LOGINIch habe immer gedacht, ich wäre das Problem, dass ich etwas falsch gemacht hätte, damit er mich nicht mehr liebt, damit er mich mit… ihr betrügt. Aber nicht mehr. Jetzt liegt mein Fokus auf mir selbst, auf meinem Geschäft und… Julian— Sloane hatte Donovan Lance drei Jahre ihrer Seele geschenkt, nur um für einen Geist aus seiner Vergangenheit weggeworfen zu werden. Nach einer Reihe öffentlicher Demütigungen und einem lebensverändernden Unfall verschwand Sloane und ließ ihr Herz sowie ihren Verlobungsring zurück. Als sie Monate später wieder auftaucht – nicht als seine hingebungsvolle Ehefrau, sondern als mächtige Frau in eigener Sache –, erkennt Donovan, dass die Frau, die er ersetzt hat, die Einzige war, die sein Imperium je wirklich zusammengehalten hat. Nun muss er darum kämpfen, ein Herz zurückzugewinnen, das er zerbrochen hat. Doch Sloane hat gelernt, dass manche Schulden nicht mit Diamanten beglichen werden können.
View MoreSLOANE
Der Scheinwerfer war tatsächlich heiß.
Das war mir vorher nie aufgefallen.
Die Leute reden immer vom Leuchten einer zukünftigen Braut, aber niemand erwähnt, wie die Bühnenlichter einem den Nacken schwitzen lassen, während hundert Augenpaare darauf warten, dass man etwas Lebensveränderndes sagt.
Alles roch nach Lilien. Tausende Dollar teure, weiße Lilien, die Reinheit oder Neuanfänge oder welche andere Lüge auch immer symbolisieren sollten, die wir heute Abend verkauften.
Donovan stand mir gegenüber und sah aus wie der Mann, für den ich drei Jahre meines Lebens versucht hatte zu kämpfen. Sein Anzug saß perfekt, sein Kinn war scharf genug, um Glas zu schneiden, und für einen Moment dachte ich wirklich, ich hätte gewonnen.
Ich blickte auf die samtene Schatulle in der Hand des Standesbeamten. Das war es. Der Moment, in dem die Gerüchte starben. Keine albernen Gespräche mehr über Donovan Lance und seine „ergebene“ Assistentin.
Keine Schlagzeilen mehr, die fragten, wann der CEO des Jahrhunderts sich endlich zu der Frau bekennen würde, die an seiner Seite durch jede Fusion und jeden Skandal gestanden hatte.
„Donovan“, flüsterte ich, kaum hörbar über der sanften Geigenmusik. „Alles okay?“
Er sah mich nicht an. Sein Blick ging knapp über meine Schulter hinweg und scannte die erste Reihe. Ich wusste, wen er suchte, noch bevor ich den Kopf drehte. Belle. Sie war immer da, wie ein Schatten, den ich nicht abschütteln konnte.
„Mir geht’s gut, Sloane“, sagte er, doch seine Stimme klang gepresst. „Lass uns das einfach hinter uns bringen.“
Hinter uns bringen. Genau.
Nichts schreit so sehr nach Romantik wie eine Verlobungsgala zu behandeln wie ein Board-Meeting, das man vergessen hat abzusagen. Ich zwang mich zu einem Lächeln für die Kameras. Der französischen Elite war egal, ob wir verliebt waren. Sie wollten nur, dass wir die Rolle spielten. Und Gott, wir spielten sie perfekt.
Der Standesbeamte begann in seinem tiefen, melodischen Singsang zu sprechen, über die Verbindung zweier großer Häuser und die Stärke einer Partnerschaft, die auf gegenseitigem Respekt basierte.
Ich hätte fast gelacht. Respekt? Ich hatte drei Jahre damit verbracht, Donovans Leben reibungslos laufen zu lassen. Ich hatte seine Flüge gebucht, seine PR-Katastrophen gemanagt und sogar den Schmuck ausgesucht, den er mir zu unseren Jahrestagen schenkte. Ich war die Architektin meines eigenen Märchens und stand kurz davor, ins Schloss einzuziehen.
Dann passierte es.
Es war kein lautes Geräusch. Es war ein scharfer, dramatischer Atemzug, der die Rede des Standesbeamten wie ein Messer durchschnitt.
