DER ALPHA'S BLINDE LUNA

DER ALPHA'S BLINDE LUNA

last updateLast Updated : 2026-10-03
By:  Nyakno Quinn Ongoing
Language: Deutsch
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Luna ist seit ihrer Kindheit blind und wird von ihrem Rudel als schwach angesehen. Als das Schicksal offenbart, dass sie die vorherbestimmte Gefährtin des mächtigen Alpha ist, hofft sie auf ein neues Leben. Doch Verrat, dunkle Geheimnisse und gefährliche Feinde stellen ihre Liebe auf die Probe. Während ihr Band zum Alpha immer stärker wird, muss Luna ihren eigenen Wert erkennen und beweisen, dass wahre Stärke nicht in den Augen, sondern im Herzen liegt.

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Chapter 1

Kapitel 1: Verkauft unter einem Silbermond

Verkauft unter einem Silbermond

Der Rauch roch falsch, und daran erkannte ich, dass jemand im Begriff war, mein Leben zu ruinieren.

Es war nicht der ehrliche Rauch des Küchenherds, nach Eiche, Zwiebelschalen und verbranntem Zucker. Dieser Rauch war dünn und sauer, so wie er in einem Raum hängt, nachdem ein Mann eine Stunde lang darin gelogen hat. Ich stand im Flur des Moonrise-Rudelhauses, einen Korb mit gefalteter Wäsche auf der Hüfte, und tat, was ich immer tat. Ich blieb ganz still und lauschte.

Hinter der Tür des Arbeitszimmers raste das Herz meines Stiefvaters.

„Sie wird es tun“, sagte Alpha Garrick Moore. Seine Stimme hatte den zu glatten, zu einstudierten Klang eines Mannes, der von einer Seite in seinem eigenen Kopf abliest. „Sie hat keine Wahl, und sie hat niemanden. Sie ist dankbar für jedes Dach, das wir ihr geben.“

„Dankbar“, wiederholte eine andere Stimme. Älter. Trocken. Beta Halvard, der nie meinen Namen gesagt hatte, ohne das Wort „arme“ davorzusetzen.

Ich wartete nicht ab, von wem die Rede war. Ich wusste es längst. Es gibt im Moonrise-Rudel nur eine Person, über die man in diesem Ton sagt, sie sei dankbar.

Mein Name ist Seraphina Vale. Alle nennen mich Sera. Ich bin zweiundzwanzig Jahre alt, ich bin seit zwölf davon blind, und ich kann dir die genaue Zahl der Schritte von der Waschküche bis zu Garricks Arbeitszimmer nennen. Einundvierzig. Zweiundvierzig, wenn ich etwas Schweres trage und müde bin.

Ich stellte den Korb langsam ab, damit das Weidengeflecht nicht knarrte, und legte die Handfläche flach an die Wand. Das Holz war warm von der Nachmittagssonne. Ich konnte die Sonne nicht sehen, aber ich spürte, wo sie hinfiel, und das war fast dasselbe.

„Der Ironfang-Alpha will eine Braut“, sagte Garrick. „Der Rat von Ironfang besteht darauf. Ein Blutsband zwischen unseren Rudeln, oder der Vertrag geht in Flammen auf. Du weißt, was das für uns bedeutet, Halvard. Keine Getreidelieferungen mehr. Kein Schutz an der Grenze. Wir werden vor dem Winter von Abtrünnigen aufgefressen.“

„Dann gib ihm eine von uns, die einen Raum betreten kann, ohne gegen die Möbel zu laufen.“

Etwas Kleines, Heißes drehte sich in meiner Brust um. Es war keine Überraschung. Überraschung ist ein sauberes Gefühl. Dies hier war älter und schmutziger, wie ein blauer Fleck, auf den so oft gedrückt wurde, dass er nicht mehr berührt werden muss, um zu schmerzen.

„Es wird ihm gleichgültig sein“, sagte Garrick. „Er ist ein Biest, Halvard. Man hat ihn nicht mehr lächeln sehen, seit er sechzehn war. Gib ihm ein Mädchen, das sich nicht beschwert und nichts verlangt, und er wird sie in einem Hinterzimmer abstellen und vergessen, dass es sie gibt. Es ist eigentlich eine Gnade. Sie wird zu essen haben, sie wird sicher sein, und sie wird nicht länger unsere Last sein müssen.“

Unsere Last.

Die Worte trafen genau dort, wo sie immer trafen. Ich hob das Kinn, obwohl mich niemand sehen konnte, denn ich hatte mir vor langer Zeit geschworen, niemals vor einer Wand zusammenzuzucken.

