LOGINARDENS POV
Ich fuhr auf die Auffahrt der Villa und übergab dem Butler meine Schlüssel, bevor ich hineinging. Der Alte hatte heute nach mir verlangt. Wer weiß, welchen Plan er diesmal ausheckte. Kaum betrat ich die Eingangshalle, wäre ich beinahe mit seinem persönlichen Assistenten zusammengestoßen. „Wo ist er?“, fragte ich. „Im Arbeitszimmer, Sir“, antwortete Mike. Ich nickte und ging in diese Richtung. Die Villa fühlte sich immer kalt an, selbst wenn die Klimaanlage ausgeschaltet war. Teure Kunstwerke schmückten die Wände. Alles war makellos. Alles war perfekt kontrolliert. Ein Spiegelbild des Alten selbst. Ich erreichte das Arbeitszimmer und stieß die Tür auf. Er war bereits da, über seinen Computer gebeugt und mit der Intensität eines Mannes beschäftigt, der halb so alt war wie er. Keine Begrüßung. Keine Wärme. Nur das gleichmäßige Tippen seiner Finger auf der Tastatur. „Du wolltest mich sehen?“ Langsam hob er den Blick vom Bildschirm. „Setz dich. Ich habe eine Ankündigung zu machen.“ „Ich bin beschäftigt. Sag einfach, was du zu sagen hast.“ Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und musterte mich. Die Stille zog sich. Das tat sie bei ihm immer. Als würde er es genießen, Menschen unbehaglich werden zu lassen. „Ich stehe seit einiger Zeit mit Kevin Hollis in Verhandlungen“, sagte er schließlich. „Wir haben eine Vereinbarung getroffen.“ Ich runzelte die Stirn. Eine Vereinbarung. Allein das Wort hinterließ bereits einen bitteren Geschmack in meinem Mund. Mein Magen verkrampfte sich. „Du wirst seine älteste Tochter heiraten. Tatum Hollis.“ Für einen Moment brachte ich kein Wort heraus. Der Raum schien sich leicht zu drehen. Eine Ehe. Eine arrangierte Verbindung. Schon wieder eine Entscheidung, die über mein Leben getroffen wurde, ohne mich auch nur zu fragen. Dann flammte Wut in mir auf. „Nein.“ Das Wort kam schärfer heraus, als ich beabsichtigt hatte. „Ich werde das nicht tun.“ Der Gesichtsausdruck des Alten veränderte sich nicht. Das tat er nie. „Doch. Das wirst du.“ „Warum redest du immer so, als würde ich tun, was du verlangst?“, fuhr ich ihn an. „Du weißt, dass ich es nicht tun werde. Du weißt, wie wichtig mir meine Beziehung ist. Glaubst du wirklich, ich würde meine Freundin wegen einer arrangierten Ehe verlassen?“ Sein Blick wurde härter. „Ich habe von Anfang an klargemacht, dass ich deine Beziehung zu dieser Frau nicht billige.“ Die Art, wie er das sagte – als wäre sie nichts wert – ließ meine Kiefermuskeln angespannt werden. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dich um deine Zustimmung gebeten zu haben.“ „Arden!“, donnerte er. Ich richtete mich auf, wich aber keinen Zentimeter zurück. „Du hast schon vor langer Zeit die Kontrolle über mein Leben verloren. Ich bin nicht mehr der zehnjährige Junge, der wegen allem zu dir gerannt ist.“ Für einen Moment flackerte etwas in seinen Augen auf. Kein Bedauern. Keine Wärme. Etwas Kälteres. „Ich kontrolliere noch immer, was wichtig ist“, erwiderte er. Da war sie. Die Drohung. Wie immer. Die Firma. Das Erbe. Alles, wofür ich gearbeitet hatte. Alles, was ich eines Tages übernehmen sollte. Ich schluckte schwer. „Ich glaube nicht, dass ich etwas verlieren kann, das schmerzhafter wäre als das, was du mir bereits genommen hast.“ Die Worte blieben zwischen uns hängen. Schwer. Ungelöst. Ich drehte mich um, um zu gehen, doch er sprach erneut. „Glaub nicht, dass du mächtig genug bist, dich gegen mich zu stellen.“ Seine Stimme war jetzt leise. Gefährlich leise. „Wenn ich deinen Vater zu Fall bringen konnte, kann ich dasselbe mit dieser Schauspielerin tun, mit der du dich so stolz in der Öffentlichkeit zeigst.