch. Auf dem Couchtisch aus Glas lagen Dutzende hochauflösende Fotos verstreut. Zena stockte der Atem. Sie trat näher, ihre Augen weiteten sich vor blankem Entsetzen. Es waren Bilder von ihr und dem Zwilling von letzter Nacht. Wie sie das Schlafzimmer betraten. Wie sie sich an der Tür küssten. „Ich habe versucht, mit ihr zu reden!“, weinte Chloe und wischte sich falsche Tränen von ihren perfekt geschminkten Augen. „Ich habe gestern zufällig mitgehört, wie sie telefonierte, aber es sah so aus, als hätte sie sich bereits entschieden! Sie sagte, sie würde es dir heimzahlen, weil du so viel Zeit mit mir verbringst!“ „Wovon redest du?“, keuchte Zena und schüttelte wild den Kopf. „Ich habe mit niemandem gesprochen! Armani, bitte –“ „Spar dir deine Lügen!“, unterbrach Chloe, stand auf und deutete mit einem anklagenden Finger auf Zena. „Deine eigene beste Freundin hat mir gestern Abend alles gestanden! Sie konnte mit der Schuld nicht leben! Sie hat mir erzählt, du hättest geplant, Armanis Ruf zu ruinieren, indem du mit seinem verbannten Zwillingsbruder schläfst!“ Zena fühlte, wie der Boden unter ihr nachgab. „Meine beste Freundin?“ Ihre beste Freundin hatte die ganze Zeit mit Chloe zusammengearbeitet? Chloe hatte die einzige Person gekauft, der Zena in diesem Rudel vertraut hatte. Es war eine komplette Falle. „Sie wollte dich auf die schlimmste Art verletzen, Armani“, fügte Chloe hinzu, ihre Stimme triefte vor Gift. „Also hat sie deinen Bruder zurück in das Territorium gelockt und sich ihm direkt unter deinem Dach hingegeben! Sieh dir die Bilder an!“ „Wie wagst du es!!!“, brüllte Armani plötzlich. Er überquerte den Raum in einer schnellen Bewegung, packte Zena grob am Kragen ihres Morgenmantels und stieß sie nach hinten, bis sie gegen die Wand prallte. „Armani, hör auf! Es tut weh!“, schrie Zena und klammerte sich an ihre Seite, wo ihre Nähte schmerzhaft spannten. „Es tut weh?!“, spuckte Armani aus, seine blauen Augen waren ganz schwarz vor der Wut seines Wolfes. „Du dumme, billige Hure! Ich habe dir meinen Namen gegeben! Ich habe dich aus dem Nichts erhoben, und du breitest deine Beine für den einen Mann aus, der versucht hat, diese Familie zu zerstören?“ „Nein! Armani, du musst mir glauben!“, schluchzte Zena, Tränen strömten über ihr Gesicht, während sie in die Augen des Mannes sah, für den sie ihr eigenes Organ geopfert hatte. „Ich hatte keine Ahnung, dass das nicht du warst! Es war dunkel im Badezimmer! Der Dampf – er fühlte sich an wie du! Er roch wie du!“ „Halt verdammt noch mal den Mund!“, knurrte Armani und schüttelte sie gewaltsam. „Du widert mich an! Du bist nichts als Müll! Du hast ihm gegeben, was mir gehört, nur um ein Zeichen zu setzen?“ „Habe ich nicht!“, schrie Zena und erstickte fast an ihren Tränen. Sie sah verzweifelt zu dem Mann mit dem Bourbon. „Sag es ihm! Sag ihm, dass ich dachte, du wärst Armani!“ Armano nahm einen langsamen Schluck von seinem Getränk, ein kaltes, rücksichtsloses Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus. „Warum sollte ich lügen, Zena? Du hast mich die ganze Zeit bei meinem Namen genannt.“ „Du bist ein Lügner!“, schrie Zena und wollte auf ihn losgehen, doch Armani warf sie gegen die Wand zurück. „Wag es nicht, ihn anzusprechen!“, brüllte Armani. „Dein Titel ist dir aberkannt! Du bist für mich gestorben! Ich will, dass du aus meinem Haus verschwindest, bevor ich dich selbst in Stücke reiße!“ „Das wird nicht passieren, kleiner Bruder.“ Die tiefe, dröhnende Stimme kam von der Tür. Alle drehten sich um. Der ehemalige Alpha, ihr Vater, trat in das Wohnzimmer. Er stützte sich schwer auf einen silberbeschlagenen Gehstock, sein Ausdruck war wie in Stein gemeißelt. Er sah auf die verstreuten Bilder auf dem Tisch, dann auf die weinende Zena an der Wand. „Vater“, Armani biss die Zähne zusammen und wich von Zena zurück. „Das ist eine interne Angelegenheit des Rudels. Ich kümmere mich gerade um meine betrügerische Gefährtin.“ „Sie ist nicht mehr deine Gefährtin“, sagte Armano sanft und stellte sein Glas auf den Tisch. Er ging auf Zena zu und überragte ihre zitternde Gestalt. Er betrachtete sie wie eine Trophäe, die er gerade gestohlen hatte. Armano wandte sich seinem Vater zu, sein Grinsen weitete sich zu einem siegreichen Lächeln. „Vater! Wie versprochen. Vor zehn Jahren hast du mich verbannt, aber du hast vor dem gesamten Rat einen Blutbund geschworen. Du hast geschworen, dass derjenige, der zuerst einen rechtmäßigen Erben zeugt, der nächste Alpha-König wird.“ Armani erstarrte. Die Farbe wich komplett aus seinem Gesicht. „Was tust du da, Armano?