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Author: King Emerald
last update publish date: 2026-10-06 06:21:31

SKY

Er hat mir das Genick – nein, die Wirbelsäule gebrochen. Ich hörte sie knacken ... ein schreckliches, trockenes Krachen, das durch meine Knochen hallte. Ich kriege kaum Luft. Der Schmerz brennt wie Feuer in mir und zieht meinen Rücken hinab.

„Das richtige Blut?“, höhnt Lamen. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was er damit meint. Er sagt das ständig, erklärt es aber nie. Vielleicht ist das einfach seine verdrehte Art, mich daran zu erinnern, dass ich hier nicht dazugehöre.

Ich bin dem Untergang geweiht. Völlig und absolut verloren. Das Einzige, was mich jemals bei Verstand gehalten hat, ist, dass ich mich in meine Bücher vergrabe. Jetzt kann ich nicht mal mehr stehen.

„Und bleib liegen, Schwächling, bevor ich dir als Nächstes den Arm breche“, knurrt Aria. Ihre Stimme trieft vor grausamer amüsiertem Spott. Das ist wohl ihre Art von Kompliment.

Ich bleibe, wo ich bin, mit dem Gesicht im Schlamm, und versuche, mich nicht zu rühren. Der Schmerz ist unerträglich. Mein Rücken fühlt sich an, als wäre er zerrissen worden, und ich kann das Schluchzen nicht unterdrücken, das mir entfährt. Warum will mich das Rudel nicht? Warum hassen sie mich so sehr?

Ich habe meinen Vater schon so oft dasselbe gefragt. „Lamen mobbt mich, Vater. Er tut mir weh. Kannst du ihn nicht stoppen? Warum nennen sie mich ständig unrein? Ich bin ein Silbermond-Wolf, genau wie der Rest von ihnen!“

Aber Lucien, mein Vater, der Alpha des Silbermond-Rudels und ein kalter, scharfer Geschäftsmann, sah mich dann immer nur mit diesem leeren Blick an, den er seit dem Tod meiner Mutter trug. Seine Stimme klang stets distanziert, ruhig und grausam.

„Das ist ein Übergangsritus“, pflegte er zu sagen. „Du bist der Erbe, Sky. Du musst anfangen, dich auch so zu benehmen. Vielleicht respektiert Lamen dich, sobald du dich das erste Mal verwandelst.“ Dann wandte er sich ab und ertrank in Papierkram, als wäre ich gar nicht da.

Seit dem Tod meiner Mutter geht er mir völlig aus dem Weg. Vielleicht liegt es daran, dass ich ihr zu ähnlich sehe, mit ihren weichen Lippen und der zarten Nase. Aber ich habe genauso gelitten wie er. Nur weigert er sich, es zu sehen.

Ich drücke mein Gesicht tiefer in die feuchte Erde, während sich meine Tränen mit dem Schlamm vermischen. Wut, Angst, Trauer – alles bricht gleichzeitig in mir zusammen.

Der Wald um mich herum verdunkelt sich, als die Dämmerung einsetzt. Der Himmel färbt sich violett und die Schatten werden lang und schwer. Ich versuche, meine Hüfte zu bewegen, in panischer Angst, meine Wirbelsäule könnte zerschmettert sein. Schmerz durchfährt mich, scharf und unerbittlich, aber ich kann mich bewegen. Kaum, aber es geht.

Ich halte mir den Rücken, spucke Blätter aus und stöhne auf. Ich muss hier weg. Ich muss das überstehen.

Der einzige Gedanke, der mich antreibt, ist, dass ich bald zum Studieren nach New York gehen werde, weit weg von diesem verfluchten Rudel und ihrer Grausamkeit. Nur noch ein paar Wochen, dann bin ich frei.

Ich ziehe mich hoch, zitternd, während meine Knochen knacken und meine Tränen wieder fließen. Mein Körper brennt dort, wo Lamen mich getreten hat, und eine seltsame Hitze pulsiert an dieser Stelle. Das ist nicht normal, aber irgendwie hilft es mir immer, zu heilen.

Um stark zu bleiben, denke ich an meine Mutter, meine sanfte, wunderschöne Wölfin. Sie war silberfarben und strahlend, anmutig wie das Mondlicht. Sie konnte schneller laufen als der Wind. Ich möchte eines Tages genau wie sie sein. Ich will eine Wölfin haben, die stark genug ist, um sich zu wehren, um mich vor dieser endlosen Pein zu schützen.

