LOGINKapitel 5
Das Echo des ersten Schusses schhallte von den nassen Ziegelwänden der Gasse wider, während der eiskalte Regen unbarmherzig auf unsere Köpfe prasselte. Der Geruch von Ozon, verbranntem Schießpulver und dem scharfen, metallischen Duft von frischem Blut lag dick in der Luft. Caelen stand wie ein Schutzwall vor mir. Seine Muskeln waren unter dem durchnässten, zerrissenen Hemd zum Zerreißen gespannt, jede Sehne seines Körpers auf tödliche Effizienz getrimmt. Mit eisiger Präzision feuerte er seine Waffe ab. Jeder Schuss ein Treffer. Doch die Anzahl der Schatten-Krieger schien sich mit jeder Sekunde zu verdoppeln, wie eine hydraartige Masse, die aus den dunkelsten Winkeln des Viertels kroch. „Sie drängen uns zurück!“, rief ich gegen das laute Tosen des Sturms an, während ich meine Hände ausstreckte. Eine Welle meiner verbotenen Blut-Magie schoss aus meinen Handflächen, ein gleißendes, goldenes Licht, das den Regen in feinen Dampf auflöste. Die Magie traf die vorderste Reihe der Angreifer wie eine unsichtbare Druckwelle und schleuderte sie gegen die Bordsteine. Doch die Erschöpfung drohte mich zu überwältigen. Jeder Einsatz meiner Kräfte zog an meinen Lebensgeistern, und der Schmerz des Gefährten-Bandes pochte wie ein Hämmern direkt hinter meiner Stirn. Valeria stand nur wenige Meter entfernt, geschützt hinter einer Barrikade aus gepanzerten Söldnern. Sie beobachtete das Gemetzel mit einem kalten, fast amüsierten Lächeln auf den roten Lippen. „Du kannst sie nicht ewig beschützen, Caelen!“, schrie sie gegen den Lärm des Gefechts an. „Ergib dich, und ich gewähre ihr einen schnellen Tod!“ Caelen knurrte tief in seiner Kehle – ein so unmenschlicher, animalischer Laut, dass die Söldner vor ihm für einen winzigen Moment unruhig zurückwichen. Er warf einen kurzen Blick über seine Schulter zu mir. Seine goldenen Augen brannten mit einer Intensität, die mir die Luft abschnürte. Da war keine Angst. Nur purer, unbändiger Besitzanspruch und eine lodernde Leidenschaft, die durch den Schmerz hindurchbrach. „Hinter mich, Elenor“, knurrte er dunkel. „Jetzt.“ Bevor ich antworten konnte, packte er mich am Arm und zog mich mit einer gewaltigen Kraft hinter die massive Steinverkleidung eines verlassenen Industriegebäudes, genau in dem Moment, in dem eine Salve aus schweren Sturmgewehren die Stelle zerfetzte, an der wir noch vor einer Sekunde gestanden hatten. Steinsplitter und Putz flogen uns um die Ohren. Caelen lehnte sich schwer gegen die Wand, seine Brust hob und senkte sich keuchend. Ich bemerkte sofort, dass seine Bewegung langsamer wurde. Die Wunden von dem Kampf in den Docks waren wieder aufgebrochen; dunkles Blut tröpfelte unter seinem Hemd hervor und vermischte sich mit dem Regenwasser. „Du verblutest“, zischte ich panisch und griff nach seinem Arm, um ihn zu untersuchen. „Deine Selbstheilung blockiert immer noch.“ „Es ist nur oberflächlich“, versuchte er abzuwinken, doch seine Hand zitterte leicht. „Lüge mich nicht an!“, fauchte ich, und meine Stimme überschlug sich vor Sorge und Wut. „Wenn du jetzt stirbst, sterbe ich durch das Gefährten-Band gleich mit! Also halt still!“ Ich drückte meine harten, zitternden Hände direkt auf seine blutende Flanke. Meine Magie flammte wieder auf – diesmal nicht golden, sondern in einem tiefen, pulsierenden Rot, das sich direkt mit seinem Alpha-Blut verband. Als unsere Energien verschmolzen, durchfuhr uns beide ein heftiger, elektrischer Schock. Es war wie ein Rausch. Der Schmerz wich augenblicklich einer brennenden, alles verzehrenden Erotik. Die Nähe seiner Haut, das Pochen unseres gemeinsamen Pulses und der Druck der Extremsituation entfachten ein Verlangen, das so heiß und unkontrollierbar war, dass ich für einen Moment vergaß, wo wir waren. Caelen stöhnte tief auf – ein Laut, der irgendwo zwischen Schmerz und purem Genuss lag. Er griff mit beiden Händen nach meinem Gesicht, zog mich erbarmungslos an sich und presste seine Lippen auf die meinen. Es war ein Kuss von zerstörerischer Wucht. Seine Zunge drang fordernd in meinen Mund, schmeckte nach Adrenalin und rauchigem Regen, während ich mich an seine breiten Schultern klammerte und jede Vorsicht über Bord warf. Das Band dröhnte in unseren Adern wie eine Kriegstrommel. Er drückte mich fester gegen die kalte Backsteinwand, sein harter Körper schmiegte sich lückenlos an meinen, und ich spürte seine unmissverständliche, brennende Erregung, die durch den dünnen Stoff unserer Kleidung drang. „Du treibst mich in den Wahnsinn, Heilerin“, raunte er heiser direkt an meinen Lippen, als er sich für einen winzigen Lungenzug von mir löste. Seine Augen waren dunkel wie geschmolzenes Gold. „Mitten im Krieg... und ich kann an nichts anderes denken, als dich hier und jetzt zu nehmen.