“ Ich erstarrte. Mir blieb die Luft weg. Er bluffte nicht. Nicht nach allem, was er meinem Vater angetan hatte. Ich hatte die Geschichten gehört – geflüsterte Bruchstücke unserer Familiengeschichte. Wie mein Vater sich geweigert hatte, die Frau zu heiraten, die der Alte für ihn ausgesucht hatte. Wie er es gewagt hatte, jemanden zu lieben, den die Familie für unter unserem Stand hielt. Und wie der Alte ihn Stück für Stück zerstört hatte, bis nichts mehr von ihm übrig geblieben war. Eine Lektion in Gehorsam. Eine Warnung. Ich biss die Zähne zusammen. Ich weigerte mich, so zu leben. Eine Ehe ohne Wahl. Ein Leben, das auf Pflichten aufgebaut war. Eine Liebe, die von Kontrolle erstickt wurde. Ich verließ den Raum, bevor er noch ein Wort sagen konnte. Der Flur schien länger als sonst. Jeder meiner Schritte hallte durch die Stille. Ich fuhr direkt zu Damiens Bar – dem einzigen Ort, der sich nicht wie ein Gefängnis anfühlte. Neonlichter. Leise Musik. Eine Atmosphäre, in der Probleme an den Rand des Bewusstseins verschwammen. Ich fand Damien in seiner privaten Lounge. „Hey“, sagte ich, als ich eintrat. Er sah auf. „Du siehst beschissen aus.“ Ich ließ mich auf einen Stuhl fallen. „Der Alte ist wieder dabei.“ Er hob eine Augenbraue. „Was hat er diesmal vor?“ „Er hat eine Eheallianz mit der Familie Hollis arrangiert.“ Damien pfiff leise durch die Zähne. „Welche Tochter?“ „Die älteste.“ Er grinste. „Ich glaube, ich habe sie schon einmal gesehen. Wunderschön. Definitiv der Traum eines jeden Mannes.“ Ich warf ihm einen genervten Blick zu. Dafür hatte ich gerade überhaupt keinen Kopf. „Nicht meiner. Ich habe sie nicht einmal kennengelernt. Ich bin mit Brianna zusammen.“ Damien seufzte. „Dein Großvater will nicht, dass du mit Brianna zusammen bist, Arden. In unserer Welt geht es bei Ehen nicht um Liebe. Sie sind Geschäftsverträge.“ Die Worte gingen mir gegen den Strich. „Ich will nicht, dass meine Ehe zu einer Geschäftstransaktion wird. Nicht nachdem ich selbst in einer solchen aufgewachsen bin.“ Er musterte mich. „Hast du wirklich eine Wahl?“ Diese Frage. So einfach. Und doch traf sie mich wie ein Schlag. Ich wandte den Blick ab. Ich antwortete nicht. Weil ich es nicht wusste. Vielleicht hatte ich nie eine Wahl gehabt. Vielleicht war jeder Weg in meinem Leben längst für mich vorgezeichnet worden. Ich rieb mir die Schläfen. Mein Kopf dröhnte. Brianna würde ausrasten, sobald sie davon erfuhr. Sie glaubte an uns. An eine gemeinsame Zukunft. An etwas Echtes. Wie sollte ich ihr das erklären? Wie sollte ich ihr begreiflich machen, dass der Alte seinen Willen in jeden Bereich meines Lebens zwang? Ich brauchte einen Ausweg. Eine Strategie. Ein Schlupfloch. „Vielleicht solltest du mit—“ Ich warf ihm einen Blick zu, und er verstummte. „Schon gut“, sagte er schließlich. „Erst trinken. Später nachdenken.“ Das war Damiens Lösung für jedes Problem. Und heute Nacht war sie gar nicht so schlecht. Als ich später die Bar verließ, schlug mir die kalte Nachtluft entgegen. Still. Ruhig. Mein Handy vibrierte. Eine Benachrichtigung von The California Herald erschien auf meinem Bildschirm. Ich runzelte die Stirn und öffnete sie. BREAKING NEWS: Arden Voss angeblich mit ältester Tochter der Familie Hollis verlobt Los Angeles – In einer Verbindung, die Insider als eine der größten Geschäftsallianzen des Jahres bezeichnen, soll der Milliardenerbe Arden Voss Tatum Hollis, die älteste Tochter des Technologiemoguls Kevin Hollis, heiraten. Quellen aus dem Umfeld