Als ich zurück auf das Gelände des Silbermond-Rudels hinke, hat sich der Nebel ausgebreitet und hüllt alles in eine gespenstische Stille. Niemand ist zu sehen. Das ist ohnehin nie der Fall.

Ich schaffe es bis zu den Duschen und stelle mich unter das heiße Wasser, bis meine Haut brennt. Die Wärme lindert die blauen Flecken an meinem Rücken und meinen Beinen. Als ich schließlich in den Spiegel blicke, starren mir meine smaragdgrünen Augen entgegen – müde, eingefallen und voller Schmerz.

Ich untersuche den Mal auf meinem Rücken, der noch immer schmerzt. Ich kenne das Prozedere. Ein Bad in Epsom-Salz, dann ab ins Bett in dem kleinen Dachboden, in dem ich hausen muss.

Diese Nacht wälze ich mich unruhig im Bett, während der Schmerz durch meinen Körper strahlt. Als ich aufwache, bewege ich mich vorsichtig und merke dann, dass ich mich völlig frei bewegen kann. Der Schmerz ist weg. Völlig.

Ich drehe mich zum Spiegel um, beuge mich nach vorne und berühre meine Zehen. „Es ist, als wäre nie etwas gewesen“, flüstere ich. Meine Augen weiten sich vor Unglauben. Mein Körper heilt schneller, als er sollte. Niemand versteht das, nicht einmal ich.

Unten sitzt Lucien bereits in der Küche und liest Berichte. „Morgen“, murmelt er, ohne aufzusehen.

„Du bist letzte Nacht spät reingekommen. Extra gelernt?“

Mein Magen zieht sich zusammen. Lamen besucht oft die Hauptquartiere meines Vaters. Er ist wie der Lieblingsschützling meines Vaters – ein Wolf, den er seit seiner Kindheit für die Führung vorbereitet hat. Schon damals war Lamen ein Tyrann, der jeden schwächeren schikanierte. Meine Mutter war die Einzige, die jemals für mich eingestanden ist.

„Lass ihn in Ruhe, Lucien“, pflegte sie zu sagen, wenn mein Vater Lamen lobte. „Dieser Junge ist grausam. Das ist keine Stärke, das ist Wildheit.“

Aber sie ist jetzt fort, und mein Vater sieht in ihm nur den Anführer, der er sein soll.

Als Lamen hineingeht, erstarrt er beim Anblick von mir, wie ich aufrecht und unversehrt dastehe. Schock huscht über sein Gesicht. Sein Kiefer spannt sich an, aber als mein Vater sich zu ihm umdreht, erzwingt Lamen ein Lächeln. Es erreicht nicht seine Augen.

Es ist ein kleiner Sieg für mich, auch nur einen Hauch von Verwirrung in seinem Ausdruck zu sehen. Ich mag zwar geheilt sein, aber die Erinnerung an seinen Stiefel auf meiner Wirbelsäule bleibt. Die Angst schwindet nicht.

Ich halte den Blick gesenkt, als ich den Kühlschrank öffne, und tue so, als würde ich ihn nicht bemerken.

„So in etwa“, murmelle ich als Antwort auf die Frage meines Vaters.

„Hmph.“ Luciens Brummen ist abwimmeln, er ist schon wieder bei seiner Arbeit.

Lamen grinst, seine Stimme trieft vor Spott. „Morgen, Sky.“

„Morgen, Lamen“, antworte ich knapp mit gepresster Stimme. Ich kann es nicht ertragen, mit ihm im selben Raum zu sein. Mein Puls rast. Ich schnappe mir ein paar Snacks und eile zur Tür, in der Hoffnung, dass er mir nicht folgt.

„Pass auf, wenn du durch diesen Wald gehst“, ruft er mir nach, sein Tonfall verspielt und grausam. „Man weiß nie, wer da draußen ist.“

Mein Herz klopft wild. Ich sehe nicht zurück.

Wenn meine Mutter noch am Leben wäre, hätte sie mich beschützt. Das hat sie immer getan.

Aber jetzt habe ich nur mich selbst und die schwache Hoffnung, dass meine Wölfin eines Tages stark genug sein wird, um sich zu wehren.

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