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[6]

Author: Major_Canis
last update publish date: 2026-07-21 13:59:29

„Du ... was?“, fragte Kara mit einer Lautstärke, die sie längst nicht mehr verbergen konnte.

Adrian konnte nur leise seufzen und sagte: „Lass gut sein. Warum machst du wegen so einer Kleinigkeit so ein Theater?“

„Eine Kleinigkeit?“ Kara konnte das ganz offensichtlich nicht akzeptieren. „Tara ein Luxusapartment im Golden Palace zu schenken, nennst du eine Kleinigkeit?“

Adrian versuchte sofort, die Frau, die er liebte, zu beruhigen. Er strich ihr sanft über die Schulter, entschuldigte sich mehrmals und sagte: „Betrachte es einfach als mein letztes Geschenk und als Zeichen meiner Dankbarkeit für ihre Hilfe. Wenigstens weiß ich, wie ich mich erkenntlich zeigen kann.“

„Schon komisch, dass ausgerechnet du von Dankbarkeit sprichst.“ Kara verschränkte die Arme vor der Brust. Mit scharfem Blick sah sie Adrian an, der immer noch versuchte, sie zu besänftigen. „Also bist du jetzt plötzlich großzügig zu ihr?“

„So ist es nicht, mein Schatz“, sagte Adrian und versuchte, sie zu beschwichtigen.

„Und wie dann?“ Kara konnte sich damit immer noch nicht so leicht abfinden. „Wenn du Tara ein Apartment schenkst, was ist dann mit mir?“

Dabei hatte Adrian bereits zahlreiche seiner Immobilien auf Kara übertragen. Wenn Tara einen Ring im Wert von 10.000 Dollar bekommen hatte, erhielt Kara etwas, das um ein Vielfaches teurer und luxuriöser war. Nicht nur Schmuck, sondern auch Taschen, Kleidung von renommierten Designern und Luxusautos – Adrian ließ es Kara an nichts fehlen.

„Ähm ... Der Thorne Palace veranstaltet eine Woche vor unserem Hochzeitstag eine Auktion. Wie wäre es, wenn du dir eines der Stücke aus der Kollektion aussuchst?“, schlug Adrian vor, während er eine Haarsträhne, die Karas Wange streifte, behutsam zurückstrich.

„Ja, das will ich!“ Der traurige und enttäuschte Ausdruck, der eben noch auf Karas Gesicht gelegen hatte, verschwand augenblicklich.

Wer kannte den Thorne Palace nicht? Der Ort, an dem die High Society ihre prestigeträchtigen Auktionen veranstaltete. Und keines der angebotenen Stücke war leicht zu bekommen. Natürlich waren auch die Preise astronomisch.

„Dann sorg dafür, dass wir den Zeitpunkt so planen, dass kein Verdacht aufkommt“, sagte Adrian. Zufrieden lächelte er, als er sah, wie die Freude auf Karas Gesicht zurückkehrte.

„Natürlich.“ Kara gab Adrian einen süßen Kuss auf die Wange. „Dürfen wir Liora mitnehmen?“

„Tu, was immer du möchtest, meine Kara.“ Adrian küsste Kara sanft auf die Stirn. „Außerdem ist es schon lange her, dass unser Kind im Urlaub war, oder?“

Kara lachte leise. „Du hast recht. Dann werde ich unsere Reise zu dritt sofort organisieren.“

Sie ahnten nicht, dass Tara ihr Gespräch mitgehört und aufgezeichnet hatte. Obwohl ihre Beine zitterten, sie nach Luft rang und die Übelkeit immer stärker wurde, hielt Tara durch. Um Beweisstück für Beweisstück zu sammeln, mit denen sie sie zu Fall bringen konnte.

Nein.

Sie wollte sie nicht einfach nur zu Fall bringen, sondern sie dasselbe fühlen lassen, was Tara jetzt empfand.

Und was sie am meisten verletzte, war Lioras Existenz. Dabei hatte Tara sie von ganzem Herzen liebgewonnen. Gleich zu Beginn ihrer Ankunft in diesem Haus hatte Adrian sie ihr als jemanden vorgestellt, der Taras Zustand aufheitern könne. Tara hatte sie mit Freude aufgenommen, doch in Wahrheit hatten sie gemeinsame Sache gemacht, nur damit Liora in diesem Haus aufwachsen konnte, ohne dass jemand Verdacht schöpfte.