beider Familien bestätigen, dass die Verhandlungen zwischen den Voss- und Hollis-Imperien bereits seit Monaten laufen. Die Verlobung soll Berichten zufolge Anfang dieser Woche offiziell beschlossen worden sein. Obwohl keine der beiden Familien bisher eine offizielle Stellungnahme abgegeben hat, vermuten Branchenanalysten, dass die Verbindung zu einer mächtigen Fusion zwischen zwei der einflussreichsten Unternehmensdynastien Kaliforniens führen könnte. Innerhalb weniger Minuten explodierten die sozialen Medien. Nutzer fragten sich, ob es sich bei der Verbindung lediglich um eine strategische Geschäftsentscheidung handelte oder um eine geheime Liebesgeschichte, die bisher vor der Öffentlichkeit verborgen geblieben war. Vertreter von Arden Voss lehnten eine Stellungnahme ab. Weitere Updates folgen, sobald sich die Geschichte entwickelt. Ich starrte auf den Bildschirm. Mein Griff um das Handy wurde fester. Natürlich. Er hatte es bereits getan. Die Figuren verschoben. Die Ankündigung veröffentlicht. Öffentlich. Kein Raum für eine Leugnung. Kein Ausweg. Der Alte spielte immer Schach. Und ich war eine seiner Figuren. Aber dieses Mal ... würde ich mich nicht bewegen lassen.Ardens POVIch räusperte mich – ein scharfes, bewusst gesetztes Geräusch, das die dichte Spannung im Raum durchdringen und sie aus ihrer eigenen Fantasiewelt reißen sollte. Sofort fuhren sie auseinander. Amelias Gesicht war hochrot, und ihre Augen huschten nervös umher wie bei einem Kind, das mit der Hand im Keksglas erwischt worden war. Damien hingegen blieb, wie zu erwarten, völlig gelassen.„Was geht, Mann?“, sagte er mit ruhiger, viel zu lässiger Stimme.„Was machst du hier?“, platzte Amelia heraus.„Das sollte ich wohl eher dich fragen“, entgegnete ich und lehnte mich gegen den Türrahmen. Mein Blick verweilte bewusst auf dem Abstand zwischen den beiden. „Wenn ich nicht hereingekommen wäre – wie weit wäre das Ganze wohl noch gegangen?“„Sie ist kein Kind, Arden“, mischte Damien sich ein. Sein Ton klang beinahe defensiv.„Ich... ich muss gehen.“ Amelia wartete gar nicht erst auf eine Antwort. Sie drängte sich an mir vorbei, den Kopf gesenkt, und strahlte eine deutliche Verlegenheit
Amelias POVViel zu nah. Viel, viel zu nah.„Wirst du in meiner Nähe wirklich nervös?“, fragte er.„Wer hat dir das eingeredet?“, fragte ich.„Deine Ohren verraten dich. Weißt du das?“, fragte er.Verdammt!Meine Ohren verrieten mich bei jeder sich bietenden Gelegenheit.„Das ist ganz normal. Das bedeutet nicht, dass ich lüge“, sagte ich und wich von ihm zurück.„Das glaube ich dir nicht“, erwiderte er.„Ich gehe.“Ich schnappte mir meine Tasche und stand auf.„Warum? Habe ich dich etwa unwohl fühlen lassen?“, fragte er, wobei sein Blick mich auf eine Weise musterte, die viel zu anziehend war.„Nein, ich bin beschäftigt“, sagte ich und ging davon.Er lief mir hinterher und packte mein Handgelenk.„Ich bringe dich nach Hause“, sagte er.„Nein.“Ich schob seine Hand weg und ging, ohne mich zu verabschieden.Ich weiß nicht, warum ich das getan hatte, aber ich musste einfach gehen.Zu Hause angekommen, schleuderte ich meine High Heels quer durch den Raum, bevor ich mich auf das Sofa falle
