LOGINEVELYN
„Was von all dem war überhaupt wahr?“ Die Frage kam mir kaum mehr als ein Flüstern über die Lippen. Ich wusste nicht einmal, ob ich seine Antwort wirklich hören wollte. Ich wusste nicht, ob ich ertragen konnte, was auch immer er sagen würde. Damien sah mich lange an, als hätten meine Worte etwas Dunkles in ihm geweckt. Schließlich antwortete er. „Nichts.“ Dieses eine Wort ließ acht Jahre meines Lebens in sich zusammenbrechen. Ich spürte, wie mir die Luft aus den Lungen wich und plötzlich selbst das Atmen schwerfiel. Ich starrte ihn an und wartete darauf, dass er lachen und mir sagen würde, das alles sei nur ein schlechter Scherz. Doch das tat er nicht. „Ich weiß nicht, warum du überhaupt geglaubt hast, dass aus uns jemals etwas werden würde, Evelyn.“ Langsam schüttelte ich den Kopf. „Du … du hast es mir versprochen.“ „Ich habe vieles versprochen“, sagte er gleichgültig, als wäre es ihm völlig egal, wie sehr mich seine Worte verletzten. „Du hast mir gesagt, ich sei die einzige Frau, die du jemals lieben würdest.“ Er stieß ein ungläubiges Lachen aus. „Warte mal.“ Er sah mich an. „Und das hast du tatsächlich geglaubt? Ich wusste gar nicht, dass du so naiv bist.“ Seine Worte trafen mich härter als jede Ohrfeige. „Nein …“, flüsterte ich, während Tränen meine Sicht verschwimmen ließen. „Nein, Damien … sag das nicht.“Er seufzte, als würde ihn dieses Gespräch bereits langweilen. „Hören wir auf, so zu tun, als wäre da jemals mehr gewesen. Ich habe nie eine Zukunft mit dir gesehen.“
Ich machte einen Schritt auf ihn zu. Ich wollte ihn berühren, seine Hand in meine nehmen und ihm zeigen, wie viel er mir noch immer bedeutete. Vielleicht würde er dann endlich lachen, den Kopf schütteln und mir sagen, dass das alles nur ein grausamer Scherz gewesen war. Dass er nur hatte wissen wollen, wie ernst es mir mit ihm war. Und ich hätte ihm vergeben. So erbärmlich es auch war, in diesem Moment hätte ich ihm alles vergeben, solange er nur wieder der Damien wurde, den ich kannte. Doch kaum berührten meine Finger seine Hand, zog er sie zurück. „Wag es nicht, mich anzufassen.“ „Damien … ich bin’s.“ Ich konnte die Tränen nicht länger zurückhalten und ließ sie über meine Wangen laufen. „Was sagst du da?“ „Ich sage dir das, was du schon vor Jahren hättest begreifen müssen.“ Sein Blick glitt langsam über mich. Von meinem tränenüberströmten Gesicht über meine zitternden Hände bis zu den Rundungen meines Körpers, die ich jahrelang zu verstecken versucht hatte. Dann sah er mir wieder in die Augen. „Sag mir ehrlich, Evelyn. Was hat dich glauben lassen, dass ein zukünftiger Alpha jemanden wie dich wählen würde?“Seine Stimme trug weit durch den inzwischen still gewordenen Saal, sodass jedes einzelne Wort deutlich zu hören war. Einige hielten erschrocken den Atem an, andere schnaubten leise, als hätten sie nur darauf gewartet, dass endlich jemand aussprach, was sie schon lange dachten.
