LOGINÉlenaDer Ring ist an meinem Finger. Ich kann meine Augen nicht von diesem Ring lösen, von diesem Kreis aus Weißgold, der sanft im Morgenlicht funkelt. Er ist zuerst kalt, das Metall gegen meine Haut, dann erwärmt er sich, als würde er sich akklimatisieren, als würde er die Temperatur meines Körpers annehmen, als wäre er immer schon da gewesen.Ich drehe ihn langsam um meinen Ringfinger, fasziniert. Er ist schlicht, diskret, perfekt. Keine ostentativen Steine, keine komplizierten Gravuren. Ein fast nackter, fast bescheidener Kreis. Aber für mich ist er das schönste Schmuckstück der Welt. Weil er von ihr kommt. Weil er alles in sich trägt, was wir durchgemacht, überwunden, uns versprochen haben.Er ist wir.Adriana kniet noch immer vor mir, in unserer Küche, zwischen Brotkrümeln und Kaffeetassen. Ihre Augen sind voller Tränen, dieser seltenen Tränen, die sie nur in Momenten absoluter Emotion vergießt. Sie, die nie weint, oder so selten. A
Adriana Es ist ein Morgen wie jeder andere. Ein Novembermorgen, grau und mild, wo das blasse und melancholische Licht durch das Küchenfenster filtert. Die Bäume des Platzes unten am Gebäude haben ihre Blätter verloren, ihre nackten Zweige zeichnen sich gegen den tiefen Himmel ab. Die Heizung summt leise und hüllt die Wohnung in eine samtige Wärme. Élena steht vor dem Fenster, eine dampfende Kaffeetasse in den Händen. Sie trägt ihren alten Flanellmorgenmantel, den sie sich weigert wegzuwerfen, trotz meiner wiederholten Versuche, ihr einen eleganteren anzubieten. Ihre Haare sind zu einem ungefähren Dutt hochgesteckt, einige wilde Strähnen entweichen um ihr Gesicht. Sie betrachtet die Dächer von Paris, die rauchenden Schornsteine, den gleichmäßig grauen Himmel. Sie ist schön, unglaublich schön, von dieser Morgenfrische, ohne Kunstgriffe, ohne Make-up, die Augen noch vom Schlaf geschwollen, die Wangen vom Kissen gezeichnet. Di
AdrianaIch hätte nie geglaubt, dass die Adoption ein so langer, so mühsamer, so mit bürokratischen Fallstricken gespickter Weg sein würde. Ich, die erfahrene Geschäftsfrau, gewohnt an komplexe Verhandlungen, an sophistizierte Finanzkonstrukte, an Kraftproben mit den furchterregendsten Raubtieren des Wirtschaftsdschungels, ich stehe hilflos, fast gedemütigt, vor dem Papierkram, den Fristen, den pedantischen Anforderungen der Sozialdienste.Aber wir sind zusammen, und das ist es, was zählt. Jedes ausgefüllte Formular ist ein Sieg. Jedes bestandene Gespräch ist ein Schritt weiter zu unserem Kind.Der erste Schritt war der schwierigste, der einschüchterndste: die Tür der Adoptionsagentur zu öffnen, dieses große graue Gebäude im dreizehnten Arrondissement, sich als Frauenpaar vorzustellen und den Blicken zu begegnen. Einige waren wohlwollend, warmherzig – eine junge Sozialarbeiterin, die uns anlächelte, als hätte sie diesen Moment erwartet. Andere wa
Dann gehe ich tiefer. Meine Finger spreizen ihre Schenkel, sanft, ehrfürchtig. Meine Lippen legen sich auf ihr feuchtes Fleisch, bereits nass vor Verlangen nach mir. Sie schreit, ein Schrei, der im Schlafzimmer widerhallt, der durch die Wände dringen muss, der die Nachbarn alarmieren muss, aber das ist mir egal. Dieser Schrei, ich habe ihn auswendig gelernt, ich kenne ihn in all seinen Nuancen, und er hört niemals, niemals auf, mich zu erschüttern.Meine Zunge zieht langsame Kreise über ihre Klitoris, variiert den Rhythmus, den Druck, die Intensität. Meine Finger dringen in sie ein, zwei Finger, die sich krümmen, um diesen Punkt in ihr zu finden, diesen Punkt, den nur ich kenne. Und ich spüre, wie sie sich ganz anspannt, ihr Rücken sich wölbt, ihre Hände die Laken packen, ihre Schenkel sich um meinen Kopf schließen.Sie kommt, schreit meinen Namen, ihre Finger graben sich in mein Haar, ziehen mich näher, hindern mich daran, zu entkommen. Und dieser Klang, mein Name
AdrianaDie Tür fällt leise ins Schloss, und ich stehe bereits auf, unfähig, auch nur eine Sekunde länger sitzen zu bleiben. Ich habe den Abend damit verbracht, wie ein rastloser Geist durch das Wohnzimmer zu wandern, meine nackten Füße zogen obsessiv Kreise auf dem Parkett, unfähig zu lesen, unfähig zu arbeiten, unfähig, an etwas anderes zu denken als an dieses Café im Marais, wo sie ihm gegenübersaß. Ihm. Thomas. Ihrem Ex-Mann. Dem Mann, mit dem sie zehn Jahre ihres Lebens geteilt hat, zehn Jahre Morgen, zehn Jahre Nächte, eine Vergangenheit, die ich nicht auslöschen kann, Erinnerungen, zu denen ich niemals Zugang haben werde, eine Intimität, die ich nicht für mich beanspruchen kann.Ich habe mich dabei ertappt, mir ihr Gespräch vorzustellen, gegen meinen Willen, und jedes Detail, das in meinem Geist auftauchte, war eine Klinge, die sich in der Wunde drehte. Ihre Blicke, die sich kreuzen, ihre Schweigen, die mehr sagen als Worte. Hat er sie zum Lachen g
Dann steht er langsam auf, beinahe wie ein alter Mann, obwohl er noch nicht vierzig ist. — Ich muss gehen. Danke, dass du gekommen bist. Danke, dass du mir zugehört hast. Danke, dass du mich nicht unterbrochen hast. — Danke dir, Thomas. Für alles. Für diese zehn Jahre. Für deine Güte. Für deine Hilfe während des Prozesses. Dafür, dass du der Mann bist, der du bist. Er beugt sich zu mir, und ich stehe ebenfalls auf. Er gibt mir einen Kuss auf die Wange, leicht und sanft, einen Abschiedskuss. Vielleicht den letzten. Seine Lippen verweilen eine Sekunde länger, als wollten sie diesen letzten Kontakt für immer im Gedächtnis bewahren. Dann geht er. Die Hände in den Taschen seines Mantels, den Rücken leicht gekrümmt, eine einsame Gestalt, die langsam in der Pariser Menschenmenge verschwindet.







