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Die Verhasste Braut des Mafioso
Die Verhasste Braut des Mafioso
Author: Joss Austen

KAPITEL 1

Author: Joss Austen
last update publish date: 2026-10-06 01:30:31

NIKOLAI VOLKOV

Die Kirche stank für mich nach Sünde.

Nicht schlimmer als meine eigene. Nicht wegen dem, was ich bereits getan hatte — sondern wegen dem, was ich gleich tun würde.

Die Stille dort drinnen war dicht, fast erstickend. Ich blieb ein paar Sekunden an der Tür stehen und atmete tief durch, bevor ich eintrat.

Ich stecke in einer schönen Klemme.

— Mein Herr, Sie müssen hineingehen. Die Braut kommt.

Ich presste den Kiefer zusammen und spürte, wie die Irritation in mir brodelte.

— Ich habe keine Eile, eine entstellte Frau zu heiraten — antwortete ich schließlich und ging den Gang entlang.

Am Altar vermied sogar der Priester meinen Blick. Die Bänke waren fast leer. Nur sechzehn Zeugen. Sechzehn Komplizen meines gesellschaftlichen Mordes.

Unter ihnen allen war der schneidendste Blick der meines Vaters.

Ivan Arkady Volkov. Der alte Bär. Der Mann, der mich mit Eisen und Feuer geformt hatte, dessen Gesetze ich auf der Haut und in der Seele trug. In seinen Augen lag ein einziges Wort: Enttäuschung.

Nur aus Respekt vor ihm — und wegen der Tradition, die uns an die Bratva kettet — war ich noch dort. Der letzte Faden, der mich davon abhielt, diese ganze Kirche niederzubrennen.

Ich hielt seinem Blick nicht lange stand.

Mein Fokus blieb sofort an den drei Gestalten hängen, die in der ersten Reihe saßen.

Elizabeth Harrington mit ihrem aufgesetzten Lächeln wie immer. Richard, der Alte, mit den Augen eines Gefängniswärters — der Mann, der seine eigene Tochter aus purer Ambition einem Wolf übergeben hatte. Und Victoria. Die Architektin dieser Falle. Ihr feines Lächeln war reines Gift, direkt in die Vene injiziert.

— Giftschlange… — murmelte ich zu mir selbst.

Eine verdammte Dreifaltigkeit.

Und dann, am Ende des Ganges, der zu meiner persönlichen Hölle führte, war sie.

Angeline Harrington.

Reglos unter einem so dichten weißen Schleier, dass er sie zu verschlingen schien. Was Reinheit symbolisieren sollte, war für mich nichts weiter als das Tuch, das eine beschädigte Ware einwickelt.

Mein Schicksal war an diese Narbe gebunden worden, und ich wusste nicht, was ich mehr verachtete: die Familie, die mir das aufgezwungen hatte, oder das erbärmliche Spiegelbild dessen, was ich gerade wurde.

Der Priester begann die Zeremonie:

— Wir sind heute versammelt, um die heilige Verbindung zu feiern…

— Überspringen Sie die Scharade, Priester — unterbrach ich ungeduldig. — Kommen Sie direkt zu den Gelübden. Niemand ist hier aus Glauben.

Einige Murmeln breiteten sich im Raum aus. Der Priester verstummte für einen Moment. Die Schultern der Braut zuckten leicht unter dem Schleier.

Dann entkam eine sanfte Stimme unter dem Stoff hervor:

— Ja… bitte, machen wir weiter.

Die Ruhe in diesem Satz irritierte mich für eine Sekunde. Mehr Resignation als Angst.

Ich ignorierte es.

Verlegen beschleunigte der Priester den Ritus. Meine Gelübde kamen tot heraus, mechanisch, als würde jemand anderes durch mich sprechen.

Dann kam der Moment, den alle in angespannter Stille erwarteten.

— Sie dürfen den Schleier der Braut lüften.

Ich trat einen Schritt vor. Ich hob die Hände und griff nach dem feinen Stoff, hob ihn an.

Die Narbe war das Erste, was ich sah.

Eine unregelmäßige, rosafarbene Linie, die von der rechten Schläfe bis zum Mundwinkel hinunterlief. Eine Spur von Gewalt, in die blasse Haut eingraviert. Mein vom Zorn vergiftetes Gehirn registrierte nur eines: Makel. Deformität. Aufgezwungene Braut.

Ich sah nicht das trübe Grün der feuchten Augen. Ich bemerkte nicht das subtile Zittern der Unterlippe. Ich sah nur die Unvollkommenheit, die meine Niederlage besiegelte.

Ich senkte den Schleier mit einer brüsken Geste und schnitt die Szene ab. Der Anblick drehte mir den Magen um.

Der Priester, verwirrt, schloss ab:

— Kraft der mir verliehenen Macht… erkläre ich Sie zu Mann und Frau.

Die Worte fielen trocken, wie Steine in einen leeren Brunnen.

Mann und Frau.

Gefängniswärter und Gefangene.

Kaum hatten wir die Kirchentür durchschritten, näherte sich Richard lächelnd mit ausgestreckter Hand.

— Herzlichen Glückwunsch, Nikolai. Möge es eine Verbindung sein…

— Sparen Sie sich Ihre Falschheiten, Richard — schnitt ich ab und starrte auf seine Hand, als wäre sie Müll. — Und gehen Sie mir aus dem Weg, bevor ich zeige, wer ich wirklich bin.

Sein Lächeln gefror.

Ich ging an ihm vorbei, ohne noch etwas zu sagen, konzentriert auf das Auto, das mich zur Harrington-Villa bringen würde. Wo ich endlich beginnen würde, ihren Betrug auseinanderzunehmen.

Es war nur eine Frage der Zeit.

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