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Author: King Emerald
last update publish date: 2026-10-06 06:26:12

SKY

Ich werfe einen letzten Blick in den Spiegel und betrachte den unordentlichen Dutt, den ich mithilfe eines Videos im Internet gelernt habe. Er ist nicht perfekt, aber für heute Abend muss er reichen. Meine Finger glätten den weichen Stoff meines nachtblauen Kleides, das ich mit monatelangem Trinkgeld und Ersparnissen aus dem Jersey Store gekauft habe, dem kleinen Café, in dem ich seit Jahren arbeite. Jede Münze, die ich gespart habe, ist in dieses Kleid geflossen, obwohl ich es im Handumdrehen gegen einen echten Freund im Rudel eintauschen würde, wenn ich könnte.

Meine grünen Augen schimmern im schwachen Licht, mit demselben smaragdgrünen Glanz, der nie zu verblassen scheint, selbst wenn ich innerlich verletzt bin. Ein wenig Make-up lässt meine blasse Haut strahlen, und ich trage einen durchsichtigen Lipgloss auf meine Lippen auf, bevor ich hinaus in die Nachtluft trete. Meine Absätze klackern leise, während ich über den Innenhof zur Halle des Silver Moon Rudels gehe. Mit jedem Schritt wird mein Puls schneller.

Die Halle ist mit silbernen und blauen Girlanden geschmückt, die im Licht schimmern. Wölfe aller Ränge füllen den Raum, lachen, reden und warten. Mein Herz rast, als ich eintrete. Niemand dreht sich nach mir um. Das ist in Ordnung. Ich bevorzuge es so. Ich hebe mein Kleid leicht an, damit ich nicht stolpere, und sehe mich still in meiner Umgebung um.

Heute Nacht ist die Nacht meiner ersten Verwandlung. Mitternacht wird meine Verwandlung markieren, den Moment, in dem ich endlich eine von ihnen werde, ein vollständiger Wolf. Doch die Geschichten, die ich gehört habe, lassen sich mein Magen zusammenziehen.

„Ich dachte, meine Knochen würden brechen.“

„Mein Wolf war so groß, dass ich mich selbst nicht wiedererkannt habe.“

„Danach konnte ich nicht aufhören, nach Fleisch zu verlangen.“

Ihre Worte gehen mir immer wieder durch den Kopf. Ich habe noch nie eine Verwandlung gesehen, sondern nur die Geräusche gehört. Das Knacken. Das Schreien. Ich umklammere den Rand des Tisches, während mein Kopf immer benommener wird. Wo ist Lamen? Warum muss ich ständig an ihn denken? Sein Name hallt immer wieder in meinem Kopf wider, bis ich kaum noch atmen kann. Meine Brust zieht sich zusammen. Die Luft fühlt sich schwer an. Meine Haut brennt, und die Hitze breitet sich aus, bis ich das Gefühl habe, in Flammen zu stehen.

„Alles Gute zum Geburtstag, Sky. Viel Glück bei deiner ersten Verwandlung. Möchtest du etwas Punsch?“

Susans Stimme schreckt mich auf. Sie lächelt höflich, aber ihre Augen sind stumpf und leblos. Ich schaffe ein kleines Nicken und halte mir die Kehle.

„Ist Alkohol darin?“, frage ich, meine Stimme zittert höher, als ich beabsichtigt habe.

„Oh ja“, sagt sie, fast amüsiert. „Du wirst ihn brauchen. Die Verwandlung beginnt bereits.“

Schweiß läuft meine Schläfe hinunter. Der Raum fühlt sich plötzlich kleiner an. Dann spüre ich es, diese vertraute, mächtige Präsenz. Mein Herz setzt kurz aus. Lamen. Er ist hier.

Ich drehe mich um, gerade als er hereinkommt, ganz in Schwarz gekleidet. Sein Anblick raubt mir den Atem. Seine Bewegungen sind stark und sicher, jeder Schritt erfüllt von Selbstvertrauen.

Dieselbe dunkle Energie geht von ihm aus und zieht mich wie ein Magnet an. Mein Körper reagiert, bevor mein Verstand hinterherkommt, und Hitze sammelt sich tief in meinem Bauch. Ich flehe den Mondgott stumm an, dies nicht geschehen zu lassen. Bitte, lass Lamen nicht mein wahrer Gefährte sein. Jeder außer ihm.

Aber es ist zu spät. Jeder Atemzug von ihm passt sich meinem an. Ich kann spüren, wie sein Herzschlag sich mit meinem synchronisiert. Schneller. Härter. Näher.

