Share

2. Die Scheidung

Author: HusnaS
last update publish date: 2026-08-31 04:26:57

Sie liebte ihn und wollte sein Kind bekommen.

War das ein Verbrechen?

Eine Ehe sollte ein Bund gegenseitigen Einverständnisses sein, in dem das Paar harmonisch zusammenlebte. Doch sie hatte nicht einmal das Recht, ihre Herzenswünsche auszusprechen.

Seine Worte fielen wie eiskaltes Wasser über sie, löschten die Wirkung des Weins und dämpften ihre Hoffnung.

Haley wurde sofort nüchtern, während Kummer ihr Herz umklammerte. „Liam, glaubst du, ich habe dich nur wegen des Geldes geheiratet?“

Mit diesen Worten hatte Haley nicht gerechnet.

Durch ihr Handeln war ihre aufrichtige Liebe offensichtlich.

Während er die meisten Nächte außer Haus verbrachte, hielt sie ihm ein perfektes Zuhause bereit, zu dem er zurückkehren konnte.

Sie beklagte sich nie und verlangte nie seine Zuneigung, sie gab nur und nahm nie.

Warum konnte er das nicht sehen?

Das Misstrauen in seinen Augen, als er sie ansah, schmerzte mehr als Dolche, die ihr Herz durchbohrten.

Wenn sie doch nur seine Gedanken lesen könnte, seinen Verstand.

„Was soll ich denn sonst denken!“, spie Liam hervor, unwissend um die giftige Wirkung seiner Worte auf ihr Herz. Oder vielleicht wusste er es genau. „Haley Nash, überschreite nicht deine Grenzen. Ich werde niemals Kinder mit dir haben. Vergiss nie, wie du es überhaupt erst angestellt hast, mich zu heiraten!“

Seine Worte waren nicht nur beleidigend, sondern auch herzzerreißend, und machten sie zu einer verzweifelten Frau, die nach seiner Zuneigung hungerte.

Wo hatte sie einen Fehler gemacht?

Sie hatte ihm ihr Herz geschenkt, und er hatte keine Mühe, es bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu zerbrechen.

„Du bist immer noch nicht über Lisa hinweg, oder?“

Haley hätte diese nun offensichtliche Wahrheit nicht aussprechen sollen.

Damals war Lisa das einzige Hindernis auf dem Weg zu ihrem Glück gewesen, dem Mann, den sie liebte.

Während sie sich verzweifelt nach ihm sehnte, hatte er ihr nie auch nur einen Blick geschenkt. Seine Augen galten nur Lisa.

Doch ähnelte Leah nicht sehr stark Lisa, seiner Ex?

Anstatt Haleys Gefühle anzuerkennen, hatte er all die Liebe, die er für seine Ex empfand, auf Leah übertragen.

Für ihn war Leah ein Spiegel, der seine erste Liebe, Lisa, widerspiegelte.

Liam beantwortete ihre Frage nicht, seine dunklen Augen verengten sich zu Schlitzen, die Gefühle darin unlesbar. Er verließ den Raum und knallte die Tür zu.

Verzweiflung nährte ihren Kummer, und Haley eilte vom Bett und lief ihm nach. Wütend wischte sie sich die Tränen weg und beeilte sich, zu ihm aufzuschließen.

„Lass uns scheiden lassen“, platzte es aus Haley heraus.

Liam blieb mitten im Schritt stehen. Sein Rücken war ihr zugewandt, sein Körper erstarrte.

Ein Moment der Stille verging, erfüllt von Spannung. Haley beobachtete ihn mit angehaltenem Atem, ihr Herzschlag beschleunigte sich.

„In Ordnung.“ Er ging weiter.

Ohne ihr auch nur einen Blick zuzuwerfen, ging der Mann davon.

In Ordnung.

Nur in Ordnung?

Haley lachte auf, ihr Lachen vermischt mit Tränen.

Drei Jahre lang hatte sie sich über die Maßen abgemüht, nur um dem Mann zu gefallen, den sie liebte.

Sie war die perfekte Ehefrau gewesen, die beste Schwiegertochter. Wann immer er krank nach Hause kam, hatte sie die ganze Nacht wachgesessen, um ihn zu pflegen.