In diesem Moment fühlte ich mich, als wäre etwas in mir endgültig zerbrochen. „Ich …“ Meine Stimme versagte. „Ich habe dich geliebt.“ Sein Gesichtsausdruck veränderte sich nicht. „Das war dein Fehler.“ „Das meinst du doch nicht ernst, Damien.“ Ich schüttelte den Kopf und weigerte mich noch immer, das zu glauben. „Das ist doch nur ein Scherz, oder? Du willst mir nur wehtun. Aber das ist …“ „Verstehst du es denn nicht?!“, fuhr er mich an. „Ich liebe dich nicht. Ich habe dich nie geliebt. Also präg dir das endlich ein.“ Ich hatte in meinem Leben schon Schmerz erlebt, aber nichts war damit vergleichbar. Es fühlte sich an, als würde mir jemand das Herz in der Brust zusammendrücken, bis mit jedem Atemzug ein Stück mehr von mir verschwand. In diesem Moment begriff ich, dass ich nichts tun konnte, um ihn zurückzugewinnen. Es gab nichts, was ich sagen konnte, um die Art zu verändern, wie er mich ansah. Und dann war da noch die Tatsache, dass ich ausgerechnet seiner Mutter eine Niere gespendet hatte. Ich war so blind vor Liebe gewesen. Ich hatte geglaubt, dass das, was ich für seine Familie getan hatte, ihm wenigstens etwas bedeuten würde. Ich hatte mich geirrt.„Deine Mutter …“, brachte ich erstickt hervor. „Ich habe deine Mutter geliebt, als wäre sie meine eigene. Ich …“ Meine zitternde Hand legte sich auf den Verband unter meinem Kleid. „Ich habe ihr eine Niere gespendet. Gestern habe ich für deine Familie mein Leben riskiert.“Trotz der Tränen hielt ich seinem Blick stand. In meine Verzweiflung mischte sich langsam etwas anderes.Wut.Nicht nur darüber, dass er mich zurückwies, sondern darüber, dass ich für seine Familie ein solches Risiko eingegangen war und er mich nun behandelte, als hätte all das nie etwas bedeutet.„Und so dankst du mir das?“ Meine Stimme brach, doch ich sprach weiter. „Nach allem, was ich für dich getan habe? Wie kannst du mich ansehen, als wäre ich nichts wert?“Sein Gesicht blieb kalt, als hätte ich die letzten dreißig Sekunden nicht mit ihm, sondern mit mir selbst gesprochen.Dann sagte er etwas, das ich niemals vergessen würde.„Hast du wirklich geglaubt, ich würde dich heiraten, nur weil du meiner Mutter eine Niere gespendet hast?“Ich brachte kein Wort heraus. Selbst im Saal wurde es still.„Ich habe dich nie darum gebeten, Evelyn. Du hast selbst entschieden, ihr deine Niere zu geben, und meine Mutter und ich wissen das zu schätzen. Wirklich.“ Sein Blick blieb hart. „Aber steh jetzt nicht hier und erwarte, dass ich dich aus Dankbarkeit heirate, nur weil du beschlossen hast, die Heldin zu spielen.“Ich starrte ihn an, noch fassungsloser als zuvor.Das war der Mann, dem ich acht Jahre meines Lebens geschenkt hatte. Der Mann, bei dem ich geglaubt hatte, endlich einen Menschen gefunden zu haben, der mich so sah, wie ich wirklich war. Der Mann, an den ich geglaubt, den ich geliebt und mit dem ich mir eine Zukunft vorgestellt hatte.
Für dessen Mutter ich einen Teil von mir gegeben hatte. Und so wenig war all das für ihn wert? „Ich wusste vom ersten Tag an, dass du Aufmerksamkeit wolltest“, fügte er hinzu. „Du wolltest unbedingt, dass dich jemand sieht, also habe ich dir diese Aufmerksamkeit gegeben.“ Er betrachtete mich, als wäre ich ein Nichts. „Für mich warst du einfach nur … da. Ich hatte nie vor, dich zu meiner Luna zu machen. Ich hatte nie vor, mein Leben mit dir zu verbringen. Ich habe nur auf die richtige Frau gewartet.