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Kapitel 2

last update Tanggal publikasi: 2026-07-30 04:30:06

EVELYN

Kaum berührten meine Füße den Boden, durchzuckte ein stechender Schmerz meine Seite. Ich zuckte zusammen und drückte eine Hand gegen den frischen Verband unter meinem Kleid.

„Ganz ruhig“, sagte Damien und streckte sofort die Hand nach mir aus, um mich zu stützen.

„Mir geht’s gut.“

„Du wurdest gerade erst operiert.“

„Ich weiß.“

Sein Arm blieb um meine Taille gelegt und stützte mich, während wir auf die Pack-Halle zugingen. Jeder Schritt tat weh, aber das war mir egal. Mein Herz schlug viel zu schnell, als dass ich noch viel anderes hätte wahrnehmen können.

Die Türen zur Halle öffneten sich vor uns. Warmes Licht strömte nach draußen, begleitet vom Klang der Musik und fröhlicher Gespräche.

Der Saal war atemberaubend. Auf jedem Tisch standen weiße Rosen, silberne Kerzen säumten die Wände, und über den Köpfen der Gäste funkelte ein Kristallleuchter. Für einen Moment vergaß ich zu atmen. Es war wunderschön.

Dann bemerkte ich, dass die Leute mich ansahen.

Ich konnte nur lächeln. Einige lächelten zurück, die meisten jedoch nicht. Stattdessen beugten sie sich zueinander und flüsterten.

Eine Frau hielt sich die Hand vor den Mund und beugte sich zum Ohr des Mannes neben ihr. Ich sah, wie er den Kopf schüttelte und etwas murmelte, laut genug, dass ich jedes Wort verstehen konnte.

„Und sie ist tatsächlich gekommen.“

„Ich dachte, jemand hätte sie aufgehalten“, sagte eine andere Stimme irgendwo in der Nähe.

„Sie tut mir fast schon leid.“

Das Lächeln auf meinem Gesicht verschwand.

 Mitleid? Wofür?

Ich sah Damien an und erwartete, dass er mir erklären würde, was hier vor sich ging, doch er war bereits ein paar Schritte vorausgegangen.

„Damien?“

Er blickte zurück. „Komm“, sagte er ruhig, beinahe zu ruhig, und ging weiter. Ich folgte ihm so schnell, wie mein Körper es zuließ.

Das hielt die Menge nicht davon ab, weiterzuflüstern. Wenn überhaupt, wurde es nur noch schlimmer.

Die Aufregung in mir wich langsam einem Gefühl, das ich nicht erklären konnte. Ein unangenehmes Ziehen breitete sich in meinem Magen aus. Das hier fühlte sich nicht wie die Überraschung an, die ich mir vorgestellt hatte.

Als wir die Mitte des Saals erreichten, nahm Damien den Arm von meiner Taille.

„Ich bin gleich wieder da.“

Bevor ich fragen konnte, wohin er wollte, war er bereits auf dem Weg zur Bühne.

Ich lächelte vor mich hin. Natürlich. Er bereitete alles vor.

Meine Finger strichen nervös über den Stoff meines Kleides. Plötzlich wünschte ich mir, ich hätte etwas Schöneres angezogen, mir vielleicht die Haare gelockt oder sogar Lippenstift aufgetragen.

Würde er es bemerken? Würde er mich trotz der dunklen Ringe unter meinen Augen immer noch schön finden?

Ich musste leise über mich selbst lachen.

„Evelyn …“

Eine ältere Frau aus dem Rudel kam auf mich zu. Ich kannte sie schon seit Jahren. Doch statt mich anzulächeln, nahm sie sanft meine Hand.

„Ich … bete für dich.“

Ich runzelte die Stirn. „Für mich beten?“

 Sie sah aus, als wolle sie noch mehr sagen. Stattdessen seufzte sie nur und ging davon.

Eine seltsame Kälte breitete sich in meiner Brust aus.

Dann verstummte plötzlich die Musik.

Alle wandten sich der Bühne zu. Älteste Gwen trat nach vorn und hob beide Hände, um die Menge zum Schweigen zu bringen.

„Mitglieder des Blackwood-Rudels …“, hallte ihre Stimme durch den Saal. „Heute ist ein Tag zum Feiern.“

Applaus brach aus. Ich lächelte unwillkürlich und rieb nervös meine feuchten Handflächen aneinander.

Älteste Gwen fuhr fort: „Heute erleben wir, wie der zukünftige Alpha ein neues Kapitel seines Lebens aufschlägt.“

Doch ich hörte kaum noch zu. Meine Augen suchten ununterbrochen nach Damien, und als ich ihn endlich entdeckte, wurde mein Lächeln noch breiter. Er stand aufrecht in seinem schwarzen Anzug da und sah in jeder Hinsicht wie der Alpha aus, den alle bewunderten.

Dann … trat eine Frau neben ihn auf die Bühne.

Sie trug ein atemberaubendes weißes Kleid, das sich perfekt an ihren Körper schmiegte, und ihr langes dunkles Haar fiel ihr über die Schultern. Sie war anmutig, elegant und wunderschön. Sie sah aus, als wäre sie direkt einem jener Märchen entstiegen, von denen kleine Mädchen träumten.

