LOGINKlappentext Ein uralter Vertrag bestimmt das Gesetz des Landes: Wölfe beherrschen den Wald, Sirenen die Tiefe, und das Überschreiten der Grenze bedeutet das automatische Todesurteil. Als Lorelei, eine seltene Sirenen-Hybrid-Ausgestoßene, blutend und stimmlos an den verbotenen Ufern des Wolfsgebiets angespült wird, scheint ihr Schicksal besiegelt. Alpha Killian findet sie während einer routinemäßigen Grenzpatrouille, seine Klinge bereits gezogen, um die schöne Eindringlingin hinzurichten. Doch in dem Moment, in dem sich ihre Augen treffen, erkennt sein ungezähmter Wolf die stumme Fremde als seine vorherbestimmte Gefährtin. Um ihr Leben zu retten, widersetzt sich Killian den Gesetzen seines Rudels. Er schmuggelt sie in sein Rudelhaus und tarnt sie als stumme menschliche Dienstmagd. Durch die erzwungene Nähe entflammt eine gefährliche Anziehungskraft zwischen dem unnachgiebigen Jäger und seiner stummen Gefangenen. Doch das Rudelhaus der Werwölfe ist kein Ort für ein Meereswesen. Ihr verbotener Geruch ist eine tickende Zeitbombe, der Rudelrat wird zunehmend misstrauisch und die menschlichen Behörden rücken immer näher an die Grenze heran. Schlimmer noch: Eine dunkle Bedrohung aus Loreleis Vergangenheit steigt aus den Tiefen empor, um ihr Blut einzufordern. Wird Killians eiserner Beschützerinstinkt seine versteckte Gefährtin retten, oder wird ihre verbotene Liebe einen blutigen Krieg auslösen, der beide Welten zerstört?
View MorePOV: Lorelei
Das Wasser gibt mich frei wie einen ungewollten Auswurf der Tiefe. Ich werde an den steinigen, grauen Saum des Weeping Shore geschleudert, jener verbotenen Grenze, an der die dunklen Wellen des Sees auf die unerbittliche Erde der Blackwood-Wölfe prallen. Meine Lungen brennen wie Feuer, gefüllt mit dem stechenden Geschmack von Salz, Schlamm und abgestandenem Flusswasser. Jeder Atemzug ist ein mechanischer Kampf, ein Keuchen gegen die Kälte, die sich wie tausend Eiskristalle in meine Haut gräbt.
Ich versuche mich aufzurichten, doch meine Glieder sind bleischwer. Mein feines Seidenhemd ist zerrissen und klebt wie eine zweite Haut an meinem gequälten Körper, blutverschmiert und durchnässt. Mein Schlüsselbein pocht in einem unregelmäßigen Rhythmus, und der schreckliche, brennende Schmerz in meiner Kehle schnürt mir die Luft ab. Königin Neridas Fluch sitzt wie ein glühendes Eisenband an meinem Hals. Ich öffne den Mund, will nach Luft schnappen, will schreien, will fliehen – doch kein Laut verlässt meine Lippen. Nur ein heiseres, jämmerliches Krächzen geht im Rauschen der Brandung unter. Ich bin stumm. Ausgestoßen. Verraten.
Instinktiv krabbele ich auf allen vieren rückwärts, die nasskalten Kieselsteine bohren sich in meine Handflächen. Ich will zurück in die schützende Dunkelheit des Wassers, will mich in die Tiefe fallen lassen, wo mich niemand findet. Doch als meine Fingerspitzen den Schaumrand berühren, zieht sich der See vor mir zurück. Die Wellen peitschen wild auf, als würden sie vor mir zurückschrecken. Das Wasser weist mich ab. Ich bin nicht mehr Teil der Tiefe; ich bin eine Verräterin, eine Ausgestoßene, die von ihrer eigenen Königin zum Tode verurteilt wurde.
Ein dumpfes, rhythmisches Beben läuft durch den Boden.
Das Knacken von Unterholz. Das schwere, unverkennbare Atmen von Raubtieren.