Ich musste nicht einmal hinsehen, um zu wissen, dass sie es war. Aber ich sah trotzdem hin. Alle taten es.
Belle war in ihrem Stuhl zusammengesackt, eine Hand auf die Brust gepresst, ihr Gesicht nahm einen Blässe an, die ein bisschen zu gut getimt wirkte, um natürlich zu sein. Sie stieß ein leises Stöhnen aus, ihre Augen flatterten zu, während sie zu Boden glitt.
„Belle?“ Donovans Stimme klang nicht mehr gepresst. Sie klang panisch.
Ich streckte die Hand aus, meine Finger streiften seinen Ärmel. „Donovan, warte. Die Ringe –“
Er spürte meine Berührung nicht einmal. Er bewegte sich so schnell, dass er den Standesbeamten fast umstieß. In der einen Sekunde war er noch mein Verlobter, der auf einer Bühne stand, die für uns bestimmt war, in der nächsten sprang er bereits von der Plattform.
Der Saal verstummte. Die Geigen verstummten. Das einzige Geräusch war das hektische Scharren von Donovans Schuhen auf dem Marmorboden. Er schob sich an einem Duke und einem hohen Minister vorbei, als wären sie nichts, und erreichte Belle genau in dem Moment, als sie auf den Teppich sank.
„Belle! Belle, sieh mich an!“
Er hob sie in seine Arme, drückte sie an seine Brust, als wäre sie das einzig Wertvolle im gesamten Gebäude. Er blickte nicht zurück. Er sah weder die Kameras noch unsere Eltern an, und mich schon gar nicht.
„Ruft meinen Fahrer!“, brüllte Donovan in den Raum, seine Stimme hallte von den hohen Decken wider. „Jetzt!“
Und dann war er weg. Er rannte mit seiner Assistentin auf den Armen aus der Gala und hinterließ eine Spur fassungslosen Schweigens.
Ich stand da. Allein.
Der Scheinwerfer war noch immer auf mich gerichtet. Ich spürte seine Hitze jetzt stärker als je zuvor. Sie fühlte sich an wie ein Brandeisen. Ich sah auf meine Hände hinunter, die so stark zitterten, dass ich die Finger ineinander verschränken musste, um sie still zu halten.
Die Stille im Saal war ohrenbetäubend. Sie war schlimmer, als wenn alle angefangen hätten zu buhen. Es war das Geräusch von Mitleid. Ich konnte die stummen Urteile in der Luft spüren. Arme Sloane. Sie hat wirklich gedacht, sie könnte ihn halten. Sie hat wirklich gedacht, sie wäre die Eine.
Ich sah den Standesbeamten an, der mich mit einer Mischung aus Entsetzen und Verwirrung anstarrte. Er hielt noch immer die Ringe. Die Diamanten fingen das Licht ein und funkelten mit einem Spott, der mir den Magen umdrehte.
„Sollen wir… warten wir?“, fragte der Mann, seine Stimme brach.
Ich blickte zur Tür, durch die Donovan verschwunden war. Er würde nicht zurückkommen. Er hatte nicht einmal gezögert. Es gab kein „Es tut mir leid“ oder „Bleib hier“. Es gab nur die Leere, die er hinterlassen hatte.
Drei Jahre.
Ich dachte an jede einzelne Nacht, in der ich wach geblieben war und auf ihn gewartet hatte, bis er mit der Arbeit fertig war. Ich dachte an die Feiertage, die ich damit verbracht hatte, mich um seine Familie zu kümmern, während er „beschäftigt“ mit Belle war. Ich dachte daran, wie ich mir ständig eingeredet hatte, dass sich alles ändern würde, sobald wir verlobt wären, sobald es offiziell wäre.
Ich war so eine Idiotin.
Ich sah in die Menge. Meine Mutter presste sich ein Seidentaschentuch vor den Mund, die Augen vor gesellschaftlichem Ruin weit aufgerissen. Mein Vater war bereits am Telefon und versuchte wahrscheinlich, die Schlagzeilen zu killen, bevor sie in den Morgencyclus kamen. Niemand sah mich an wie einen Menschen. Ich war nur ein Kollateralschaden einer besseren Geschichte.