„Was für ein verfluchtes Leben“, murmelte Tara.

„Mrs. Tara? Was machen Sie hier? Haben Sie nicht gefrühstückt?“

Die Stimme einer der Hausangestellten ließ Tara erschrocken zusammenzucken. „Ah ... nichts“, antwortete Tara und bemühte sich, ruhig zu bleiben. „Natürlich muss ich frühstücken. Ihr habt euch schließlich so viel Mühe gegeben, das Frühstück für uns vorzubereiten.“

Mit aufgewühlten Gefühlen betrat Tara den Speisesaal. Übelkeit, Enttäuschung, Herzschmerz und der überwältigende Wunsch, die beiden zu beschimpfen, die plötzlich Abstand voneinander hielten, sobald Tara sich näherte.

„Guten Morgen, meine süße kleine Schwester“, begrüßte Kara sie mit gekünstelt freundlicher Stimme. „Wie geht es dir? Fühlst du dich schon besser?“

Tara zwang sich zu einem Lächeln. „Ja, das hoffe ich. Das, was gestern passiert ist, hat mir wirklich Angst gemacht“, beklagte sich Tara bei Kara.

„Was ist denn gestern überhaupt mit dir passiert?“, fragte Kara verwundert. Sie sah Tara aufmerksam an, doch ihre Schwester antwortete lediglich mit einem kurzen Kopfschütteln. Sie wollte nicht, dass Kara sich allzu große Sorgen machte.

Dann richtete Tara einen flehenden Blick auf ihren Ehemann. „Darf ich mich heute erst einmal ausruhen? Mir geht es nämlich so ...“

„Hast du etwas vergessen, Tara?“, unterbrach Adrian sie mit missbilligendem Blick. „Heute triffst du die Vertreter der Ceso Group. Ich habe etwas zu erledigen, also musst du dich um sie kümmern.“

Tara senkte leicht den Kopf. „In Ordnung.“

„Dann gehen Kara und ich jetzt. Mach dich bald auf den Weg—“

„Tara!“, rief Kara erschrocken.

Plötzlich begann sich die Welt zu drehen.

Tara wäre beinahe gestürzt, doch im letzten Moment konnte sie sich noch an der Rückenlehne eines Esszimmerstuhls festhalten. Vor ihren Augen wurde alles dunkel. Eine heftige Welle der Übelkeit überrollte sie, bis ihre Knie nachgaben.

„Tara!“ Diesmal sprang Adrian von seinem Stuhl auf.

Tara war nicht in der Lage zu antworten. Sie presste sich die Hand vor den Mund, ihr Körper zitterte. Eine Hausangestellte, die nicht weit entfernt stand, eilte sofort panisch herbei.

„Gnädige Frau!“

„Wasser! Holt sofort Wasser!“, herrschte Adrian sie an.

Tara schüttelte schwach den Kopf. „Nein ... nicht ...“

Sie stieß das Glas weg, das man ihr reichen wollte, und beugte sich nach vorn, während sie sich den Bauch hielt. Die Übelkeit machte sie vollkommen hilflos und jagte ihr zugleich Angst ein.

Tara hatte Angst ... Das Baby. Der Gedanke an die Schwangerschaft, die sie unbedingt geheim halten wollte, schoss ihr plötzlich durch den Kopf und ließ ihr Herz heftig pochen.

Es darf bloß nichts passieren, flehte Tara stumm.

„Ich rufe Bone sofort an“, sagte Adrian und griff nach seinem Handy. Er wählte hastig eine Nummer, ging ein paar Schritte zur Seite, dann verhärtete sich sein Gesicht. „Er ist außerhalb der Stadt. Er kommt erst heute Abend zurück.“

„Ach du meine Güte.“ Kara trat näher und ging neben Tara in die Hocke. „Du bist ja kreidebleich. Was ist gestern eigentlich passiert, Tara? Willst du es mir nicht sagen? Deiner eigenen Zwillingsschwester?“

Tara schob Karas Hand sanft beiseite. „Ich ... bitte bringt mich ins Krankenhaus“, sagte sie mit kurzen Atemzügen. „Sofort.“