*Sie sind da.*
Panik schießt wie flüssiges Gift durch mein Blut. Sie haben mich gefunden. Die Grenzwachen des Blackwood-Rudels. Das bedeutet kein Verhör, kein Gnadenrecht und kein Zurück. In diesem verfluchten Grenzland bedeutet das Eindringen nur eines: den sofortigen Tod bei Morgengrauen. Ich presse mich gegen einen moosbewachsenen Felsen, die Finger krampfhaft in den schlammigen Boden gegraben, während mein Herz wie ein wild gewordener Vogel gegen meine Rippen hämmert.
Aus dem dichten Nebel, der sich wie ein Leichentuch über die Kiefern legt, bricht eine Gestalt hervor.
Ein Mann. Oder vielmehr eine Naturgewalt in Menschengestalt.
Er ist ein Monolith aus purer Muskelkraft und gefährlicher Eleganz, gekleidet in dunkles Leder und Pelz, das Haar zottig und schwarz wie die finsterste Nacht. Seine Präsenz erdrückt den Raum um ihn herum, eine Aura von absoluter Herrschaft und ungezähmter Wildheit. Doch was mich erstarren lässt, sind seine Augen: Sie leuchten in einem unheimlichen, silbern besprenkelten Glanz, der mich mit klinischer, kalter Präzision mustert.
Er bleibt abrupt stehen. Seine Stiefel knirschen auf dem Kies.
In seiner Rechten hält er ein langes, schweres Schwert, dessen Klinge im trüben Mondlicht bläulich schimmert. Es ist kein gewöhnlicher Stahl; es ist eine Waffe, geschmiedet, um Fleisch und Knochen von Kreaturen wie mir zu trennen.
Er sieht auf mich herab. Sein Blick ist frei von Mitleid, frei von Überraschung. Es ist der Blick eines Henkers, der seine Arbeit verrichtet, bevor der Tag anbricht.
„Du hast die Grenze des Blackwood-Gebiets überschritten“, knurrt er, und seine Stimme ist ein tiefes, raues Beben, das durch den leeren Raum meiner Lungen hallt. „Du weißt, was das bedeutet.“
Ich schlucke hart. Der Schmerz in meinem Hals brennt unerträglich, als ich den Mund bewege, um zu flehen, um ihm zu erklären, dass ich nicht freiwillig hier bin, dass eine Königin mich vernichten wollte.
*Bitte…*
Ich presse die Lippen aufeinander. Nichts passiert. Kein Laut dringt heraus. Nur ein klägliches Würgen, das im Wind verweht.
Ein Schatten der Verachtung huscht über sein hartes, wie aus Granit gemeißeltes Gesicht. Er hebt das schwere Schwert an. Die Spitze der silbernen Klinge schwebt nur wenige Zentimeter von meiner bloßen, zitternden Kehle entfernt. Die Kälte des Metalls beixt in meine Haut. Er holt aus, sein Griff verfestigt sich, bereit, den finalen, unumkehrbaren Hieb zu führen.
„Schade um die Mühe“, murmuliert er kalt. „Der Pakt ist Gesetz.“
Und in diesem Bruchteil einer Sekunde – kurz bevor der Stahl niedersaust – geschieht etwas, das jede Logik, jedes Gesetz und jede Jahrhunderte alte Feindschaft zerreißt.
Der Alpha stoppt. Mitten in der Bewegung.
Die Farbe weicht aus seinem Gesicht. Seine breiten Nüstern blähen sich wild auf, als würde er die feuchte Luft nach einer Bedrohung absuchen. Er zieht den Geruch zwischen uns ein – und plötzlich versteinert sein ganzer Körper. Die unerbittliche Anspannung in seinen Muskeln schlägt in blanken, panischen Unglauben um.
Tief in seinem Inneren, so tief, dass es selbst durch seine Zähne als ein unkontrolliertes, markerschütterndes Knurren nach außen bricht, meldet sich eine Stimme. Eine uralte, grausame Instinktgewalt, die nicht ihm gehört, sondern dem Tier in seiner Brust.
