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„… Wer ist die Frau, die vor dem Saal weint, in dem meine Zeremonie stattfinden soll?“Selbst durch meinen verschwommenen Blick spürte ich, wie sich die Atmosphäre veränderte. Die Wachen, die mich noch vor wenigen Sekunden hinausgeworfen hatten, traten sofort zurück.Langsam hob ich den Kopf. Schwarze Lederstiefel blieben nur wenige Schritte von mir entfernt stehen. Ich brachte es nicht über mich, weiter aufzublicken. Alles tat weh. Mein Körper, mein Herz … selbst das Atmen fiel mir schwer.„Eure Majestät.“Älteste Gwen eilte herbei und verbeugte sich tief. „Wir wussten nicht, dass Ihr so früh eintreffen würdet.“Der Mann antwortete ihr nicht. Stattdessen wiederholte er seine Frage.„Ich habe gefragt …“ Seine Stimme blieb ruhig, doch jedes einzelne Wort strahlte unbestreitbare Autorität aus. „… wer sie ist.“Stille breitete sich aus. Niemand sagte ein Wort, niemand blickte auch nur in meine Richtung. Es war, als hofften alle darauf, dass jemand anderes zuerst antworten würde.Schließlich zwang sich Älteste Gwen zu einem Lächeln. „Sie ist … nur eine Besucherin der heutigen Zeremonie.“Der Blick des Mannes richtete sich wieder auf mich.„Nur eine Besucherin?“Ich senkte den Blick und wünschte mir insgeheim, der Boden würde sich auftun und mich einfach verschlucken.Ich hörte seine Schritte, als er näher kam. Dann blieb er stehen.Sein Blick verweilte auf meinem Krankenhausarmband und den blauen Flecken an meinen Armen, die die Wachen hinterlassen hatten. Schließlich wanderte er tiefer zu dem Blutfleck, der sich langsam über die Seite meines hellblauen Kleides ausbreitete.
Sein Gesichtsausdruck verdüsterte sich. „Interessant.“ Dieses eine Wort reichte aus, um eine spürbare Unruhe durch den gesamten Hof gehen zu lassen. Dann ließ er den Blick über die Anwesenden schweifen. „Wer hat ihr das angetan?“ Niemand antwortete. Die Stille dauerte nur wenige Sekunden, bevor Damien einen Schritt nach vorn trat. „Eure Majestät“, sagte er und verbeugte sich respektvoll. „Das ist eine private Angelegenheit meines Rudels.“ Der Mann wandte sich ihm langsam zu. Er sah nicht wütend aus, doch Damien erstarrte sichtlich unter seinem Blick. „Habe ich gefragt …“, sagte der König gefährlich leise, „… ob es eine private Angelegenheit ist?“ Damien senkte sofort den Kopf. „Nein, Eure Majestät.“ Mein Herz hämmerte so heftig, dass es beinahe wehtat. Wer war dieser Mann? Selbst Damien, der zukünftige Alpha, der sonst niemanden zu fürchten schien, wirkte neben ihm plötzlich unbedeutend. Bevor noch jemand etwas sagen konnte, eilte Frau Blackwood herbei. Nervös faltete sie die Hände vor ihrem Körper. „Eure Majestät.“ Der König sah sie an.„Sie war sehr aufgewühlt, als sie erfahren hat, dass mein Sohn sich für eine andere Frau entschieden hat“, erklärte Frau Blackwood. „Als sie gehen wollte, verlor sie den Halt und stürzte.“
Ich starrte sie an. Die Frau, deren Leben ich gestern gerettet hatte … log, um ihren Sohn zu schützen. Sie sah mich kein einziges Mal an. Der König schwieg einen Moment. Dann richtete er seinen Blick direkt auf mich, als würde er versuchen, in mir zu lesen. „Stimmt das?“ Meine Lippen öffneten sich. Ich sollte ihm die Wahrheit sagen. Ich sollte ihm erzählen, dass sie mich vor allen gedemütigt hatten. Dass ich nach einer schweren Operation gewaltsam hinausgezerrt und auf die Steinstufen gestoßen worden war. Dass ich gestern eine meiner Nieren gespendet hatte, um genau die Frau zu retten, die nun vor mir stand und log, um ihren Sohn zu schützen. Stattdessen nickte ich. „Ja.“ Frau Blackwood atmete leise aus. Damien wirkte nicht einmal überrascht. Vielleicht kannte er mich tatsächlich zu gut. Er wusste, dass ich es selbst jetzt nicht über mich brachte, den Menschen wehzutun, die mir einmal etwas bedeutet hatten. Der Blick des Königs wich nicht von meinem Gesicht. Es war beunruhigend, beinahe so, als könnte er jede einzelne meiner Lügen durchschauen. Ein Mann in einem schwarzen Anzug trat neben ihn. Er war fast ebenso groß wie der König und hatte mich offenbar während des gesamten Gesprächs schweigend beobachtet. Nun beugte er sich leicht zu ihm. „Eure Majestät“, sagte er leise. „Sie blutet.“Der Blick des Königs fiel erneut auf mein Kleid.
