LOGINDer Ozean ist frei, doch der Himmel brennt. Sechs Monate nach dem Fall der imperialen Marine wähnen sich Kian, Talisa, Silas und Captain Vane auf der Schwarzen Muräne in Sicherheit. Doch Admiralin Valerius hat den Ozean längst aufgegeben: Das Imperium erhebt sich in gigantischen, stählernen Himmels-Dreadnoughts in die Wolken, um die Welt von oben zu unterjochen. Als ein vernichtender Bombenangriff die Rebellen zwingt, mit ihrem Schiff tief unter das Wasser zu fliehen, beginnt ein beklemmender Überlebenskampf gegen den Druck der Tiefe und uralte Seeungeheuer. Ihre einzige Hoffnung finden sie in einer versunkenen Tempelruine der allerersten Leviathan-Reiter. Mit purer Magie, genialer Ingenieurskunst und dem tollkühnsten Plan, den Captain Vane je ersonnen hat, beschließt die Crew, sich nicht mehr zu verstecken. Sie kapern den imperialen Himmels-Dreadnought Ikarus. Ein atemloser Kampf über den Wolken entbrennt, der Kian an die absoluten Grenzen seiner Leviathan-Kräfte zwingt. Aus Gezeiten-Rebellen müssen Himmelspiraten werden, um die gnadenlose Armada der Wolken aufzuhalten.
View MoreEs war ein perfekter Tag auf dem freien Ozean. Sechs Monate waren vergangen, seit das
Welten-Herz den stählernen Griff des Imperiums um die Meere zerschmettert hatte. Die Schwarze Muräne glitt mit geblähten Segeln durch azurblaues Wasser, begleitet von einer Schule Delfine, die fröhlich um den Bug tanzten. Kian stand am Steuerrad, die warme Sonne auf seiner gebräunten Haut. Er trug ein lockeres, weißes Hemd, und die saphirblauen Schuppen an seinem Hals glänzten wie polierte Edelsteine. Mit einer beiläufigen Handbewegung lenkte er eine winzige Strömung so, dass die Delfine noch ein wenig höher springen konnten. Talisa saß rittlings auf der Reling neben ihm, schälte entspannt einen Apfel mit einem ihrer furchterregenden imperialen Dolche und warf Kian hin und wieder ein Stückchen zu. Es war fast schon unheimlich friedlich. „Weißt du“, sagte Talisa und kaute auf einem Stück Apfel, „ich hätte nie gedacht, dass mir mal langweilig wird. Keine Kopfgeldjäger, keine feindlichen Fregatten... Vane hat gestern sogar angefangen, Socken zu stricken, weil er nicht wusste, wohin mit seinen Händen.“ Kian lachte leise und legte einen Arm um ihre Hüfte. „Beschwer dich nicht. Silas hat im Frachtraum endlich die Ruhe, seine Kaffeemaschine zu perfektionieren. Und wir... wir können einfach mal durchatmen.“ Doch der Ozean hatte andere Pläne. Der Wind, der die Segel sanft gefüllt hatte, starb abrupt ab. Ein tiefer, unnatürlicher Schatten fiel über das Deck der Schwarzen Muräne. Es war, als hätte sich eine dichte, pechschwarze Wolke direkt vor die Sonne geschoben. Aber es gab keine Wolken am Himmel. Kian blinzelte und sah nach oben. Sein Lächeln gefror. „Talisa“, flüsterte er. „Das ist keine Wolke.“ Über ihnen, so gigantisch, dass es fast den gesamten Himmel ausfüllte, schwebte ein Monster aus dunklem Metall. Es hatte nicht die Form eines Schiffes, sondern glich einem gewaltigen, gepanzerten Zeppelin, getragen von massiven, surrenden Rotoren und dampfenden Schloten, die dicken, schwarzen Rauch in die Atmosphäre spien. An der Unterseite des stählernen Ungetüms prangte ein vertrautes Wappen in strahlendem Rot und Gold: Das Zeichen der imperialen Admiralin Valerius. „Bei allen Geistern der Tiefe“, fluchte Talisa. Der Apfel fiel aus ihrer Hand ins Wasser. Sie zog augenblicklich beide Dolche. „Sie sind nicht ertrunken. Sie sind geflogen!