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Neunundvierzig

Author: Nekky
last update publish date: 2026-08-25 06:13:40

Aus Olivias Sicht

„Sich zu betrinken, wird keines dieser Probleme lösen“, sagte Cara, doch ihre Stimme begann zu verblassen. Ich spürte, wie mein Bewusstsein bereits schwand.

In einer teuren Bar zu sitzen und meinen letzten Cent für Alkohol auszugeben, mag wie eine schlechte Entscheidung wirken – aber solange ich diesem emotionalen Elend entkommen konnte, war es mir egal.

„Ich bin bei dir.“ Cara hielt meine Hände und zwang mich, die Flasche loszulassen. „Ich kann dir Ratschläge geben, dich anle
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  • Die verschmähte Gefährtin des Lykanerkönigs   Einhundertfünfunddreißig

    Aus Camerons SichtDie Verbindung verstummte.Sie schwand nicht langsam dahin. Sie riss ab, wie ein Ast, der im Dunkeln zerbricht. Im einen Augenblick konnte ich Olivia in der Ferne spüren – beständig und warm. Im nächsten Augenblick war da nur noch eine Leere in meiner Brust, kalt und weit wie ein Brunnen.„Olivia“, flüsterte ich.Nichts antwortete.Meine Knie drohten nachzugeben. Ich wollte aus der Festung rennen und nach Süden reiten, bis mein Pferd zusammenbrach. Doch ich spürte, wie eine kleine Hand meinen Ärmel umfasste, und blickte hinunter.Elara stand noch immer vor dem schwarzen Kreis. Sie zitterte am ganzen Leib. Ihre silberne Handfläche war gegen den Stein gepresst, und die lange, graue Hand drückte von der anderen Seite dagegen.„Papa“, sagte sie ganz leise. „Lass nicht los. Du hast es versprochen.“„Ich weiß, kleiner Wolf.“„Mama ist nicht fort. Ich kann sie spüren. Sie ist nur weit weg.“ Ihre Stimme bebte. „Aber ich brauche dich hier, genau jetzt. Bitte.“Ich holte lang

  • Die verschmähte Gefährtin des Lykanerkönigs   Einhundertvierunddreißig

    Olivias SichtweiseIch ging allein hinein.Maera gefiel das nicht. Brannoch gefiel es noch weniger. Aber die Stimme hatte gesagt: *Komm herein, Olivia*, und ich wusste: Wenn wir alle durch die Tür stürmten, würde Hesper den Tee nur mit Absicht kalt werden lassen.„Wartet draußen“, sagte ich zu ihnen. „Wenn ich rufe, kommt angerannt. Wenn ich nicht rufe, kommt nicht herein.“„Und wenn du nicht rufen kannst?“, fragte Mirelle mit leiser Stimme.Ich berührte den kleinen Stein in meiner Tasche. Er war warm. „Dann wird meine Tochter euch das wissen lassen, denke ich.“Ich stieß die Tür auf.Eddas Küche sah genau so aus wie immer. Ein schwarzer Kessel hing über dem Feuer. Getrocknete Kräuter baumelten von den Deckenbalken. Auf dem langen Holztisch standen eine Tasse Tee, ein Teller mit Pflaumenknödeln und zwei Stühle.Auf dem einen Stuhl saß Edda.Sie trug ihre drei Decken. Ihr weißes Haar stand ab wie Pusteblumenflaum. Sie blickte auf und lächelte mich mit ihren scharfen, hellen Augen an.„

  • Die verschmähte Gefährtin des Lykanerkönigs   Einhundertdreiunddreißig

    Aus Camerons SichtDie Sonne ging rot unter, wie eine Glut, die in einen Brunnen fiel.Ich stand auf der Nordmauer, Sera an meiner Seite, und sah zu, wie die Hügel sich verdunkelten. Unter uns lag der Hof still da. Neunhundert von Seras Wölfen und tausend von unseren warteten auf ihren Posten. Niemand machte Witze. Niemand hustete auch nur.„Deine Luna ist eine mutige Frau“, sagte Sera.„Sie ist mutiger als ich.“„Das habe ich nicht gesagt.“ Sie lächelte fast. „Ich habe gesagt, sie ist mutig. Du bist auch mutig. Dein Mut ist nur von der schwierigeren Sorte.“„Was ist die schwierigere Sorte?“„Zurückzubleiben.“ Sie verschränkte die Arme. „Jeder kann in einen Kampf stürmen. Es braucht ein starkes Herz, um stillzuhalten und zu vertrauen.“Ich antwortete nicht. Über das Band spürte ich Olivia in der Ferne – ruhig und warm. Es war, als hielte man im Dunkeln das eine Ende eines langen Seils fest.Schließlich ging der Mond auf.Er stieg über den östlichen Hügeln empor, prall, rund und leucht