Frisches Blut hatte begonnen, den Stoff zu durchtränken, und einzelne Tropfen fielen bereits auf den Boden. Ich hatte es nicht einmal bemerkt. Vielleicht war der Schmerz in meiner Brust inzwischen einfach stärker als der in meinem Körper. Der Kiefer des Königs spannte sich an. „Nehmt sie mit.“ Sofort traten zwei seiner Männer vor, doch Älteste Gwen hob hastig eine Hand. „Eure Majestät, sie gehört nicht zum königlichen Rudel.“ Ohne den Blick von mir abzuwenden, antwortete der König: „Ab jetzt steht sie unter meinem Schutz … zumindest so lange, bis ich weiß, warum eine verletzte Frau hier blutend auf den Stufen liegt.“ Die Stille, die darauf folgte, kam mir wie eine Ewigkeit vor. Niemand wagte es, ihm zu widersprechen. Niemand außer Damien. „Eure Majestät.“ Er trat erneut vor. „Wenn Ihr gestattet …“ Der König sah ihn an. Er sagte kein Wort, doch sein Schweigen war Warnung genug. Damien schluckte, bevor er fortfuhr. „Sie und ich waren zusammen.“ So leise hatte ich seine Stimme noch nie gehört. „Unsere Beziehung ist heute zu Ende gegangen. Ich versichere Euch, sie wird Euch nur zur Last fallen.“ Das Gesicht des Königs verriet nichts. Er sah Damien einfach nur an, lange genug, dass sich erste Schweißperlen an dessen Schläfe bildeten. Dann fragte er mit ruhiger Stimme, die dennoch über den gesamten Innenhof zu tragen schien: „Wenn sie wirklich deine Vergangenheit ist …“ Sein Blick glitt kurz zu mir, bevor er wieder auf Damien fiel. „… warum macht dir dann ihre Zukunft solche Angst?“EVELYNKael bemühte sich, wieder auf die Beine zu kommen. Er stand unsicher da, sein Körper zitterte, während weiterhin Blut aus seinem Mund und seiner Nase floss. Er versuchte, es mit der Hand wegzuwischen, doch das Blut befleckte weiterhin sein Gesicht und breitete sich auf seiner Kleidung aus.„Eure Majestät …“, stammelte er und rang um die richtigen Worte. „Was habe ich getan? Ich habe nichts Falsches getan. Ich habe ihr nichts angetan. Ich habe ihr das nicht angetan. Ich könnte Evelyn niemals wehtun. Eure Majestät, Ihr wisst, dass ich ihr nichts antun kann.“„Halt den Mund!“, schrie ich unter Tränen.Ich konnte meine Gefühle nicht länger zurückhalten. Mein Herz schmerzte, und der Anblick, wie er dort stand und versuchte, sich zu verteidigen, machte es mir nur noch schwerer. „Du hast sie zu mir gebracht!“, schrie ich. „Du hast mir meine schlimmste Feindin gebracht! Warum hast du mir das angetan? Warum? Ich habe dir vertraut, Kael! Ich habe dir wie einem Freund vertraut. Ich habe d
EVELYN„Evelyn!“, rief Lady Selene meinen Namen und eilte sofort auf mich zu. Sie kniete sich neben mich und hielt mich fest, ihre Augen voller Sorge und Angst. „Evelyn, was ist mit dir passiert?“, fragte sie und blickte mir ins Gesicht. „Wer hat dir das angetan?“Ich konnte ihr keine Antwort geben … Ich wollte sie nicht beunruhigen.Sie wandte sich dem König zu, ihr Gesichtsausdruck wurde plötzlich ernst. „Alexandru, wer hat ihr das angetan? Wer wagt es, Hand an sie zu legen? Wer würde so etwas wagen?“Der König sah sie an, sein Gesicht vor Wut verzerrt. „Seraphina.“Lady Selene ließ mich sofort los und trat einen Schritt zurück, während sie ihn ungläubig anstarrte. „Wie? Hast du Seraphina gesagt? Meinst du Seraphina Ashford, die Tochter von Victor Ashford?“„Ja“, antwortete der König mit fester Stimme.Stille breitete sich im ganzen Saal aus. Niemand sagte ein Wort. Niemand wagte es, zu sprechen. Nur in unseren Gedanken sprachen wir.Der König holte tief Luft, bevor er seine Aufmerk