“ Seraphina schob ihre Hand in seine. Sie lächelte sanft zu ihm auf. „Damien“, sagte sie leise. „Alle warten schon.“ Dann warf sie mir einen kurzen Blick zu. „Verschwende keine Zeit mehr mit jemandem, der nicht zu unserer Zukunft gehört.“ Ohne zu zögern und ohne ein weiteres Wort wandte Damien mir den Rücken zu und ging mit ihr davon. Ich sah zu, wie sie gemeinsam die Bühne hinaufstiegen, während mir die Tränen unaufhaltsam über die Wangen liefen. „Älteste Gwen“, sagte Damien. „Ich bin bereit.“ Die Älteste lächelte und hob ihren Stab.„Zukünftiger Alpha Damien Blackwood“, hallte ihre Stimme durch den Saal. „Nimmst du Seraphina Ashford vor diesem Rudel zu deiner Luna, deiner Gefährtin und deiner Partnerin?“
„Ja“, sagte er ohne eine Sekunde zu zögern. „Das tue ich.“ „Und Seraphina Ashford … nimmst du Damien Blackwood als deinen Alpha, deinen Gefährten und den Mann an, an dessen Seite du für den Rest deines Lebens stehen wirst?“ Sie lächelte ihn liebevoll an. „Ja, das tue ich.“ Die Leute erhoben sich und applaudierten, während ich wie erstarrt dastand und mit ansehen musste, wie sich direkt vor meinen Augen alles erfüllte, wovon ich acht Jahre lang geträumt hatte. Nur eben mit einer anderen Frau. Dann betrat Frau Blackwood die Bühne. Als ich sie sah, keimte ein letzter Funken Hoffnung in mir auf. Sie wusste, dass ich diejenige war, die ihr geholfen hatte. Sie wusste, wie lange Damien und ich zusammen gewesen waren. Wenn sie nun eine andere Frau an seiner Seite sah, würde sie doch etwas sagen. Sie musste etwas sagen. Frau Blackwood ging auf Seraphina zu. Doch statt auch nur einmal zu mir zu sehen, nahm sie Seraphinas Hände in ihre und lächelte sie warm an. „Willkommen in der Familie“, sagte sie, und ihre Augen glänzten vor Freude. „Ich habe so lange auf diesen Tag gewartet.“ Gewartet? Das Wort hallte in meinem Kopf wider. Was meinte sie damit? Hatte sie Seraphina schon die ganze Zeit gewollt? Hatten alle davon gewusst? War ich wirklich die Einzige gewesen, die nichts geahnt hatte?Als hätte die Menge nur auf diese Frage gewartet, begannen die Leute um mich herum wieder zu flüstern.„Ich hab’s dir doch gesagt. Sie war nie dazu gemacht, eine Luna zu sein.“„Schau dir Seraphina an. So sollte die Luna eines Alphas aussehen.“„Hat Evelyn wirklich geglaubt, jemand mit ihrer Figur könnte Luna werden?“„Ich habe nie verstanden, was Damien an ihr gefunden hat.“„Gar nichts. Jeder wusste doch, dass er am Ende Seraphina wählen würde.“Jede Unsicherheit, die ich jahrelang verdrängt hatte, kam mit voller Wucht zurück.Vielleicht hatten sie recht.Vielleicht hatte ich mir all die Jahre tatsächlich etwas vorgemacht.Damien trat erneut vor. Seine Stimme war laut genug, dass jeder im Saal ihn hören konnte.„Von diesem Tag an …“Sein Blick fand meinen.„… hat Evelyn Hart keinen Platz mehr im Blackwood-Rudel. Was auch immer die Leute zwischen uns vermutet haben mögen, es endet heute. Du bist hier nicht länger willkommen.“Sein Blick wurde hart.„Wachen.“Sofort traten zwei Krieger vor.„Bringt sie nach draußen.“„Nein … bitte, tut das nicht.“Einer der Männer packte mich grob am Arm, und sofort schoss ein stechender Schmerz durch meine Seite.„Bitte …“, brachte ich kaum hörbar hervor. „Ich wurde gerade erst operiert …“Sie hörten mir nicht einmal zu. Sie zerrten mich weiter auf die großen Türen zu, während ich kaum mit ihnen Schritt halten konnte. Der Schmerz wurde mit jeder Bewegung schlimmer, und es fühlte sich an, als würden meine Nähte jeden Moment aufreißen.