Dann nahm ich meinen Wäschekorb, ging einundvierzig Schritte zurück zur Waschküche und faltete die Handtücher zu Ende.

Darin bin ich gut. Weiterzumachen. Es ist das einzige Talent, das ich nie üben musste.

* * *

Sie sagten es mir beim Abendessen.

Der Speisesaal von Moonrise roch nach gekochter Gerste und altem Fett, und das Geräusch von vierzig Wölfen, die schweigend essen, ist ein ganz besonderes Geräusch. Es ist Gabelklirren auf Tellern, Atem durch Nasen, Stühle, die rücken, während alle so tun, als hörten sie nicht zu, wenn jemand gleich gedemütigt wird.

„Seraphina.“ Garrick stellte seinen Becher ab. „Ich habe Neuigkeiten.“

„Über den Vertrag?“, sagte ich.

Im Saal wurde es auf eine neue Art still.

Das Herz meines Stiefvaters stockte, nur ein einziges Mal, wie ein Wagenrad, das an einem Stein hängen bleibt. „Wer hat es dir gesagt?“

„Niemand. Du läufst seit einer Woche herum wie ein Mann, der ein glühendes Stück Kohle trägt.“ Ich faltete meine Serviette auf dem Schoß. „Es ist Ironfang, nicht wahr? Sie wollen eine Braut.“

Jemand hustete. Jemand anderes, ein Mädchen am anderen Ende des Tisches, flüsterte meinen Namen, und es klang zugleich wie eine Entschuldigung und eine Warnung.

„Du reist im Morgengrauen ab“, sagte Garrick. Er fragte nicht, ob ich verstand. Er fragte nicht, ob ich Angst hatte. „Eine Kutsche bringt dich zur Grenze, und die Eskorte von Alpha Kaelen wird dich dort empfangen. Du wirst höflich sein. Du wirst still sein. Du wirst nichts tun, was dieses Rudel in Verlegenheit bringt.“

„Und wenn er mich nicht will?“

„Er hat den Vertrag unterzeichnet. Er will, was der Vertrag ihm bringt.“

„Das habe ich nicht gefragt.“

Die Stille zog sich lang genug, dass ich die Kerzenflammen im Luftzug sich neigen hörte. Ich hörte die alte Uhr in der Ecke. Ich hörte, irgendwo hinter mir, einen Jungen namens Pell, der sich große Mühe gab, nicht zu weinen.

„Sera“, sagte Garrick, und seine Stimme wurde weich, in jener falschen Sanftheit, die er sich für Gelegenheiten aufsparte, bei denen er etwas wollte. „Du bist zweiundzwanzig. Du kannst nicht ewig die Küchen führen. Du kannst nicht innerhalb des Rudels heiraten, weil dich niemand nehmen würde. Das ist deine Chance, etwas zu werden. Eine Luna.“

Da war die Lüge. Ich hörte sie in seiner Brust lügen.

Niemand in Ironfang würde mich Luna nennen. Und Garrick wusste das. Er wollte nur, dass ich es lange genug glaubte, um in die Kutsche zu steigen.

Ich hätte widersprechen können. Ich hätte aufstehen und sagen können, dass ich ein Mensch war und keine Bezahlung, und dass er, wenn er seine Stieftochter gegen Getreide eintauschen wollte, wenigstens den Mut haben sollte, mir dabei ins Gesicht zu sehen.

Aber ich hatte mit zehn Jahren etwas gelernt, als ich in der Asche des Hauses meiner Mutter stand, die Augen verbunden und die Hände voller Blasen. Ich hatte gelernt, dass die Lautesten nicht immer die sind, die gewinnen. Manchmal gewinnen die, die schweigen und sich alles merken.

Also sagte ich nur: „Ich brauche die Decke meiner Mutter.“

„Gut.“

„Und meinen Stock.“

„Gut.“

„Und ich will, dass im Vertrag steht“, sagte ich, „dass ich keine Geisel bin. Dass ich ein Gast des Ironfang-Rudels bin und gehen darf, wenn ich es will.“

Garricks Herz setzte wieder aus. Diesmal heftiger. „So funktionieren diese Dinge nicht.“

„Dann finde heraus, wie sie funktionieren“, sagte ich sanft, „und frag nach.“

Ich stand auf, schob meinen Stuhl heran und ging aus dem Speisesaal, die Schritte zählend wie ein Gebet.

