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Fünfundsiebzig

Author: Nekky
last update publish date: 2026-09-07 03:42:56

Olivias Sichtweise

Der süße Duft von Ananas und Erdbeere lag in der Luft, als ich das Ankleidezimmer betrat. Die Zofen trugen ein Lächeln im Gesicht, und draußen war die Stimmung unter den Wölfen voller Erwartung.

Jeder wollte sehen, wer heute den Platz der Luna einnehmen würde. Cameron behauptete, er habe Pamela an einem sicheren Ort weggesperrt, doch ich glaubte ihm nicht. Wenn er das wirklich getan hätte, warum kämpften ihre Leute dann nicht darum, ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen?

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    Aus Camerons SichtDas Horn ertönte erneut – drei kurze Stöße. Es war unser Warnsignal für nahende Feinde.„Alle aufstehen“, sagte ich. „Sofort. Nehmt die Steine ​​der Geister mit, wenn ihr könnt.“„Wir können die Geister nicht tragen“, sagte Kerr. „Aber ihre Namen sind sicher in meinem Kopf.“„Dann lauf mit deinem Kopf.“Marena schwebte neben mir her, während wir zu den Seilen eilten. „Alpha, sei vorsichtig. Der Lehrer hat dreihundert Jahre darauf gewartet.“„Dreihundert Jahre?“, fragte Olivia. „So alt kann er doch gar nicht sein.“„Wir wissen nicht, was er ist“, sagte Marena leise. „Nur, dass er geduldig ist.“Das beruhigte mich keineswegs.Ich kletterte als Erster hinauf. Meine Hände waren wund, als ich oben ankam, und mein Herz hämmerte so laut, dass ich glaubte, die ganze Welt könne es hören.Der Himmel war grau. Der Wind drückte gegen mein Gesicht. Meine Krieger standen in einem engen Kreis um die Schlucht, die Waffen gezückt, doch sie sahen einander nicht an. Sie alle blickten

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    Olivias SichtweiseCameron schickte das Salz nicht los.Er stand lange am Rand des dunklen Abgrunds und starrte hinein. Über unsere Verbindung konnte ich jeden seiner Gedanken spüren. Er hatte Angst, dachte aber auch an den kleinen Kohlefleck auf seiner Hand.„Wir steigen hinab“, sagte er schließlich. „Langsam. Ich, Olivia, Maera, Harlan und vier Krieger. Alle anderen bewachen den Eingang oben.“„Alpha“, sagte Harlan, „so verlieren wir unsere gesamte Führung in einem einzigen Loch.“„Dann bleib hier oben und sei derjenige, der sich wohlwollend an mich erinnert.“Harlan seufzte, wie es nur ein alter Freund tut. „Na gut. Ich komme mit. Aber ich werde jedem erzählen, dass mir das nicht gefällt.“Wir befestigten Seile an einem kräftigen Baum. Wir zündeten Laternen an. Maera streute Salz entlang der Kante des Abgrunds, doch nur in einem dünnen Kreis, um uns zu schützen – nicht, um etwas auszusperren.Dann stiegen wir hinab.Der Durchgang war anfangs eng. Kalter Stein schrammte an meinen Sc

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    Aus Camerons SichtIch hielt die weiße Feder in den Schein der Fackel. Sie war warm, als hätte ein Vogel sie gerade erst in meiner Hand zurückgelassen.„Woher hat Kerr die?“, fragte ich.Der junge Wolf hieß Torin. Er war kaum achtzehn und bemühte sich sehr, nicht zu weinen. „Er hat sie am Außenposten auf dem Boden gefunden, Alpha. Vor drei Nächten. Direkt bei den Steinen an der Schlucht.“„Erzähl weiter.“„Kerr sagte, die Stimmen unter dem Stein hätten sich verändert. Früher hatten sie ihm Angst gemacht. Aber in jener Nacht sangen sie. Leise, wie ein Wiegenlied.“Torin wischte sich die Nase am Ärmel ab. „Kerr sagte, er müsse hingehen und genauer hinhören. Ich sagte ihm, er solle auf dich warten. Er meinte, es bliebe keine Zeit.“„Ist er allein gegangen?“Torin nickte. „Er nahm die Feder und ein Seil mit. Er sagte: ‚Wenn ich bis Sonnenaufgang nicht zurück bin, bring das zum Alpha und sag ihm, dass diejenigen da unten nicht unsere Feinde sind.‘“Olivia und ich sahen uns an. Das Band zwi

