Share

KAPITEL 2

Author: Joss Austen
last update publish date: 2026-10-06 01:30:45

NIKOLAI VOLKOV

Auf dem Weg zur Villa arbeitete mein Verstand bereits auf Hochtouren und kalkulierte jede Bewegung, die ich machen würde, um diesen Betrug aufzudecken. Jeder Schritt, jedes Wort musste mit chirurgischer Präzision abgewogen werden. Sie wollten spielen, also würde ich ihnen zeigen, was es bedeutet, sich einem Volkov auf seinem eigenen Spielbrett zu stellen. Bis, mit einem Seitenblick, ein grausames und unwillkürliches Lächeln den Winkel meines Mundes krümmte.

Da war sie. Meine entstellte Braut. Zusammengekauert in der gegenüberliegenden Ecke der Limousine und versuchend, so wenig Platz wie möglich einzunehmen. Der Schleier bedeckte noch immer ihr Gesicht, eine letzte erbärmliche Zuflucht. Ihre Schultern waren angespannt, als erwartete sie jeden Moment einen Schlag, und ihre Finger verschränkten sich nervös auf ihrem Schoß. Die Szene war fast komisch – die Kreatur, die meine Ehefrau sein sollte, zitterte wie ein Kaninchen vor dem Wolf, der sie angeblich auserwählt hatte.

Die Ironie war so schneidend, dass ich sie aussprechen musste.

— Warum die Angst, Frau Volkov? — meine Stimme klang leise und rau im Inneren des Wagens. — Waren Sie es nicht selbst, die in die Höhle des Wolfes eindringen wollte?

Sie erschauerte, aber antwortete nicht. Ihr Schweigen war irritierender als jede Antwort. Bevor ich das kleine Monster weiter reizen konnte, hielt das Auto an.

"Wir sind da." Ich würde ihre ganze Familie bald dafür bezahlen lassen, beginnend mit ihr. Jede Demütigung, die sie für mich geplant hatten, würde doppelt zurückgegeben werden. Jedes falsche Lächeln würde mit Blut und Tränen ausgelöscht werden. Als ich die Tore der Villa sich öffnen sah, kamen die Blitze in meinem Kopf mit der Wucht eines Schlages zurück…

DIE BRATVA-PARTY, VOR ZWEI JAHREN…

Das gedämpfte Licht der Party, der erstickte Klang von teurem Jazz, der Geruch von Macht und Parfüm in der Luft. Und dann sie. Victoria Harrington. Blond, schlank, in einem Kleid, das mehr kostete als das Auto der meisten Männer. Und ihre blauen Augen… versprachen alles und bedeuteten nichts. Sie war die Art von Frau, die Schönheit als Waffe und Verführung als Tauschmittel einsetzte.

Sie war es, die mich in den Garten zog. Die Dreistigkeit hätte mich fast zum Lachen gebracht, fast.

— Wir dürfen nicht gesehen werden, Herr Volkov — flüsterte sie, ihre Finger glitten meinen Arm hinauf, bevor sie sich an meinem Nacken festhielten.

Und dann fanden ihre Lippen meine. Der kühne Kuss, beladen mit einer trainierten Sinnlichkeit, die eine Antwort hervorzurufen wusste. Und mein Körper reagierte, natürlich reagierte er. Jeder Mann mit Blut in den Adern hätte diesem Mund nachgegeben, der für die Sünde gemacht schien, und diesem Körper, der sich mit berechnetem Hunger gegen meinen presste.

Aber ich werde nicht nur von Verlangen angetrieben. Ich werde von Kalkül angetrieben.

Sie löste sich einen Zentimeter, außer Atem, ein triumphierendes Siegerlächeln auf den Lippen.

— Ich glaube, Sie sind nicht so kalt, wie man sagt, denn offenbar hat Ihnen mein Kuss gefallen. Schließlich waren Sie so still, aber… — Ihre Hand glitt von meiner Brust hinab, eine absichtlich langsame und provokante Berührung, die einen Feuerweg über mein Hemd zog. — …Ein anderer Mann hätte mich schon hier genommen, im Garten.

Das Verlangen, das in mir kochte, gefror augenblicklich und verwandelte sich in Verachtung. "Genommen?" Als wäre ich nur ein weiterer hungriger Hund, der einem Krümel folgt, den sie geruhte, hinzuwerfen. Als würde mein Wert sich darauf reduzieren, einer Frau zu Füßen zu fallen, die sich als Preis anbot.