Während sie ihre eigene Krankheit stets vor ihm verbarg, um ihn nicht zu belasten. Sie mochte blass und zerbrechlich ausgesehen haben, doch er hatte ihr nie auch nur einen Blick geschenkt, geschweige denn gefragt, wie es ihr ginge.

Trotzdem hatte Haley sich nie beklagt. Sie wollte nur perfekt für ihn sein, sein kaltes Herz eines Tages zum Schmelzen zu bringen.

Doch ihr Scheidungsvorschlag wurde nur mit einem einzigen, fast bedeutungslosen Wort quittiert. „In Ordnung.“

Es zeigte, dass es ihm nie etwas bedeutet hatte und niemals würde.

Hätte sie das doch nur früher erkannt.

Am ersten Tag, an dem sie ihn im College gesehen hatte, hatte er ihr Herz gestohlen.

Das war das Bizarrste, was ihr je widerfahren war.

Damals war er mit Lisa zusammen gewesen. Sie hatte es nicht gewagt, das fünfte Rad am Wagen zu sein.

Haley hatte den Mut gefunden, ihm ihre Gefühle zu gestehen, als Lisa ihn verließ und fallen ließ. Sie hatte ihm Trost angeboten und sich bemüht, sein Herz zu heilen.

Sie hatte hart daran gearbeitet, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen, sich bei seiner Familie beliebt zu machen und dafür das Glück ihrer eigenen Familie geopfert.

Ihre harte Arbeit zahlte sich aus, als Liam sie schließlich bemerkte. In dem Glauben, er habe Lisa vergessen, heiratete Haley ihn glücklich.

Doch der Albtraum begann in ihrer Hochzeitsnacht.

Er stellte Regeln für sie auf:

Intimität sollte nur einmal im Monat stattfinden.

Sie durfte ihn mit keinem Kosenamen ansprechen.

Sie durfte weder für ihn kochen noch seine Sachen anfassen.

Sie durfte nicht mehr verlangen, als er ihr gab.

Sie durfte ihre Beziehung niemals öffentlich machen.

In dem Glauben, er brauche nur Zeit, um sich an sie zu gewöhnen, hatte sie keine Einwände erhoben.

Tränen trübten Haleys Blick.

Sie lehnte sich an die Wand und blinzelte auf den Bildschirm ihres Handys, der plötzlich aufleuchtete.

Eine Nachrichtenbenachrichtigung erschien. Sie fragte sich, wer ihr um diese Uhrzeit noch schrieb, und öffnete die Nachricht.

[Ich bin schwanger. Es wird Zeit, dass ich die neue Mrs. Nash werde.]

Eine Nachricht von seiner Sekretärin. Genauer gesagt, von seiner Geliebten, Leah.

Haley umklammerte das Handy, ihr Körper zitterte.

Der Nachricht beigefügt war ein Screenshot eines Schwangerschaftstestergebnisses.

Es stellte sich heraus, dass Liam Babys gar nicht hasste. Er wollte nur keines mit ihr!

Wie enttäuschend, dass sie ihre Zeit damit verschwendet hatte zu glauben, er möge einfach keine Babys.

Was hatte es für einen Sinn, an einem Mann festzuhalten, der sie nicht wertschätzte?

Haley wischte sich die Tränen ab.

Sie hatte immer wieder gezögert, wenn ihr der Gedanke kam, den Mann einfach zu verlassen, weil ein Teil von ihr stets Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sie beide gehegt hatte.

Doch jetzt erschien diese Zukunft lächerlich, fast schon zum Lachen.

Selbst Leah, die er erst vor drei Monaten eingestellt hatte, war nun schwanger mit seinem Kind.

Je mehr Haley an diesem Mann festhielt, desto mehr genoss er es, sie zu zerbrechen, sich an ihrem Elend zu weiden.

In jener Nacht holte Haley das Dokument hervor, das sie in einer dunklen Ecke des Kleiderschranks versteckt hatte.

Als sie es anstarrte, pochte ihr Herz heftig, ein Teil von ihr starb in diesem Moment,

ein Schmerz, hervorgerufen durch den Anblick, wie ihre jahrelange harte Arbeit direkt vor ihren Augen zerbröckelte.