“ „Dann gewinne diesen Krieg zuerst“, flüsterte ich, während mein ganzer Körper von der Hitze seiner Berührung bebte. Caelen lächelte – ein schmales, absolut tödliches Lächeln. „Mit Vergnügen.“ Mit einer blitzschnellen Bewegung riss er seine Waffe hoch, trat aus der Deckung und eröffnete das Feuer. Seine Schüsse waren so präzise, dass die vorderen Angreifer wie Steine zu Boden gingen. Gleichzeitig bündelte ich meine restliche Magie und schleuderte eine gleißende Welle aus Licht auf Valerias Söldner, die den Rückzug antreten mussten. Valeria, die erkannte, dass ihre zahlenmäßige Überlegenheit schmolz, kreischte vor Wut. „Zieht euch zurück! Wir holen sie uns im Palast!“ In einem dichten Vorhang aus Rauch und flüchtenden Schatten zogen sich die verbleibenden Kämpfer in die Dunkelheit zurück. Die Gasse fiel in eine schwere, tropfende Stille. Caelen atmete tief aus, steckte die Waffe weg und zog mich augenblicklich wieder an sich, als ob er sichergehen wollte, dass ich noch da war. Seine Hände strichen besitzergreifend über meinen Rücken. „Der Palast ist gefallen, hast du gehört, was sie gesagt hat?“, flüsterte ich gegen seine Brust, während ich die klammen Stoffe unseres Outfits spürte. „Dein Bruder Kaelen hat die Macht übernommen.“ Caelen hob mein Kinn sanft an, sodass ich gezwungen war, in seine unerschütterlichen Augen zu blicken. „Lass meinen Bruder nur in den Thronsaal einziehen“, sagte der Alpha-König mit einer ruhigen, markerschütternden Entschlossenheit, die keinen Widerspruch duldete. „Ein Dieb bleibt ein Dieb. Und wenn wir den Palast zurückerobern, Elenor... dann wirst du an meiner Seite auf dem Thron sitzen. Als meine Königin.“ Bevor ich auf dieses kühne Versprechen antworten konnte, erklang in der Ferne das dumpfe, bedrohliche Heulen tausend anderer Wölfe, die das Erwachen eines neuen, blutigen Kapitels ankündigten.Kapitel 15Der Abstieg in die Transit-Tunnel von Sektor 4 glich dem Gang in die Eingeweide einer vergessenen Maschine. Die Luft hier unten war dick von dem Gestank nach feuchtem Rost, altem Ozon und dem stechenden Geruch von verbrauchtem Stickstoff. Nur das flackernde, blaue Notlicht der verrosteten Deckenleuchten warf lange, unheimliche Schatten an die feuchten Betonwände, die von jahrzehntelangem Verfall zeugten.Caelen ging mit vorauseilender Präzision vor. Jeder seiner Schritte war absolut lautlos, die Muskeln unter seinem schweren Kaschmir-Mantel zum Zerreißen gespannt. Seine goldenen Augen durchbohrten die Dunkelheit, während seine rechte Hand fest den Griff seiner Waffe umschloss. Das Gefährten-Band in unseren Adern pulsierte in einem ruhigen, kalten Takt – keine wilde, hitzige Ekstase mehr, sondern der eiserne, fokussierte Puls zweier Jäger auf dem Kriegspfad.„Wir sind nah“, flüsterte Caelen so leise, dass die Worte kaum von den nassen Wänden abprallten. „Die magnetische Sign
Kapitel 14Der kalte Wind der New Luxor zerriss die letzten Nebelschwaden über den Dächern der Hauptstadt, als wir endlich das schwere, verrußte Portal des Ostflügels hinter uns ließen. Die Luft draußen schmeckte nach Ozon, verbranntem Asphalt und dem feuchten Schlamm der unteren Distrikte – ein Geruch, der meilenweit von der hitzigen Intimität unseres Schlafgemachs entfernt war.Caelen ging dicht an meiner Seite. Er hatte seinen langen, schwarzen Mantel aus schwerem Kaschmir übergeworfen, der im eisigen Wind der Nacht hinter ihm herwehte. Unter dem Stoff zeichneten sich die harten, präzisen Konturen seiner Schultern und die tödliche Waffe an seinem Gürtel ab. Seine goldenen Augen musterten jede dunkle Gasse, jede flackernde Neonreklame und jedes verlassene Schaufenster mit der unerbittlichen Wachsamkeit eines Wolfes, der sein Revier markiert hatte.„Du bist still, Elenor“, sagte er nach einer Weile, ohne den Blick von der Straße zu wenden. Seine Stimme war tief, rau und schnitt durch