  • Die verschmähte Gefährtin des Lykanerkönigs   Einhundertzweiunddreißig

    Olivias SichtweiseGegen Mittag fanden wir das zweite Tor.Maera, Kerr und drei von Seras Gelehrten brauchten den ganzen Vormittag, um den Saatstein zu lesen. Sie streuten Salz darum, zeichneten Kreise darunter und hielten ihn ins Licht. Schließlich legte Maera ihn beiseite und rieb sich die müden Augen.„Er wurde aus Apfelholz gefertigt“, sagte sie. „Und er wurde aus sehr alter Erde ausgegraben. Guter Boden. Die Art von Boden, der schon seit hundert Jahren bewirtschaftet wird.“„Ein Bauernhof“, sagte Cameron.„Oder eine Obstplantage.“ Maera sah mich an. „Olivia, wo hat Edda gelebt, als sie noch ein Mädchen war?“Mein Mund wurde trocken. „Im südlichen Siedlungsgebiet. In demselben Haus, in dem sie jetzt wohnt. Ihre ganze Familie hat dort Brot gebacken – über Generationen hinweg.“„Die Familie von Orla, der Frau des Bäckers“, sagte Sera langsam.„Die Schwester von Verra“, flüsterte Corvin.Edda, die mit einer Tasse Tee auf ihrem Stuhl saß, stellte die Tasse sehr vorsichtig ab. „Meine e

  • Die verschmähte Gefährtin des Lykanerkönigs   Einhunderteinunddreißig

    Aus Camerons SichtIch ließ mich auf die Knie sinken und fasste Elara an den Schultern.Ihre Augen waren von einem Augenwinkel zum anderen silbern. Ihr kleiner Mund lächelte, doch es war nicht ihr Lächeln. Es war zu breit und zu ruhig.„Lass sie los“, sagte ich.„Oh, Alpha“, sagte Hesper mit Elaras Stimme. „Ich tue ihr nicht weh. Wir unterhalten uns nur. Kinder sind so wunderbare Fenster.“„Fenster?“, fragte Olivia. Ihre Stimme bebte.„Durch ein Fenster kann man hineinsehen. Und wenn man geschickt ist, kann man auch hineingreifen.“ Elara legte den Kopf schief. „Das Mal auf ihrer Handfläche ist eine Tür für sich, weißt du. Eine sehr kleine. Ich klopfe schon daran, seit sie in jener Nacht das Tor geschlossen hat.“Mir erstarrte das Blut in den Adern. All die Wochen, in denen sie im Schlaf gesprochen hatte, all die Träume – und wir hatten geglaubt, die Gefahr sei weit weg.„Bleibt alle zurück“, sagte Maera. „Wenn wir sie erschrecken, könnte sich Hesper noch tiefer festsetzen.“„Wie krieg

  • Die verschmähte Gefährtin des Lykanerkönigs   Einhundertdreißig

    Olivias SichtweiseIch rannte so schnell die Treppe hinunter, dass ich fast über meinen eigenen Rock gestolpert wäre.Der Hof war vom Schein zahlreicher Fackeln erfüllt. Hunderte von Seras Wölfen marschierten in geordneten Reihen durch die Tore; sie trugen graue Umhänge und lange Speere. Sera ritt an der Spitze – groß und mit silbernem Haar, den Rücken kerzengerade. Neben ihr, auf einem geduldigen Schimmel, saß eine winzige alte Frau, in drei Decken gehüllt.„GROSSMUTTER!“, rief ich.„Schrei nicht so, Kind“, sagte Edda. „Ich bin alt, nicht taub.“Ich holte sie vom Pferd herunter und umarmte sie so fest, dass sie ein leises Quietschen von sich gab. Sie roch nach Äpfeln und Rauch, genau wie immer. Für einen Moment war ich wieder sieben Jahre alt, und nichts auf der Welt konnte mir etwas anhaben.„Was machst du hier?“, fragte ich. „Von den südlichen Ländereien bis hierher sind es tagelange Reisen. Du bist neunzig Jahre alt!“„Dreiundneunzig“, sagte Edda. „Und den Großteil des Weges bin i

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