LOGINDas Anwesen war ruhig, aber es war eine Ruhe, die sich verdient anfühlte und nicht erzwungen. Der Operator war tot, sein Netzwerk eine bröckelnde Ruine aus verschlüsselten Dateien und entehrten Namen, und zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit schmeckte die Luft nicht nach Kupfer und Paranoia.Ich heilte noch. Mein Körper erinnerte sich an die Gewalt, selbst wenn mein Verstand versuchte, sie zu vergessen. Meine Wunde schmerzte, wenn das Wetter feucht wurde, meine Hände verrieten mich noch immer mit gelegentlichem Zittern, und eine zuschlagende Tür konnte mein Herz noch immer bis in die Kehle jagen.Aber ich hatte mir ein Versprechen gegeben: Ich würde meine Genesung nicht damit verbringen, meine Symptome zu überwachen wie ein Exemplar im Labor. Ich würde leben.Das bedeutete, Dorian in seinem neuen, fast anstößigen Zustand der Zuneigung zu akzeptieren. Jetzt, da er nicht mehr vorgeben musste, seine Gefühle seien bloß taktische Notwendigkeit oder ein Sicherheitsthema, war er ein
Der Rauch in der zentralen Zentrale war dick und schmeckte nach verbranntem Schaltkreis und ionisierter Luft. Durch den Dunst wirkte die Welt zersplittert, wie ein zerbrochener Spiegel, der ein Dutzend verschiedener Albträume zurückwarf.Doch zum ersten Mal, seit man mich geholt hatte, wich der Nebel in meinem eigenen Kopf zurück, der chemische Dunst, der dazu gedacht war, meine Instinkte zu betäuben. Er war nicht verschwunden.Ich konnte noch immer das Phantomzittern unter meiner Haut spüren, die Art, wie mein Puls ohne Vorwarnung stolperte, aber ich konnte hindurchsehen. Ich konnte ihn sehen.Mein Vater stand inmitten der Trümmer seiner Kontrollzentrale. Die Monitore, die einst jeden meiner Herzschläge, jede meiner Ängste angezeigt hatten, flackerten im Rauschen oder zeigten die belastenden Beweise, die gerade über jedes gesicherte Netzwerk der Hemisphäre strömten.Er wirkte kleiner als noch vor zwanzig Minuten. Ohne den sterilen Schutz seiner Wachen war er nur ein Mann in einem ein
SELENES ERZÄHLPERSPEKTIVE.Schmerz war nicht länger etwas, das ich fühlte; er war etwas, das ich *war*. Er war der Rhythmus meines Pulses, die hitzige Glut über meinen Rippen, die mahlende Reibung jedes Atemzugs an meiner durchstoßenen Lunge.Aber unter dem Dunst, diesem schrecklichen, chemischen Nebel, der mich glauben machen wollte, meine Glieder gehörten nicht mir, lag ein einzelner, weißglühender Faden von Entschlossenheit.*Drei Minuten. Sektor vier. Der Versorgungsgang.*Malrics Worte hallten wie eine Rettungsleine in meinem Schädel wider. Ich kroch durch die Wartungstunnel, meine Fingernägel rissen am Beton, mein Blickfeld verengte sich zu Dunkelheit.Die Anlage war ein Labyrinth aus summenden Maschinen und eisiger Luft. Jedes Mal, wenn der Dunst drohte, mich hinunterzuziehen, mich dazu zu bringen, mich zusammenzukrümmen und mich der Taubheit zu ergeben, sah ich das Gesicht meines Vaters vor mir. Ich sah die klinische Distanz in seinen Augen, als er mir beim Bluten zusah.*Ich
DORIANS ERZÄHLPERSPEKTIVE.Ich schloss die Augen, und alles, was ich sehen konnte, war das Bild von Selenes Gesicht, als sie weggebracht wurde. Der Schrecken, den ich nicht hatte verhindern können. Die Schuld war ein körperliches Gewicht in meiner Brust und drohte, meine Lungen zu zerquetschen.Ich war so auf Alaric konzentriert gewesen, so darauf fixiert, den Perimeter zu sichern, dass ich sie schutzlos zurückgelassen hatte. Der Operator hatte nicht nur Selene gestohlen; er hatte mir meinen Daseinszweck gestohlen.„Ich muss wissen, wer den medizinischen Zugang auf dem Anwesen autorisiert hat“, befahl ich. „Nicht die offiziellen Protokolle, die privaten. Diejenigen, die zeigen, wer während des Blackouts die biometrischen Überbrückungen genutzt hat. Und Elias? Finde heraus, mit wem Zade gesprochen hat, bevor er verstummte.“Zade war misstrauisch gewesen. Er hatte sich im Verborgenen bewegt und von Verbindungen zwischen dem Operator und den alten Geheimdienstnetzwerken geflüstert. Er wa
SELENES ERZÄHLPERSPEKTIVE. Der Dunst war kein Nebel mehr; er war ein lebendiges Wesen. Er lebte in meinen Synapsen und hatte sich wie parasitäre Ranken um meine Nerven gewunden. Wenn ich die Augen schloss, sah ich keine Dunkelheit; ich sah Fraktale pulsierenden Lichts, die die flackernde Qual der Testgeräte spiegelten. Wenn ich sie öffnete, fühlte sich die Welt ebenfalls falsch an, zu scharf, zu laut, zu hell. Mein Körper war mir fremd geworden. Mein Puls schnellte in die Höhe, bevor ich Angst spürte; meine Muskeln krampften, bevor ich eine Bedrohung erkannte. Ich war eine Passagierin in einem Fahrzeug, dem rasend schnell die Bremsen versagten. „Das Subjekt zeigt erhöhte autonome Reaktionen auf auditive Reize. Herzfrequenz dreißig Prozent über dem Ausgangswert.“ Die Stimme des Arztes klang, als käme sie vom Grund eines tiefen Brunnens. Ich wollte schreien, ihnen sagen, dass der Ton nicht nur laut war, sondern meinen Schädel wie eine körperliche Nadel durchbohrte, aber meine Kehle
Die Tür zu meinem Zimmer zischte nicht mit der mechanischen Gleichgültigkeit des medizinischen Personals auf.Sie öffnete sich mit dem bedächtigen, schweren Klicken von jemandem, dem jedes Molekül Sauerstoff in diesem sterilen Gefängnis gehörte.Ich stemmte mich gegen die Kissen, mein Körper pochte von der letzten Runde sensorischer Tests, und ich erwartete die nächste Spritze oder eine neue Reihe von Sensoren. Doch die Gestalt, die über die Schwelle trat, ließ mein Herz stehen bleiben.Er trug keinen Laborkittel. Er trug einen Anzug, der mehr kostete, als die meisten Menschen in einem Jahr verdienten, maßgeschneidert bis zur Perfektion.Er sah älter aus, die Linien um seine Augen waren tiefer, sein Haar an den Schläfen silbern, doch die Form seines Kiefers war unverkennbar.Es war der Kiefer, den ich auf jeder verblassten Fotografie meiner Kindheit gesehen hatte. Es war der Kiefer, der mir vor dem Schlafengehen einen Kuss auf die Stirn gedrückt hatte.„Wie fühlst du dich, Selene?“, f