*Mine.*
Der Laut hallt wie ein Donnerschlag über den See. Killian starrt mich an, als hätte er gerade einen Geist gesehen. Seine silbernen Augen weiten sich, und der mörderische Hass darin wird augenblicklich von etwas weggewischt, das noch viel gefährlicher ist: einem dunklen, alles verschlingenden Hunger.
Doch im selben Moment zuckt sein Gesicht vor Verwirrung zusammen. Er atmet ein zweites Mal tief ein, sein Blick wandert über meine durchnässte Haut, über die schimmernden, fast unsichtbaren Schuppen an meinem Schlüsselbein, die vom Wasser des Sees zurückgeblieben sind.
Er riecht es.
Er riecht nicht nur das Salz des Flusses und das Ozon der Grenze. Tief unter dem Geruch von Blut und Schlamm liegt etwas anderes. Etwas Fremdes. Etwas, das niemals in den Wäldern der Wölfe existieren darf. Der Duft von ozongetränkter Tiefe, von uralter Magie, die nicht menschlich ist.
Eine Sirene. Schlimmer noch – eine Hybride aus einer Welt, die für die Wölfe der Todfeind ist.
Sein Wolf bäumt sich auf, schreit nach Schutz, nach Besitz, nach dem absoluten Band, das sich gerade mit brachialer Gewalt in seine Seele gebrannt hat. Doch sein Verstand, gebunden an das uralte Gesetz der Blackwoods, schreit zurück: *Verräterin. Feindin.*
Ein leises, schmerzhaftes Keuchen entweicht seinen Lippen, während er das schwere Schwert krampfhaft umklammert. Die Klinge zittert in seiner sonst so unerschütterlichen Hand. Die uralten Gesetze des Rudels schlagen Alarm. Nach dem eisernen Pakt der Vorväter gibt es für eine Sirene auf ihrem Boden nur ein Urteil: sofortige Auslöschung.
Er sollte mich köpfen. Er müsste mich hier und jetzt hinrichten, bevor das Band seinen Verstand ganz vernebelt.
Seine Hand verkrampft sich um den Griff. Die Adern an seinen Unterarmen treten hervor. Doch anstatt zuzuschlagen, sinkt das Schwert langsam, Zentimeter für Zentimeter, bis die scharfe Klinge den feuchten Boden berührt und im Schlamm versinkt.
Er lässt die Waffe fallen.
Bevor ich begreifen kann, was geschieht, stürzt er sich nach vorn. Seine großen, rauen Hände packen meine Schultern mit einer so rohen, überwältigenden Kraft, dass es mir den Atem raubt. Er zieht mich hoch, drückt mich gegen seinen harten, glühenden Körper, und sein heißer Atem brennt auf meiner Wange, während er mich mit einer Mischung aus Wut, Verzweiflung und absolutem Besitzanspruch fixiert.
„Du…“, flüstert er gegen meine Haut, und seine Stimme klingt wie ein Todesurteil, das er sich selbst gesprochen hat. „Was bist du?“
Ich sehe in seine wild gewordenen, silbernen Augen und weiß in diesem Augenblick nicht, ob ich gerade von meinem ärgsten Feind gerettet – oder in eine Hölle gezerrt wu
rde, aus es kein Entkommen mehr gibt.