Ich stolperte und fiel auf ein Knie. Der Krieger riss mich ohne jede Rücksicht wieder auf die Beine. „Los. Weiter.“ Wir waren nur noch wenige Schritte von der Tür entfernt, als sie plötzlich aufschwang. Einer der Wächter stieß mich grob nach draußen. Ich verlor das Gleichgewicht und stürzte auf die Steinstufen. Mein Körper schlug hart auf, und ich schrie auf, als ein unerträglicher Schmerz durch meinen Unterleib schoss. Genau in diesem Moment erfüllte das Dröhnen mehrerer Motoren die Luft. Sieben schwarze Luxus-SUVs rollten in perfekter Formation durch die Tore. Die Wachen richteten sich augenblicklich auf. Fast alle Ältesten eilten aus der Halle, als wüssten sie bereits genau, wer dort angekommen war, während die Krieger draußen respektvoll die Köpfe senkten. Der Konvoi kam zum Stehen. Einer der Wachmänner eilte zum ersten Fahrzeug und öffnete die hintere Tür. Polierte schwarze Schuhe berührten den Boden. Ein großer Mann stieg aus. Er trug einen makellos geschnittenen schwarzen Mantel, und seine gesamte Erscheinung strahlte eine Autorität aus, die selbst aus der Entfernung beinahe greifbar war. Eine Stille legte sich über den Hof, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte. Niemand wagte zu sprechen. Fast alle hatten den Blick gesenkt.Ich konnte nicht anders, als mich zu fragen, wer dieser Mann war … und warum offenbar jeder hier Angst vor ihm hatte.Er ging auf den Eingang zu.Dann blieb er direkt vor mir stehen.Sein scharfer Blick ruhte auf mir, wie ich zusammengesunken auf den kalten Steinstufen lag und mir noch immer die Tränen über die Wangen liefen.Als er sprach, war seine Stimme tief und ruhig.„Wer … ist die Frau, die vor meiner Zeremonie weint?“SERAPHINAAls ich in mein Zimmer zurückkehrte, öffnete ich leise die Tür und sah, dass Damien bereits tief und fest auf dem Bett schlief.Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, als ich ihn ansah. Er sah so friedlich aus, und einen Moment lang stand ich da und bewunderte ihn. Ich wollte seinen Schlaf nicht stören, also ging ich näher an das Bett heran, um mich neben ihn zu setzen und den Moment zu genießen.In diesem Moment drehte sich Damien auf die andere Seite. Mein Blick fiel sofort auf seine Wange. Ich erstarrte.Seine Wange war so rot, dass es aussah, als hätte jemand fünf Finger fest auf seine Haut gedrückt. Die Spur war deutlich zu sehen, fast so, als wäre eine Hand gegen sein Gesicht gedrückt worden und hätte dort ihren Abdruck hinterlassen.Mein Lächeln verschwand augenblicklich. Ich trat näher und starrte auf seine Wange, um sicherzugehen, dass ich mir das nicht nur einbildete. Aber nein, die Spur war tatsächlich da und starrte mich an.Was? Wie?Als Damien zuvor
SERAPHINAIch kam die Treppe herunter und wäre fast aus der Haut gefahren, als ich plötzlich meinen Vater direkt vor mir stehen sah. „Papa!“, rief ich aus und legte eine Hand auf meine Brust. „Du hast mich fast zu Tode erschreckt! Was ist passiert?“Er lachte leise. „Ach, tut mir leid, mein Schatz. Ich wollte gerade zu dir kommen. Als ich nach Hause kam, fiel mir auf, dass es überall ungewöhnlich still war. Wo warst du denn?“Anstatt sofort zu antworten, ergriff ich seine Hand und zog ihn in Richtung seines Zimmers. Er sah mich überrascht an, während er mir folgte. „Seraphina, warum ziehst du mich in mein Zimmer? Was ist passiert?“Ich führte ihn hinein und schloss die Tür hinter uns. „Papa, Damien ist hier!“, flüsterte ich.Seine Augen weiteten sich. „Was macht Damien hier? Sollte er nicht zu Hause sein? Warum ist er hier?“„Er ist in meinem Zimmer, Papa. Er ruht sich aus, und so wie es aussieht, glaube ich nicht, dass er heute noch gehen wird.“„Was?“ Mein Vater starrte mich an. „Wa