Einen Moment lang nahm ich an, dass sie bei der Zeremonie half. Vielleicht war sie die Gastgeberin. Vielleicht …

Sie schob ihre Hand in Damiens.

In dem Moment verschwand das Lächeln aus meinem Gesicht.

Nein.

Das konnte doch nicht wahr sein, oder?

 Älteste Gwen fuhr fort: „Es ist mir eine Ehre, die Vereinigung unseres zukünftigen Alphas anzukündigen …“

Ich hielt den Atem an.

„… Damien Blackwood und seiner Schicksalsgefährtin …“

Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. Obwohl ich die Frau neben ihm mit eigenen Augen sah, betete ein Teil von mir noch immer verzweifelt darum, dass Älteste Gwen als Nächstes meinen Namen nennen würde.

„… Seraphina Ashford.“

Für einen Moment schien die Welt stillzustehen.

Um mich herum standen die Leute auf, klatschten begeistert und jubelten, während ich nur den Mann ansehen konnte, den ich seit acht Jahren liebte und der nun mit einer anderen Frau dort oben stand. Als wäre das noch nicht genug, wurden Blütenblätter in die Luft geworfen.

Doch ich hörte nichts davon.

Das einzige Geräusch, das ich noch wahrnahm, war das heftige Pochen meines eigenen Herzens.

Nein. Nein, das konnte nicht stimmen. Da musste ein Irrtum vorliegen. Es musste einfach so sein.

Ein leises, ungläubiges Lachen entwich mir.

 „Älteste Gwen … sie muss den falschen Namen genannt haben.“

Ich sah mich um und fragte mich, warum niemand Älteste Gwen korrigierte. Es war schließlich nicht so, als hätten sie nichts von meiner Beziehung zu Damien gewusst. Sie wussten sehr wohl davon, und trotzdem verhielten sie sich, als hätte es diese acht Jahre nie gegeben.

Ich sah zu Damien.

Doch er sah mich nicht an.

Er blickte Seraphina so an, wie er früher immer mich angesehen hatte.

Meine Brust zog sich so schmerzhaft zusammen, dass ich den Schmerz an meiner Seite für einen Moment völlig vergaß.

„Damien …“

Sein Name kam mir kaum über die Lippen.

Als hätte er mich endlich gehört, drehte er sich um.

Unsere Blicke trafen sich.

Ich suchte in seinem Gesicht nach Panik, nach Schuld, nach Reue … nach irgendetwas, das erklären konnte, was hier gerade geschah.

Stattdessen sah er mich an, als wäre ich der letzte Mensch, den er in diesem Moment sehen wollte. Als hätte ich etwas unterbrochen, das ihm heilig war.

Er stieg von der Bühne herunter und blieb nur wenige Schritte vor mir stehen.

„Was ist los, Damien?“, fragte ich, bevor ich mich zurückhalten konnte. „Was soll das alles? Warum hat Älteste Gwen den Namen einer anderen Frau genannt und nicht meinen?“

„Ist das nicht offensichtlich?“, fuhr er mich an. „Schau dich doch mal an, Evelyn. Gefällt dir wirklich, was du siehst? Würdest du selbst auch nur eine Sekunde mit jemandem wie dir verbringen wollen?“

Ich starrte ihn fassungslos an.

Warum sagte er so etwas zu mir?

 Das war derselbe Mann, der acht Jahre lang versucht hatte, mich davon zu überzeugen, dass ihm mein Körper egal war und dass ich genauso, wie ich war, schön sei.

Und jetzt machte derselbe Mann mich vor allen Leuten wegen meines Gewichts nieder?

Ich war so schockiert, dass ich kein einziges Wort herausbrachte. Er deutete mein Schweigen offenbar als Bestätigung und fuhr fort.

„Natürlich nicht. Deshalb drängst du dich anderen Menschen ja ständig auf.“ Er sagte es, als wäre für jeden hier offensichtlich, dass ich verzweifelt nach seiner Liebe und Aufmerksamkeit bettelte. „Weißt du was? Ich kann mir nicht einmal vorstellen, den Rest meines Lebens mit dir zu verbringen und mit dir Kinder zu bekommen, die am Ende genauso aussehen wie du. Und ich kann mir nicht vorstellen, nicht einmal in meinen wildesten Träumen, dass du auf meinem Thron sitzt. Er ist nicht für jemanden wie …“

Sein Blick glitt langsam von meinem Kopf bis zu meinen Füßen.

 „… dich gemacht. Der Thron würde unter dir keinen Monat durchhalten. Du wirst niemals meine Luna sein.“

Ich konnte nicht atmen. Ich konnte nicht denken. Ich konnte nicht einmal weinen.

Ich konnte die beiden Menschen vor mir nur anstarren. Der eine war der Mann, den ich acht Jahre lang geliebt hatte. Die andere war die Frau, die irgendwie meinen Platz eingenommen hatte, ohne dass ich es je bemerkt hatte.

Ich sah Damien ein letztes Mal an und kämpfte verzweifelt gegen die Tränen an, die mir bereits in die Augen stiegen.

„… Was von all dem war überhaupt wahr?“

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