POV: LoreleiDie irisierenden Schuppen an meinem Schlüsselbein brennen wie Feuer im kalten Regen. Killians silberne Augen fixieren mich mit einer unerbittlichen, angsterfüllten Intensität. Er hat es gesehen. Die Maske ist gefallen. Kein Ausweg, keine Lüge und keine Ausrede mehr kann mich jetzt noch retten. Die Gesetze seines Rudels verlangen meinen Tod, und er weiß genau, was ich bin.Ich kann nicht fliehen. Die Schwere in meinen Gliedern und die Wucht seiner Präsenz halten mich gefangen wie ein Raubtier seine Beute.„Was bist du?“, flüstert er noch einmal, und jeder Buchstabe klingt wie ein Todesurteil.Mein Hals brennt, als würde glühendes Eisen darin liegen. Ich will sprechen, will ihm entgegnen, dass ich ihm nicht schaden will, dass Nerida mich vernichten wollte. Doch die Magie des Fluches presst sich wie eine eiserne Faust gegen meine Stimmbänder. Mit aller Kraft, die mir noch bleibt, stemme ich mich gegen den Schmerz. Ich presse die Zähne zusammen, hole tief Luft und zwinge die
Killian POV Das Rauschen des Wassers durchbricht die Luft wie ein wild gewordener Sturm. Als der Schrei des Rudelmitglieds draußen verhallt, gibt es kein Halten mehr. Ich lasse das Pergament mit dem finsteren Siegel liegen, trete an das Fenster und stoße den Riegel zurück. Die kalte, feuchte Luft schlägt mir entgegen, getränkt von der unverkennbaren Note von Ozon und aufgewühltem Schlamm.Draußen im grauen Nebel herrscht pure Panik. Die Männer der Patrouille versuchen, die Barrikaden am Flussufer zu sichern, während das Wasser unaufhaltsam über die gewohnten Grenzen hinwegschwappt. Ohne eine Sekunde zu zögern, springe ich aus dem Fenster des oberen Stocks, lande federnd auf dem aufgeweichten Boden und laufe los, dem Fluss entgegen.Ich muss die Lage unter Kontrolle bringen. Doch während ich durch den nassen Nadelwald eile, spüre ich es im Genick. Ein feines, fast magisches Ziehen in der Luft. Jemand folgt mir.Ich bleibe abrupt stehen, wirbe herum und trete tief in den Schatten einer
Lorelei POV Die Hand, die mich gegen die kalte Steinwand drückt, bebt vor einer angestauten Kraft, die jeden Moment zu explodieren droht. Killians silberne Augen brennen sich in meine Seele, und in diesem Augenblick weiß ich, dass ich verloren bin. Er weiß es. Er weiß, dass ich keine menschliche Überlebende bin. Er hat meine Magie gesehen, er hat die unsichtbaren Fäden gespürt, die mich mit der Tiefe verbinden.Jeder normale Alpha hätte mich sofort an die Wachen ausgeliefert oder den Kopf abgetrennt. Doch er tut es nicht.Stattdessen spannt sich sein Kiefer hart an, die Muskeln in seinem Nacken treten hervor, und mit einem scharfen, erstickten Fluchen lässt er mich plötzlich los. Er stolpert einen halben Schritt zurück, als müsste er physischen Abstand zwischen uns bringen, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Seine großen Hände ballen sich zu Fäusten an seiner Seite.„Wenn jemand fragt“, zischt er mit einer gefährlichen, leisen Dringlichkeit, die keinen Widerspruch duldet, „ist dein
Killian POV Das Gewicht ihres Körpers gegen meinen ist eine Vergiftung, die sich mit jedem Herzschlag tiefer in mein Fleisch frisst. Mein Verstand wehrt sich mit Zähnen und Klauen dagegen, doch das Biest in meiner Brust hat längst die Kontrolle übernommen. *Mine*, dröhnt es unaufhörlich durch meine Adern, ein primitiver, alles verschlingender Befehl, der mich zwingt, sie zu beschützen, obwohl die uralten Gesetze meines Volkes den sofortigen Tod für jeden Eindringling aus der Tiefe fordern.Ich packe sie an den Schultern, ziehe sie hoch und reiße sie von den feuchten Kieselsteinen des Weeping Shore weg. Sie wehrt sich nicht, doch ihre Augen – dunkel, wild und von einer unerschütterlichen, stummen Wut erfüllt – brennen sich in mein Gedächtnis. Sie zittert, nicht vor Kälte, sondern vor blankem Hass und Überlebenswillen. Unter den Blutflecken und dem nassen Schlamm auf ihrer Haut schimmert ein schwacher, irisierender Hauch von Perlmutt an ihrem Schlüsselbein. Ein unverkennbares Zeichen.






reviews