DAMIENSeraphina löste sich langsam aus der Umarmung und sah mich mit einem sanften Lächeln an. „Schatz, du musst dich ausruhen. Komm, lass uns in mein Zimmer gehen.“Ich lächelte und nickte. „Okay, Schatz.“Sie nahm meine Hand, und wir gingen direkt in ihr Schlafzimmer. Sobald wir eintraten, setzte ich mich auf das Bett, streckte die Beine aus und fühlte mich so entspannt wie schon seit Stunden nicht mehr.Seraphina setzte sich neben mich und musterte mein Gesicht. „Schatz, hast du heute schon etwas gegessen?“Ich drehte mich zu ihr um und lächelte. „Noch nicht.“„Warum? Hast du keinen Hunger?“, fragte sie.Ich schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich. Dein Lächeln hat meinen Magen schon gefüllt.“Sie starrte mich einen Moment lang an, bevor ihre Wangen rosa wurden. Ein schüchternes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Willst du mich zum Erröten bringen?“, fragte sie und wandte den Blick ab.Ich lachte leise. „Was denn? Darf ich meiner wunderschönen zukünftigen Frau kein Komplim
DAMIENEinen Moment lang sagte Seraphina nichts. Dann brach sie in schallendes Gelächter aus. „Moment mal! Das Einzige, was sie tun konnte, war, dir eine zu knallen?“ Sie hielt sich die Hand vor den Mund und lachte ungläubig. „Diese Schlampe! Dieses dreckige Schwein! Du hast sie nur zu deiner Hochzeit eingeladen, und sie ist zu dir nach Hause gekommen und hat dir eine geknallt. Sie kann von Glück sagen, dass ich nicht dabei war.“Ich starrte sie an, unsicher, ob ich mich durch ihr Lachen beleidigt fühlen oder erleichtert sein sollte, dass sie nicht wütend auf mich war. „Seraphina …“„Nein, Schatz, ich versuche nur, das zu verstehen!“ Sie schüttelte den Kopf. „Als wir unseren Hochzeitstermin festgelegt hatten – bevor Evelyn und dieser blöde König kamen und alles vermasselt haben –, hatten wir sie eingeladen. Warum ist diese Einladung also plötzlich ein Problem? Was ist los mit dieser Frau?“ Sie warf die Hände hoch. „Wie kann sie es wagen, meinen Mann anzufassen? Meinen süßen Ehemann! O
DAMIEN„Damien, wer hat dich geschlagen?“, wiederholte Seraphina und sah mich besorgt an. Sie trat langsam näher und hob ihre Hand zu meinem Gesicht. Ihre Finger berührten sanft meine Wange, während sie mir in die Augen sah. „Schatz, wer hat dir das angetan?“Ich starrte sie an. In dem Moment, als sie mein Gesicht berührte, veränderte sich etwas in mir. Die Wut, die in meiner Brust gebrannt hatte, begann zu schwinden. Die Frustration, die Demütigung, der Schmerz, den ich seit meinem Weggang von zu Hause mit mir herumgetragen hatte – all das schien unter ihrer Berührung zu zerfließen.Das war eine Sache, die ich an Seraphina liebte.Sie musste sich nicht immer entschuldigen, damit ich mich besser fühlte. Manchmal reichte schon die Art, wie sie mich ansah, wie sie mich berührte oder wie sie mit mir sprach, um mein Herz zu erweichen. Selbst wenn sie der Grund für meine Wut war, wusste sie irgendwie, wie sie mich das vergessen lassen konnte.Und genau das tat sie gerade.Ich war hierherge
DAMIENIch fuhr weiter, bis sich die Wut in mir langsam legte. Mein Atem hatte sich wieder normalisiert, aber meine Gedanken waren immer noch voll von allem, was sich gerade abgespielt hatte. Und jetzt musste ich meinen Kopf frei bekommen; ich musste das Gefühl haben, dass nicht alles in meinem Leben auseinanderfiel. Und die erste Person, die mir in den Sinn kam, war Seraphina.Vielleicht würde es mir besser gehen, wenn ich zu ihr ginge. Vielleicht würde mich der Anblick von ihr daran erinnern, dass ich noch etwas Gutes in meinem Leben hatte. Meine Hochzeit stand nur noch wenige Tage bevor. Ich sollte darüber nachdenken, statt an Evelyn. Ich sollte an Seraphina denken. Sie war die Frau, die ich heiraten würde. Die Frau, die meine Luna werden würde.Bei diesem Gedanken drückte ich noch fester aufs Gaspedal. Ich fuhr direkt zu Seraphinas Haus. Als ich endlich ankam, hielt ich das Auto an und blieb noch ein paar Sekunden lang drinnen sitzen.Dann atmete ich tief durch, stieg aus, schlos







