تسجيل الدخولRavens POV
Die nächsten Wochen waren voller Unterricht und Vorträge. Wir wurden in allem gedrillt, von südlichen Bräuchen bis zu nördlicher Etikette. Mr. Rake und Miss Freya machten uns sehr deutlich, dass wir unsichtbar, aber perfekt zu sein hatten. Wir lernten, wie man Alphas aus anderen Rudeln ansprach, wo wir entlanggehen durften und vor allem, wie man sich gegenüber dem nördlichen Personal zu verhalten hatte. „Keine Streitigkeiten anzetteln“, hatte Miss Freya uns täglich angebellt. „Keine Unhöflichkeiten. Ihr seid drei Tage lang auf neutralem Boden. Wenn ihr das Inker-Rudel blamiert, habt ihr kein Zuhause mehr, zu dem ihr zurückkehren könnt.“ Der Friedensgipfel war kein Fest. Es waren drei Tage intensiver Rudelgespräche und Verträge. Doch damit niemand dem anderen an die Kehle sprang, waren auch Feste und Spiele geplant, damit Führung und Personal beider Seiten tatsächlich miteinander auskamen. Endlich war der Tag da. Ich saß am Rand meines schmalen Bettes und starrte auf die mittelgroße Tasche, die ich gepackt hatte. Ich hatte nicht viel mitzunehmen, deshalb war es einfach gewesen. Diane hingegen hatte einen totalen Nervenzusammenbruch. „Es geht nicht zu, Raven! Es geht einfach nicht zu!“, stöhnte Diane und stopfte mit beiden Händen einen Haufen Pullover in ihre Tasche. „Hör auf, die Tasche vollzustopfen!“, lachte ich und beobachtete ihren Kampf. „Wir sind nur ein paar Tage dort. Du wirst nicht einmal die Hälfte dieser Sachen anziehen.“ Diane schnaubte und wischte sich den Schweiß von der Oberlippe. Ihre Tasche platzte aus allen Nähten. Sie hatte tatsächlich ein paar wirklich schöne Dinge, weil ihre Mutter Krankenschwester in der Rudelkrankenstation war. Krankenschwestern bekamen Boni für ihre „hervorragende“ Arbeit, was bedeutete, dass Diane etwas mehr Geld für bessere Stoffe hatte. Im Packhaus bekam niemand ein richtiges Gehalt. Wir leisteten unseren Beitrag für das Rudel und erhielten dafür ein Bett und Essen. Die Arbeit, die wir taten, galt den Höhergestellten als unbedeutend. Ich konnte die Ironie daran nicht übersehen, denn wenn wir auch nur einen Tag aufhörten zu arbeiten, würde das ganze Packhaus innerhalb von Stunden zusammenbrechen. Diane hatte mir über die Jahre freundlicherweise einige ihrer älteren Kleider gegeben, sodass ich zumindest ein paar anständige Kleider für den Gipfel hatte. Schließlich gab sie die überzähligen Pullover auf und schaffte es endlich, den Reißverschluss zuzuziehen. „Bereit?“, fragte sie außer Atem. „Bereit“, sagte ich und warf mir die Tasche über die Schulter. Wir gingen in die große Eingangshalle, wo der Rest der ausgewählten Gruppe wartete. Natürlich war Owen auch da und sah aus, als gehöre ihm der ganze Laden bereits. Abseits sah ich Alpha Hilton, seinen Beta, Gary und Larry. Sie standen zusammen und besprachen etwas mit leisen, ernsten Stimmen. Einen Moment lang blickte ich zu Gary. Sein Duft traf mich nicht mehr wie ein Schlag. Der Geruch von Trauben und Oliven war noch da, aber der Sog war verschwunden und hatte einem dumpfen Schmerz Platz gemacht. Die Zurückweisung hatte ihre Arbeit getan. Ich wollte gerade einen weiteren Schritt nach vorn machen, als mein Blick plötzlich verschwamm. Alles um mich herum verschwand. Ich stand in einem dunklen, kalten Wald. Vor mir war ein riesiger Wolf. Er hatte ein wunderschönes aschbraunes Fell, glänzend, aber staubig. Er wirkte, als hätte er Schmerzen. Er stieß ein Heulen aus, das so traurig klang, dass es meine eigene Seele verletzte. Ich sah, wie seine Augen hin und her flackerten. Eine Sekunde lang waren sie ein lebendiges, wunderschönes Blau, und im nächsten Moment wurden sie ein erschreckendes, schlammiges Rot. Rot war die Farbe eines Rogues. Dieser Wolf drohte, wild zu werden und seine menschliche Seite für immer zu verlieren. Ich spürte einen seltsamen, überwältigenden Drang, ihm zu helfen. Ich streckte eine Hand aus, um das Tier zu trösten, doch in dem Moment, als meine Finger das Fell berühren wollten, wurde ich zurück in die Wirklichkeit geschleudert. „…aven? Raven!