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    Olivias SichtweiseElara schlief drei Tage lang.Ich saß die ganze Zeit an ihrem Bett. Cameron saß auf der anderen Seite. Die Heilerin kam und ging, und jedes Mal sagte sie dasselbe: „Sie ist nur müde. Sehr, sehr müde.“Ich glaubte ihr erst am dritten Morgen.Die Sonne fiel durch das Fenster, und Elara öffnete die Augen. Sie sah zur Decke und dann zu mir. „Stecke ich in Schwierigkeiten?“Ich lachte und weinte zugleich. „Warum solltest du in Schwierigkeiten stecken?“„Ich habe so lange geschlafen. Ich habe den Unterricht verpasst.“„Der Waffenmeister hat gesagt, du darfst eine Woche lang beim Unterricht fehlen“, sagte Cameron. „Er meinte, du hättest es dir verdient.“Elara dachte darüber nach. „Eine Woche ist nicht sehr lang.“„Dann bitten wir um zwei“, sagte er, und sie lächelte.Sie aß drei Schalen Haferbrei. Die Köchin weinte ein wenig. Das halbe Rudelhaus stand vor der Tür, um einen Blick auf sie zu werfen, und Cameron ließ es zu, denn jeder Wolf dort hatte um sie gebangt.Dann hör

  • Die verschmähte Gefährtin des Lykanerkönigs   Einhundertelf

    Aus Camerons SichtBis zum nächsten Vollmond waren es noch vierzehn Tage, als wir zum Haus des Rudels zurückkehrten.Vierzehn Tage, um das Territorium für den Fall vorzubereiten, dass der Verschluss nicht akzeptiert würde. Vierzehn Tage, um Nichtkombattanten weiter nach Süden zu verlegen. Vierzehn Tage, um Wache zu halten gegen erste Sondierungsversuche jenes Spiegels, der nun wusste, dass wir die letzten Worte bei uns trugen.„Vierzehn Tage sind nicht viel“, sagte Harlan, als ich dem Rat den Zeitplan darlegte.„Es ist das, was wir haben“, erwiderte ich. „Wir müssen dafür sorgen, dass es reicht.“„Und wenn der Verschluss scheitert?“„Dann stehen wir nicht schlechter da als heute.Aber ich habe nicht vor, das Scheitern einzuplanen, bevor wir es überhaupt versucht haben.“„Was brauchst du in der Zwischenzeit von uns?“„Bewacht die Grenzen aufmerksamer als je zuvor.Haltet alle Familien in Reichweite der Südroute. Wenn sich vorzeitig etwas regt, will ich es innerhalb einer Stunde wissen,

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    Olivias SichtweiseDer östliche Ort, den Sera angegeben hatte, lag jenseits jeder beanspruchten Grenze, in einem Gebiet, das auf Karten lediglich als umstritten verzeichnet war.„Bist du sicher, dass die Ortsangabe stimmt?“, fragte ich Cameron, während er der groben Skizze folgte, die Seras Gelehrte angefertigt hatten.„So sicher, wie man bei einem Gerücht eben sein kann“, sagte er. „Es ist die einzige Spur, die wir haben. Wir gehen ihr nach.“„Und wenn sie völlig falsch ist? Wenn Lira gar nicht existiert oder uns nicht einmal empfangen will?“„Dann haben wir sechs Tage verloren, die wir uns eigentlich nicht leisten können, und fangen wieder bei Null an“, sagte Cameron.„Aber hier zu sitzen und jedes Risiko abzuwägen, bringt uns der Antwort nicht näher. Das gelingt nur, wenn wir uns auf den Weg machen.“Wir bereiteten uns sorgfältig vor. Diesmal war unsere Gruppe größer: zwanzig Krieger, Maera, zwei von Seras Gelehrten, Cameron, Elara und ich.„Zwanzig“, wiederholte Harlan mit hochgez

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