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Blut an seinen Händen

Author: RHUSE
last update Petsa ng paglalathala: 2026-08-24 19:59:48

TATUM'S POV

NACHT

Die Fahrt zu Ardens Villa fühlte sich endlos an.

Liam schlief auf meinem Schoß auf dem Rücksitz. Seine kleinen Finger hatten sich in mein Kleid gekrallt, als hätte er selbst im Schlaf Angst, mich loszulassen.

Der Blick des Fahrers blieb fest auf der Straße. Still. Vorsichtig. Als könnte selbst ein zu lauter Atemzug die fragile Kontrolle zerstören, die mir noch geblieben war.

Doch meine Gedanken waren nicht hier.

Sie waren noch immer bei Ardens Gesicht von vorhin.

Bei diesem Blick.

Diese Warnung.

Es könnte jeder sein – nur er.

Er hatte nicht das Recht, mir zu drohen.

Er hatte nicht das Recht, mich zu kontrollieren.

Nicht nachdem er versucht hatte, mich in diesem Restaurant wie eine billige Transaktion abzufertigen.

Ich schluckte schwer.

„Wir sind da, Ma'am“, sagte der Fahrer sanft.

Schon?

Es fühlte sich an, als wären wir gerade erst losgefahren.

Er hupte, um das Tor anzukündigen.

Nichts geschah.

Er stieg aus, sprach mit den Wachen und kam schließlich zurück.

„Gibt es ein Problem?“, fragte ich, obwohl ich die Antwort bereits kannte.

„Der Wachmann sagte, er habe die Anweisung erhalten, das Tor erst zu öffnen, wenn Mr. Arden zurückkommt.“

Natürlich.

Kleinlich.

Arrogant.

Berechnend.

Ich bat den Fahrer, die Klimaanlage auszuschalten. Liam bekam wegen seiner Krankheit leicht eine Erkältung.

Der Fahrer gehorchte sofort. Besorgnis flackerte über sein Gesicht.

Wir warteten.

Und warteten.

Bis schließlich Scheinwerfer die Dunkelheit durchschnitten.

Arden.

Das Tor öffnete sich augenblicklich.

Der Fahrer stieg schnell wieder ein und fuhr uns hinein.

Das Auto hielt.

Ich stieg aus und hob Liam vorsichtig in meine Arme.

Der Fahrer bot mir seine Hilfe an, aber ich schüttelte den Kopf.

Ich hatte meinen Bruder schon durch Schlimmeres getragen.

Die Hausmädchen eilten herbei, um mein Gepäck zu nehmen.

Arden würdigte mich keines Blickes.

Er ging einfach hinein, als würde ich nicht existieren.

Diese Unverschämtheit.

Ich folgte ihm.

„Du weißt schon“, rief ich scharf, „eine kleine Entschuldigung würde dich in einer Situation wie dieser nicht umbringen.“

Er blieb stehen.

Langsam drehte er sich zu mir um.

„Was hast du gesagt?“

„Deine Freundin hat mich belästigt. Du hast mich draußen vor dem Tor wie einen streunenden Hund warten lassen. Glaubst du wirklich, ich freue mich darüber, hier zu sein?“

Er antwortete nicht.

Stattdessen winkte er eine Hausangestellte zu sich.

„Bring den Jungen in ein Zimmer.“

Die Frau eilte sofort zu mir und nahm Liam vorsichtig entgegen.

Dann wandte Arden sich wieder mir zu.

„Ich hasse es, wenn ich erschöpft bin und jemand mir ständig ins Gesicht redet.“

Seine Stimme war kalt.

„Verschwinde aus meinem Blickfeld. Du verabscheust mich.“

Und damit ging er.

Einfach so.

Etwas zog sich in meiner Brust zusammen.

Ich hatte Grausamkeit erwartet.

Aber trotzdem tat es weh.

„Dieser Bastard ...“, murmelte ich.

Der Fahrer von zuvor kam auf mich zu und reichte mir einen Autoschlüssel.

„Mr. Dayton hat mich gebeten, Ihnen diesen zu geben. Er sagte, es sei Ihr Hochzeitsgeschenk.“

Hochzeitsgeschenk?

Ein Auto?

„Wie genau soll ich damit zur Arbeit fahren, ohne dass alle Fragen stellen?“, flüsterte ich vor mich hin, während ich zu meinem Zimmer ging.

Diese Ehe war kein Segen.

Sie war ein Gefängnis.

