Mag-log inSie heilte die Luna mit ihren eigenen Händen. Am nächsten Morgen wollte das gesamte Rudel sie dafür tot sehen. Sloane Kestrel ist niemand Besonderes- eine Heilerin ohne Rang, ohne Familie und ohne jemanden, der mächtig genug wäre, sie zu beschützen, als die Frau des Alphas unter ihrer Behandlung stirbt. Bevor sie sich verteidigen kann, wird sie beschuldigt, die Luna vergiftet zu haben, und zum Tode verurteilt. Mit dem ganzen Rudel auf den Fersen flieht Sloane. Hinter ihr brennt ihr Zuhause nieder. Der Wolf, der sie jagen soll, ist Ronan Ashwood, der Sohn des Alphas. Sein Vater hat ihm befohlen, sie tot oder lebendig zurückzubringen. Als er sie endlich einholt, rechnet Sloane mit einer Klinge in ihrem Herzen. Doch in dem Moment, in dem er sie berührt, erkennt sein Wolf die Wahrheit. Sie ist seine Schicksalsgefährtin – ausgerechnet die Frau, die er töten sollte. Ronan hat sein ganzes Leben lang seinem Vater gehorcht. Doch um Sloane zu beschützen, muss er sich gegen den Alpha stellen, der ihn großgezogen hat. Sloane hat keinen Grund, dem Sohn des Mannes zu vertrauen, der sie zum Tode verurteilt hat. Doch auf der gemeinsamen Flucht beginnt Ronan, alles infrage zu stellen, was man ihm über den Tod der Luna erzählt hat. Dann entdecken sie die Wahrheit: Sloane hat die Luna nie getötet. Jemand anderes wollte ihren Tod schon lange, bevor Sloane diesen Raum betrat. Und der wahre Mörder steht noch immer an der Seite des Alphas – an der Spitze der Jagd auf Sloane. Nun muss Ronan zwischen dem Vater und der Gefährtin wählen, die das Schicksal ihm bestimmt hat. Und Sloane muss entscheiden, ob ausgerechnet der Wolf, der sie jagt, der einzige Mensch ist, dem sie vertrauen kann. Wenn sie die Wahrheit nicht rechtzeitig ans Licht bringen, wird der Mörder nicht bei der Luna haltmachen.
view moreDIE HÄNDE DER HEILERIN
Sloanes Feuer war bereits zu Glut heruntergebrannt, als es klopfte. Dreimal schnell hintereinander, eine Pause, dann noch einmal. Sie kannte dieses Klopfen. Nur die Rudelläufer klopften so, schnell, damit sie nicht die ganze Straße aufweckten. Noch bevor das Geräusch verstummte, war sie bereits auf den Beinen. Sie öffnete die Tür. Ein Junge stand dort, vielleicht sechzehn Jahre alt, völlig außer Atem, als wäre er den ganzen Weg gerannt. „Die Luna braucht dich“, sagte er. „Ihr Magen. Sie meinte, es sei nichts, aber …“ Er hielt inne und sah sie an. „Sie sieht nicht richtig aus, Miss Kestrel. Ich habe sie noch nie so gesehen.“ Sloane verschwendete keine Zeit damit zu fragen, was „nicht richtig“ bedeutete. Er würde es selbst nicht wissen. Sie schnappte sich ihre Tasche, überprüfte, ob sie Ingwerwurzel, Weidenrinde und Minze gegen die Übelkeit dabeihatte, und nahm ihren Umhang vom Haken. Normalerweise dauerte es zwanzig Minuten bis zum Ashwood-Anwesen. Sie schaffte es in zwölf. Sie war vielleicht ein Dutzend Mal zuvor im Anwesen gewesen, immer durch die Hintertür, immer wegen etwas wie diesem. Eine Heilerin ohne Namen betrat das Haus nicht durch den Haupteingang. Aber Isolde hatte ihr deswegen nie das Gefühl gegeben, weniger wert zu sein. „Da bist du ja.“ Isoldes Stimme war schwach, aber noch immer warm. Sie saß im Bett aufrecht, eine Hand auf den Bauch gedrückt, ihr Gesicht blass und feucht vor Schweiß. „Ich habe Mercer gesagt, dass es nichts ist. Er hat dich trotzdem holen lassen.