EVELYNIch hielt mir immer noch die Wange, als ich erneut in Tränen ausbrach. Ich weinte so heftig, dass ich mir an die Brust griff und das Gefühl hatte, ich würde es nicht mehr aushalten. Die Demütigung war zu viel für mich. Wie konnte Seraphina den ganzen Weg bis in mein Zimmer kommen und mich so verprügeln? Wie konnte sie es wagen, mir so etwas mitten im Palast anzutun?Während ich weiter weinte, hörte ich plötzlich ein Geräusch. Ich erstarrte. Angst ergriff sofort mein Herz, und ich stand sofort auf, die Hand an die Brust gepresst. „Ist das immer noch Seraphina?“, flüsterte ich ängstlich. „Kommt sie jetzt zurück, um mich zu töten?“Ich starrte direkt auf die Tür und wartete darauf, dass derjenige, der sich näherte, hereinkam und sich zu erkennen gab. Mein Herz hämmerte schmerzhaft, während ich den immer näher kommenden Schritten lauschte.Dann kam mir ein anderer Gedanke: Ich kann nicht einfach hier stehen bleiben und darauf warten, dass sie mich verschlingt. Ich sah mich schnell
EVELYNIch umklammerte meine Wange und brach in Tränen aus. Ich weinte so heftig, dass ich mich kaum noch beherrschen konnte. Mein Kopf war voller Fragen, und ich konnte nicht begreifen, wie das alles geschehen war.Wie hatte sie Zugang zu meinem Zimmer bekommen? Wie?Ich dachte, hier wäre ich sicher. Ich dachte, so etwas könnte mir hier im Palast nicht passieren. Wie hatte Seraphina es geschafft, in mein Zimmer zu gelangen? Wie hatte sie das gemacht? War sie irgendwie aufgetaucht und wieder verschwunden? Wie konnte sie den ganzen Weg vom Haupttor bis in mein Zimmer zurücklegen, ohne dass auch nur ein einziger Wächter sie aufgehalten hätte? Wie konnte es sein, dass keiner der Wächter – oder sogar der König selbst – sie gesehen und daran gehindert hatte, in mein Zimmer zu kommen?Das war unmöglich. Es war völlig undenkbar, dass die Wächter jemanden ohne Erlaubnis in mein Zimmer gehen ließen und sie trotzdem passieren ließen. War sie im Palast irgendwie unsichtbar geworden? Wie hatte si
SERAPHINAAls wir zu Hause ankamen, lächelte ich immer noch vor mich hin und dachte an alles zurück, was im Palast passiert war. Meine Arme taten zwar immer noch weh, aber die Zufriedenheit in meinem Herzen reichte aus, um mich den Schmerz vergessen zu lassen.Papa parkte das Auto vor dem Haus, und wir stiegen aus. In dem Moment, als ich zum Eingang hinblickte, verschwand mein Lächeln ein wenig. Damien stand vor der Tür. Er sah besorgt aus, und sobald er uns sah, eilte er auf mich zu. „Wo wart ihr denn?“, fragte er mit besorgter Stimme. „Ich bin aufgewacht und konnte dich nirgends finden, Seraphina. Ich konnte nicht einmal deinen Vater finden. Es war, als wäre das ganze Haus plötzlich leer geworden und ich wäre die einzige Person, die noch hier war.“Er fuhr sich frustriert mit der Hand durch die Haare. „Ich habe euch beide immer wieder angerufen, aber niemand hat abgenommen. Seraphina, wenn ihr irgendwohin gegangen seid, hättet ihr es mir sagen sollen. Ihr hättet mich nicht einfach
SERAPHINAAls wir vom Palast wegfuhren, lehnte ich mich in meinem Sitz zurück und atmete tief und lang aus. Ich atmete langsam ein und dann wieder aus, um mich zu beruhigen. Mein Herz schlug immer noch schnell, und meine Arme fingen an, furchtbar zu schmerzen.„Papa“, sagte ich schließlich und drehte mich zu ihm um. „Meine Arme tun weh.“Er warf mir einen Blick zu. „Deine Arme?“„Ja, Papa!“, beschwerte ich mich und rieb sie mir. „Die Schmerzen sind unerträglich. Ich spüre meine Knochen kaum noch. Ich hoffe, Evelyn ist nicht tot. Denn wenn sie es ist, wäre das dann nicht sogar noch besser?“Mein Vater drehte sich überrascht zu mir um. „Was? Hast du gesagt, es wäre besser, wenn sie tot wäre?“Ich brach in Gelächter aus. „Papa, das war nur ein Scherz!“Er schüttelte den Kopf, wirkte aber immer noch amüsiert. „Dann erzähl mir, was passiert ist. Wie ist alles gelaufen?“Ich holte noch einmal tief Luft, bevor ich anfing, ihm alles zu erklären, was im Palast geschehen war. Ich erzählte ihm,