“ Ich blinzelte rasch, die hellen Lichter der Eingangshalle ließen meinen Kopf schwimmen. Diane sah mich mit besorgtem, erwartungsvollem Gesicht an. „Ich rufe dich schon seit einer Minute“, sagte sie. „Du hast total abwesend ausgesehen. Geht es dir gut?“ „Hast du einen Wolf gesehen?“, fragte ich, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Einen aschbraunen? Einen großen?“ Diane sah mich an, als hätte ich endgültig den Verstand verloren. „Einen Wolf? In der Eingangshalle? Raven, die einzigen Wölfe hier sind die in Menschenform. Du brauchst Schlaf im Bus.“ Bevor ich etwas erklären konnte, klatschte Miss Freya scharf in die Hände. „Raus! Alle zu den Bussen! Los!“ Wir strömten aus den Toren, unsere Gruppe plauderte aufgeregt, als ginge es zu einem Schulausflug. Es war unglaublich. Drei lange Busse warteten draußen auf uns. Wir luden unsere Taschen und Essensrationen ein und stiegen ein. Ich steuerte geradewegs in den hintersten Teil, Diane dicht hinter mir her. Die Fahrt zum neutralen Territorium würde zwei Tage dauern. Die Busse waren groß und überraschend bequem, mit genug Platz, dass jeder von uns sich ausstrecken und schlafen konnte. Während wir fuhren, sah ich die südliche Landschaft vorbeiziehen. Wir durchquerten dichte Wälder und kleine Menschensiedlungen, in denen die Leute stehen blieben und den Rudelbussen zuwinkten. Gegen Mitte des ersten Tages begann sich die Szenerie zu verändern. Das üppige Grün des Südens ging in felsige Ebenen und dünnere Bäume über. Es war schön, aber irgendwie leer. Die meiste Zeit starrte ich einfach aus dem Fenster. Am Abend des zweiten Tages erreichten wir das neutrale Territorium. Mein Kiefer fiel beinahe herunter. Mitten in einem weiten, nebligen Tal stand ein gigantisches steinernes Gebäude, das eher wie eine Burg aussah. Es wirkte sehr alt, aber solide. Rundherum verstreut lagen kleinere Bauten, alle aus demselben grauen Stein. Wir stiegen aus dem Bus und froren in der kühleren Luft. Alpha Hilton und die anderen Anführer gingen sofort zum Haupteingang, vermutlich in Richtung der VIP-Suiten. Der Rest von uns „Bauern“ sollte stehen bleiben. „Folgt mir“, befahl Miss Freya. Sie führte uns zu einem Seiteneingang am hinteren Teil des Komplexes. Sie blieb stehen und drehte sich zu uns um, das Gesicht streng. „Vergesst euer Training nicht. Sprecht nicht, wenn ihr nicht angesprochen werdet. Blamiert unseren Alpha nicht. Habt ihr verstanden?“ „Ja, Miss Freya“, dröhnten wir unisono. Sie führte uns hinein in einen Flügel im zweiten Stock. Es war sauber und schlicht, mit langen Gängen und vielen schweren Holztüren. „Sucht euch Partner, wie ihr wollt“, sagte sie. „Vier pro Zimmer. Richtet euch ein, frischt euch auf, denn ihr stinkt alle fürchterlich, und geht schlafen. Die Rudelführer treffen heute Abend die Könige zum Kennenlernen, aber das geht euch nichts an. Die eigentlichen Treffen beginnen morgen früh.“ Meine Wölfin Eva, die normalerweise still und faul blieb, es sei denn, sie wollte etwas, wurde plötzlich hellwach. 'Nimm das Bett am Fenster', forderte sie. Ich schnaubte sie an. Seit wann interessiert dich, wo wir schlafen? Sie antwortete nicht, sondern trabte unruhig in meinem Kopf hin und her, bis ich tat, was sie wollte. Ich warf meine Tasche auf das Bett am Fenster und blickte zu meinen Zimmergenossinnen. Da waren Diane, ein Mädchen namens Sheila und… Dan. Dan war ein männlicher Omega. Er war ein netter Typ, wirkte aber ein wenig deplatziert. Wir alle hoben eine Augenbraue. „Ich weiß, ich weiß“, sagte Dan und lächelte verlegen, während er zum vierten Bett ging. „Aber ihr wisst, wie die anderen Typen sind. Sie haben mich die ganze Busfahrt lang gehänselt. Ich schlafe lieber in einem Zimmer mit euch Mädchen, wo man mich nachts nicht aus dem Bett schubst.