Ein seltsames Gefühl von Ruhe überkam mich. Es war die Art von Kälte, die kommt, nachdem man zu lange gezittert hat und der Körper aufhört, Wärme erzeugen zu wollen.
Ich griff hinunter und nahm den Verlobungsring aus der Schatulle. Es war ein massiver, makelloser birnenförmiger Diamant. Er war wunderschön. Und er war eine Lüge. Ein schweres, teures Gewicht, um das ich ihn angefleht hatte, damit ich mich sicher fühlen konnte.
Ich betrachtete den Ring lange. Ich dachte an den Sand. Das war unsere Beziehung gewesen. Ich hatte drei Jahre damit verbracht, eine Kathedrale am Strand zu bauen und die Flut ignoriert, die immer näher an meine Füße kroch. Heute Nacht war die Welle endlich gekommen, und es blieb nichts als nasses Salz und zerbrochenes Glas.
Donovan liebte mich nicht. Er respektierte mich nicht einmal genug, um mir eine private Trennung zu geben. Er hatte sich für eine öffentliche Demütigung entschieden. Er hatte mich vor allen Leuten, die zählten, gedemütigt – für eine Frau, die genau wusste, wann sie in Ohnmacht fallen musste, um zu bekommen, was sie wollte.
Ich weinte nicht. Ich schrie nicht. Ich fühlte mich einfach nur leer.
Ich sah den Ring ein letztes Mal an, bevor ich ihn auf den kleinen Tisch neben den Blumen legte. Er machte ein winziges, metallisches Klirren, das sich anfühlte wie der letzte Punkt am Ende eines sehr langen, sehr erschöpfenden Satzes.
Ich war nicht die zukünftige Mrs. Lance. Ich war nicht die Frau, die den CEO endlich gezähmt hatte. Ich war nur Sloane, die in einem Raum voller Lilien stand, die nach Beerdigung rochen.
Ich wandte mich von der Menge ab und verließ die Bühne. Ich ging nicht in Richtung des Ausgangs, den Donovan genommen hatte. Ich ging in die entgegengesetzte Richtung, zu den Küchen, zu den Hintergassen, zu irgendwo, nur nicht hier.
SloaneIch stand in der Nähe des Haupteingangs des Gebäudes und blickte in völliger Ungläubigkeit über den hellen Innenhof.„Ich kann ehrlich gesagt nicht glauben, dass ich monatelang nicht an diesen Ort gedacht habe“, sagte ich und drehte mich zu Helen um, während wir Seite an Seite den gepflasterten Steinweg entlanggingen. „Alles ging damals so schnell, und dann wurde das Leben einfach chaotisch.“„Ich weiß“, sagte Helen leise und gab mir einen leichten Schubs an die Schulter. „Deshalb habe ich dich hierhergebracht. Du musstest sehen, was du geschaffen hast.“Wir gingen gemeinsam über das Gelände, und Helen zeigte mir all die Veränderungen, die sie seit dem letzten Mal, als ich die Baupläne gesehen hatte, vorgenommen hatte.Sie hatte den großen Speisesaal erweitert, den Außenwänden einen frischen Anstrich in warmem Gelb verpasst und einen riesigen Spielplatz im hinteren Garten gebaut.„Die örtliche Gemeinde hat sich zusammengeschlossen, sobald klar war, dass die Finanzierung gesiche
Sloane Donovan blieb eine lange Weile still am anderen Ende der Leitung. Ich konnte sein schweres, keuchendes Atmen durch den Hörer hören, während er den Mut aufbrachte, mich tatsächlich zu fragen. „Sloane“, begann er, und seine Stimme zitterte leicht, bevor er sie zwang, sich zu stabilisieren. „Ich brauche dich bei der Firmenjubiläumsfeier an diesem Wochenende.“ Ich blinzelte und brauchte einen Moment, um sicherzugehen, dass ich ihn richtig verstanden hatte. „Du willst mich bei eurem Firmenjubiläum?“ fragte ich und konnte die Ungläubigkeit nicht aus meinem Ton heraushalten. „Nicht nur als Gast“, sagte er schnell und überstürzte seine Worte, als wollte er verhindern, dass ich auflegte. „Ich möchte, dass du als meine Ehrengästin kommst.“ Ein kalter, bitterer Stich traf mich mitten in der Brust. „Nein“, lehnte ich sofort ab, und meine Stimme wurde eisig. „Auf keinen Fall.“ „Sloane, bitte, hör mir einfach zu—“ „Bist du völlig verrückt geworden, Donovan?“ unterbrach ic
