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Author: J. C. Veyra
last update publish date: 2026-11-05 08:40:59

Kapitel 4

Das prasselnde Geräusch des einsetzenden Regens vermischte sich mit dem dumpfen Pochen meines eigenen Herzens. Der Regen war eiskalt, er schlug uns ins Gesicht, wusch das Blut und den Ruß von unserer Haut, doch er konnte die sengende Hitze nicht kühlen, die zwischen Caelen und mir brannte.

Die Frau auf der Motorhaube des schwarzen SUVs bewegte sich kaum. Ihr blutrotes Abendkleid spannte sich über ihren schmalen Körper wie eine zweite Haut, und das goldene Champagnerglas in ihrer Hand schien in dem trüben Licht der Straßenlaternen wie eine Warnung zu glühen. Zu ihren Füßen lag der verletzte Gardist – er atmete flach, seine Uniform war zerrissen, das Wappen des königlichen Hauses mit Schlamm beschmiert.

Caelen setzte mich langsam ab, doch seine Hände blieben an meiner Taille fixiert. Sein Griff war so fest, dass es fast schmerzte, eine eiserne Klammer, die keinen Millimeter Raum für Flucht ließ. Sein ganzer Körper war angespannt wie eine Bogensehne, jede Faser seines Wesens auf Angriff gepolt. Ein tiefes, bedrohliches Knurren drang aus seiner Brust – das unverkennbare Warnsignal seines inneren Wolfes, der die Bedrohung sofort wittern konnte.

„Valeria“, sagte Caelen. Seine Stimme war kein lautes Brüllen, sondern ein leises, mörderisches Zischen, das selbst den Regen zu durchdringen schien. „Du hast einen verdammt langen Weg auf dich genommen, um dein Todesurteil selbst zu unterschreiben.“

Valeria lächelte kühl. Sie nippte unbeeindruckt an ihrem Champagner, während ihre dunklen Augen von Caelen zu mir herüberschwebten und mich mit einer Mischung aus Neid und unverhohlener Verachtung musterten.

„Mein lieber Stiefbruder“, hauchte sie mit einer giftigen Süße in der Stimme. „Du denkst immer noch, du wärst der Einzige, der die Fäden in der Hand hält. Während du dich hier unten in den dreckigen Docks mit einer gewöhnlichen Heilerin amüsierst und deine Kräfte an diesem nutzlosen Gefährten-Band verschwendst, hat Kaelen das Schloss eingenommen. Der Thronsaal gehört ihm. Und der Ältestenrat hat offiziell verkündet, dass du ab sofort als abgesetzt und vogelfrei giltst.“

Der Name traf mich wie ein Keulenschlag. Sein Bruder. Caelen hatte einen Bruder – einen Konkurrenten um die Macht, der offenbar nur darauf gewartet hatte, ihn in eine Falle zu locken.

Caelen zuckte nicht einmal mit der Wimper. Seine goldenen Augen brannten mit einer solchen Kälte, dass Valeria für einen winzigen Bruchteil einer Sekunde das Lächeln aus dem Gesicht fror.

„Kaelen ist ein Feigling, der sich hinter den Röcken des Rates versteckt“, entgegnete Caelen, und seine Präsenz schien den gesamten Hinterhof auszufüllen, die Luft schwer und unerträglich heiß zu machen. „Und du bist nur sein treues Schoßhündchen, Valeria. Glaubst du ernsthaft, ein Stück Papier des Ältestenrates ändert etwas daran, wem dieses Land gehört?“

Valeria glitt mit einer geschmeidigen Bewegung von der Motorhaube des SUVs. Sie stellte das Champagnerglas auf dem Autodach ab und strich ihr rotes Kleid glatt. Ihre Bewegungen hatten etwas Raubtierhaftes, Gefährliches.

„Das Papier ist nicht wichtig, Caelen“, sagte sie leise und machte zwei langsame Schritte auf uns zu. „Wichtig ist, dass deine Armee zerschlagen ist. Deine Generäle sind tot oder verhaftet. Und du… du bist geschwächt. Du hast deine Magie in diesem Tunnel für sie eingesetzt.“ Sie warf mir einen hasserfüllten Blick zu. „Du blutest aus tausend Wunden. Du kannst diesen Krieg nicht mehr gewinnen.“

In diesem Moment spürte ich es wieder – dieses pulsierende, glühende Band zwischen Caelen und mir. Es war, als würde jede Bedrohung von außen unsere Seelen noch tiefer miteinander verschweißen. Caelen wandte den Kopf minimal zu mir herab. Sein Blick traf meinen, und trotz der aussichtslosen Lage lag darin keine Furcht, sondern ein wildes, unbändiges Versprechen.

„Sie versteht es nicht, Elenor“, flüsterte er so leise, dass nur ich es hören konnte. Seine Hand strich an meiner Wange hoch, sein Daumen strich über meine Unterlippe. Die Berührung war zärtlich und besitzergreifend zugleich. „Sie begreift nicht, dass ich diesen Krieg nicht für den Thron führe. Sondern für dich.“

Bevor ich auf diese Worte antworten konnte, schnippte Valeria mit den Fingern.

Aus den dunklen Ecken der Gasse schossen Dutzende schwer bewaffnete Schatten-Krieger hervor. Sie blockierten jeden Fluchtweg, die Laser ihrer Sturmgewehre zeichneten rote Rastermuster auf unsere Kleidung.

„Genug der Romantik“, zischte Valeria, und ihre Augen leuchteten in einem unnatürlichen, violetten Glanz auf. „Tötet den falschen König. Bringt mir die Heilerin lebend – der Rat will wissen, wie ihre Blut-Magie funktioniert.“

Caelen ließ mich los – aber nur, um sich mit einer explosiven Bewegung vor mich zu werfen. Er zog seine Waffe, die in dem strömenden Regen unbarmherzig glänzte.

„Hinter mich, Elenor“, befahl er mit jener absoluten, königlichen Härte, die keinen Widerspruch duldete. „Schließ die Augen und halte dich an meinem Gürtel fest. Jetzt wird es blutig.“

Ich dachte gar nicht daran, mich zu verstecken. Mein Adrenalin kochte über, meine eigenen Hände begannen in einem schwachen, goldenen Licht zu glühen, als die ersten Kugeln auf uns niederhagelten.

Caelen feuerte mit kalter Präzision, während ich meine Blut-Magie bündelte, um die Angriffe der Schatten-Krieger abzulenken. Die Hölle brach los, und während der Regen uns durchnässte, wusste ich: Wir hatten alles verloren – und wir hatten gerade erst begonnen zu kämpfen.

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