Nur war dieses Gefängnis in Gold gehüllt.

---

ARDENS POV

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so früh in meinem Leben in eine Situation wie diese verstricken würde.

Ich hatte immer gehofft, der Alte würde sich nicht für mich interessieren – genauso wenig wie für Xavier.

Xavier.

Der unerwünschte Erbe.

Seine Mutter hatte die Familie verlassen, als er noch ein Kind gewesen war. Sein Vater war nicht lange nach seiner Geburt gestorben – sogar noch bevor ich auf die Welt gekommen war, da wir nur ein Jahr auseinanderlagen.

Der Alte hatte das Leben dieser Frau zur Hölle gemacht.

Ihr Mann hatte sie gegen den Willen des Alten geheiratet, und ihretwegen hatte ihre eigene Familie den Kontakt zu den Voss abgebrochen und sie zurück nach Hause gezwungen.

Wenn mein Vater so mutig wie sein älterer Bruder gewesen wäre, wäre mein Leben vielleicht anders gewesen.

Besser.

Ich beneidete ihn um diesen Mut.

Doch die Manipulation des Alten hatte mich geprägt, seit ich ein Kind war.

Ich verachtete ihn.

Ich konnte nicht einmal seine Gegenwart ertragen.

Und jetzt musste ich ihn auch noch mit dieser sogenannten Tatum sehen.

Allein der Gedanke daran ließ mein Blut kochen.

Ich wollte sie nicht in meiner Nähe.

Ich war für die Arbeit angezogen und gerade im Begriff zu gehen, als ein kleiner Junge gegen mich stieß und zu Boden fiel.

Seine runden Wangen erinnerten mich an Amelia, als sie klein gewesen war.

Daran, wie ich früher ihre Wangen gedrückt hatte, weil sie so weich und pausbäckig waren.

Ich ging in die Hocke und half ihm auf.

„Wie heißt du, Kleiner?“

„Liam“, antwortete er und sah sich nach seiner Schwester um.

Ich rief ein Hausmädchen, damit es ihm half, sein Zimmer zu finden.

Doch da sah ich sie bereits auf uns zukommen.

Vollständig angezogen.

Ich räusperte mich, stand auf und wich ihrem Blick aus.

Ich wollte zur Tür gehen, doch ihre scharfe Stimme hielt mich auf.

„Ich wäre dir dankbar, wenn du deiner Freundin sagen würdest, dass sie sich von nun an aus meinem Leben heraushalten soll.“

Ich ging weiter.

„Ich habe genug von ihren Problemen.“

Ich blieb nicht stehen.

„Sag ihr, sie braucht sich keine Sorgen zu machen. Ihr Mann interessiert mich nicht besonders.“

Ich ging weiter.

Reagierte nicht.

Sah mich nicht um.

---

TATUM'S POV

Er ging einfach weiter.

Ohne sich umzudrehen.

„Arroganter Bastard“, murmelte ich.

Ich wandte mich Liam zu.

Er lächelte.

„Komm, wir machen dich für deinen ersten Tag an deiner neuen Schule fertig.“

In diesem Moment erhielt ich eine Nachricht.

Der Fahrer würde sich verspäten.

Ich konnte meinen Bruder unmöglich allein in dieser riesigen, leeren Villa lassen.

Also beschloss ich, ihn vor der Arbeit zu Amelia zu bringen.

Sie hatte mich gestern Abend angerufen und mir erzählt, wie sehr sie Liam vermisste.

Ich half ihm beim Anziehen.

Anschließend bereiteten die Hausmädchen uns ein Frühstück zu.

Als wir das Auto erreichten, zögerte ich einen Moment, bevor ich es aufschloss.

Ich öffnete die hintere Tür.

Liam stieg mit seinem kleinen Rucksack ein.

Ich setzte mich neben ihn.

Wir fuhren vom Anwesen.

Doch auf halbem Weg fiel mir die Akte ein, die ich vergessen hatte.

Ich hielt vor dem Gebäude an.

„Ich bin gleich wieder da“, sagte ich zu Liam.

Er nickte.

Ich ließ ihn im Auto und eilte zurück ins Gebäude, um die vergessene Akte zu holen.

Ohne zu ahnen, was gleich passieren würde.

---

BRIANNAS POV

Ich fuhr auf das Anwesen der Villa und bemerkte sofort ein neues Auto vor dem Haus.

Für einen Moment erstarrte ich.