Zwölf bis zur Tür. Neun bis zur Treppe. Siebzehn bis zu meinem Zimmer.

Hinter mir fing jemand wieder an zu atmen.

* * *

Ich schlief nicht.

Stattdessen saß ich auf der Kante meines schmalen Bettes, die Decke meiner Mutter im Schoß und den Anhänger, den sie mir hinterlassen hatte, warm am Schlüsselbein. Es war eine kleine, glatte Scheibe an einem Lederband, geformt wie eine Mondsichel. Ich trug ihn jeden Tag seit dem Feuer. Niemand hatte mir je gesagt, woher er kam. Ich wusste nur, dass er in manchen Nächten, wenn der Mond voll war, warm wurde, als würde er zuhören.

Heute Nacht war er sehr warm.

„Mama“, sagte ich in die Dunkelheit, eine Angewohnheit, die ich nie abgelegt habe. „Sie verkaufen mich an ein Monster.“

Die Dunkelheit antwortete nicht. Das hatte sie nie getan. Aber der Anhänger pulsierte einmal an meiner Haut, sanft wie ein Atemzug, und zum ersten Mal seit Jahren hatte ich das seltsame Gefühl, dass doch etwas im Raum antwortete.

Ich erinnerte mich dann an das Feuer, wie immer, wenn ich Angst hatte.

Ich erinnerte mich an die Hitze, die drückte wie eine Hand. Ich erinnerte mich an die Stimme meiner Mutter, die meinen Namen durch eine Wand aus Lärm schrie, an den Geschmack von Asche und an einen fremden, süßen Geruch, der sich durch den Rauch zog. Nicht Holz. Nicht Stoff. Etwas wie zerdrückte Lilien und Eisen.

Ich hatte ihn nie wieder gerochen. Kein einziges Mal in zwölf Jahren.

Und ich hatte nie jemandem davon erzählt, denn als ich es das erste Mal erwähnte, war ich zehn Jahre alt, verbunden, und Garrick hatte sich neben mein Bett gekniet und ganz leise gesagt: „Liebes, da war kein Geruch. Du bist verwirrt. Die Ärzte sagen, dein Verstand hat Schaden genommen.“

Ich erinnerte mich dann auch an sein Herz. Es hatte gerannt wie ein Kaninchen.

Eine Weile hatte ich ihm geglaubt. Kinder wollen dem glauben, der ihre Hand hält.

„Ich werde es herausfinden“, flüsterte ich. „Eines Tages. Koste es, was es wolle.“

Der Anhänger wurde wärmer, und ich schlief ein, das Versprechen noch im Mund.

* * *

Vor dem ersten Licht klopfte es.

Es war kein freundliches Klopfen. Es waren zwei scharfe Schläge, so, wie ein Mann klopft, der glaubt, die Tür schulde ihm etwas.

„Sera.“ Garrick wartete nicht darauf, hereingebeten zu werden. Die Scharniere seufzten, und der Geruch seines Kölnischwassers rollte ihm voraus, schwer und süßlich, als wollte er etwas Saures darunter überdecken. „Ich habe dir etwas mitgebracht.“

Papier raschelte. Ein gefaltetes Blatt wurde mir in die Hand gedrückt.

„Die Vertragsklausel, die du wolltest“, sagte er. „Sie besagt, dass du Gast bist. Sie besagt, dass du gehen darfst. Bist du zufrieden?“

Ich fuhr mit dem Daumen über die Seite. Lesen konnte ich sie natürlich nicht. Aber ich spürte die erhabene Tinte einer Unterschrift und das Siegelwachs, das unten abkühlte.

„Lies es mir vor“, sagte ich.

Er zögerte. „Sera, es ist spät.“

„Lies es bitte vor.“

Also tat er es, mit steifer, widerwilliger Stimme, und ich lauschte jedem Wort und jedem Herzschlag dahinter. Die Klausel war da. Sie war echt. Darüber hatte Garrick nicht gelogen.

Gelogen hatte er über den Grund, warum er es so eilig hatte, mich aus seinem Haus zu bekommen.

„Du hast vor etwas Angst“, sagte ich, als er geendet hatte.

„Sei nicht lächerlich.“

„Du fasst dir ständig an den Kragen. Das tust du, wenn du Angst hast. Das hast du auch in der Nacht nach dem Feuer getan.“

Der Raum wurde kalt.

