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Kapitel 4

last update 게시일: 2026-07-30 04:31:07

EVELYN

„… Wer ist die Frau, die vor dem Saal weint, in dem meine Zeremonie stattfinden soll?“

Selbst durch meinen verschwommenen Blick spürte ich, wie sich die Atmosphäre veränderte. Die Wachen, die mich noch vor wenigen Sekunden hinausgeworfen hatten, traten sofort zurück.

Langsam hob ich den Kopf. Schwarze Lederstiefel blieben nur wenige Schritte von mir entfernt stehen. Ich brachte es nicht über mich, weiter aufzublicken. Alles tat weh. Mein Körper, mein Herz … selbst das Atmen fiel mir schwer.

„Eure Majestät.“

Älteste Gwen eilte herbei und verbeugte sich tief. „Wir wussten nicht, dass Ihr so früh eintreffen würdet.“

Der Mann antwortete ihr nicht. Stattdessen wiederholte er seine Frage.

„Ich habe gefragt …“ Seine Stimme blieb ruhig, doch jedes einzelne Wort strahlte unbestreitbare Autorität aus. „… wer sie ist.“

Stille breitete sich aus. Niemand sagte ein Wort, niemand blickte auch nur in meine Richtung. Es war, als hofften alle darauf, dass jemand anderes zuerst antworten würde.

Schließlich zwang sich Älteste Gwen zu einem Lächeln. „Sie ist … nur eine Besucherin der heutigen Zeremonie.“

Der Blick des Mannes richtete sich wieder auf mich.

„Nur eine Besucherin?“

Ich senkte den Blick und wünschte mir insgeheim, der Boden würde sich auftun und mich einfach verschlucken.

Ich hörte seine Schritte, als er näher kam. Dann blieb er stehen.

 Sein Blick verweilte auf meinem Krankenhausarmband und den blauen Flecken an meinen Armen, die die Wachen hinterlassen hatten. Schließlich wanderte er tiefer zu dem Blutfleck, der sich langsam über die Seite meines hellblauen Kleides ausbreitete.

Sein Gesichtsausdruck verdüsterte sich.

„Interessant.“

Dieses eine Wort reichte aus, um eine spürbare Unruhe durch den gesamten Hof gehen zu lassen. Dann ließ er den Blick über die Anwesenden schweifen.

„Wer hat ihr das angetan?“

Niemand antwortete.

Die Stille dauerte nur wenige Sekunden, bevor Damien einen Schritt nach vorn trat.

„Eure Majestät“, sagte er und verbeugte sich respektvoll. „Das ist eine private Angelegenheit meines Rudels.“

Der Mann wandte sich ihm langsam zu. Er sah nicht wütend aus, doch Damien erstarrte sichtlich unter seinem Blick.

„Habe ich gefragt …“, sagte der König gefährlich leise, „… ob es eine private Angelegenheit ist?“

Damien senkte sofort den Kopf.

„Nein, Eure Majestät.“

Mein Herz hämmerte so heftig, dass es beinahe wehtat.

Wer war dieser Mann?

Selbst Damien, der zukünftige Alpha, der sonst niemanden zu fürchten schien, wirkte neben ihm plötzlich unbedeutend.

Bevor noch jemand etwas sagen konnte, eilte Frau Blackwood herbei. Nervös faltete sie die Hände vor ihrem Körper.

„Eure Majestät.“

Der König sah sie an.

 „Sie war sehr aufgewühlt, als sie erfahren hat, dass mein Sohn sich für eine andere Frau entschieden hat“, erklärte Frau Blackwood. „Als sie gehen wollte, verlor sie den Halt und stürzte.“

Ich starrte sie an.

Die Frau, deren Leben ich gestern gerettet hatte … log, um ihren Sohn zu schützen.

Sie sah mich kein einziges Mal an.

Der König schwieg einen Moment. Dann richtete er seinen Blick direkt auf mich, als würde er versuchen, in mir zu lesen.

„Stimmt das?“

Meine Lippen öffneten sich.

Ich sollte ihm die Wahrheit sagen. Ich sollte ihm erzählen, dass sie mich vor allen gedemütigt hatten. Dass ich nach einer schweren Operation gewaltsam hinausgezerrt und auf die Steinstufen gestoßen worden war. Dass ich gestern eine meiner Nieren gespendet hatte, um genau die Frau zu retten, die nun vor mir stand und log, um ihren Sohn zu schützen.

Stattdessen nickte ich.

„Ja.“

Frau Blackwood atmete leise aus.

Damien wirkte nicht einmal überrascht. Vielleicht kannte er mich tatsächlich zu gut. Er wusste, dass ich es selbst jetzt nicht über mich brachte, den Menschen wehzutun, die mir einmal etwas bedeutet hatten.

Der Blick des Königs wich nicht von meinem Gesicht. Es war beunruhigend, beinahe so, als könnte er jede einzelne meiner Lügen durchschauen.

Ein Mann in einem schwarzen Anzug trat neben ihn. Er war fast ebenso groß wie der König und hatte mich offenbar während des gesamten Gesprächs schweigend beobachtet.

Nun beugte er sich leicht zu ihm.

„Eure Majestät“, sagte er leise. „Sie blutet.“

 Der Blick des Königs fiel erneut auf mein Kleid.

Frisches Blut hatte begonnen, den Stoff zu durchtränken, und einzelne Tropfen fielen bereits auf den Boden.

Ich hatte es nicht einmal bemerkt.

Vielleicht war der Schmerz in meiner Brust inzwischen einfach stärker als der in meinem Körper.

Der Kiefer des Königs spannte sich an.

„Nehmt sie mit.“

Sofort traten zwei seiner Männer vor, doch Älteste Gwen hob hastig eine Hand.

„Eure Majestät, sie gehört nicht zum königlichen Rudel.“

Ohne den Blick von mir abzuwenden, antwortete der König: „Ab jetzt steht sie unter meinem Schutz … zumindest so lange, bis ich weiß, warum eine verletzte Frau hier blutend auf den Stufen liegt.“

Die Stille, die darauf folgte, kam mir wie eine Ewigkeit vor.

Niemand wagte es, ihm zu widersprechen.

Niemand außer Damien.

„Eure Majestät.“ Er trat erneut vor. „Wenn Ihr gestattet …“

Der König sah ihn an.

Er sagte kein Wort, doch sein Schweigen war Warnung genug.

Damien schluckte, bevor er fortfuhr.

„Sie und ich waren zusammen.“ So leise hatte ich seine Stimme noch nie gehört. „Unsere Beziehung ist heute zu Ende gegangen. Ich versichere Euch, sie wird Euch nur zur Last fallen.“

Das Gesicht des Königs verriet nichts.

Er sah Damien einfach nur an, lange genug, dass sich erste Schweißperlen an dessen Schläfe bildeten.

Dann fragte er mit ruhiger Stimme, die dennoch über den gesamten Innenhof zu tragen schien:

„Wenn sie wirklich deine Vergangenheit ist …“

Sein Blick glitt kurz zu mir, bevor er wieder auf Damien fiel.

„… warum macht dir dann ihre Zukunft solche Angst?“

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