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Nicht er

Author: RHUSE
last update publish date: 2026-08-24 19:59:45

ARDENS POV

Ich ignorierte ihr Geschrei während der gesamten Fahrt, bis ich schließlich vor einem Restaurant anhielt.

Sie war temperamentvoll.

Laut.

Nervig.

Definitiv nicht mein Typ.

Als sie mir gesagt hatte, dass sie ebenfalls kein Interesse an dieser Ehe hatte, war ich sogar erleichtert gewesen. Das hätte alles einfacher machen sollen.

Dann tauchte Brianna auf und ruinierte alles.

Diese Frau hatte ein explosives Temperament – scharf, unberechenbar und laut.

Genau wie Tatum.

Warum warf das Schicksal mir ständig solche Frauen in den Weg?

Nachdem Tatum gegangen war, brauchte ich fast eine Stunde, um Brianna zu beruhigen, bevor sie schließlich wütend das Restaurant verließ.

Frieden hielt nie lange.

AM NÄCHSTEN TAG

TATUMS WOHNUNG

Ich war immer noch wütend über das, was diese Hexe gestern gesagt hatte.

Das war der einzige Grund gewesen, warum ich mich überhaupt in diesen lächerlichen Streit eingemischt hatte.

Ich war fast frei von dieser arrangierten Ehe gewesen.

Fast.

Jetzt steckte ich tiefer darin als je zuvor.

Ich ließ mich auf mein Bett fallen und stöhnte.

„Ich bin so was von erledigt“, rief ich halb verzweifelt und zog an meinen Haaren. „Was habe ich mir nur dabei gedacht, als ich diese Worte gesagt habe?“

„Tatum!“

Liams Stimme kam aus seinem Zimmer.

Ich ging hinein und fand ihn in seiner Schuluniform vor – halb darin verheddert wie ein gefangenes Oktopusbaby.

„Hilf mir“, sagte er stolz, als wäre das Ganze eine beeindruckende Leistung.

Ich versuchte, nicht zu lachen.

Liam war seit dem Tag seiner Geburt an meiner Seite gewesen.

Wir hatten noch keinen einzigen Tag getrennt voneinander verbracht.

Und jetzt musste ich ihm sagen, dass ich ihn verlassen würde.

Ich kniete mich vor ihn und richtete seine schiefe Krawatte.

„Ist alles okay?“, fragte er leise.

Ich hielt inne.

Liam bemerkte immer alles.

„Mir geht's gut“, log ich und stupste ihm gegen die Wange.

Er kniff die Augen zusammen.

„Du stupst meine Wange nur an, wenn du lügst.“

Ich blinzelte.

„Seit wann bist du so aufmerksam?“

„Seit ich sieben geworden bin.“

Ich seufzte theatralisch und setzte mich neben ihn.

„Liam ... wie würdest du es finden, auf ein Internat zu gehen? Ein riesiger Spielplatz. Viele Freunde. Schicke Zimmer.“

Seine Augen leuchteten zunächst auf.

Dann wurde sein Blick traurig.

„Das bedeutet, dass ich dich nicht jeden Tag sehen werde.“

Es war keine Frage.

Ich nickte langsam.

Er sah auf seine Schuhe und ließ die Beine baumeln.

„Schon okay“, sagte er nach einer Weile und reckte stolz die Brust.

„Ich bin jetzt ein erwachsener Mann. Ich kann das überleben.“

Ich hob eine Augenbraue.

„Ein erwachsener Mann, der vor fünf Minuten von seiner eigenen Krawatte erwürgt wurde?“

Er schnappte empört nach Luft.

„Das war taktisches Training.“

Ich brach in Gelächter aus.

Er beobachtete mich aufmerksam.

„Gehst du irgendwohin?“, fragte er.

Dann fügte er leiser hinzu:

„Oder hast du einfach keine Lust mehr auf mich?“

Mein Lächeln verschwand.

„Sag so etwas niemals“, sagte ich sanft und nahm sein Gesicht in meine Hände.

„Ich könnte niemals genug von dir haben.“

„Warum dann ein Internat?“

Ich schluckte.

„Weil ... Tatum heiraten wird.“

Seine Augen wurden groß.