Sie atmete tief durch und unterdrückte die Tränen, die sie nun mehr als alles andere hasste,

Tränen, die sie daran erinnerten, wie schwach und hilflos sie sich reduziert hatte, nur um Liebe zu erbetteln.

Nie wieder.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Die geschiedene Erbin schlägt zurück   40. Bei klarem Verstand

    Richtig!Warum war Liam nicht darauf gekommen?Es war der schnellste Weg, herauszufinden, ob Haley oder seine Mutter die Wahrheit sprach.Aber dann,Brauchten sie die Überwachungskamera wirklich?Wie konnte er die offensichtliche Wahrheit leugnen, wenn sie direkt vor ihm lag?Sollte sich herausstellen, dass seine Mutter log, würde das sie nicht nur öffentlich demütigen,Ihr Ruf wäre auch dahin.„Mein Enkel ist wie immer klug.“ Großmutter Lily nickte nachdenklich. „Mary, hol die Sicherheitsleute, damit sie die Überwachungsaufnahmen von letzter Nacht überprüfen.“„Haley, Liebes…“, wandte sich Großmutter Lily ihr zu, umfasste ihre Wangen. „Großmutter wird dir diesmal Gerechtigkeit verschaffen. Diese böse Frau wird heute ihre Lektion lernen.“Während sich Veras Pupillen zusammenzogen, ihr Gesicht erblasste, war die Ehrlichkeit in Haleys trüben Augen deutlich zu erkennen.Liam rutschte unbehaglich hin und her.Als die Haushälterin davonging, räusperte er sich. „Mary, komm zurück.“„Häh?“ D

  • Die geschiedene Erbin schlägt zurück   39. Ihrem Aufenthalt ein Ende setzen

    Die Luft gefror, und eine ohrenbetäubende Stille senkte sich herab.Liam erstarrte auf der Stelle, sein Blick fest auf seinen Bruder gerichtet,und das Mädchen, das bei ihm war.Haley?Sie sah nicht nur mitgenommen und staubig aus, sie wirkte auch schwach, lehnte sich zur Unterstützung an seinen Bruder.„Aaaaahhh!“ Ein schriller Schrei durchdrang die Atmosphäre.Der Schrei kam von niemand anderem als der Frau, die nun zitternd in Liams Armen lag.Seine Mutter sprang buchstäblich auf ihre Füße.War sie nicht bewusstlos gewesen?Doch niemand schenkte ihr Aufmerksamkeit, da sich alle um Daryl versammelten.„Unmöglich, es ist der zweite junge Herr!“„Oh mein Gott! Er ist zurück!“„Der zweite junge Herr lebt!“„Wie unglaublich!“Die Diener sprangen aufgeregt umher, klatschten und lächelten.Während Großmutter Lily noch mehr Tränen vergoss. „Mein lieber Enkel, wo warst du? Wie bist du zurückgekommen? Ich, ich habe mir große Sorgen gemacht. Wurdest du entführt, Liebes?“Doch vor fünf Jahren

  • Die geschiedene Erbin schlägt zurück   38. Vergesst die Suche

    Der Keller war schon immer Daryls Lieblingsversteck gewesen.Er hatte manchmal den ganzen Tag dort verbracht, ohne dass es jemand bemerkte, bis er sich irgendwann entschied, wieder herauszukommen.„Ah! Der Keller! Sie haben recht, junger Herr!“, rief die Dienerin aus.Doch auf Liams Mutters Gesicht lag ein alarmierter Ausdruck. „Seit Jahren hat niemand mehr diesen Keller besucht! Wie kann sich dort ein Mensch verstecken?“„A-Aber, gnädige Frau, wir haben überall sonst gesucht, außer-“„Halt den Mund!“, schnitt Vera der jungen Dienerin mit einer schallenden Ohrfeige das Wort ab.Ihre Handlung kam so plötzlich, dass alle zusammenzuckten, einschließlich Liam.„Du! Vera, warum bist du so grob? Warum kannst du den Dienerinnen gegenüber keine Gnade zeigen?“, starrte Großmutter Lily sie missbilligend an.„Siehst du nicht, dass sie respektlos ist, Mutter? Wie kann sie es wagen zu sprechen, während ich am Sprechen war?“Die junge Dienerin hatte nur einen einfachen Satz gesagt, den jeder hier h

