LOGINSTEVENEndlich, nach allem, was an diesem Tag geschehen war, konnte ich wieder aufatmen. Keine hastigen Schritte mehr. Kein panisches Rufen. Nur noch das gleichmäßige, ruhige Piepen der medizinischen Geräte, das den Raum mit einer Stille erfüllte, die jedem anderen vielleicht Frieden geschenkt hätte. Mir jedoch nicht.Ich stand neben ihrem Bett und ließ den Blick auf Emelys blassem Gesicht ruhen. Ein schmaler Verband bedeckte ihre Wange und hob sich deutlich von ihrer Haut ab, die sonst stets so strahlend wirkte. Ihr Atem hatte sich beruhigt, doch selbst jetzt war er noch zu schwach, um mich wirklich zu beruhigen. Ohne nachzudenken, strich ich die Decke über ihr glatt.„Du bist jetzt in Sicherheit“, murmelte ich, mehr zu mir selbst als zu ihr.Ihre Lider zuckten. Ein paar Sekunden später öffnete sie langsam die Augen. Zunächst wanderte ihr Blick benommen durch den Raum, bis er schließlich auf mir zur Ruhe kam.„…Steven?“Ihre Stimme war kaum zu hören, so leise, als könnte sie jeden Mo
ALEXANDERIm Wohnzimmer herrschte eine unnatürliche Stille. Das einzige Geräusch war das leise Klirren der Eiswürfel in meinem Glas, während ich mich in meinem Sessel zurücklehnte, ein Bein über das andere geschlagen, und den Abend seinen gewohnten Lauf nehmen ließ.Zumindest bis mein Handy klingelte. Ich warf einen Blick auf das Display, bevor ich ranging. Aus irgendeinem Grund wusste ich bereits, dass mich keine guten Nachrichten erwarteten.„Ja. Was gibt es?“„Sir … es tut mir leid, aber wir haben ein Problem.“Der Tonfall meines Gesprächspartners ließ mich innehalten. Ich hatte mich also nicht getäuscht.„Was ist passiert? Sprich.“„Einer unserer Männer – derjenige, den wir losgeschickt haben … er hat seinen Auftrag nicht erfüllt, Sir. Er wurde gefasst.“Meine Hand erstarrte. Für einen Moment legte sich Stille über den Raum, doch mein Gesichtsausdruck blieb unverändert.„Wo?“„Im Krankenhaus. Er hat es nicht einmal geschafft, den Auftrag zu Ende zu bringen. Er konnte sein Ziel led
STEVENIch ließ ihn keine Sekunde aus den Augen. Der Mann saß auf dem Boden, die Hände hinter dem Rücken gefesselt. Sein Atem ging etwas unregelmäßig, doch sein Gesichtsausdruck blieb unverändert. Regungslos. Als wäre all das, was gerade geschehen war, völlig bedeutungslos für ihn.„Wer bist du?“, fragte ich erneut, diesmal mit noch tieferer Stimme.Keine Antwort. Stattdessen hob er den Blick und sah mir direkt in die Augen, ohne auch nur im Geringsten zu zögern. Ich ging vor ihm in die Hocke – nah genug, um den Schweißfilm an seinen Schläfen und das leichte Stocken seines Atems zu erkennen. Doch Angst zeigte er nicht. Nicht einmal den Hauch davon.„Wenn du glaubst, dass du dich durch Schweigen retten kannst“, sagte ich leise, „dann irrst du dich.“Wieder nichts.Einer der Sicherheitsleute hinter ihm drückte seine Schulter noch fester nach unten. „Antworten Sie ihm!“Der Mann verzog leicht das Gesicht, schwieg aber weiterhin.Ich hob die Hand und bedeutete dem Sicherheitsmann, aufzuhö
STEVENDer Motor lief noch, aber ich hatte den Fuß nicht auf dem Gaspedal. Meine Hände lagen am Lenkrad, die Finger trommelten leicht darauf – unregelmäßig, unruhig. Die Straße vor mir war menschenleer, während die Straßenlaternen schwache Lichtreflexe auf die Windschutzscheibe warfen.Eigentlich hätte ich längst nach Hause fahren sollen. Ich hätte heute Abend nicht immer noch darüber nachdenken dürfen. Aber irgendetwas fühlte sich … falsch an. Ich warf noch einen Blick auf Lisas Haus vor mir, und das ungute Gefühl in meiner Brust wurde stärker.Langsam atmete ich aus und lehnte mich in den Sitz zurück, in dem Versuch, meine Gedanken zu beruhigen. Doch sie wollten einfach nicht zur Ruhe kommen. Eigentlich war alles klar – ein gefälschtes Nummernschild, keine Identität, eine Vorgehensweise, die viel zu sauber war, um auf Nachlässigkeit zurückzuführen zu sein.Jemand, der so vorging, würde es nicht bei einem einzigen Versuch belassen. Nicht, nachdem er wusste, dass sein Ziel noch am Leb
EMELYDas Messer war direkt auf mich gerichtet, nur wenige Schritte entfernt. Mein Herz raste, doch ich zwang mich, stillzuhalten. Panik würde alles nur noch schlimmer machen.„Was willst du?“ Meine Stimme klang leise, kaum mehr als ein Flüstern.Er antwortete nicht. Er ging einfach weiter auf mich zu.Instinktiv wich ich zurück, bis mein Rücken gegen das Kopfteil des Bettes stieß. Weiter konnte ich nicht. Seine Hand hob sich leicht, die Klinge neigte sich in einem anderen Winkel – bereit zuzustechen. Ich schluckte schwer und zwang mich, klar zu denken. Der kleine Tisch neben dem Bett. Ein Glas Wasser. Obst. Viel Auswahl hatte ich nicht.„Wenn es um Geld geht—“„Still!“ Seine Stimme schnitt mir das Wort ab, kalt und erbarmungslos. „Ganz gleich, was du mir anbietest, es interessiert mich nicht. Mein Auftraggeber hat mich bereits mehr als großzügig bezahlt.“Bevor ich reagieren konnte, setzte er sich wieder in Bewegung. Wie aus dem Reflex heraus griff ich nach dem Glas neben mir und sch
EMELYIch starrte auf das Handy in meiner Hand, ohne es wirklich wahrzunehmen. Meine Gedanken kreisten noch immer um das, was vorhin geschehen war, und ich versuchte verzweifelt, das Ganze zu begreifen. Jemand hatte versucht, mich umzubringen. Diese Worte kamen mir unwirklich vor, als gehörten sie nicht zu meinem Leben. Doch mein Körper erinnerte sich mit erschreckender Deutlichkeit an alles. Den Schwindel. Die Übelkeit. Das beklemmende Gefühl in meiner Brust, bis ich kaum noch Luft bekam.Ich wäre beinahe gestorben.Das Vibrieren meines Handys riss mich aus meinen Gedanken. Stevens Name leuchtete auf dem Display. Ich nahm sofort ab.„Hallo, Steven?“„Emely.“Seine Stimme klang schwerer als sonst, und instinktiv richtete ich mich im Bett ein wenig auf.„Und? Hast du etwas herausgefunden?“Eine kurze Pause entstand. „Nein. Ich habe das Kennzeichen des Kuriermotorrads überprüft … Es ist gefälscht. Es ist überhaupt nicht registriert.“Ich verstummte. Irgendwie hatte ich es erwartet, und