„So richtig heiraten?“

„Ja.“

„Mit Hochzeitstorte?“

„Ja.“

„Mit Babys?“

Ich verschluckte mich beinahe.

„Wie bitte?“

„Tante Amelia hat gesagt, wenn du heiratest, bekommst du ganz viele Babys. Und dann kann ich mit ihnen spielen.“

„Diese böse Frau“, murmelte ich.

Liam grinste.

„Also, wann kommen meine Babys?“

„Du bekommst ab sofort ein Gesprächsverbot mit Tante Amelia.“

Er lachte und umarmte mich plötzlich.

„Ich werde dich vermissen“, flüsterte er.

Das brach mich mehr als alles andere.

Später zog ich mich an und verließ gemeinsam mit Liam das Haus.

Nachdem ich ihn zur Schule gebracht hatte, fuhr ich zur Firma.

Gerade als ich auf den Parkplatz fuhr, klingelte mein Handy.

Der Alte.

„Guten Morgen, Sir“, sagte ich und stellte den Motor ab.

„Guten Morgen, meine Liebe. Ich weiß, es ist früh, deshalb halte ich dich nicht lange auf.“

Seine Stimme war ruhig.

„Heute Abend wird ein Fahrer dich von deinem Zuhause abholen und zu deinem neuen Zuhause bringen. Du kannst deinen Bruder vorerst mitnehmen. Ich werde morgen jemanden schicken, der ihn abholt und zur Schule fährt.“

Er legte auf, bevor ich antworten konnte.

Ich starrte auf mein Handy.

„Was für ein schöner Start in den Morgen“, murmelte ich und stieg aus.

In der Firma begrüßte ich meine Kollegen wie gewohnt und stieg in den Aufzug.

Gott sei Dank schien niemand über die Verlobung zu sprechen.

Vielleicht hatten sie die Nachricht nicht gesehen.

Als ich meine Abteilung erreichte, stellte ich meine Tasche ab und atmete erleichtert auf.

„Die Hexe ist noch nicht da“, flüsterte ich.

Falsch.

Bevor ich auch nur blinzeln konnte, kam sie bereits auf mich zu.

Ich hatte nicht vor, meine Deckung fallen zu lassen, also richtete ich meinen Blick auf den Laptop.

„Du besitzt ja wirklich die Frechheit, nach dem, was du gestern getan hast, hier aufzutauchen“, sagte Brianna laut und blieb direkt vor meinem Schreibtisch stehen.

Mehrere Köpfe drehten sich zu uns.

Flüstern setzte ein.

„Hast du dich gestern nicht schon genug blamiert?“, erwiderte ich ruhig.

„Willst du wirklich dieselbe Show noch einmal abziehen?“

„Hast du mich gerade peinlich genannt?“

Ich seufzte.

„Ich hasse Gespräche mit Menschen, die Schwierigkeiten haben, einfache Sätze zu verstehen.“

Ich stand auf und wollte gehen.

Sie packte mein Handgelenk.

„Ich rede noch mit dir. Weißt du überhaupt, worauf du dich da einlässt?“

Sie lag nicht völlig falsch.

Ich arbeitete in der Entertainment-Firma ihrer Familie.

Sie konnte mein Leben zur Hölle machen.

Aber ich würde mich nicht auf ihr Niveau herablassen.

„Bitte, Brianna. Es ist noch früh“, sagte ich und blickte auf die größer werdende Menge.

„Lass es einfach gut sein.“

Ich drehte mich um.

Sie packte meine Haare.

Entsetzte Rufe hallten durch den Raum.

Ich griff nach ihrem Handgelenk und versuchte, ihre Hand von mir zu lösen.

Aber sie ließ nicht los.

„Lass mich los, Brianna.“

Nichts.

„Hör auf!“, fauchte ich und griff ihr ebenfalls ins Haar.

Die Leute stürmten auf uns zu und versuchten, uns auseinanderzubringen.

Doch sie war genauso stur wie ich.

Dann—

Eine kräftige Hand schloss sich um meinen Arm und zog mich nach hinten.

Jemand hielt mich fest.

„Wer zum Teu—“

Ich erstarrte.

Xavier Voss.

Der Xavier Voss.