Er bleibt nur wenige Zentimeter vor mir stehen, sein Atem streift mein Gesicht. Meine Wangen brennen. Ich sehe wahrscheinlich schrecklich aus. Ohne ein Wort zieht er ein Taschentuch aus seiner Tasche und wischt mir sanft den Schweiß von der Stirn. Die Geste lässt sich mein Magen vor Verwirrung zusammenziehen. Der Raum um mich herum verblasst. Es gibt nur ihn und mich.

Susan reicht mir den Punsch, aber mein Blick bleibt auf ihn gerichtet. Ich nehme einen zittrigen Schluck und hoffe, dass er weggeht. Das tut er nicht.

„Lauf nicht vor mir weg“, murmelt er mit tiefer, rauer Stimme. „Du bist es. Du bist meine Gefährtin. Ich kann es fühlen. Ich kann es bis von meinem Haus aus riechen.“

Mein Atem stockt. „W-wovon redest du?“, flüstere ich und klammere mich an meine Verleugnung.

„Du weißt, wovon ich rede“, sagt er sanft. „Ich werde dir nicht mehr wehtun. Nicht jetzt, da ich weiß, dass du mir gehörst. Wir sollten irgendwo unter vier Augen reden.“

Der Alkohol brennt meine Kehle hinunter und gibt mir falschen Mut. „Vergiss es, Lamen“, schaffe ich zu sagen. „Ich gehe nirgendwo mit dir hin.“

Für einen Moment wird sein Gesicht weicher, die Kälte verschwindet. „Ich hasse dich nicht“, sagt er mit rauer Stimme. „Ich wollte dich schon immer. Ich mochte dich.“

Er greift nach meiner Hand, seine Finger schließen sich um meine. Mein Körper verrät mich und zittert unter seiner Berührung. Ich bemerke die Rundung seiner Lippen, die Wärme in seinen Augen, die vorher nicht da gewesen war.

„Du hast eine seltsame Art, es zu zeigen“, flüstere ich.

„Lass uns reden“, besteht er darauf. „Du siehst wunderschön aus, Sky. Ich möchte die Dinge wieder in Ordnung bringen. Für alles, was ich getan habe.“

Schmerz liegt in seiner Stimme, vielleicht sogar Reue. Ich möchte ihm glauben, aber mein Herz rast zu schnell, als dass ich klar denken könnte. Mein Körper fühlt sich zu ihm hingezogen, wie von einer magnetischen Kraft, die ich nicht erklären kann. Dann finden seine Lippen meine, bevor ich mich davon abhalten kann.

Die Welt verschwindet. Sein Mund ist warm, hungrig. Meine Arme legen sich um seinen Hals, seine Hände gleiten über meine Taille. Der Kuss wird intensiver und raubt mir den Atem. Ich verliere mich darin, bis die Realität wieder über mich hereinbricht.

Ich ziehe mich benommen zurück. Der Raum dreht sich. „Warte, du hast eine Freundin. Aria. Was ist mit ihr?“

Er schüttelt den Kopf, seine Augen auf meine gerichtet. „Mach dir keine Sorgen um sie. Du bist meine wahre Gefährtin, Sky. Es tut mir leid wegen allem.“ Er küsst sanft meine Hände. Mein Verstand schreit nein, aber mein Körper sehnt sich nach ja.

Dann knistert das Mikrofon. Mein Vater, Lucien Silver, steht mit einem Glas in der Hand auf der Bühne und lächelt die Menge an.

„Nun, es sieht so aus, als hätten wir hier eine Gefährtenbindung“, verkündet er. „Lamen, habe ich recht?“

Lamen nickt langsam, während er noch immer meine Hand hält. Meine Stimme bleibt mir im Hals stecken. Ich kann nicht sprechen.

Im Raum breiten sich geflüsterte Stimmen aus. Aria steht nahe der Vorderseite. Ihr cremefarbenes Kleid leuchtet unter den Lichtern, und ihr Gesicht ist vor Wut verzerrt. Mein Magen sinkt. Ich bin in einem Albtraum gefangen, aus dem ich nicht aufwachen kann.

Lucien hebt sein Glas. „Dann ist es beschlossen. Mit der Besiegelung durch einen Kuss haben wir ein neues Gefährtenpaar. Eine Paarungszeremonie wird sofort arrangiert!“

Die Menge murmelt, einige missbilligend, andere fassungslos. Mein Kopf dreht sich. Mein Herz hämmert so stark, dass ich kaum atmen kann.

Diese Nacht sollte meine erste Verwandlung markieren, einen Moment des Stolzes. Stattdessen ist sie im Chaos versunken. Und ich habe keine Ahnung, wie ich daraus entkommen soll.

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