“ „ALARMMMM!“, brüllte Captain Vane, der förmlich aus seiner Kabine stürzte, ein unfertiges Stück Strickzeug noch an seinem Ärmel hängend. „Gefechtsstationen! Silas! Beweg deinen Hintern hier hoch!“ Silas stolperte aus der Luke, völlig ölverschmiert. Er starrte in den Himmel, und sein Mund klappte auf. „Das... das ist aerodynamisch unmöglich! Das Ding muss zehntausend Tonnen wiegen! Wie bleibt das in der Luft?!“ Ein ohrenbetäubendes Heulen zerriss die Luft. Aus dem Bauch der fliegenden Festung öffneten sich gewaltige Luken. Es regnete nicht Wasser. Es regnete glühendes Eisen. Dutzende von massiven, speerartigen Harpunen schossen auf das Wasser hinab. Eine von ihnen bohrte sich mit einem gewaltigen Krachen nur drei Meter von der Muräne entfernt ins Meer und riss eine haushohe Fontäne auf. Die Druckwelle ließ das Knochenschiff gefährlich zur Seite kippen. „Sie zielen auf unseren Rumpf!“, schrie Vane und riss das Steuerrad herum, doch ohne Wind bewegte sich das Schiff quälend langsam. „Ich übernehme das!“, rief Kian. Er riss die Arme hoch und konzentrierte sich. Das Meer war sein Element. Er zog hunderte Gallonen Wasser aus dem Ozean und formte einen gewaltigen, rotierenden Wasserschild über dem Deck des Schiffes. Zwei weitere Harpunen krachten in den Schild. Das Wasser zischte und dampfte, bremste die Geschosse aber gerade genug ab, dass sie wirkungslos an Deck polterten, statt den Rumpf zu durchschlagen. Doch das imperiale Luftschiff war zu weit oben. Kian ballte die Fäuste und versuchte, eine Wasserpeitsche nach oben zu schießen, um die Rotoren des Luftschiffs zu treffen, aber die Schwerkraft war gnadenlos. Nach fünfzig Metern zerfiel sein Wasserstrahl zu harmlosem Regen. „Meine Magie reicht nicht so hoch!“, rief Kian verzweifelt. „Ich kann sie nicht treffen! Sie sind außer Reichweite!“ Über ein dröhnendes, knisterndes Megafon hallte eine Stimme aus den Wolken herab. Es war nicht die von Admiralin Valerius, sondern eine kalte, mechanische Frauenstimme. „An das Rebellenschiff Schwarze Muräne. Hier spricht der Himmels-Dreadnought ‚Ikarus‘. Der Ozean gehört der Vergangenheit an. Die Zukunft liegt im Himmel. Ergebt euch, oder werdet auf den Grund des Meeres geschickt.“ Die Luken am Bauch des Luftschiffs öffneten sich weiter. Etwas Großes, Schweres wurde in Position geschoben. Es war keine Harpune. Es sah aus wie eine gigantische Bombe, deren Spitze in einem unheilvollen Blau leuchtete. „Wir sitzen fest!“, brüllte Talisa. „Vane, wir müssen hier weg, sonst blasen sie uns in Stücke!“Die goldenen Strahlen der sinkenden Abendsonne tauchten das Wolkenmeer in ein flammendes Orange. Doch so wunderschön der Anblick auch war – für Kian bedeutete er das Ende. Das majestätische Eis der gewaltigen Tragflächen begann zu weinen. Dicke Wassertropfen rannen über die saphirblauen Kristallstrukturen, die die entführte Ikarus und die darunter hängende Schwarze Muräne in der Luft hielten. Mit jedem geschmolzenen Zentimeter verlor das gewaltige Konstrukt an Auftrieb. Kian kniete auf dem polierten Messingboden der Kommandobrücke, die Augen fest geschlossen, die Hände zitternd ausgestreckt. Er spürte, wie ihm die Kontrolle entglitt. „Vane...