로그인Talias PerspektiveIch saß auf einem Stuhl auf der Terrasse und nippte an meiner zweiten Tasse Tee. Nach dem Gespräch mit Jason war ich erleichtert. Vielleicht war diesmal endlich in seinen Dickschädel vorgedrungen, dass wir nie wieder zusammenkommen würden.Solon kam in einem grauen T-Shirt und einer schwarzen Jogginghose auf mich zu. Sein Haar war leicht zerzaust, und unter seinen Augen lagen dunkle Ringe. Er setzte sich neben mich.„Morgen“, sagte er.„Morgen“, erwiderte ich und stellte meine Tasse auf den Tisch.Solon gab einem Omega ein Zeichen. Der Omega schenkte ihm Kaffee ein und ging wieder. „Du siehst erholt aus“, sagte Solon und musterte mein Gesicht.„Du siehst müde aus. Harte Nacht?“„Ich würde sie nicht als hart bezeichnen“, sagte Solon. „Nur als lang. Ich bin überrascht, dass du nicht auch müde aussiehst.“„Warum sollte ich?“, fragte ich und seufzte. „Du hast von Jasons Wutanfall gehört?“„Jeder hat davon gehört“, sagte er. „So etwas spricht sich schnell herum,
Talias PerspektiveIch zog mich schnell um und schlüpfte in ein weiches, blaues Kleid. Ich band mir die Haare zurück und legte die Rosecrest-Halskette weg. Meine Hände zitterten vor Anspannung – nicht aus Vorfreude, sondern weil ich bereit war, die Sache endlich hinter mich zu bringen.Als ich aus meinem Zimmer trat, wartete Jason bereits im Flur.„Du siehst wunderschön aus“, sagte er.Ich verdrehte die Augen und ging an ihm vorbei. „Lass uns gehen.“Wir schwiegen, bis wir den Wagen erreichten, der draußen auf uns wartete. Die Fahrt nach Fangvale dauerte nur wenige Minuten, doch jede Sekunde kam mir länger vor, als sie hätte sein sollen. Jason saß mir gegenüber und spielte nervös an seinen Manschetten herum, als suchte er nach etwas, das er sagen konnte. Ich blickte weiter auf die Straßen, die hinter dem Fenster vorbeizogen.Das Eclipse gehörte zu den vornehmsten Lokalen in Fangvale. Es hatte polierte Marmorböden, Kristalllüster und goldverzierte Wände, an denen Porträts früherer
Talias PerspektiveIch hatte nicht damit gerechnet, dass Nolan vortreten würde.Einen Moment lang dachte ich, er würde vielleicht auf halbem Weg stehen bleiben, doch das tat er nicht. Della hatte wieder einmal recht gehabt. Ich wusste nicht, was Nolan dachte, aber langsam sah es so aus, als hätte er überhaupt nicht vor, mich zurückzuweisen.Neben mir versteifte sich die Haltung meines Vaters. Solons Gesichtsausdruck war noch eindeutiger. Seine Augen verengten sich zu einer stummen Warnung. Beide Männer bewahrten ihre Fassung, doch ich spürte ihre Missbilligung so deutlich, als hätten sie sie laut ausgesprochen.„Dann soll es so sein“, sagte mein Vater.„Danke, Eure Majestät“, erwiderte Nolan mit einem Lächeln.Mein Vater antwortete Nolan nicht, sondern wandte sich an die übrigen Alphas. „Genießt eure Zeit hier in Silverfang, aber verlasst das Gebiet bitte nach Einbruch der Dunkelheit. Möge die Mondgöttin euren Weg für immer segnen.“Der Saal leerte sich langsam. Ich wusste, dass
Jasons PerspektiveWie erstarrt stand ich zwischen den versammelten Alphas und konnte den Blick nicht von Talia abwenden. Dieselbe Frau, die ich gedemütigt und zurückgewiesen hatte, stand vor uns und trug das königliche Wappen von Silverfang. Und offenbar hatten es alle anderen gewusst, nur ich nicht.Die Lügen, die Geheimniskrämerei, der unerklärliche Schutz, den sie genossen hatte – plötzlich ergab alles Sinn. Talia war nie Solons Spielzeug gewesen. Er hatte lediglich auf seine Schwester aufgepasst.„Du hast voreilige Schlüsse gezogen und sie beleidigt“, knurrte mein Wolf. „Du hast verdient, dass man dich angelogen hat.“Ich schluckte schwer und zwang mich, gleichmäßig zu atmen. Um mich herum bewahrten die anderen Alphas ihre Fassung. Mein Blick traf Nolans. Sein Mund verzog sich zu etwas zwischen Belustigung und Verachtung. Ich konnte seinen unausgesprochenen Gedanken beinahe hören: Ich, Alpha Jason vom Shadowclaw-Rudel, war wieder einmal der Narr im Raum.Scham brannte in mir,
Nolans PerspektiveDas Zeremoniengelände war bereits um acht Uhr morgens voll. Alle Alphas der großen Rudel hatten sich versammelt. Ihre Banner in verschiedenen Silber-, Gold-, Karmesinrot- und Blautönen hingen an den Außenmauern. Zwischen den alten Kiefern waren Lichterketten gespannt, deren Schein sich auf dem polierten Stein und den silbernen Verzierungen spiegelte. Seit der letzten Feier war die Bühne neu aufgebaut worden. Die breiten Stufen, die zu einem Altar hinaufführten, waren mit weißem Stoff und Schalen voller Mondlilien geschmückt.Ich saß in der ersten Reihe.Um mich herum unterhielten sich die Leute. Ich musste nicht genau hinhören, um zu wissen, worüber sie sprachen. Die Nachricht, dass ich den Alpha-König vergiftet hatte, hatte sich schnell verbreitet, und die Tatsache, dass ich noch lebte, schien sie zu beunruhigen. Niemand wagte es, meinem Blick lange standzuhalten.Ich hatte mich längst daran gewöhnt, dass die Leute mich mit Angst, Neugier und kaum verhohlenem Mi
Talias PerspektiveDer Morgen der Opferzeremonie kam schneller, als ich erwartet hatte. Ich hatte kaum geschlafen, weil mir der Kuss mit Nolan einfach nicht aus dem Kopf ging. Della hatte mir Kaffee gebracht und mir so gekonnt Make-up aufgetragen, dass die dunklen Ringe unter meinen Augen kaum noch zu sehen waren.Sie stand hinter mir und brachte die letzte Locke meiner Frisur in Form. „Halt still“, sagte sie, während ihr vor Konzentration leicht die Zungenspitze zwischen den Lippen hervorschaute.„Das sagst du schon seit einer Stunde“, stöhnte ich.Della funkelte mich durch den Spiegel an. „Weil du ständig den Kopf bewegst. Ich schwöre dir, wenn du dich noch einmal bewegst, fange ich von vorne an.“„Das würdest du nicht wagen!“„Probier es aus“, sagte Della grinsend.Ich blieb vollkommen still, und nach weiteren zehn Minuten trat Della einen Schritt zurück. „So. Fertig.“Bevor ich antworten konnte, klopfte es an der Tür.Della ging zur Tür und öffnete sie. Leslie stand im Tür