Ich hatte vergessen, dass Arden erwähnt hatte, dass diese Schlampe gestern einziehen würde.

Wut stieg in mir auf.

Ich starrte auf das Auto.

Dann bemerkte ich eine Bewegung darin.

Ich hasste sie so sehr, dass es mir egal war, ob sie starb.

Ich wollte sie einfach nur loswerden.

Aus meinem Leben.

Aus der Existenz.

Ich trat das Gaspedal durch.

Hart.

Das Auto schoss ruckartig nach vorne.

Ich raste auf das Fahrzeug zu und rammte es von hinten.

Der Aufprall ging durch meinen ganzen Körper.

Ich kümmerte mich nicht einmal darum, ob ich selbst verletzt worden war.

Nach der Kollision verschwamm meine Sicht.

Für einen Moment konnte ich nicht atmen.

Dann hörte ich es.

Einen Schrei aus der Villa.

Ich blickte auf.

Sie stand dort.

Die Augen weit aufgerissen.

Völlig geschockt.

„Liam!“

Ihre Stimme zerriss die Luft.

Der Name traf mich wie eine Ohrfeige.

Meine Sinne kehrten schlagartig zurück.

„Was habe ich getan?“, flüsterte ich.

Ich versuchte zurückzusetzen.

Doch ein anderes Auto blockierte mich von hinten.

Wachen stürmten zum Unfallort und zogen den Jungen aus dem Wagen.

Er blutete.

So viel Blut.

Mein Magen verkrampfte sich bei dem Anblick.

Tatum zitterte und rannte auf ihn zu, während sie seinen Namen schrie.

Ich erstarrte.

Meine Hände zitterten am Lenkrad.

Das hatte ich nicht gewollt.

Ich hatte das nicht gewollt.

Aber es war passiert.

Und ich konnte es nicht mehr rückgängig machen.

---

TATUM'S POV

Ich hatte die Akte gefunden und wollte gerade zum Auto zurückkehren, als es passierte.

Ein Auto rammte meines von hinten.

Mit voller Wucht.

Das Geräusch zerriss die Luft.

Mein Kopf wurde leer.

Wachen rannten zum Unfallort.

Ich sah, wie sie meinen Bruder aus dem Wagen zogen.

Liam.

Blut.

So viel Blut.

Für einen Moment konnte ich nicht atmen.

Ich rannte zu ihm.

Ich ignorierte das zerquetschte Metall.

Die Schreie.

Alles.

Er lag in den Armen eines Wachmanns, kaum bei Bewusstsein, sein kleiner Körper zitterte.

Blut befleckte seine Kleidung.

Sein Gesicht.

Ich sank neben ihm zu Boden.

„Nein ... nein, Liam ... bleib bei mir.“

Die Wachen versuchten, ihn zu stabilisieren, während sie hektisch einen Krankenwagen riefen.

Aber ich hörte kaum etwas.

Ich sah nur meinen Bruder.

Blutend.

Verletzt.

In meinen Armen.

Ich weinte.

Keine stillen Tränen.

Schluchzer, die mir die Kehle zuschnürten.

Meine ganze Welt schrumpfte auf diesen einen Moment zusammen.

Auf das leichte Flattern seiner Augenlider.

Auf den Versuch, etwas zu sagen, obwohl kein Wort seine Lippen verließ.

Und dann sah ich sie.

Brianna.

Sie stieg aus dem Auto hinter meinem Wagen.

Ihr Kopf blutete.

Glassplitter oder der Aufprall – es war mir egal.

Ich empfand kein Mitleid.

Nur Wut.

Reine, alles verschlingende Wut.

„Du Monster!“

Ich stürzte mich auf sie.

Ich hätte sie geschlagen.

Ich musste es.

Doch eine Hand fing mich mitten in der Bewegung ab.

Arden.

Schon wieder.

Warum war er hier?

Er war zur Arbeit gegangen.

Er hätte längst weg sein müssen.

„Lass mich los!“, schrie ich und versuchte, mich aus seinem Griff zu befreien.

„Kannst du nicht sehen, dass sie ebenfalls verletzt ist?“, schrie er.

Die Worte trafen mich wie eine Ohrfeige.

Verletzt?

Verletzt?

Ich starrte ihn an.

Unglaube brannte in meinen Adern.

„Sie hat mein Auto gerammt, weil sie dachte, ich säße darin!“, schrie ich.

„Sie hat meinen Bruder verletzt! Siehst du ihn überhaupt? Schau ihn dir an!“

Meine Stimme brach.