Kapitel 13Der späte Nachmittag goss ein schweres, flüssiges Gold durch die zerborstenen Buntglasfenster des königlichen Palastes, während draußen die Hauptstadt in einer schicksalhaften Stille versank. Die Rauchwolken über den Dächern von New Luxor hatten sich zu einem dünnen, bläulichen Schleier ausgedünnt, der wie eine Rauchfahne über den Trümmern des alten Regimes hing. Doch in den privaten Gemächern des Ostflügels schien die Zeit in einem ganz eigenen, glühenden Takt zu schlagen. Hier gab es keine Gesetze des Ältestenrates mehr, keine politischen Intrigen und keine feindlichen Rudel, die nach unserem Blut dürsteten. Hier existierte nur noch die schwere, fast greifbare Hitze unseres Triumphes und das unaufhörliche, tiefe Summen des Gefährten-Bandes in unseren Adern.Caelen lag auf dem Rücken, den Blick an die kunstvoll verzierten, schattigen Stuckdecken des Raumes geheftet, während ich mit dem Kopf auf seiner breiten, muskulösen Brust lag. Seine Haut war noch immer leicht von Schw
Kapitel 12Der Nachmittag legte einen bleiernen, goldenen Schleier über die Ruinen von New Luxor. Draußen, jenseits der zerschlagenen Buntglasfenster des königlichen Palastes, begann sich die Stadt neu zu ordnen. Die rauchenden Trümmer der Barrikaden wurden geräumt, die verbliebenen Loyalisten des Ältestenrates zogen sich in die schattigen Randbezirke zurück, und eine tiefe, fast ehrfürchtige Stille legte sich über die Straßen. Doch drinnen, in der abgeschiedenen, schattigen Hitze des Schlafgemachs, existierte von all dem Chaos nichts. Hier gab es nur die schwere, rauchige Luft, den Duft von Zedernholz, altem Leder und dem süßlichen, elektrischen Hauch unserer entfesselten Magie.Caelen lag auf der Seite, den Kopf auf seine breite Hand gestützt, während seine freien Finger langsam, aber mit einer obsessiven Präzision über meine Haut strichen. Jeder Zentimeter meines Körpers schien unter seinen Berührungen zu glühen. Das Gefährten-Band in unseren Adern war kein stechender Schmerz mehr;
Kapitel 11Der helle Sonnenschein des neuen Tages fiel unbarmherzig durch das zerstörte, rauchgeschwärzte Buntglasfenster des königlichen Gemachs und warf ein Mosaik aus goldenen und blutroten Flecken auf den staubigen Parkettboden. Die Luft im Raum roch nach Ozon, verbranntem Holz und der schweren, süßlichen Essenz unseres unausweichlichen Verlangens.Caelen lehnte sich auf einen Arm gestützt über mich. Seine dunklen Haare fielen ihm strähnig in die Stirn, und die harten, markanten Züge seines Gesichts waren von einer tiefen, unerbittlichen Entschlossenheit gezeichnet. Seine goldenen Augen brannten mit einer Intensität, die mir den Atem abschnürte – ein Raubtier, das seine Beute nicht nur erlegt, sondern sie für immer an sich gebunden hatte.„Du glaubst wirklich, wir haben es geschafft, oder?“, fragte ich leise. Meine Stimme klang atemlos, getragen von dem pochenden Rhythmus des Gefährten-Bandes, das unsere Adern wie ein heißer Strom durchfloss. Ich strich mit den Fingerspitzen über
Kapitel 10Der Morgen graute über den Trümmern von New Luxor. Das erste, fahle Licht des Tages schob sich durch die zerborstenen Buntglasfenster des königlichen Schlafgemachs und malte goldene Streifen auf den teuren, staubbedeckten Parkettboden. Draußen auf den Straßen der Hauptstadt schien die Welt für einen Moment den Atem anzuhalten, als würde sie die veränderte Schwingung im Machtgefüge des Reiches spüren. Doch hier drinnen, im geschützten Kokon der schweren Samtvorhänge, existierte nur die ruhige, schwere Wärme des Körpers, der schwer und beschützend auf dem meinen lag.Caelen bewegte sich kaum. Sein Kopf ruhte in der Wölbung meines Halses, sein gleichmäßiger, tiefer Atem strich über meine Haut und hinterließ ein wohliges Kribbeln. Seine Arme hielten mich fest umschlungen, eine feste, unnachgiebige Barriere gegen den Rest der Welt. Das Gefährten-Band in unseren Adern pulsierte nicht mehr in jenem wilden, schmerzhaften Rhythmus des gestrigen Kampfes. Es hatte sich beruhigt, war z