SloaneIch ging zurück ins Schlafzimmer und setzte mich auf die Bettkante, holte mein Handy heraus und sah auf den Bildschirm.Eine neue Benachrichtigung wartete auf mich, eine Textnachricht von Belle, die vor wenigen Augenblicken eingegangen war.Ich entsperrte den Bildschirm und tippte auf ihren Chatverlauf.Die Nachricht war kurz, aber jedes einzelne Wort tropfte vor passiv-aggressiver Bitterkeit.Donovan denkt, du könntest ihm in seiner jetzigen Situation helfen und nicht ich, hatte sie geschrieben. Wie wäre es, wenn du deinen Platz an seiner Seite wieder einnimmst?Ich starrte auf den Bildschirm, ein kleines, kaltes Lächeln berührte meine Lippen.Ich konnte praktisch ihre Stimme hören, die vor Bosheit tropfte, während sie das tippte.Sie war wütend, weil Donovan endlich sah, wie nutzlos sie war, wenn es wirklich darauf ankam.Sie hatte gedacht, sie hätte gewonnen, als sie meinen Platz eingenommen hatte, aber jetzt, da das Schiff sank, merkte sie, dass es nichts bedeutete, an der
DonovanIch konnte mich heute Morgen nicht dazu bringen, einen Anzug anzuziehen.Mein Kopf fühlte sich an, als würde er gleich zerspringen, und ins Büro zu gehen bedeutete, einem Dutzend Führungskräften gegenüberzutreten, die alle Antworten wollten, die ich nicht hatte.Meine Aktienliquidität war komplett eingebrochen, und jedes einzelne Nachrichtenmedium kreiste wie Geier, die auf den endgültigen Zusammenbruch warteten.Ich schleppte mich den Flur des Penthouses entlang, trug ein aufgeknöpftes Hemd und versuchte, über meinen nächsten Zug nachzudenken.Als ich den Speisesaal betrat, ließ der Anblick, der mich erwartete, mein Blut sofort kochen.Belle saß am langen Marmortisch, blätterte lässig in ihrem Handy und aß dabei ein aufwendiges Frühstück.Es gab frische Gebäckstücke, importiertes Obst, frisch gepresste Säfte und heißen Kaffee, alles so aufgetischt, als hätte sie nicht die geringste Sorge auf der Welt.Sie sah nicht einmal zu mir auf, als ich hereinkam.Sie steckte sich einfa
SLOANE Der Regen fühlte sich wie Nadeln an, die in meine Haut stachen, als ich die leere Straße entlangtaumelte. Meine Lungen brannten bei jedem Atemzug, und ein scharfer, weißglühender Schmerz flammte in meiner Seite auf. Meine Rippen waren definitiv gebrochen. Ich hatte sie fest bandagiert, bevo
DONOVAN Die Stille des Penthouses traf mich in dem Moment, als die Aufzugtüren aufglitten. Normalerweise war da irgendetwas. Der schwache Duft ihres Parfums, das Klacken ihrer Laptop-Tasten von der Kücheninsel aus oder einfach nur das allgemeine Gefühl, dass noch jemand hier lebte.Nichts.Ich lie
SLOANE Der Flur fühlte sich kilometerlang an. Jedes Mal, wenn die Räder meines Infusionsständers über eine Fuge im Boden rollten, fuhr der Stoß direkt in meine gebrochenen Rippen, doch ich blieb nicht stehen. Ich konnte nicht. Die Luft im VIP-Flügel war zu dünn, zu teuer, zu voller Lügen.„Sloane!
SLOANEDas Letzte, woran ich mich erinnere, war der Regen. Es war kein Nieseln mehr; es war eine Wand aus Wasser, die die Windschutzscheibe in ein verschwommenes Gemälde aus Neonlichtern und grauem Asphalt verwandelte. Meine Augen brannten, dieses stechende Brennen, das entsteht, wenn man geweint h

