Ich deutete auf Liam.

Blutend.

Klein.

Hilflos.

Ardens Hand löste sich von meinem Arm.

Für einen Moment dachte ich, er hätte verstanden.

Dann wandte er sich Brianna zu.

„Stimmt das?“, fragte er.

Brianna zitterte.

Ihre Augen waren weit aufgerissen.

„Es war ein Unfall“, sagte sie schnell. „Ich habe die Kontrolle verloren. Ich wusste nicht einmal, dass es ihr Auto war.“

Eine Lüge.

Ich sah es.

Ich sah, wie sie das Auto angesehen hatte, bevor sie hineingerast war.

Ich hatte ihren Hass gesehen.

Ihre Absicht.

Sie hatte es gewollt.

„Sie sagt, es war ein Unfall“, sagte Arden zu mir.

„Sie würde niemals so weit gehen, dir wehzutun.“

Meine Kehle zog sich zusammen.

Würde niemals?

Ich starrte ihn an.

Wirklich starrte ich ihn an.

Und etwas in mir zerbrach.

„Ich wollte das nicht“, fügte Brianna hinzu, ihre Stimme zitternd.

Noch mehr Lügen.

Ich sah meinen Bruder an.

Ich hatte immer gewusst, dass diese Ehe mich etwas kosten würde.

Aber ich hätte niemals gedacht, dass sie die einzige Person gefährden würde, die mir noch geblieben war.

Liam war alles für mich.

Und jetzt bereute ich, dass ich diese verfluchte, verdrehte Vereinbarung nicht beendet hatte, als ich noch die Chance dazu gehabt hatte.

Ich hätte nie gedacht, dass Arden so grausam sein konnte.

So blind für meinen Schmerz.

„Hier geht es um das Leben meines Bruders!“, schrie ich.

Arden bewegte sich keinen Zentimeter.

„Bring ihn in meinen Wagen, Veir“, befahl er mit erschreckend ruhiger Stimme.

„Bring ihn sofort ins Krankenhaus. Er kann nicht auf den Krankenwagen warten.“

Sie hoben Liam vorsichtig hoch.

Blut.

Kleine Hände.

Augen, die kaum noch geöffnet waren.

Meine Brust zerbrach.

Ich wollte ihnen folgen.

Ich musste.

Doch Arden hielt mich zurück.

„Beruhige dich“, sagte er scharf.

„Dein Bruder ist verletzt, und das Erste, was du getan hast, war, jemanden anzugreifen, der ebenfalls verletzt ist.“

Er sah mich hart an.

„Du solltest einmal über dein eigenes Verhalten nachdenken.“

Seine Worte schnitten tief.

Wie Glasscherben.

Und ein Teil von mir wusste sogar, dass er recht hatte.

Ich hätte Brianna nicht angreifen sollen.

Ich hätte Liam festhalten sollen.

Ich hätte mich auf ihn konzentrieren müssen.

Aber dieses Wissen löschte nicht aus, was ich gesehen hatte.

Ich hatte gesehen, wie sie mein Auto gerammt hatte.

Ich hatte ihre Absicht gesehen.

Und ich würde das niemals vergessen.

„Du wirst dafür bezahlen, Brianna.“

Ich wandte mich an Arden.

„Und du auch.“

Meine Stimme zitterte vor Wut.

„Ihr beide.“

Ich schob mich an ihnen vorbei.

Keine weiteren Streitereien.

Keine weiteren Tränen.

Ich musste ins Krankenhaus.

Zu meinem Bruder.

Zu der einzigen Familie, die mir noch geblieben war.

Ich hielt ein Taxi an.

Meine Hände zitterten.

Mein Herz raste.

Als das Auto losfuhr, sah ich noch einmal zurück.

Arden stand dort.

Neben Brianna.

Er verteidigte sie.

Er glaubte ihren Lügen.

Während mein Bruder um sein Leben kämpfte.

Ich schluckte den Schrei hinunter, der mir die Kehle hinaufstieg.

Wenn meinem Bruder wegen dieser arrangierten Ehe etwas passiert, werde ich jeden töten, der an dieser Verbindung beteiligt ist.

Sogar die Hollis.

Ich meinte jedes einzelne Wort.

Und irgendwo tief in mir wusste ich die Wahrheit.

Das hier war kein einfacher Unfall.

Es war der Anfang von etwas, das uns alle zerstören würde.

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