Adrian wandte ihr einen scharfen Blick zu. „Es ist nur Übelkeit. Warte, bis Bones Vertretung kommt.“

„Nein.“ Tara hob den Kopf. Ihre Augen glänzten vor Tränen, nicht nur gespielt. „Mir geht es wirklich furchtbar, Adrian. Bitte bring mich jetzt hin.“

Etwas in Taras Stimme ließ Adrian zögern, ihr zu widersprechen. Er betrachtete ihr immer blasser werdendes Gesicht, ihre farblosen Lippen und ihre Hand, die unaufhörlich auf ihren Unterbauch gedrückt blieb.

„Na schön“, sagte er mit einem verärgerten Knurren. „Bereitet den Wagen vor“, befahl er den Hausangestellten.

„Ich komme mit“, sagte Kara sofort.

Tara wollte ablehnen, doch die nächste Schwindelwelle traf sie noch heftiger. Sie hatte keine Kraft mehr, sich auf eine Diskussion einzulassen.

Im Krankenhaus herrschte reger Betrieb, doch alles war gut organisiert. Obwohl Tara noch gehen konnte, wurde sie von einer Krankenschwester im Rollstuhl geschoben. Adrian ging an ihrer rechten Seite, Kara an ihrer linken – beide wirkten gleichermaßen angespannt.

Tara senkte den Blick, ihre Hände ruhten ununterbrochen auf ihrem Bauch. Sie dachte nicht mehr daran, ob ihre Schwangerschaft auffliegen würde. Sie wollte nur noch sicher sein, dass es dem Baby gut ging.

Nach der ersten Untersuchung und einigen schnellen Tests kam eine Ärztin, etwa Anfang vierzig, mit einem Tablet, auf dem die Patientendaten angezeigt wurden.

„Mrs. ... Tara Valmont?“, fragte sie, während sie auf den Bildschirm blickte.

„Ja“, antwortete Tara leise.

Die Ärztin nickte. „Ihr Zustand ist stabil. Die Übelkeit wurde höchstwahrscheinlich durch Erschöpfung, Stress und hormonelle Veränderungen ausgelöst.“

Adrian stieß einen kurzen Seufzer aus. „Zum Glück.“

Doch die Ärztin war noch nicht fertig. Sie blickte erneut auf den Bildschirm und runzelte leicht die Stirn. „Entschuldigen Sie, ich muss einige Angaben bestätigen.“

„Natürlich“, antwortete Adrian.

Die Ärztin sah erst Tara, dann Adrian an. „Welches unmittelbare Familienmitglied ist mit Ihnen gekommen?“

„Ich bin ihr Ehemann“, antwortete Adrian bestimmt.

„Ich bin ihre ältere Schwester“, ergänzte Kara.

Die Ärztin tippte mehrmals auf das Tablet, dann wurde ihr Gesichtsausdruck zunehmend verwirrter.

„Entschuldigen Sie ... sind Sie sicher, dass der Familienstand der Patientin bereits registriert ist?“

Im Raum wurde es plötzlich still.

Adrian sah die Ärztin kühl an. „Was meinen Sie damit?“

„Unser System ist zur administrativen Verifizierung mit den Meldedaten verknüpft. Unter dem Namen Tara Valmont gibt es keinen Eintrag über einen Ehepartner oder einen aktiven Familienstand als verheiratet.“

Langsam hob Tara den Kopf.

Sie hatte es bereits gewusst. Doch diesen Satz vor Adrian und Kara zu hören, fühlte sich dennoch wie eine zweite Ohrfeige an. Und sie wartete auch darauf, wie Adrian auf diese Situation reagieren würde.

Die Ärztin sprach weiterhin in professionellem Ton, ohne zu ahnen, dass sie gerade eine Bombe vor den drei Menschen vor ihr platzen ließ.

„Die Patientin ist derzeit schwanger. Für die Vervollständigung der Unterlagen benötigen wir die Daten des rechtmäßigen Ehepartners. Deshalb muss ich nachfragen: Ist es möglich, dass die Dokumente noch nicht aktualisiert wurden? Oder ist die Patientin verwaltungsrechtlich tatsächlich nicht verheiratet?“

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