“ „In Ordnung“, sagte ich. Ich holte mein Handtuch heraus und winkte Diane zu. „Lass uns die Duschen suchen.“ Es dauerte eine Weile, weil wir uns in den verwinkelten Gängen zweimal verirrten, aber schließlich fanden wir die Gemeinschaftsduschen. Das Wasser war heiß und fühlte sich wunderbar auf der Haut an, spülte zwei Tage Busstaub weg. Als wir zurück ins Zimmer kamen, fühlte ich mich wie ein neuer Mensch. Ich setzte mich auf mein Bett und zog die Decke hoch. Unbewusst blickte ich aus dem Fenster. Der Mond stand hoch und hell und warf einen hellen Schein über das Tal. Der Wald am Rand des neutralen Geländes wirkte dunkel und geheimnisvoll. Ich zuckte zusammen, mein Herz setzte einen Schlag aus. Dort, ganz am Rand der Baumgrenze, stand ein Wolf. Er war riesig, sein Fell von unverkennbarem aschbraunem Farbton. Im Mondlicht wirkte er majestätisch, stand vollkommen still und starrte auf das Gebäude. Ich blinzelte heftig und rieb mir die Augen. Wie groß sind die Chancen?, dachte ich. Eine Sekunde später blickte ich wieder hinaus, doch der Platz war leer. Da war nichts außer Dunkelheit und schwankenden Bäumen. „Es war wahrscheinlich nichts“, flüsterte ich mir zu und legte mich zurück.Ravens POVMeine Beine fühlten sich an wie aus Gelee, als ich auf sie zuging. Jedes Auge auf der Lichtung klebte an mir, aber ich behielt den Kopf gesenkt und konzentrierte mich auf das Gras, bis ich sie erreichte.„Sieh mich an“, sagte der Mann.Ich hob langsam das Kinn. Er hatte eine Ausstrahlung um sich, die es beinahe unmöglich machte, den Blick lange zu halten. Es fühlte sich an, als blicke er durch meine Haut hindurch direkt in meine Gedanken. Ich konnte es nicht ertragen, also kompromissierte ich und starrte stattdessen auf seine Nase. Sie war leicht krumm, als wäre sie vor langer Zeit gebrochen und nie richtig eingerichtet worden.„Wie ist dein Name?“, fragte er. Seine Stimme war leise, aber sie forderte Aufmerksamkeit.„Raven“, flüsterte ich.„Sieh mir in die Augen, Raven“, sagte er. Ich zwang mich, seinen Blick zu treffen. Er starrte mich lange an, der Ausdruck unlesbar. „Da ist etwas an dir…“ Er brach ab, wirkte einen Moment nachdenklich und schüttelte dann den Kopf. „Wer s
Ravens POVDie beiden Könige starrten einander an, als wären sie bereit, die ganze Welt niederzubrennen. Darian entschied plötzlich, dass er genug geredet hatte. Er ignorierte Valen vollständig und begann wegzugehen, immer noch fest an meinem Ärmel haltend.Valens Hand schoss wie eine Schlange heraus und packte meinen anderen Ärmel, sodass er mich zurückriss.„Wohin glaubst du, gehst du mit ihr?“, knurrte Valen.Darian blickte nicht einmal zurück. „Ich gehe mit meiner Gefährtin. Geh aus dem Weg, Valen.“Ich fühlte mich wie ein Wunschknochen, der gleich in der Mitte durchbrechen würde. Ich räusperte mich zaghaft, und meine Stimme kam als winziges Piepsen heraus. „Ähm, darf ich kurz unterbrechen?“Beide sahen mich sofort an. Das Gewicht ihrer gemeinsamen Blicke war so schwer, dass ich mich fühlte, als würde ich in den Steinboden gedrückt. Ich holte zittrig Luft und versuchte, vernünftig zu klingen.„Wie wäre es, wenn… ich mit keinem von euch gehe?“, schlug ich vor und blickte von einem