“ „Lieber vorsichtig.“ Sloane durchquerte den Raum und nahm ihr Handgelenk. Ihr Puls war zu schnell. Nicht rasend, einfach falsch. „Wie lange geht das schon so?“ „Seit dem Abendessen. Ich dachte, es lag am Wild. Zu schwer.“ „Hast du heute noch etwas anderes gegessen oder getrunken? Vor dem Abendessen?“ Isolde dachte einen Moment nach und hielt dann mitten im Kopfschütteln inne, als hätte die Bewegung sie schwindelig gemacht. „Corwin kam heute Nachmittag vorbei. Er hat mir einen Tee für meine Nerven gebracht. Mercer ist wegen der Grenzverhandlungen schwer zu ertragen, also dachte Corwin, ich könnte ihn gebrauchen.“ Sie brachte ein kleines Lächeln zustande. „Nett von ihm, dass er daran gedacht hat.“ Sloane schenkte dem keine große Beachtung. Corwin stand der Familie seit Jahren nahe. Sie untersuchte Isolde weiter, betrachtete die Farbe unter ihren Fingernägeln, ihre Augen im Kerzenlicht und das leichte Zittern, das in ihren Händen begann, ohne dass Isolde es bisher bemerkt hatte. „Ich mache dir etwas für deinen Magen“, sagte Sloane und hielt ihre Stimme ruhig. „Hauptsächlich Ingwer. Es wird schrecklich schmecken. Du wirst es überleben.“ Sie gab die getrocknete Wurzel in einen kleinen Topf, fügte Wasser aus der Kanne neben dem Bett hinzu und ließ es ziehen. Während der Tee zog, beobachtete sie stattdessen Isoldes Atmung. Zu schnell. Zu flach. So sah kein einfacher verdorbener Magen aus. „Isolde.“ Sloane stellte den Topf ab, ohne den Tee einzuschenken. „Sag mir alles, was du heute Abend zu dir genommen hast. Auch den Tee von Corwin.“ „Warum sollte das eine Rolle spie—“ Sie beendete den Satz nicht. Ihr ganzer Körper versteifte sich und bäumte sich vom Bett auf. Ein Laut drang aus ihrer Kehle, der kein Wort war. Sloane packte ihre Schultern und versuchte zu verhindern, dass ihr Kopf gegen das Holz hinter ihr schlug, während ihre Arme und Beine immer wieder heftig zuckten. „Holt den Arzt!“, schrie Sloane. „Sofort! JETZT!“ Niemand kam schnell genug. Es dauerte weniger als zwei Minuten. Es fühlte sich wie eine Stunde an. Sloane würde sich später genau daran erinnern, wann das Zittern aufhörte und die Stille begann und wie viel schlimmer diese Stille war. Sie legte ihr Ohr auf Isoldes Brust. Nichts. „Nein. Nein, nein.“ Sie legte Isoldes Kopf zurück, suchte nach einem Atemzug, der nicht mehr da war, und begann, auf ihre Brust zu drücken. Nicht, weil ihre Ausbildung es ihr sagte. Sondern weil sie sich weigerte zu glauben, was sie längst wusste. „Komm schon. Komm schon, Isolde.“ Die Tür flog auf. Sloane kam nicht einmal dazu, sich umzudrehen, bevor die erste Anschuldigung sie traf. „Sie ist tot.“ Ein Wachmann stand in der Tür und starrte an ihr vorbei auf das Bett, auf ihre Hände, die noch immer auf Isoldes Brust lagen, auf den verschütteten Tee und das leere Weinglas. „Die Luna ist tot. Und die Heilerin war die Einzige, die hier drin war.“ „Ich habe versucht, sie zu retten.“ Sloane hörte selbst, wie es klang, noch während sie es sagte. Sie wusste, dass es keine Rolle spielen würde. „Sie hatte Krämpfe. Ich habe das nicht getan. Ich wollte ihr helfen.“ „Geh von der Leiche weg.