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Kapitel 76

Author: Judith GW
Talias POV

Als ich endlich erwachte, fühlte ich mich, als hätte mich ein LKW überfahren. Mein Körper schmerzte, als hätte ich die ganze Nacht trainiert. Ich blinzelte mehrmals und wartete, bis sich meine Augen an das Licht gewöhnt hatten.

„Du bist wach!“, sagte Solon. Er setzte sich auf den Stuhl neben mein Bett und ergriff sofort meine Hand. „Wie fühlst du dich?“

„Als wäre ich überfahren worden“, gab ich mit einem leisen Stöhnen zu. Ich sah mich um und bemerkte, dass ich nicht in meinem schö
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  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   300

    Nolans Perspektive„Nein, nein, dem kann ich nicht zustimmen. Leslie hat bestätigt, dass der Trank echt ist. Wir sollten nicht über etwas nachdenken, das gar nicht passieren wird“, sagte ich.„Unterschätzen Sie Jason nicht“, entgegnete Rudolf.„Ich habe die Bedingungen selbst festgelegt. Zwanzig Wachen werden ihn überwachen. Wenn er morgen etwas versucht oder sich abtrünnige Wölfe nähern, wird er getötet. Ich habe die Sicherheitsvorkehrungen so lückenlos wie möglich gestaltet“, erklärte ich ihm.„Ich weiß, und ich bin Ihnen dankbar dafür, wie Sie die Sache geregelt haben. Aber ich kenne Jason länger als jeder andere hier, und vor ihm kannte ich bereits seinen Vater. Ich habe keinem von beiden jemals vertraut.“Ich sah zu Solon, als er das Zimmer betrat. Ein Blick genügte, um zu erkennen, dass er bereits wusste, vor welchem Dilemma ich stand, und instinktiv suchte ich bei ihm Unterstützung. Sicherlich würde er nicht gutheißen, was der Alpha-König von mir verlangte.„Er hat recht,

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   299

    Nolans Perspektive„Natürlich vertraue ich dir“, antwortete Talia.„Dann lass ihn ausruhen“, bat Leslie eindringlich. Über Talias Kopf hinweg traf ihr Blick meinen, und sie nickte mir kaum merklich zu. Ich verstand. Ich legte einen Arm um Talias Schultern und drehte sie sanft von der Tür weg.„Talia. Komm schon. Lass uns gehen.“„Nolan, ich will ihn sehen.“„Du wirst ihn morgen doch ohnehin sehen.“Talia zögerte. Solon sagte: „Mach dir keine Sorgen, Talia. Leslie und ich werden auf ihn aufpassen. Wenn er aufwacht, sagen wir dir Bescheid.“„Versprichst du es?“„Ich verspreche es“, sagte Solon, und Leslie nickte.Talia ließ sich von mir umdrehen, blieb aber zunächst stehen. Ich wartete. Nach einem Moment machte sie von sich aus den ersten Schritt, und ich begleitete sie den Flur entlang zurück, während sie sich schwer an meine Seite lehnte.Wir aßen in unserem Zimmer. Talia sagte wenig, aß aber alles auf. Über unsere Gefährtenbindung spürte ich ihre Unruhe. Ich stellte für sie

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   298

    Talias Perspektive„Gut. Ich werde dafür sorgen, dass er es allen im Empfangssaal verkündet“, sagte ich. „Danach wirst du zur Grenze begleitet und nie wieder hierher zurückkehren.“„Nein, so funktioniert das nicht“, erwiderte Jason.„Was soll das heißen? Ich habe doch zugestimmt“, gab ich zurück. Ich erklärte mich bereits bereit, seine Forderungen zu erfüllen. Was wollte er denn noch?„Dir vertraue ich, Talia, aber denen nicht.“ Jason zeigte auf Nolan und Solon. „Dein Vater muss es an der Grenze tun, nicht unter demselben Dach wie all die Leute, die mich tot sehen wollen. Betrachte es als Absicherung, damit ich das Ganze überlebe. Ich bin sicher, du verstehst das.“Meine Wölfin knurrte in mir. ‚Wir können ihm nicht vertrauen. Jedes Wort, das er sagt, ist gelogen.‘Es war klug von Jason, das zu verlangen. Er hatte recht mit seiner Annahme, dass die anderen ihr Wort brechen würden. Alpha Landon und Colin waren zwei unberechenbare Faktoren, die ihn töten würden, sobald sich ihnen di