Ich stieß sie mit einer Kälte von mir, die ihr Lächeln erlöschen ließ. Meine Stimme kam leise und schneidend.

— Verwechseln Sie mein Schweigen nicht mit Schwäche, Fräulein Harrington. Und denken Sie nicht, dass Ihr Angebot etwas ist, das ich begehre.

Ihre Augen weiteten sich. Die Arroganz wich einem Schimmer von Ungläubigkeit.

— Ich will Sie nicht — fuhr ich fort, jedes Wort ein Messer, das in ihr aufgeblähtes Ego gestoßen wurde. — Weder jetzt. Noch jemals. Sparen Sie Ihre Küsse für jemanden, der leichte Frauen mag.

Die Tränen kamen schnell, aber es waren Tränen des verletzten Stolzes, nicht des Schmerzes. Und sie berührten mich nicht. Ich werde nicht berührt.

Ich drehte mich um und ließ sie dort, zitternd vor Wut und Demütigung. In diesem Moment dachte ich, es sei das Ende. Ein abgeschlossenes Kapitel. Eine kleine Beleidigung, die ein verwöhntes Mädchen überwinden würde.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Die Verhasste Braut des Mafioso   KAPITEL 21

    ANGELINE HARRINGTONWährend ich die Details von Angelos Tod erzählte, blieb er stehen und beobachtete mich, während ich mein Gesicht mit dem Leinentaschentuch abwischte, das er mir gegeben hatte. Der Stoff war fein und weich, ein absurder Kontrast zur Brutalität seiner Hände. Der Zweifel verzehrte mich innerlich, eine stille Panik. Glaubte er es? Sein Blick war noch immer kalt, eisig. Ich konnte keine Reue oder Verständnis darin lesen. Nur eine intensive Analyse, als wäre ich ein Problem, das gelöst werden musste.Er näherte sich und setzte sich in den Sessel neben meinem. Ich kauerte mich zusammen und wich instinktiv zurück. Die bloße Wärme seines Körpers, so nah, verursachte mir schon physischen Ekel, ein Echo der Gewalt, die noch immer in mir schmerzte. Er bemerkte meinen Rückzug. Ein Muskel pulste in seiner Kiefer, aber er kommentierte es nicht. Stattdessen stellte er die Frage, die zählte:— Erzähl mir. Was wirklich in der Nacht zuvor geschah. Bevor du in jenem Zimmer neben mir a

  • Die Verhasste Braut des Mafioso   KAPITEL 20

    NIKOLAI VOLKOVUnd dann, zwischen Schluchzen und von Emotionen zerschnittenen Worten, ging die Geschichte weiter. Angelo war der einzige Sohn und auch der Liebling seiner Eltern.Dann erzählte sie die Details, die ihr am meisten schmerzten. Als Angelo sich über sie warf, um sie zu schützen, absorbierte er den gesamten Aufprall und starb sofort mit gebrochenen Knochen, während sie mit der Narbe im Gesicht davonkam. Die Trauer der Mutter, verwandelt in Hass. Das Exil im Kloster mit neun Jahren, die kindliche Hoffnung, Nonne zu werden, ein Opfer, um das Leben zu sühnen, das sie "gestohlen" hatte. Und dann, mit achtzehn, die stille Vertreibung zurück in ein Haus, das kein Zuhause war, in ein Leben des Dienens und der Unsichtbarkeit, zwei Jahre damit verbracht, der eigenen Familie als nichts weiter als eine Dienstmagd zu dienen.Ihre Worte schufen klare und schreckliche Bilder in meinem Kopf.Sie fuhr fort, die Stimme ein Faden des Schmerzes:— Sobald die Narbe verheilt war, schickten sie

  • Die Verhasste Braut des Mafioso   KAPITEL 19

    NIKOLAI VOLKOVSie zitterte, ich wusste, dass sie Angst vor mir hatte, und genau das wünschte ich mir von dieser entstellten Kreatur. Doch etwas in ihren Augen veränderte sich. Die Angst wich einer so tiefen und echten Verzweiflung, dass sie für einen Moment die Panik aufzulösen schien.— Warum? — die Frage kam wieder, aber diesmal war es kein Flüstern. Es war ein gedämpfter Schrei, beladen mit einem Schmerz, der weit über die Angst vor mir hinausging. — Warum hassen Sie mich so sehr?— Weil du akzeptiert hast! — schrie ich zurück und verlor für einen Moment die Kontrolle. — Du warst ein Teil ihres Plans! Es steht dir ins Gesicht geschrieben!Da explodierte sie. Nicht mit Gewalt, sondern mit einem Strom zitternder und verzweifelter Worte, als wäre ein jahrelanger Damm auf einmal gebrochen.— Ich habe Ihnen schon gesagt, dass es nicht wahr ist und…— Glaubst du wirklich, ich falle auf dein Gerede herein — fragte ich und unterbrach sie sarkastisch.— Ist es so unmöglich für den allmächt