Schauspieler.

Model.

Die große Obsession der Nation.

Und ja – ich war Teil dieser Nation.

Wir hatten uns einmal auf einer Party getroffen.

Er war charmant gewesen.

Sanft.

Alles, was Arden nicht war.

Er beugte sich leicht zu mir.

„Sie ist es nicht wert“, murmelte er dicht an meinem Ohr.

Mein Magen zog sich zusammen.

Für einen Moment vergaß ich beinahe zu atmen.

Auf der anderen Seite wurde Brianna ebenfalls festgehalten.

Von Arden.

Natürlich.

Die beiden Cousins standen sich gegenüber.

Sie hätten temperamentmäßig nicht unterschiedlicher sein können.

Xavier war mühelose Wärme.

Arden war kontrolliertes Eis.

Wenn nicht ihr Nachname gewesen wäre, hätte niemand geglaubt, dass sie miteinander verwandt waren.

Sie gingen sich überall aus dem Weg.

Wenn Arden bei einer Veranstaltung auftauchte, blieb Xavier fern.

Wenn Xavier erschien, war Arden nicht da.

Gerüchten zufolge war es schon seit ihrer Kindheit so.

Sie hatten niemals zugelassen, dass sich ihre Welten überschnitten.

Und jetzt?

Standen sie im selben Raum.

Wegen mir.

„Beruhige dich, Brianna“, sagte Arden ruhig.

Doch er sah sie nicht an.

Sein Blick war auf Xaviers Hand gerichtet, die noch immer auf meiner Schulter lag.

Kein finsterer Blick.

Keine Wut.

Nur ...

Beobachtung.

Aufmerksam.

„Du verteidigst sie?“, kreischte Brianna.

Arden antwortete nicht.

Xaviers Finger blieben dort, wo sie waren.

Bewusst.

Beinahe beiläufig.

„Was genau machst du hier?“, fragte Arden gleichmäßig.

Seine Stimme war ruhig.

Zu ruhig.

Gebietend.

Als würde er eine Grenze ziehen.

Xavier grinste.

„Ich kann mich nicht daran erinnern, dass dieses Gebäude ein Unternehmen der Voss-Familie ist“, erwiderte er locker.

„Und es ist auch kein Kino, also bin ich definitiv nicht hier, um mir eine Show anzusehen.“

Er klopfte mir leicht auf die Schulter.

„Ich hätte nur nicht erwartet, dass deine Freundin eine Angestellte belästigt.“

Er grinste.

„Interessanter Geschmack.“

Die Stimmung im Raum veränderte sich.

Arden trat einen Schritt nach vorn.

Nicht aggressiv.

Nur weit genug.

Sein Kiefer spannte sich leicht an.

„Wähl deine Worte mit Bedacht.“

Nicht laut.

Aber bestimmt.

Xavier wandte sich stattdessen mir zu.

„Pass auf dich auf, kleines Häschen“, sagte er und zerzauste mir sanft die Haare.

„Und bleib aus Schwierigkeiten heraus.“

Entsetzte und begeisterte Rufe gingen durch den Raum.

Xavier ging einfach davon, als hätte er nicht gerade eine Bombe gezündet.

Sofort brachen die Flüstereien los.

„Sie hat so ein Glück ...“

„Habt ihr das gesehen?“

„Oh mein Gott ...“

Arden hatte sich nicht bewegt.

Seine Hand war zur Faust geballt.

Nicht zitternd.

Nicht wild.

Einfach nur angespannt.

Sein Blick senkte sich auf die Stelle, die Xavier berührt hatte.

Dann hob er langsam den Kopf und sah mich an.

Unlesbar.

Kalt.

Besitzergreifend auf eine gefährliche Art.

Er sah nicht eifersüchtig aus.

Er sah ...

verärgert aus.

Als hätte jemand eine Grenze überschritten, die niemals hätte überschritten werden dürfen.

Und obwohl er mich nicht wollte—

obwohl diese Ehe erzwungen war—

lag etwas in seinem Blick, das eindeutig sagte:

Nicht er.

Jeder außer ihm.

Und ich wusste nicht, ob mich das sicherer machte ...

oder ob ich dadurch erst recht in Gefahr war.

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