Ravens POVKönig Darians Hände waren ruhig, als er versuchte, mich zum dritten Mal am Fallen zu hindern. An diesem Punkt war ich nicht mehr nur schockiert, ich war über alle Maßen peinlich berührt. Ich hatte mich vor dem mächtigsten Mann des Südens total und gründlich blamiert. Meine Gedanken rasten. Der Sohn meines eigenen Alphas hatte mich zurückgewiesen, weil ich eine niedrige Omega war, also gab es keine Chance, dass der König des Südens mich wollen würde. Ich fühlte mich wie eine Katastrophe, die nur darauf wartete, zu passieren. Mein einziger Instinkt war, zu verschwinden, zurück in die Küchen zu rennen und mich in einem Schrank zu verstecken, bevor mich eine zweite, noch öffentlichere Zurückweisung traf.Er hielt immer noch das Tablett mit den Getränken, die Finger lang und kräftig an den silbernen Rändern. Ich streckte zitternde Hände aus und schaffte es, es zu übernehmen.„Danke, Eure Majestät“, piepste ich. Ich drehte mich auf dem Absatz um, bereit zu flüchten, doch er war s
Ravens POVDas Klopfen an der Tür klang wie ein Hammer gegen meinen Schädel. Durch das dicke Holz hörte ich die leise, nervige Kreischstimme von Miss Freya, die uns sagte, wir sollten uns bewegen.Ich stöhnte und zog mein Kissen über den Kopf, aber es half nicht. Meine Zimmergenossen begannen bereits, sich zu rühren. Sheila, die immer schlecht gelaunt war, setzte sich auf und rieb sich aggressiv die Augen.„Diese Frau ist so nervig“, murmelte Sheila, die Stimme noch heiser vom Schlaf.„Da stimme ich zu“, flüsterte ich zurück.Ich lugte unter meiner Decke hervor und blickte zum Fenster. Die Sonne ging kaum auf. Der Himmel hatte dieses seltsame, dunkelviolette Licht, das man nur sieht, wenn es viel zu früh ist, um wach zu sein. Warum weckte sie uns jetzt? Wir waren erst so spät ins Bett gekommen. Miss Freya nahm ihren Job definitiv zu ernst.Trotz des Jammerns standen wir alle auf. Niemand wollte sich so früh am Morgen mit ihrem Zorn anlegen. Dan sah zu mir herüber und schenkte mir ein
Ravens POVDie nächsten Wochen waren voller Unterricht und Vorträge. Wir wurden in allem gedrillt, von südlichen Bräuchen bis zu nördlicher Etikette. Mr. Rake und Miss Freya machten uns sehr deutlich, dass wir unsichtbar, aber perfekt zu sein hatten. Wir lernten, wie man Alphas aus anderen Rudeln ansprach, wo wir entlanggehen durften und vor allem, wie man sich gegenüber dem nördlichen Personal zu verhalten hatte.„Keine Streitigkeiten anzetteln“, hatte Miss Freya uns täglich angebellt. „Keine Unhöflichkeiten. Ihr seid drei Tage lang auf neutralem Boden. Wenn ihr das Inker-Rudel blamiert, habt ihr kein Zuhause mehr, zu dem ihr zurückkehren könnt.“Der Friedensgipfel war kein Fest. Es waren drei Tage intensiver Rudelgespräche und Verträge. Doch damit niemand dem anderen an die Kehle sprang, waren auch Feste und Spiele geplant, damit Führung und Personal beider Seiten tatsächlich miteinander auskamen.Endlich war der Tag da. Ich saß am Rand meines schmalen Bettes und starrte auf die mit
Ravens POV„Wach auf. Wach auf, Raven!“Ich spürte, wie Hände meine Schultern aggressiv schüttelten. Ich stöhnte und zog meine dünne Decke höher über den Kopf. Ich wollte noch nicht aufwachen. Mein Körper fühlte sich an, als bestünde er aus Blei, und die Augenlider klebten fest zusammen.„Um wie viel Uhr bist du eigentlich eingeschlafen, dass du jetzt noch nicht wach bist?“, fuhr die Stimme fort. Es war Diane. Ich versuchte, sie zu ignorieren und wieder in die Dunkelheit eines traumlosen Schlafs abzusinken.„Miss Freya kommt!“Ich schoss sofort aus dem Bett. Mein Herz hämmerte heftig gegen die Brust, und ich stolperte beinahe über meine eigenen Füße, als ich aufstand. Nichts motivierte so instantan wie der Name Miss Freya. Ich blickte zur Tür, bereit, die finster blickende Frau zu sehen, die mich bei lebendigem Leib häuten wollte, doch dann hörte ich jemanden lachen.Ich wirbelte herum und sah Diane, die sich den Bauch hielt und sich vor Lachen bog. Ich starrte sie an, die Hände in di