Ich hörte, wie sein Atem stockte. Ich hörte, wie das Papier in seinen Fingern zitterte, bevor er es mir aus der Hand riss. „Du bist müde“, sagte er, und seine Stimme war dünn und brüchig geworden. „Du bist überreizt. Es wird dir besser gehen, sobald du dich in Ironfang eingelebt hast, und du wirst aufhören, dir Dinge einzubilden.“

„Ich bilde mir nichts ein“, sagte ich leise.

„Schlaf, Seraphina.“

Er ging zu schnell. Er vergaß, die Tür zu schließen. In der leeren Stille danach saß ich da, die gefaltete Decke im Schoß und den Anhänger brennend an meiner Kehle, und dachte, ganz klar, zum ersten Mal seit zwölf Jahren:

Er hat mich nicht deshalb nicht aufgehalten, weil er mich loswerden will.

Er will mich weit weg von allem, woran ich mich erinnern könnte.

* * *

Die Kutsche fuhr im Morgengrauen ab.

Ich wusste, dass es Morgengrauen war, weil die Luft diese dünne, klare Kühle hatte und weil die Vögel in den Bäumen stritten wie ein Ausschuss. Niemand kam, um mich zu verabschieden, außer Pell, der mir eine Handvoll getrockneter Äpfel in die Hand drückte und flüsterte: „Bitte komm zurück.“

„Ich werde es versuchen“, flüsterte ich zurück, was alles war, was ich ehrlich versprechen konnte.

Die Reise zur Grenze dauerte den größten Teil des Tages. Ich zählte die Unebenheiten der Straße, bis ich den Überblick verlor, und zählte dann stattdessen die Herzschläge der beiden Kutscher vorne. Einer gleichmäßig. Einer nervös. Der nervöse roch nach Schweiß und abgestandenem Bier.

Als wir hielten, war das Licht, das durch das Kutschenfenster fiel, erst golden und dann silbern geworden. Ich spürte es auf der Wange. Der Abend nahte, und mit ihm der Mond.

„Das ist der Grenzübergang“, sagte der gleichmäßige Kutscher. „Die Eskorte von Ironfang wartet.“

Ich stieg vorsichtig hinab, den Stock voran. Der Boden war kalt und uneben, und die Luft roch nach Kiefern, nassem Stein und etwas, das weit größer war als beides. Wölfe. Dutzende. Ich hörte sie, bevor ich begriff, was ich hörte. Stiefel auf Kies. Das tiefe Grollen von Atem. Das leise, unruhige Verlagern großer Körper, die versuchten, still zu bleiben.

Und dann, durch alles hindurch, ein einzelnes Geräusch, das ich nicht ignorieren konnte.

Ein Herzschlag.

Er war langsam und schwer und mächtig, wie eine Trommel, die in einer Kathedrale geschlagen wird. Er setzte nicht aus. Er stockte nicht. Er beschleunigte nicht vor Nervosität wie jeder andere Herzschlag um mich herum. Er schlug einfach, beständig wie ein Versprechen, und jedes Mal antwortete der Anhänger auf meiner Brust mit einem eigenen Puls.

Ich blieb stehen.

„Miss Vale“, sagte eine fröhliche Stimme links von mir. „Ich bin Fenn Ashgrove, der Gamma von Ironfang. Willkommen, und bitte erschreckt Euch nicht über seinen Gesichtsausdruck, denn er sieht jeden so an.“

„Wer?“, sagte ich, obwohl ich es längst wusste.

„Er.“

Der gleichmäßige Herzschlag kam näher. Kies knirschte. Die Luft veränderte sich, wurde wärmer, und ich nahm einen Geruch wahr, so plötzlich und so stark, dass ich beinahe meinen Stock fallen ließ.

Zedernrauch. Regen auf heißem Stein. Etwas Dunkles, Wildes und unmöglich, erschreckend Vertrautes, wie ein Lied, das ich in einem anderen Leben gehört hatte.

Irgendwo neben mir hörte Fenn auf zu reden.

Irgendwo vor mir stieß ein Mann einen Laut aus, halb Knurren, halb ein Atemzug, der ihm aus der Brust geschlagen wurde.

„Kael?“, sagte Fenn leise. „Was ist los?“

Der gleichmäßige Herzschlag stolperte zum ersten Mal.

„Nichts“, sagte eine tiefe Stimme, rau wie eine Klinge, die über Stein gezogen wird. „Es ist nichts.“

Es war die größte Lüge, die ich je gehört hatte.

Dann sagte er, ganz leise, als wäre das Wort ihm gegen seinen Willen entrissen worden:

„Mein.“

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