Tatums POV „Mr. Smiths Assistent hat angerufen. Er sagte, er wird bald hier sein“, verkündete Chloe. „Oh, okay. Wenn er die benötigten Dokumente bringt, überprüfe sie bitte, bevor du sie zu Briannas Manager bringst. Falls dir irgendetwas verdächtig vorkommt, sag mir Bescheid“, wies ich sie an. „Natürlich, kein Problem“, sagte sie und verließ mein Büro. Mein Handy klingelte. Ich sah auf das Display, um zu sehen, wer anrief. Überraschenderweise war es mein Vater. „Warum ruft er an?“, fragte ich mich, bevor ich ranging. „Hallo?“ Er schwieg eine Weile. „Dad?“, rief ich. „Ich brauche deine Hilfe bei etwas Wichtigem“, sagte er. Seine Stimme klang so ernst wie noch nie. „Ich bin gerade ziemlich beschäftigt“, sagte ich. „Die Firma macht enorme Verluste, Tatum“, sagte er. „Was meinst du damit, dass die Firma Verluste macht?“, fragte ich und wurde langsam aufgebracht. „Wenn wir die Firma weiterführen wollen, brauchen wir Geld“, sagte er. Natürlich. Genau das hatte er schon imme
Tatums POVNach nur wenigen Tagen, in denen ich in die Familie Voss verwickelt war, war mein Leben bereits unerträglich geworden. Das war der einzige Gedanke, der mir durch den Kopf ging, als ich die Villa betrat.„Willkommen zurück, Madam“, begrüßte mich das Hausmädchen.„Danke“, erwiderte ich und schenkte ihr ein müdes Lächeln.Ich hörte das deutliche Klappern von Besteck und blickte in Richtung Esszimmer. Arden aß bereits zu Abend.Ich beschloss, höflich zu sein.„Guten Abend“, sagte ich, als ich an ihm vorbeiging.Er sah nicht einmal auf. Er warf mir lediglich einen kurzen Blick zu und aß dann weiter.Was hatte ich von diesem Arschloch auch erwartet?, dachte ich bitter.Ich ging direkt in mein Zimmer, um mich frisch zu machen und wieder an die Arbeit zu gehen.Der heutige Tag war so stressig gewesen, dass ich sogar vergessen hatte, bei meiner Wohnung vorbeizuschauen, um mein Auto abzuholen.Später, als ich meine Aufgaben endlich erledigt hatte, fiel ich erschöpft ins Bett und schl
Tatums POVAm nächsten Morgen wachte ich auf und machte mich für die Arbeit fertig. Ich entschied mich für ein marineblaues Maxikleid aus weichem Rippjersey, das elegant bis zu meinen Knöcheln fiel. Es war professionell und gleichzeitig bequem. Dazu trug ich einen schmalen Ledergürtel, der das Outfit perfekt abrundete. Nachdem ich mich dezent geschminkt hatte – gerade genug, um wach und frisch auszusehen –, ging ich zum Frühstück ins Esszimmer.Arden war bereits dort und saß über seinen Teller gebeugt. Er sah nicht einmal auf. Stattdessen ignorierte er meine Anwesenheit, als wäre ich ein Geist.„Guten Morgen“, sagte ich, wobei meine Stimme in dem großen Raum beinahe unterging.Das Hausmädchen servierte mir schweigend mein Frühstück. Die Stille im Esszimmer war ohrenbetäubend und wurde nur vom leisen Klirren meines Löffels an der Keramiktasse unterbrochen, während ich meinen Tee umrührte.Nachdem ich fertig gegessen hatte, kam das Hausmädchen zurück, um den Tisch abzuräumen.„Mach heut
Tatum’s Sicht„Fass mich nicht so an!“, fuhr ich ihn an, meine Stimme scharf wie eine Klinge.Er ignorierte mich, seine Finger krallten sich fest um mein Kinn. Ich stemmte mich gegen ihn und versuchte, mich loszureißen, aber sein Griff war eisern.„Wie konntest du mich schlagen?“, zischte er, sein Ton triefend vor eisigem Zorn.„Weil ich es kann!“, erwiderte ich trotzig.„So redest du nicht mit mir“, knurrte er, sein Griff um meinen Kiefer schmerzhaft fester werdend. „Ich habe mit dir noch nicht einmal die Rechnung für den Schlag gegen Brianna beglichen, und jetzt schlägst du mich? Was glaubst du, was für ein Recht du hast?“„Habe ich auch nicht. Lass mich los“, sagte ich durch zusammengebissene Zähne.„Nein, das werde ich nicht.“„Ich habe dich gewarnt“, sagte ich, meine Stimme auf ein gefährliches Niveau sinkend. „Ich habe dir gesagt, du sollst sie nicht vor mir auftauchen lassen. Ich habe mich ganz klar ausgedrückt: Ich würde für ihre Sicherheit nicht garantieren, wenn sie es tut.“