“, presste er mühsam durch zusammengebissene Zähne. „Ich verliere sie. Das Eis bricht.“ „Halte durch, Junge! Nur noch eine Minute!“, brüllte Captain Vane und hängte sich mit seinem ganzen Körpergewicht an das Steuer
Der Höhenmesser auf der Kommandobrücke der Ikarus rotierte wie ein wild gewordener Kreisel rückwärts. Das ohrenbetäubende Heulen der Warnsirenen schnitt durch die Luft, während das gigantische Luftschiff rasant in Richtung des aufgewühlten Ozeans stürzte. Unter ihnen zerrte das schwere Gewicht der an die Enterketten gebundenen Schwarzen Muräne unerbittlich an dem sterbenden Dreadnought. „Der Kern blutet aus!“, brüllte Silas durch das Sprachrohr, seine Stimme überschlug sich vor Panik. „Wir haben keine Anti-Grav-Energie mehr! Vane, du musst die Winden kappen! Wir müssen die Muräne abwerfen, sonst zerschmettern wir alle auf dem Wasser!“ „Niemals!“, donnerte Captain Vane und stemmte sich mit aller Kraft gegen das Steuerrad, als könnte er das tonnenschwere Schiff allein mit seinen Muskeln in der Luft halten. „Ich habe mein Schiff schon einmal auf dem Riff liegen lassen! Ich tue
„Fesselt sie an das Kommandopult“, knurrte Vane, ohne den Blick von den gewaltigen Panoramafenstern der Brücke abzuwenden. Seine schwieligen Hände umklammerten das riesige Steuerrad der Ikarus. Er grinste wie ein kleiner Junge an seinem Geburtstag. „Und dann haltet euch gut fest. Dieses Biest steuert sich wie eine schwangere Seekuh im Sirup, aber sie hat Kraft!“ Talisa stieß Kommandantin Volta unsanft gegen eine der massiven Messingsäulen und zog ein paar dicke Kabel aus einer zerstörten Konsole, um ihr die Hände auf dem Rücken zu fesseln. Volta spuckte verächtlich auf den polierten Boden. „Ihr seid Narren. Selbst wenn ihr die Ikarus in die Luft kriegt – ihr habt den imperialen Luftraum verletzt. Wir sind nie allein unterwegs.“ Als hätte das Universum nur auf diesen Satz gewartet, heulten die ohrenbetäubenden Annäherungssirenen der Brücke auf. Der Radar
Captain Vane fackelte nicht lange. Er trat mit einem markerschütternden Brüllen gegen die rechte Stahltür mit der Aufschrift KOMMANDOBRÜCKE. KRAAACH! Die Verriegelung zersplitterte. Die massive Tür schwang auf und knallte gegen die Innenwand. Kian, Talisa und Vane stürmten mit gezogenen Waffen in das Allerheiligste der Ikarus. Silas blieb im Maschinenraum zurück, um die Leitungen für das riskante Abschlepp Manöver vorzubereiten. Die Brücke des Himmels-Dreadnoughts war das genaue Gegenteil des dröhnenden, öligen Maschinenraums. Es war ein heller, kreisrunder Raum, umgeben von riesigen Panoramafenstern aus dickem Panzerglas, die einen atemberaubenden Blick über die Wolkenmeere boten. Der Boden bestand aus poliertem Messing und tiefem, dunklem Holz. Überall zischten pneumatische Relais, und hunderte von goldenen Dials und Anzeigen überwachten den Flugstatus.&nbs