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   297

    Jasons PerspektiveAls Leslie sprach, blitzte Hoffnung in Talias Gesicht auf, und ich hätte beinahe gelächelt. Dieser Hoffnungsschimmer erfüllte mich mit düsterer Genugtuung. Genau das wollte ich. Ich wollte, dass sie gerade genug Hoffnung für ihren Vater schöpfte, damit ich es auskosten konnte, sie wieder zu zerstören. Alles lief noch immer nach Plan.Schon Talias Auftreten beim Hereinkommen hatte alles verraten. Sie war außer sich gewesen und hatte darum gekämpft, die Fassung zu bewahren. Sie war verzweifelt. Etwas war schiefgelaufen, und jetzt blieb ihr nichts anderes übrig, als meine Forderungen in Betracht zu ziehen.Ich steckte den Korken wieder in das Fläschchen und hielt es zwischen meinen Fingern hoch. Dabei beobachtete ich, wie ihre Augen ihm folgten. Ihre Kiefermuskeln spannten sich an, und sie presste die Lippen zusammen. Ich tat so, als würde ich es fallen lassen, nur um die Panik kurz in ihren Augen aufblitzen zu sehen. Ihr Atem stockte, und ein leichtes Zittern verrie

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   296

    Talias PerspektiveMein Vater sah noch schlechter aus als gestern. Der Geruch des Todes hing im Zimmer. Er ließ mir die Nackenhaare zu Berge stehen.Von seinem Arm und seiner Brust führten Schläuche zu den Geräten neben seinem Bett. Das einzige Geräusch war das langsame, gleichmäßige Piepen des Monitors. Jeder Ton ließ die Stille noch bedrückender wirken. Sein Hut war verschwunden und gab den Blick auf sein silberweißes Haar frei, das feucht an seiner Stirn klebte. Seine Haut war geisterhaft blass und wirkte beinahe wächsern.Zum ersten Mal hatte meine Wölfin nichts Tröstendes zu sagen. Sie lief rastlos in mir auf und ab. Ihr Schweigen verstärkte meine Beklemmung nur noch.Ich stand in der Tür und brachte es nicht fertig, hineinzugehen.„Leslie, was ist mit ihm passiert? Heute Morgen ging es ihm noch gut. Er hat das gesamte Erntetreffen geleitet. Warum hat sich sein Zustand so schnell verschlechtert?“, fragte ich.Leslie stand mit einer Patientenakte in der Hand neben dem Bett. S

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   295

    Talias Perspektive„Ich habe die Angriffe der abtrünnigen Wölfe auf mein Gebiet bereits abgewehrt“, erklärte Kent. „Ich werde den Wiederaufbau meines Rudels selbst übernehmen. Ich sehe keinen Grund, den Alpha-König mit Angelegenheiten zu belasten, die in meinen eigenen Zuständigkeitsbereich fallen. Ich bin sicher, dass es andere Rudel gibt, die Ihre Hilfe dringender benötigen als ich.“Henry wandte sich Kent zu. Die Überraschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Landons Kiefermuskeln spannten sich an, und seine Nasenflügel bebten vor Wut. Solon warf mir einen besorgten Blick zu. Auch die anderen Alphas wirkten sichtlich aufgebracht. Wir alle dachten dasselbe. Der unausgesprochene Vorwurf war eindeutig.Verräter.Kent musste uns für Narren halten. Glaubte er wirklich, wir würden ihm abnehmen, dass ein Alpha ohne Wolf mit seinem kleinen Rudel einen ebenso schweren Angriff abtrünniger Wölfe abwehren konnte wie den, der Lonefur beinahe lahmgelegt und dessen Alpha fast das Leben gekost

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