“ Jetzt standen vier Wachen in der Tür und füllten den Eingang aus, die Hände bereits an ihren Schwertern. Sloane hob die Hände, die Handflächen nach außen, leer. Ich bin keine Bedrohung. Doch jeder von ihnen sah sie bereits so an, als wäre sie es. „Jemand hat etwas vergiftet, das sie heute Abend gegessen oder getrunken hat“, sagte sie und zwang ihre Stimme, ruhig zu bleiben. „Durchsucht die Küche. Findet heraus, wer vor mir in diesem Zimmer war. Genau das solltet ihr tun.“ „Du warst allein mit ihr.“ Der Anführer der Wachen trat näher. Sein Urteil stand längst fest. „Du warst oft genug allein mit ihr. Schon seltsam, dass sie ausgerechnet heute stirbt.“ „So ist es nicht passiert.“ „Nehmt sie fest.“ Hände packten ihre Arme und zogen sie vom Bett weg. Weg von der Frau, die sie tatsächlich zu retten versucht hatte. Sloane wehrte sich, drehte sich mit aller Kraft und schaffte es beinahe, sich loszureißen, bis ein zweiter Wachmann ihren anderen Arm packte und sie festhielt. „Ihr versteht das nicht.“ Ihre Stimme zitterte jetzt, und sie hasste sich dafür. „Ich habe das nicht getan. Niemals würde ich so etwas tun.“ „Das kannst du dem Alpha erzählen.“ Sie warteten nicht bis zum Morgen. Als sich der Himmel von Schwarz zu Grau färbte, stand Sloanes Hütte, ihr Zuhause, das Zuhause ihrer Mutter, mit jedem Kraut und jedem Tagebuch, das sie besaß, bereits hinter ihr in Flammen. Jemand hatte diesen Befehl gegeben, noch bevor Sloane überhaupt offiziell wegen irgendetwas angeklagt worden war. Sie rannte, weil stehen zu bleiben bedeutete, ihnen zu erlauben, über ihr Leben zu entscheiden, ohne Gerichtsverfahren und ohne jemanden, der auf ihrer Seite stand. Der Wald war dunkel und kalt und kümmerte sich nicht darum, ob sie die Nacht überlebte. Äste streiften ihren Umhang. Ihre Lungen brannten vom Rauch und der kalten Luft. Sie sah nicht zurück zum Feuer. Sie hatte Angst, dass sie aufhören würde zu rennen, wenn sie es tat. Trotzdem blickte sie einmal zurück, direkt am Rand der Bäume, weil etwas ihre Aufmerksamkeit erregte und sie nicht mehr losließ. Eine Gestalt. In einen Umhang gehüllt. Sie bewegte sich schnell vom Anwesen weg, durch den hinteren Garten, in die entgegengesetzte Richtung zu all den Wachen, die inzwischen durch den Haupteingang hereinströmten. Sie verließ das Haus heimlich, nur wenige Minuten, bevor überhaupt jemand im Inneren gesagt hatte, dass Isolde tot war. Sloane hatte keine Zeit, sich zu fragen, wer es war. Hinter ihr nahmen die Jagdhunde bereits ihre Witterung auf. Doch unter all der Angst blieb ein einziger kalter Gedanke in ihrem Kopf hängen: Wer auch immer das gewesen war, er wusste bereits, was in diesem Zimmer geschehen war. Noch bevor sie es selbst wusste.Was sie aufbauenSie blieben drei Tage bei Wynn, länger als jeder von ihnen geplant hatte, doch das Versteck bot ihnen etwas, das keiner ihrer anderen Aufenthaltsorte geboten hatte: einen Ort, an dem sie tatsächlich nachdenken konnten, anstatt nur davonzulaufen.Garrick kam am zweiten Tag, nachdem er über einen seiner eigenen Kontakte im Voraus Bescheid gegeben hatte, und das kleine Haus füllte sich mit einer zielgerichteten Energie, die Sloane seit der Zeit vor Isoldes Tod nicht mehr gespürt hatte. Menschen arbeiteten auf etwas hin, anstatt nur davor davonzulaufen.„Ich habe seit unserem letzten Treffen mit zwei weiteren Menschen gesprochen“, sagte Garrick und breitete eine grob gezeichnete Karte auf Wynns Tisch aus. „Mit einem pensionierten Wächter, der unter dem alten Alpha, Mercers Vater, gedient hat und sich daran erinnert, schon damals Gerüchte über Todesfälle gehört zu haben, die ihm nie geheuer vorkamen. Und mit einer Frau, die ihren Gefährten an das verloren hat, was die Heil