“ „Ich nehme, was mir gehört“, antwortete Armano kalt. Er zeigte direkt auf Zenas Bauch. „Sie trägt derzeit meinen Erben. Und das macht mich zum nächsten Alpha.“ Im Raum herrschte eine totenstille, erschreckende Stille. „Du bist wahnsinnig“, hauchte Armani und schüttelte den Kopf. „Es war eine Nacht. Sie kann nicht schwanger sein.“ „Wolfsgene sind sehr effizient, wenn eine wahre Gefährtin im Spiel ist“, schnurrte Armano, seine Augen blitzten in einem gefährlichen Gold. „Du kannst es sofort vom Rudelheiler überprüfen lassen. Nur zu. Ruf ihn her. Sie ist schwanger.“ Zenas Hände schnellten zu ihrem Bauch, ihr Herz blieb vollkommen stehen, als ein lautes, heftiges Keuchen aus ihrer Kehle brach.Kapitel 4Was!?Schwanger?Zena hörte auf zu atmen. Der Raum drehte sich gewaltsam um sie herum.Wie konnte er das nur wissen? Es war erst eine Nacht her. Es war medizinisch und physisch unmöglich, eine Schwangerschaft so schnell zu bestätigen. Es sei denn... es sei denn, Adriano bluffte nur, um die alte Nachfolgeklausel auszulösen.Doch als sie den dunklen, triumphierenden Glanz in den Augen des verbannten Zwillings sah, überkam sie eine krankhafte Welle der Angst. Er bluffte nicht. Er hatte das geplant. Jede einzelne Sekunde davon.Zena starrte das Mädchen an, das sie die letzten fünf Jahre wie eine Schwester behandelt hatte. Asaraci sah ihr nicht einmal in die Augen. Sie stand nur da, die Arme vor der Brust verschränkt, und trug einen brandneuen, teuren Designermantel, von dem Zena wusste, dass Asaraci ihn sich von dem Gehalt einer Rudel-Omega niemals leisten konnte.„Asaraci?“, flüsterte Zena, ihre Stimme kaum mehr als ein gebrochenes Krächzen. „Du... du bist hier?“„Natürlich ist
Kapitel 3Armani zog sich nur einen Zentimeter zurück. Beide atmeten schwer, ihre Lippen berührten sich noch immer, während sie dieselbe dampfende Luft atmeten. Er lehnte seine Stirn gegen ihre, die Augen geschlossen.„Du gehst nirgendwohin, Zena“, flüsterte er gegen ihren Mund, während sein Griff um ihre Taille schützend fester wurde. „Ich sperre dich in dieses Haus ein, bevor ich zulasse, dass du von mir gehst.“Bevor sie auch nur ein einziges Wort des Protests formen konnte, stürzte sich sein Mund wieder auf ihren und löschte jegliche Fähigkeit zu denken vollkommen aus.Er gab ihr keine Chance zu atmen. Seine Hände glitten ihren nassen Rücken hinunter, griffen ihre Oberschenkel und hoben sie mühelos gegen die glatten Duschfliesen. Zena schnappte nach Luft, ihre Beine schlangen sich instinktiv um seine Taille, um sich zu stabilisieren.Er war so verzweifelt, so vollkommen vereinnahmend. Sie bemerkte einen schwachen Unterschied in seinem Duft – das gewohnte frische Kiefernharz wurde
Kapitel 2Das Klirren von Besteck auf Porzellan war das einzige Geräusch in dem riesigen, sonnendurchfluteten Esszimmer. Armani saß am Kopf des langen Glastisches und scrollte mit finsterer Miene durch sein Tablet; er machte sich nicht einmal die Mühe aufzuschauen, als Zena hereinkam.Viespera war bereits da und pflückte mit ihren Fingernägeln an einem Teller mit geschnittenem Obst. Auch sie sah nicht auf, obwohl sie ein lautes, dramatisches Seufzen der Genervtheit ausstieß, als Zenas Hausschuhe leise über den Boden huschten.Zena stand am anderen Ende des Tisches, ihre Hände zitterten so stark, dass sie sich an der Lehne des Samtstuhls festklammern musste, um sich zu stabilisieren. Der brennende Schmerz in ihrer Seite von den Operationsnähten wurde völlig von der Taubheit in ihrer Brust überschattet.Sie sah Armani an. Sie sah den Mann an, für den sie vor gerade einmal zwei Wochen geblutet hatte.„Ich will die Scheidung.“Viespera hielt inne, ein Erdbeerstück auf halbem Weg zum Mund.
Kapitel 1.„Steh auf, Zena. Das Haus füttert sich nicht von alleine.“Der schrille Klang von Evelyns Stimme durchbrach die ruhige Atmosphäre, bevor die Tür aufging.Zena zuckte zusammen, ihre Finger krallten sich in die Bettdecke, während sie versuchte, sich langsam aufzusetzen. Ein heißer stechender Schmerz schoss direkt durch ihre rechte Seite und entlockte ihr ein scharfes Keuchen. Vor zwei Wochen hatten Chirurgen sie aufgeschnitten, um einen Teil ihrer Leber zu entnehmen, um Armanis Leben nach einem Silbervergiftungsangriff an den Grenzen des Rudels zu retten. Die Narbe war noch frisch, dunkel und brannte unter ihren Verbänden.„Evelyn, bitte...“, flüsterte Zena, ihre Stimme rau in der trockenen Kehle. „Der Arzt sagte, ich brauche Bettruhe. Die Schmerzmittel machen mich so schwindelig, ich kann kaum stehen –“„Oh, spar dir das pathetische Theater!“, spottete Evelyn, überquerte den Raum auf ihren hohen Absätzen und riss die Decke vom Bett. Armanis Mutter sah sie mit blankem Ekel an