  • Die geschiedene Erbin schlägt zurück   37. Eine ergebnislose Suche

    Instinktiv trat sein Bein auf die Bremse, und das Auto kam mit quietschenden Reifen zum Stehen.Liam musste das Telefon von seinem Ohr nehmen, um den Kontakt genauer zu betrachten.Derjenige, der vermisst wurde?Sein Bruder?„Sind Sie sicher, dass er es ist?“„Meine Leute lügen nie, Herr Nash“, antwortete die andere Person. „Ich habe das Foto an Ihr Handy geschickt.“Ein Foto?Hoffnung vermischt mit Verwirrung brachte Liam dazu, in seine Medien-Nachrichten zu schauen, ohne sich darum zu kümmern, aufzulegen.Er klickte auf das Foto.Er ist es.Es war sein Bruder.Erinnerungen strömten sofort zurück, beim Anblick dieser vertrauten Gestalt, die aus dem Flughafen schritt.Eine Reisetasche hing über seiner Schulter, und die andere Hand streckte er aus, als versuche er, ein Taxi anzuhalten.Es war derselbe Kerl, der vor fünf Jahren verschwunden war.Obwohl er auffällige Kleidung trug, ein gelbes T-Shirt mit roter Sonnenbrille, würde Liam diese Gesichtszüge, die den seinen so stark ähnelten,

  • Die geschiedene Erbin schlägt zurück   36. Ein ungutes Gefühl

    Vera ließ Haley los.Den Kopf zurückwerfend, lachte die Frau so laut, dass ihre bedrohliche Stimme die Wände erzittern ließ.Der Leibwächter lachte mit, hielt sich den Bauch und zeigte auf Haley.„Hast du sie gehört, Gary? Haley will, dass ich vor ihr auf die Knie gehe“, sagte Vera spöttisch und ahmte eine Kinderstimme nach.Dann seufzte sie. „Also stimmen die Gerüchte, dass die dumme Frau meines Sohnes psychische Probleme entwickelt hat.“„Tss, tss, tss.“ Vera schnalzte mit der Zunge und schüttelte den Kopf. „Wenn du es eines Tages schaffst, mich zum Knien zu bringen, Haley, kann ich mich auch gleich umbringen.“„Ist das so?“, hob Haley amüsiert eine Augenbraue. „Vera Nash, vergiss niemals dein Versprechen.“Vera winkte abweisend ab und verdrehte die Augen. „Ich werde meine Zeit nicht an ein verrücktes Mädchen wie dich verschwenden. Gib ihr nur einmal am Tag zu essen, Gary. Haley bleibt in diesem Keller eingesperrt, bis sie ihre Lektion gelernt hat und sich bei mir entschuldigt.“„Fü

  • Die geschiedene Erbin schlägt zurück   35. Bettle sie an

    ...Haleys Augenlider flatterten, und allmählich verwandelte sich die Dunkelheit in ein verschwommenes Weiß.Die Augen zusammenkneifend, bewegte sie ihre Glieder, kämpfte darum, sich aufzusetzen.Warum fühlte sich ihr Körper so wund an?Was machte sie an einem solchen Ort?Abgesehen von den winzigen Rissen in den Wänden, die Lichtstreifen hereinließen, war überall Dunkelheit.Ihr Kopf pochte leicht vor Schmerz, und Haley stützte ihn mit beiden Händen, ließ ihre Gedanken zur vergangenen Nacht wandern.Verdammt!Sie war entführt worden.Wo war sie?Alarmiert kroch Haley vom Boden hoch, ihre Augen huschten voller Angst durch den weiten Raum.Gepackte Kisten standen in einer Ecke, und viel staubiges Haushaltszeug.Haley durchwühlte eine der Kisten, hustete heftig, während Staub durch die Luft flog.Neben den Kisten kniend, fischte sie ein kleines Gerät heraus, das eher wie ein Spielzeugtelefon aussah.Haley fischte weitere Sachen heraus, darunter einige Schuhe und Kleider.Der Raum bestan

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status