  • Die Verhasste Braut des Mafioso   KAPITEL 18

    NIKOLAI VOLKOV Die Festung in Moskau war still, aber das Echo der Ratssitzung summte noch immer in meinen Ohren, lauter als jedes Geräusch. An meinem Schreibtisch sitzend, überprüfte ich keine Berichte über Schmuggel oder Truppenbewegungen. Ich las die Updates aus Dunyavin. Trockene Berichte, geschrieben von Agnessas fester und sparsamer Hand: "Tag 14. Die Herrin hat alles gegessen. Verbrachte den Nachmittag in der Bibliothek. Bat um mehr Papier." "Tag 16. Herrin las bis spät. Schlief gut. Zündete den Kamin selbst an." "Tag 18. Frau Volkov isst gut, mag die Bibliothek, liest viel. Schreibt gern auf, was sie lernt, in das Notizbuch, um das sie mich bat. Hat nie versucht zu fliehen." Die letzte Zeile schien von der Seite zu springen. "Hat nie versucht zu fliehen." Nicht aus Loyalität, natürlich. Weil sie nirgendwohin konnte. Die Logik war klar, aber ein Teil von mir bestand darauf, es als Akzeptanz zu sehen, eine Kapitulation, die ich nicht erobert hatte. Ich drückte einen Knopf a

  • Die Verhasste Braut des Mafioso   KAPITEL 17

    NIKOLAI VOLKOV Fast drei Wochen. Drei Wochen der Jagd, des kalten Blutes und der unerbittlichen Strategie. Jetzt, in meinem Büro, betrachtete ich den Abschlussbericht. Die gesamte Waffenlieferung war zurück in meinem Herrschaftsbereich. Ich konnte fast die ohnmächtige Wut von Ivan Tschernov auf der anderen Seite der Stadt spüren, und der Gedanke erfüllte mich mit einem sadistischen, tiefen und stillen Vergnügen. Die Anspannung der letzten Tage war jedoch noch immer in meinen Muskeln eingegraben, ein toxischer Rückstand, der ausgeräumt werden musste. Ich beschloss zu feiern. Nicht in einem schicken Restaurant, sondern im Klyk Zimy, meinem privaten Club. Ein Keller aus Sichtziegeln, blaues und rotes Neon, dichter Rauch und der schwere Rhythmus industrialer Musik. Es war ein Ort für Männer meiner Welt, um Dampf abzulassen. Starker Drink, Zigaretten und die devochki — die Mädchen —, die die ungeschriebenen Regeln eines BDSM-Clubs verstanden. Brutalität war dort eine offene Sprache, und

  • Die Verhasste Braut des Mafioso   KAPITEL 16

    ANGELINE HARRINGTON Als ich das bemerkte, spürte ich eine andere Kälte meinen Rücken hinunterlaufen. Er definierte die Grenzen meines Gefängnisses, und es war ein größerer Käfig, als ich mir vorgestellt hatte. Ein Käfig mit Bibliothek. — Danke, Agnessa — sagte ich und versuchte, die Stimme ruhig zu halten. Ich nahm einen Stapel Bücher. — Kann ich dich um noch etwas bitten? — Ja, Herrin. Ich bin hier, um Befehle zu empfangen. — Der Satz klang so seltsam in ihrem Mund. Befehle. Für sie war ich keine Gefangene, die Befehle gab; ich war ein Kanal, ein Übermittler von Nikolais Wünschen. — Könntest du mir ein Notizbuch besorgen? Und einen Stift? Sie runzelte leicht die Stirn. Notizbuch und Stift. Es waren keine Kleider, kein Essen. Es waren Werkzeuge. Werkzeuge zum Denken, zum Erinnern, vielleicht um mich mental ein wenig aus jener Hölle zu befreien. Sie verstand es nicht vollständig, aber sie nickte und akzeptierte. — So werde ich es tun. Wir gingen schweigend zu meinem Zimmer zurück

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status