WynnDie Siedlung, in der Wynn lebte, war kleiner, als Sloane sie aus ihrer Kindheit in Erinnerung hatte, obwohl die Jahre eine Art hatten, alles schrumpfen zu lassen, was sie einst für riesig gehalten hatte.Sie fand das kleine Haus eher aus ihrer Erinnerung als mithilfe von Wegbeschreibungen. Eine schmale Gasse hinter der Mühle, ein Garten, der an den Rändern leicht verwildert war, genau wie Wynns Garten es schon immer gewesen war, mehr daran interessiert, Dinge wachsen zu lassen, als sie ordentlich anzuordnen. Sloanes Brust zog sich vor einem Schmerz zusammen, der nichts mit Gefahr oder Angst zu tun hatte, sondern einfach mit dem schlichten, schmerzhaften Wunsch, nach Wochen voller Fremder und Feinde endlich ein vertrautes Gesicht zu sehen.Sie klopfte, und die Tür öffnete sich fast sofort, als hätte Wynn dahinter auf sie gewartet.Lange sagte keine von beiden auch nur ein Wort. Wynn stand wie erstarrt im Türrahmen, ihre Augen wanderten über Sloanes Gesicht, als würde sie es mit ei
Ein Mann, der sich erinnertZwei Tage nachdem sie das Steinbruchgebiet verlassen hatten, fanden sie das Versteck, das Maren beschrieben hatte. Es war ein umgebauter Getreidespeicher am Rand einer alten bäuerlichen Siedlung, dessen Besitzer längst weitergezogen war und dessen dicke Wände laut genug waren, um die Stimmen von der Straße draußen zu dämpfen.„Garrick“, hatte Maren ihnen bei ihrem Abschied aufgetragen. „Ehemaliger Vollstrecker. Er hat vor acht Jahren seine Schwester durch eine plötzliche Krankheit verloren, die ihm nie geheuer vorkam. Seitdem stellt er auf eigene Faust Fragen, wie ein Mann, der jede Hoffnung aufgegeben hat, dass ihm jemand glaubt. Sag ihm, dass du weißt, woran sie gestorben ist. Damit bekommst du schneller seine Aufmerksamkeit als mit allem anderen.“Sloane hatte nicht wirklich geglaubt, dass es funktionieren würde, bis der Mann selbst die Tür öffnete. Er war breitschultrig, hatte graue Schläfen und scharfe Augen, in denen die besondere Wachsamkeit eines Me
Was sie nicht erwartet hatteSie verließen das Steinbruchlager zwei Morgen später. Maren blieb zurück und versprach, ihnen Bescheid zu geben, falls sie etwas Nützliches hörte, während Perrin darauf bestand, dass er inzwischen stark genug war, um mit ihnen Schritt zu halten, obwohl seine Rippen bei jedem tiefen Atemzug noch schmerzten.Sloane fühlte sich seit fast einer Woche seltsam, müde auf eine Weise, die sich nicht allein durch das Training erklären ließ, und ihr Magen drehte sich bei Gerüchen um, die sie früher nie gestört hatten. Sie hatte sich eingeredet, es sei Erschöpfung, die aufgestaute Last von allem, was seit der Nacht von Isoldes Tod geschehen war. Daran zu glauben war einfacher, als die andere Möglichkeit in Betracht zu ziehen, die still in ihrem Hinterkopf lauerte.Am zweiten Tag ihres Marsches holte es sie schließlich richtig ein. Eine Welle von Übelkeit überkam sie so plötzlich und heftig, dass sie anhalten und sich mit einer Hand an einem Baum abstützen musste, währ











